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Die Welt · 1909-09-03 · 36 (3.9.1909) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
36 (3.9.1909)
Date
1909-09-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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794 DIE ELT No. 36 f M t I! > 1 11 w. f *: V' *W "■■ fr i 't fj' ■ X 䣫1 IM«, i** »' w» <n -IC Weges. Der Anblick dieser Menge von Leuten aus seiner Gasse wirkt wie ein elektrischer Schlag auf ihn. Er läßt den Karren stehen, eilt hin und schließt sich einfach rückwärts an, ohne zu fragen, um was es sich da eigentlich handle. Drüben an der Gartenplanke hat sich ein schlankes Mädchen—das hier unter den Männern nicht stehen dürfte — auf den Sockeides Gaskandelabers geschwungen,überschattet die Augen mit der Hand und blickt merkwürdig ernst und mit herrlicher Ruhe nach dem Perron hinüber. Keiner der Vorübergehenden wagt sich mit einem Scherzworte oder einem kecken Zuruf an diese adelige Gestalt hinauf. Und sichtlich schmilzt dieser harrende Menschenhaufen zu einem einzigen Körper zusammen, in welchem ein einziges Herz in fiebernder Erwartung schlägt, aus dem nur eine einzige bebende Stimme flüstert und der mit einem einzigen großen, leuchtenden Blick nach dem Bahndamme hinausschaut. Alle, die es hierher getrieben hat, um das erste Begrüßungswort des Rabbi mit durstigen Lippen aufzusaugen, sind längst versammelt. Keiner tritt mehr zu den Wartenden hinzu — und doch wächst der Haufen mit jeder Sekunde. Er reckt sich gleichsam immer höher, wird sehnig und breitschultrig und wirft den Kopf zurück. Hier steht, befreit von dem Brandmal der Verachtung, losgelöst aus der Enge des elenden Schacherlebens, herausgehoben aus dem Schmutz der Trödelbuden — das Volk. Das Volk in seiner ewig jungen Begeisterungsfähigkeit, in seiner kostbaren naiven Gläubigkeit, das Volk, verklärt von seiner reinen Sehnsucht nach heiliger Größe. Wie eine Phalanx ist es jetzt zusammengeschweißt, eine eherne Mauer, die vergeblich die - derben Griffe und mürrischen Befehle der Schutzleute zu durchbrechen versuchen. Denn diese Stimmung, die nicht aus billiger Schaulust erstand — es gilt keinen Fürstenempfang mit Trommelwirbel und Fahnenschwenken und keine Parade goldstrotzender Uniformen —, hat das Häuflein engbrüstiger, blutarmer Menschen mit dem Ranzer unnahbarer Größe umschlossen. Wer wagt e.-, jetzt „Hepp, Hepp" zu rufen? Wer von euch, ihr müßigen Gaffer, getraut sich heranzutreten und sie an den Stirnlocken zu zerren? Wer vermöchte jetzt ein Spottlied zu singen oder mauschelnd den Synagogengesang zu äffen? Er ist angekommen. Sie haben sich hastig um ihn gedrängt und ihn fortgeführt in die schützenden Gassen, jenseits des Wawel. In geziemendem Abstand ist ihnen das Mädchen gefolgt, mit glutübergossenen Wangen, betroffen von der milden Schönheit seiner Augen. Der Bahnhofsplatz ist leer. Einer steht aber noch lange da, wie von einer starken, brausenden Melodie ergriffen und festgebannt und verlassen mit seiner Liebe für die Brüder, die dort hinter den Häusern verschwanden, weil er ihnen ein Fremder geworden ist.. . OOOOOOOjj /p==-===- o o o o o o o Jj AUS DER BEWEGUNG f[ o o o~o o o O O Q O O O Bericht über die Sitzung des Engeren Aktionskomitees Am 29. August fand in Köln im Zionistischen Zentralbureau eine Sitzung des Engeren Aktionskomitees statt, an der die Herren Präsident D. Wolffsohn, J. H. Kann, Prof. Dr. Warburg und Herr Dr. Ruppin, Leiter des Palästinaamtes in Jaffa, teilnahmen. Zunächst berichtete Herr Wolffsohn, der vor kurzem von einer längern Reise aus Konstantinopel zurückgekehrt ist, über die Ergebnisse dieser Reise, insbesondere über die jetzige politische Lage und über die Maßnahmen, die getroffen worden sind, um die öffentliche Meinung in der Türkei über das Wesen des Zionismus aufzuklären. Sehr ausführlich wurde die Frage behandelt, zu welcher Zeit und an welchem Orte der neunte Kongreß stattfinden soll. Die von einigen Seiten geäußerten Wünsche, den Kongreß bis zum Sommer des Jahres 1910 zu verschieben, konnten nicht berücksichtigt werden, da sich sonst das A. C. in illegaler Weise mit den Bestimmungen des Organisationsstatutes in Widerspruch gesetzt hätte. Es wurde beschlossen, den Kongreß vom 26. bis 31. Dezember 1909 stattfinden zu lassen. Als Ort des Kongresses wurde Hamburg bestimmt, für dessen Wahl gegenüber den andern in Betracht kommenden Orten überwiegende Gründe sprachen. Es wurde beschlossen, den Schluß der Schekelsammlung auf den 15. Oktober festzusetzen. Die Überweisung der Schekelgelder soll bis zum 31. Oktober, die Abhaltung der Wahlen in der Zeit vom 1. bis 7. November und die Einsendung der Wahlprotokolle bis zum 30. November erfolgen. Es wurde ferner beschlossen, in den Tagen vom 13. bis 15. Oktober eine Sitzung des Großen Aktionskomitees nach Köln einzuberufen. Zu gleicher Zeit werden auch Sitzungen des Aufsichtsrates des Jewish Colonial Trust,_ des Jüdischen Nationalfonds und des Vereins „ Olbaumspende" stattfinden. Herr Dr. Ruppin erstattete Bericht über die Arbeiten in Palästina, der vom engern A. C. zur Kenntnis genommen wurde. Herr Professor Warburg berichtete über die Beschlüsse der Agrarkommission, die Ende Juli in Berlin eine Sitzung gehabt hat. Die Mitteilungen der Herren Wolffsohn und Warburg über die Sammlungen für das zu Ehren Dr. Max Nordaus zu errichtende Mikrobiologische Institut in Palästina werden zur Kenntnis genommen. Herr Professor Warburg wurde ersucht, in Berlin ein Komitee zu bilden, das die Propaganda für die Sammlungen und die Ausführung des Projektes in die Hand nehmen soll. Es wird ferner beschlossen, beim A. C. zu beantragen, die zionistischen Vereine aufzufordern, Sammlungen für irgendwelche Zwecke in zionistischen Kreisen nur dann zuzulassen, wenn diese Zwecke vorher vom A. C. genehmigt sind.

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