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Die Welt · 1909-08-27 · 35 (27.8.1909) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
35 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 35 DIE3§£ELT 777 f □ □ Ü' □ □ □ A»-i-- FEUILLETON ORIENTBILDER m Prinkipo wird türkisch „hysyl uda", die rote, oder „bujuk uda", die große Insel genannt. „Hysyl" ist eine poetische Benennung. Im Abendrot glüht die Insel wie ein Rubin, sie hat auch stellenweise rote Erde, was man an der Küste wahrnehmen kann. „Rot ist das Land" könnte man nach helgoländischer Art sagen. „Bujuk uda" ist eine ganz genaue Bezeichnung, denn Prinkipo ist wirklich die größte der Prinzeninseln. Von Chalki-ist sie nur durch eine schmale Meerenge getrennt, liegt am meisten nach Osten, hat ca. 15 km im Umfang und übertrifft an Höhe die Nachbarinseln. Die Insel ist stark bevölkert und verhältnismäßig auch gut kultiviert. Das Meer bietet nicht so viel Abwechslung, farbenreiches Leben und regen Verkehr wie die Wasserstraße des Bosporus, die den Aufenthalt an dessen Küsten höchst interessant machen, aber kein einziger Ort am Bosporus ist so kultiviert wie Prinkipo. Die Stadt liegt auf der Nordseite. Die Dampfschiffe legen an einem weit ins Meer hinausgebauten steinernen Molo an; der Molo sieht etwas primitiv aus, er ist niedrig und wird bei einem stärkern Wellenschlag ganz vom Wasser Übergossen, woran die auf ihm spazierenden Kinder ihre Freude haben. Nach der östlichen Richtung liegt die eigentliche griechische Stadt mit den Wohnhäusern der Eingeborenen, — das richtige Griechenland mit dem byzantinischlevantinischen Gepräge. Westlich davon, wo die Küste steiler wird, zieht sich eine lange Reihe schöner Villen mit wohlgepflegten Ziergärten, hin, in denen griechische, armenische, levantinische und europäische Familien Villeggiatur halten. In Prinkipo leben beständig 40 bis 50 jüdische Familien, doch bilden sie keine Gemeinde. Es sind sephardische Familien, meistens arm, und ernähren sich vom Kleinhandel. Außerdem bringen auch manche wohlhabende jüdische Familien in Prinkipo ihre Ferien zu. Unter den Armeniern und Griechen erkennt man sie nicht leicht, man erkennt sie aber doch. Es kommen auch manche an Sonn- und Feiertagen zum Besuch ihrer Verwandten und Bekannten heraus. Man sieht so manchmal im Hotelsalon eine israelitische Gruppe, in den Kombinationen des Bridgespiels ganz aufgehend. Wegen seiner schönen und durchsichtigen Luft, seiner üppigen Pflanzenwelt und seiner Bäder ist Prinkipo ein angenehmer Sommeraufenthalt. Mit den Bädern ist es zwar eine eigene Sache; man badet in einem kleinen Kasten oder man schwimmt ins Meer hinaus. Es ist kein richtiger Strand, es fehlt alles, was zu einem Seebad gehört. Die Natur hat das ihrige getan; das Meer ist da, aber die Einrichtungen sind versintflutlich. Man denke sich einen solchen Ort in den Händen der Belgier! Wunderschön sind die warmen Sommernächte: kleines, buntes Hotelleben, am Landungsplatz auch viel Volksleben mit Musik und Feuerwerk, ein Durcheinander von Sprachen und Trachten, ein angenehmes Gewühl mit karnevalistischer Sommerfrischestimmung. Man braucht aber nicht im Städtchen herumzuflanieren. Es gibt Ausflüge genug ins Freie, ins Große, wo man das Gedränge und das Feilschen nicht sieht und wo man der Natur näherrückt. Für entzückende Spaziergänge ist Platz genug. Die Insel besteht aus zwei Bergen, von denen der höhere, südlichere, ganz unbebaut ist. Ich wüßte kaum über den Grund irgendeine Vermutung aufzustellen; es ist hier so gang und gäbe, daß man große Strecken ganz und gar nicht bebaut. Beide Berge sind (Jurch eine Einsattlung miteinander verbunden. Für unsereinen wären schon diese schönen Berge im Meere genügend, aber die frommen christlichen Gemüter bedurften noch der Klöster. Also trägt jeder der beiden Berge ein Kloster, der niedrigere der Nordhälfte, über dem Orte Prinkipo, das des Agios Christos, der höhere, auf der südlichen Seite, das des Agios Georgios. Ein drittes, Agios Nikolaos, liegt unten im Tal auf der Ostseite der Insel, gegenüber der Insel Antirobito. Prinkipo soll einst ganz mit Fichtenwald bedeckt gewesen sein, jetzt existiert derselbe nur noch in der Mitte der Insel, in der Umgebung der Klöster. Man kann sich kaum etwas Schöneres denken als eine Fahrt, noch besser ein Spaziergang durch die Insel. Man fährt dem Meer entlang durch die Villenstraße, dann durch Wein- und Olivengärten, senkt sich bei einer Dampfmühle in ein kleines Tal hinab und wendet sich dann landeinwärts bis zu der Stelle, wo die beiden Berge, wie oben erwähnt, durch eine Einsattlung verbunden sind. Ein steil ansteigender Fußweg führt von dort durch Myrten- und Terebinthengebüsch hinauf bis zur Fernsicht, die sich von dort aus, neben dem Kloster eröffnet. Von dort sieht man im Süden — Niandro, im Osten — Antirobito. Ernst und düster ist der südliche Abhang mit dem nackten Gestein und mit dem zum Meer herabfallenden Felsen. Solche Spaziergänge gibt es viele, und jeder bietet Aussichten. Schön und frei ist jetzt dieses Prinkipo, das in der Geschichte wiederholt als VerbannungsortvonKaiserinnen und — als Schauplatz der Landung feindlicher Flotten genannt wird. In den Klöstern seufzen keine verbannten Kaiserinnen und an dem Molo steht keine feindliche Flotte. Anstatt der Kaiserinnen spazieren graziös die Königinnen der Schöpfung, ein Wetteifer griechischer und türkischer Schönheiten, und am Molo legen nur die Dampfer an, — mit regelmäßiger Verspätung. IV Das Panorama, welches Konstantinopel beim Einfahren in das Marmarameer bietet, ist unvergleichlich malerisch und eigentlich das Schönste, Großartigste, was diese Millionenstadt mit ihrem exotischen Zauber bietet. Von einer pittoresken Berglandschaft umrahmt, an einem stromartigen Meereskanal gelegen, welcher zwei Welten, den Orient und den Okzident, scheidet, hat es in der Nadelform der Minaretts, in der Kuppelung der Moscheen, in dem Zitadellensystem der Konaks, in den Kunstformen überhaupt, seit Bajazit I., der geschworen hatte, auf seinem Leibpferde in die Peterskirche zu Rom einzureiten, nicht gewechselt und so der Hauptstadt des Türkenreichs das konservative \l .t.N h '< .n '■*■'? * Ü .> \ * i

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