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Die Welt · 1909-09-03 · 36 (3.9.1909) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
36 (3.9.1909)
Date
1909-09-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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eine derartige Fülle von Arbeiten — natürlich verschiedenartiger Qualität — teologischen, beschreibenden, naturwissenschaftlichen, historischen, ökonomischen und politischen Inhalts — gerchaffen, von der man sich kaum einen Begriff zu verschaffen vermag. Sie würden zusammengetragen allein an und für sich schon eine mächtige Bibliothek ausfüllen können. Abgesehen davon, daß viele jüdische wie christliche Arbeiten aus dem Mittelalter zum Teil durch verschiedene kriegerische Umwälzungen uns völlig verloren gegangen sind und zum Teil bis heute noch unediert und unbekannt in verschiedenen öffentlichen, klösterlichen und privaten Bibliotheken in Europa wie im Orient schlummern, vermögen wir heute selbst die seit der Entdeckung der Buchdruckerkunst veröffentlichen Palästinaarbeiten kaum zu übersehen. Dazu kommt noch der Umstand, daß bei manchen Autoren — speziell im Mittelalter — Theologie und Palästina mit Bibelkunde derart eng verschlungen sind, daß man auf den ersten Blick kaum gewahr wird, daß in diesen Arbeiten wertvolles Material für die Palästinakunde aufgespeichert ist, und man oft in ganz fremden Materien recht viel Palästinamaterial findet, wobei man aber zuguterletzt nicht weiß, ob man das betreffende Buch zur Theologie oder zur Disziplin der Palästinaforschung zählen soll. Die historische und naturwissenschaftliche Seite der Erforschung Palästinas hat seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, nachdem die Verkehrsverhältnisse besser geordnet und speziell, nachdem seit dem Krimkriege auch Nichtmuselmanen der Besuch vieler Stätten zugänglich gemacht worden ist, einen ungewöhnlich großen Aufschwung genommen und eine respektable, für die wissenschaftliche Erforschung Palästinas sehr wertvolle Literatur gezeitigt. Abgesehen von den Bibliographien Steinschneiders, Toblers und Röhrichts, die bloß die alte und neue geographische Literatur Palästinas aufzählen und mehr als 1000 Druckseiten ausfüllen, zeigen noch die Berichte Sacins, Quthes und Bensingers usw. in den verschiedenen Fachzeitschriften von der Fülle der auf dem Gebiete der Palästinaforschung in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts gelieferten Arbeiten. Neben den vielen Forschungsreisen und den sozialökonomischen Unternehmungen der verschiedenen Nationen ist infolge der vielen altpalästinensischen Funde und archäologischer Ausgrabungen in den letzten 2 Dezennien, die neues Licht in das innere Leben des alten kanaanitischen und israelitischen Palästina brachten, die Palästinaliteratur derart bereichert worden, daß es für einen, der sich für die neueste Palästinaforschung interessiert, kaum möglich war, in der Fülle der vielen neuen Arbeiten sich zurecht zu finden und die betreffende Literatur zu übersehen. Es ist deswegen ein nicht zu unterschätzendes Verdienst für die Palästinaforschung, wenn sich Herr P. Thomsen der nicht geringen Mühe unterzogen hat, alles, was seit dem Jahre 1895 in selbständigen Werken wie in Zeitschriften auf Palästina Bezug hat, zusammenzutragen und in einem Werke dem für Palästina und seine Forschung sich interessierenden Publikum aufzuzählen. Vor uns liegt der erste Band dieses verdienstvollen Werkes*), der die Palästinaliteratur von 1895 bis 1905 verzeichnet. Der Verfasser *) Systematische Bibliographie der Palästinaliteratur. Auf Veranlassung des deutschen Vereins zur Erforschung Palästinas bearbeitet von Peter Thomsen, Dr. phil. I. Band 1895—1904. XVI u. 204 Seiten. Verlag Rudolf Haupt, Leipzig und New York.* hat sich der nicht geringen Mühe unterzogen, alles was in den Jahren 1894—1905 in fast allen europäischen Sprachen in Bezug auf Palästina erschienen ist, in dem Buche aufzuzählen. Zur leichteren Orientierung bei der Benutzung dieser Arbeit sind die Bücher nach Disziplinen eingeteilt, entsprechend den Materien, die in ihnen behandelt werden. Die einzelnen Abschnitte zählen separat auf I. Allgemeines: Bibliographie, Zeitschriften, Jahresberichte, Biographisches, IL Geschichte, III. Historische Geographie und Topographie, IV. Archeologie, V. Neue archäologische Funde, VI. Das moderne Palästina [in welchem Kapitel diein Deutschland erschienene zionistische Literatur aufgezählt wird], VII. Geographie. Zur leichtern Auffindung der Autoren ist am Schluß ein Register beigefügt, durch das man leicht herausfinden kann, auf welcher Seite * und wie oft jeder Autor im Buche vorkommt. Man sieht, wie der Verfasser sich durch die systematische Gruppierung der einzelnen Arbeiten nach Disziplinen Mühe gegeben hat, die Benutzung des Buches trotz der Fülle des darin aufgehäuften Materials zu erleichtern und zugänglich zu machen. Wir können in dieser Hinsicht dem Verfasser — der sich übrigens schon früher, durch seine Arbeit Loca Sancta, ein Verzeichnis der im 1.—6. Jahrhundert n. Chr. erwähnten Ortschaften Palästinas mit besonderer Berücksichtigung der Lokalisierung der biblischen Stätten, im Kreise der Palästinaforscher einen wohlverdienten Namen erworben hat — unsere vollste Anerkennung zollen und das Buch jedermann bestens empfehlen. Trotz dieser Anerkennung können wir doch nicht umhin, auf eine klaffende Wunde aufmerksam zu machen, aus der diese Arbeit stark blutet u. z. die vollständige Ignorierung der in den Jahren 1895—1905 auf dem Gebiete der Palästinaliteratur entstandenen hebräischen Arbeiten. Eine Arbeit, die sich speziell mit der Palästinabibliographie beschäftigt, kann doch unmöglich die für die Palästinaforschung so hochwichtige hebräische Palästinaliteratur mit Schweigen übergehen. Ja, wenn vereinzelt hier und da eine hebräische Arbeit erwähnt wird, so sind die Angaben oft nicht richtig. So gibt z. B. der Verfasser Seite 9 an: Luncz: Palästina-Almanach Jahrgang I—X, deutsch und hebräisch, während dieser Pälästina-Almanach nie deutsch sondern ausschließlich in hebräischer Sprache erschienen ist. Durch eine unrichtige Information wurde wahrscheinlich dieser Palästina-Almanach mit dem Palästinensischen Jahrbuche „Jerusalem" verwechselt, dessen erste 4 Bände (1882—1892) zwar deutsch und hebräisch erschienen sind, dessen aber in den Jahren 1901 und 1903 [und 1907] erschienenen Teile ausschließlich hebräisch sind. Daher kommt es auch, daß die in diesen Sammlungen für die historische Palästinaforschung wertvollen Arbeiten von Friedmann, Kaufmann, Kraus, Luncz u. a. und speziell das von Kaufmann im Band 5 (1898—1901) veröffentlichte interessante, von Dawid aus Karpi (Italien), aus dem Jahre 1625 stammende Itinerarium aus Palästina in der Thomsenschen Arbeit überhaupt nicht erwähnt werden.*) Zu seiner Verteidigung muß zugegeben werden, daß es für einen in Deutschland arbeitenden Gelehrten, bei dem Umstände, daß bei dem in Deutschland veröffentlichten bibliographischen Ausweise die hebräische Literatur fast gar nicht berück- *) Der von Kaufmann in der Allg. Zeit. d. Jud. 1898 veröffentlichte Brief Dawid de Rossis aus dem Jahre 1534 wird Seite 27 angeführt. 2

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