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Die Welt · 1909-08-27 · 35 (27.8.1909) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
35 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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und Griechentum, der mehr eine kirchliche als nationale Form trug. Hier geht nun, dem „Sabah" zufolge, ein ganz neuer Prozeß vor: der einer Annäherung der beiden Elemente. Die beiden Kirchen, die seit dem Jahre 1870 in Patriarchat und Exarchat gespalten waren, und jede Verbindung miteinander abgebrochen hatten, sind zu einer Einigung gelangt. Diese geht unter folgenden Bedingungen vor sich: Das bulgarische Exarchat wird von Konstantinopel nach Bulgarien übergeführt; die bulgarischen Gottesdienste werden in bulgarischer Sprache abgehalten; die religiösen Vertreter Bulgariens werden vom Exarchat ernannt werden; hingegen werden die religiösen Angelegenheiten der Türkei sowohl wie Bulgariens, wie ehemals, vom ökumenischen Patriarchat geleitet werden. Diese Einigung ist für die zukünftigen innern Schicksale der Türkei vielleicht von großer Bedeutung. Man geht kaum fehl, wenn man sie bis zu einem gewissen Grade für das Resultat der antinationalistischen Politik der gegenwärtigen Regierung hält, wie sie sich am bezeichnendsten in dem neuen Vereinsgesetz verkörpert. Wir haben darin vielleicht den Anfang zur Bildung einer Phalanx gegen das nationalistische Türkentum zu erblicken. Nicht ohne tiefere Bedeutung ist, daß ausländische Einflüsse in der Einigung eine große Rolle spielten, und daß ihre Quelle Rußland ist, das einen verdächtigen Eifer dabei entwickelte. Diese Erscheinung und ihre verborgenen Ziele sind es, worauf der „Sabah" die Aufmerksamkeit der türkischen Regierung und des türkischen Elements lenkt. Das Duell Ebuzzia Tewfik-Mazliach Natürlich nur ein Presseduell, keines mit Schlägern oder Pistolen. Die Auseinandersetzung über die Erzeugnisse der antisemitischen Phantasie des Deputierten Ebuzzia Tewfik ging in der letzten Woche fort. Nissim Effendi Russo, Redakteur des „Ittihad" und Freund des Deputierten Mazliach, forderte in einem energischen offenen Briefe Ebuzzia zur Widerlegung des Dementis von Mazliach auf; Der Apostrophierte, der inzwischen ebenfalls von seiner Reise zurückgekehrt war, hat diese Widerlegung, die zugleich eine Rechtfertigung seiner skandalösen Publikation sein sollte, zwar versucht, aber sie ist recht schwach ausgefallen. Sein Antisemitismus trat nur noch krasser zutage. Nissim Effendi Mazliach verfehlte natürlich auch nicht, seinerseits sich neuerdings zu äußern. Und hiermit ist die traurige Affäre, die der Komik nicht ganz entbehrt, einstweilen geschlossen. Beide Teile blieben bei ihrer ersten Darstellung; aber der Antisemitismus hat moralisch sehr schlecht abgeschnitten. In der öffentlichen Meinung ist er als antikonstitutionell und als Verhetzer der Elemente, und somit als staatsgefährlich erkannt und gebrandmarkt worden. Manchem türkischen Juden hat aber dieser Vorfall die Augen geöffnet. Von der Aschken asimge mein de Das öroßrabbinat fährt fort, der Anerkennung dieser Gemeinde Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Es beginnt, an dem Verträge, den die Aschkenasim seit zwanzig Jahren mit dem sephardischen Konsistorium haben, und der ihre Rechte und Pflichten genau festlegt, Ausstellungen zu erheben, und lehnt seine Neubestätigung ab. Dem Vertrage zufolge hat die Gemeinde der Aschkenasim allmonatlich sechstausend Piaster aus der einlaufenden Gabella zu empfangen. Diese Summe versuchte das Konsistorium, obwohl sie in das diesjährige Budget der Großgemeinde eingestellt worden ist, auf 1500 herabzusetzen. Das Komitee der neuen Aschkenasimgerneinde hat jedoch einstimmig dies Ansinnen abgelehnt und beschlossen, wenn der Mischlisch nicht die Bestimmungen des Kontrakts baldfälligst erfüllt, den Klageweg gegen ihn zu beschreiten. Der Gedanke einer völligen Gemeindeseparation wurde bis zur Erledigung dieser Angelegenheit zurückgestellt. Gegenwärtig werden die Unterschriften sämtlicher Mitglieder der beiden Mischlische für eine Petition an das Großwesirat gesammelt, die die kräftige Beihilfe der Staatsgewalten zur regulären Eintreibung der Gabellasteuer anruft. Die aschkenasischen Mitglieder des Mischlisch umumi haben Einstweilen, bis zur Erledigung des schwebenden Konflikts zwischen der Aschkenasimgerneinde und dem Großrabbinat, ihre Unterschrift verweigert. Revue der Presse Die jüdische Presse Konstantinopels hat eine neue Erweiterung erfahren. Dieser Tage ist, 24 Seiten stark, zum ersten Male die Wochenschrift „El Judeo" — „Hajehudi" in spaniolischer Sprache erschienen. Der Herausgeber El Nekawe verdient für seinen hochinteressanten Versuch alle Anerkennung. Der bisher hier eingeführten spaniolischen Presse gegenüber gibt das neue Blatt nicht ein Sammelsurium von Kopien^ aus den Tagesblättern über alles Mögliche und Unmögliche, sondern eine Reihe ernst angelegter Aufsätze, gediegener Informationen und ansprechender Poesien, alle jüdischen Charakters. Der Typus der gutnationalen Wochenschrift wird am besten zutage treten, wenn wir in folgendem seinen Inhalt nach den Überschriften der Artikel resümieren: Programmartikel von Dawid El Nekawe — An meine Brüder (Appell für die hebräische Sprache) von A. A. Kabak — Der Zionismus und die Juden von Isak Ferreira — Lomnazeach Sedawid (hebräische Knittelverse kritischen Charakters) von Menachem Farchi — Quinto, Erzählung — Paginas historicas von Baruch — Das orientalische Judentum von Jaques Perachja — Im eschkachech (hebräisches Gedicht) von M. Dolitzki — Max Nordau (Würdigung) — Gustav Karpeles (Würdigung) — Die Frauen der Bibel von Jehudith — Aus dem universellen Judentum — Das Jahr 5669 in Rußland — Jüdische Varietäten — Geschichte Sabbatai Zewis. Aus den bloßen Titeln spricht der umfassende Geist, der hinter dem Blatte steht. Hoffen wir, daß es auf seiner Höhe bleibt. Die „Aurore" in französischer Sprache fährt in ihrer flotten populären Aufklärungsarbeit fort. Die letzten Nummern brachten als Leiter eine sachkundige Erläuterung des Baseler Programms. Der „Tiempo" gefällt sich neuerdings im Antizionismus. Die Angriffe und Kritiken sind aber allzu kindlich, um irgendwelche Beachtung auszulösen. Das Vereinsgesetz Der berüchtigte Paragraph 4 des neuen Vereinsgesetzes, der jede politische Verbindung auf der Basis der Rasse oder des Glaubens verbietet, ist vom Senat angenommen worden. Somit sind die Hoffnungen auf ein Vermeiden dieser gefährlichen Klippe und ihrer Wirkungen, die verhängnisvoll werden können, gescheitert. Auch der Zionismus wird mit diesem Paragraphen zu rechnen und seine Organisationsformen ihm anzupassen haben. Die Einwanderungsfrage in der Kammer Die von der Kammer eingesetzte Kommission zum Studium der Immigrationsangelegenheiten legte, infolge der massenhaften Einwanderung von Muselmanen aus Bulgarien in das Wilajet Adrianopel, dem Parlament den Antrag vor, diese Immigranten auf den Pachtungen der Zivilliste unterzubringen und dafür einen Kredit von zweihunderttausend Mark anzuweisen. Auf Eingreifen des Armeniers Sohrat hin wurde die Bezeichnung „Muselmanen" in diesem Antrage entfernt und durch „ottomanische Einwanderer" ersetzt, da die zu treffenden Maßregeln auf keine bestimmte Rasse oder Religion eingeschränkt werden sollen. Einwanderungsgesuch Hier wird verbreitet, daß dreihundert jüdische Familien aus Bjelostok die ottomanische Regierung um die Erlaubnis zur Einwanderung angegangen hätten. Die „Aurore" will sogar wissen, daß ein Abgesandter dieser Familien mit einer Petition an den Großrabbiner, um seine Vermittlung zur Anweisung von Terrains in gleichviel welchem Teile des Reiches, hier bereits eingetroffen sei. Die Immigranten wollen ottomanische Untertanen werden. Wir registrieren diese Nachricht mit allem Vorbehalt. Aus der Provinz Die Demission des Oberrabbiners von Adrianopel erfolgte auf Anlaß der Gemeindeleitung, weil er als Mitglied der Stadtverwaltung keinen Protest gegen die Verlegung des Wochenmarktes zu Demotica vom Donnerstag auf den Samstag erhoben, sondern den Verlegungsbeschluß mitunterzeichnet hatte. Der Chachambaschi hat die Demission nicht angenommen. In Smyrna ist eine jüdische „Association pourle developpement physique" gegründet worden. Ihr Zweck ist den Statuten zufolge „die physische Kräftigung und Entfaltung der jüdischen Jugend der Stadt, um so für die Zukunft eine regenerierte Gemeinde vorzubereiten, die aus gesundem und tatkräftigem Elementen bestehen soll." Das Ehrenkomitee des Turnvereins bilden die Herren Hazan und Nabon; den provisorischen Vorstand die Herren: Karl Hornfeld, E. Enriquez und J. JachieL

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