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Die Welt · 1909-08-27 · 35 (27.8.1909) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
35 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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führung gelangte. Mit dem Absingen der „Hatikwah" und des poale-zionistischen „Schwures" schloß . der offizielle Teil] der Feier. Bis in die späte Nachtstunde hielt ein gemütliches Tanzkränzchen die Anwesenden beisammen. Bad Krynica. Die hier weilenden Gesinnungsgenossen veranstalteten am 1. Elul zur Ehrung unseres Altmeisters Dr. Max Nord au im Restaurant Reich eine Versammlung. Dieselbe wurde von Herrn I. Perlberger aus Lemberg geleitet. Die Herren Friedmann, Karp, Katz und Beizer verstanden es, durch ihre Vorträge das Interesse der zahlreich erschienenen Zuhörer zu fesseln. Eine für das mikrobiologische Institut eingeleitete Sammlung ergab ein recht gutes Resultat. Ungarn Gyulafehervar (Karlsburg). Bis vor wenigen Wochen kannte man hier kaum den Begriff des Zionismus. Nunmehr haben wir aber in der Metropole jüdischen Lebens und Strebens von Siebenbürgen eine Ortsgruppe gegründet. Dies ist um so freudiger zu begrüßen, als unsere Stadt eine der ältesten jüdischen Gemeinden von Siebenbürgen ist und auf eine drei Jahrhunderte alte kulturelle Entwicklung im jüdischen Leben zurückblicken kann. Auf Veranlassung unseres ausgezeichneten Gesinnungsgenossen Dr. J. Ronay aus Ballasfalva entsandte die ungarische Landeszentrale in Budapest Herrn Dr. J. Kahan hierher, der in einer großen Versammlung in der städtischen Redoute einen Vortrag über die Bestrebungen und Endziele der zionistischen Bewegung hielt. In formvollendeter und zu Herzen gehender Weise legte der Referent dar, daß der Zionismus in keinerlei Weise das patriotische Gefühl der Juden in den verschiedenen Ländern berühre oder irgendwie zu lockern suche. Das Ziel des Zionismus sei vielmehr die Errichtung einer Heimstätte im Lande unserer Väter, in weicher dem Verfolgten unter unsern Brüdern die Möglichkeit einer menschenwürdigen Existenz geboten werden kann. Der ethische Zweck, der unserer großen Bewegung in erster Linie den Stempel verleiht, sei, dem innerhalb des Judentums um sich greifenden Indifferentismus Einhalt zu tun und die Zusammengehörigkeit des jüdischen Volkes nach allen Richtungen zu betätigen. Die glänzenden Ausführungen des Herrn Dr. Kahan wirkten so nachhaltig, daß alle Anwesenden die aufliegende Beitrittserklärung für eine zu bildende Ortsgruppe unterschrieben. Die Konstituierung erfolgte am 15. ds. Mts. Herr Dr. J. Ronay leitete gemeinsam mit Herrn Dr. Theo Fischer, dem Sohne des hiesigen Rabbiners, Alexander Fischer, die konstituierende Generalversammlung, die folgenden Verlauf nahm: Alterspräsident Dr. J. Ronay begrüßte in kurzen Worten die Erschienenen und ließ durch den Schriftführer, Herrn Jos. Altmann, den Entwurf der Vereinsstatuten vorlegen, die nach einigen stilistischen Abänderungen angenommen wurden. Folgende Herren wurden in den Vorstand gewählt: Dr. J. Ronay als Ehrenpräsident, Dr. Theo Fischer als Präsident, und die Herren: Dr. Armin Fried und Großhändler Adolf Weiß als Vizepräsidenten; Kaufmann Bela Ungar als Kassierer und die Herren A. Meiseis und L. Fried als Schriftführer. Ferner gehören dem Vorstande an: Kgl. Rat und Städt. Oberphysikus Dr. Nathan Bernat, Städt. Arzt Dr. Simon Hartenbaum, Großgrundbesitzer Julius Jonas de Berve, Großkaufmann Adolf Deutsch, Advokat Dr. Demeny, Kaufmann Izidor Lobstein, Großhändler Nandor Fuchs, Kaufmann Szalkei Sandor, Weinhändler Josef Reisz, Arzt Dr. Vajna Izidor, Advokat Dr. I. Erdös, Kaufmann Josef Breslauer und Josef A ltmann. Nachdem noch beschlossen wurde, das Zionistische Zentral-* organ allen Vereinsmitgliedern zum regelmäßigen Bezug zu empfehlen, wurde die Versammlung unter lebhaftem Beifall aller Anwesenden geschlossen. Südafrika Johannesburg. Die in der Wanderer-Hall stattgefundene Herzl-Gedenkfeier bedeutete für die Veranstalter gewissermaßen eine große Überraschung. Man war bis jetzt der Ansicht, daß die Anziehungskraft einer solchen Feier hauptsächlich darin lag, daß sie in der Synagoge abgehalten wurde, und ein großer Teil der Anwesenden nur kam, um dieser religiösen Andacht den Stempel einer Gemeindeveranstaltung zu verleihen. Die letzte Gedenkfeier hat aber gezeigt, daß die wirkliche Ursache für den schönen Verlauf der großen Versammlung lediglich in der Verehrung, Liebe und Ehrfurcht liege, die alle Juden dem Andenken unseres geliebten verewigten Führers entgegenbringen, und daß man gekommen war, um sowohl seinen hohen Charakter zu ehren, als auch die große Bewegung, zu welcher er den Anstoß gegeben hat, zu unterstützen. Die Versammlung bot in der Tat ein merkwürdig erhebendes Bild. Lange vor Eröffnung der Feier war der Saal mit Vertretern aller Schichten der Gesellschaft dicht besetzt. Arme und Reiche, Mächtige und Einfache, feurige Zionisten und solche, die sich bisher mit der Bewegung noch nicht abgegeben haben, waren erschienen, um ihrer Verehrung für Herzls Leber und Wirken Ausdruck zu verleihen. Es ist aber notwendig, hier festzustellen, daß die „United Zionists of* Johannesburg" ihr Mög lichstes aufgeboten hatten, um zu verhindern, daß die Gedenkfeiei von der Synagoge getrennt werde. Die Johannesburger Zionisten glauben vielmehr mit Herzl, daß „der Rückkehr ins Judenland eine Rückkehr zum Judentum" vorangehen müsse, und die vereinigten zionistischen Gruppen müssen daher nochmals hier feststellen, daf> es nicht ihr Wunsch gewesen ist, die Jahrzeitfeier in einem öffentlichen Versammlungssaal, anstatt an geweihter Stelle abzuhalten Allein, sie wurden davon verständigt, daß unsere verehrten Rabbinei beschlossen hatten, künftig auf unsern Herzl-Gedenkfeiern nich! mehr zu predigen, und nachdem die Vorstände unserer Gemeinde einem Laien nicht erlauben, in den Synagogen Ansprachen zu halten, so hatten die Zionisten keine andere Wahl, als die Feier in diesem Jahre in einem öffentlichen Saale abzuhalten. Die hiesigen zionistischen Führer bedauern diese Sachlage außerordentlich, und alle diejenigen, die unserer Bewegung freundlich gesinnt sind mögen überzeugt sein, daß wir unserm altehrwürdigen Glauben stets mit den Gefühlen der tiefsten Verehrung, Liebe und Treue gegenüberstehen. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Konfliktszeit Europa hat dafür vorgesorgt, daß die innere Entwicklung dei Türkei, die es mit Emphase von ihr fordert, sich möglichst wemV ruhig vollziehe. Nach der bosnischen und bulgarischen Frage hiu es ihr die kretische beschert. Denn es ist kein Zweifel, daß Europa an dem gegenwärtigen Konflikt die größte Schuld trägt. Ohne die gönnerhafte Einmischung der Mächte, ihre übelwollende Knebelung der Türkei nach deren Siege von 1897 und ohne ihre, auf Kosten der gerechten Ansprüche des ottomanischen Reiches den aufsässige); Kretern gemachten Versprechungen wäre jetzt keine Gefahr eineneuen orientalischen Krieges und keine Unterbindung des Wohle:^ der drei beteiligten Länder der Türkei, Griechenlands und Kretas, vorhanden, Einstweilen hat die Türkei durch ihr kraftvolles Auftreten einer gewissen Vorteil errungen, aber bis zur Beruhigung ist es nocl weit. Und eine Zeitlang war das politische Wetter so stürmisch daß in Europa die wildesten Gerüchte und die pessimistischste Stimmung über die weitere Existenz der Türkei platzgreifen konnten. Ihr Gutes hat die offene, wenn auch gefahrvolle Auseinander setzung zwischen Türkei und Griechenland doch gehabt: eine moralische Entlastung der ottomanischen Griechen. Indem man den Ruhestörer draußen erkannte und entlarvte, fiel ein großer Teil der Verantwortung von den mitangeklagten inländischen Griechen; die Kraftentfaltung der Türkei und die Kläglichkeit des neuen Hellas übten wiederum auf diese eine heilsame, ernüchternde Wirkung; und der entfachte allottomanische Patriotismus gab ihnen Gelegenheit, ihre Loyalität und Reichstreue mit allen andern zu manifestieren. Der Erfolg macht sich in etwas bereits fühlbar; der Boykott, der die hellenischen Waren und Personen trifft, unterscheidet sorgfältig zwischen diesen und dem ottomanischen Griechentum, das davon unberührt bleibt. So ist gerade aus dem brennendsten nationalen Konflikt heraus eine gewisse Besserung in den nationalen Beziehungen der beiden westtürkischen Majoritätsvölker eingetreten, die ihre günstige Nachwirkung auf die andern Nationalitäten und ihre Probleme, das jüdische und zionistische eingeschlossen, nicht verfehlen wird. In der allgemeinen patriotischen Aufwallung haben die Juden, wie die andern Reichselemente, ihren Mann gestanden; an einer Stelle sogar mit einem Übereifer, der allzu deutlich an die Achadha'amistische „Abduth b'thoch cheruth" erinnert, der unangenehm auffiel und sofort von der griechischen Presse mit einer gewissen Ironie gegen die Juden allgemein ausgebeutet wurde. Glücklicherweise blieb der Fall vereinzelt und verschwand so ohne Bedeutung. Das Patriarchat und Exarchat Das nationale Problem in der europäischen Türkei scheint künftig ein völlig verändertes Licht zu gewinnen. Bisher war der Hauptgrund der mazedonischen1 Kämpfe der Antigonismus zwischen dem Bulgaren-

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