Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 35 (27.8.1909)
- Date
- 1909-08-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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besorgen. Sie wird es auf diese Weise den europäischen Kapitalisten, welche von der fortschreitenden Entwicklung Palästinas und den steigenden Bodenpreisen profitieren wollen, möglich machen, Land in Palästina zu kaufen ind zu verkaufen, ohne daß sie es nötig haben, für dieses Parzellierungsgeschäft eine eigne Administration n Palästina zu unterhalten. j) Übernahme aller landwirtschaftlichen Arbeiten Außer dem eigentlichen Parzellierungsgeschäft wird lie P. L. D. C. auch sonstige landwirtschaftliche Arbeiten, B.Einrichtung von Wirtschaften, Anlage von Pflanzungen iür eigne und für fremde Rechnung unternehmen. e) Ausbildung imJ Ansiedlung von Arbeitern Auf den Ländereien, welche die P. L. D. C. auf die >ben beschriebene Weise für die Parzellierung vorbereitet oder für eigne oder fremde Rechnung bewirtschaftet, wird zugleich jüdischen Arbeitern die Gelegenheit gegeben sein, sich unter der Leitung eines erfahrenen Landwirtes i^iite landwirtschaftliche Kenntnisse anzueignen. Dabei wird die P. L. D. C. darauf Bedacht nehmen, den Eifer der Arbeiter durch eine Beteiligung am Ertrage des Rodens und der Viehwirtschaft anzuspornen und ihnen durch die Erträge aus der Gewinnbeteiligung die allnähliche Aufsparung eineskleinenKapitals zu ermöglichen. Denjenigen Arbeitern, die auf diese Weise sich so viel leid gespart haben, um das lebende und tote Inventar fir eine kleine Wirtschaft aus eignen Mitteln anzuschaffen, will die P.L. D.C. später dazu verhelfen, ein Stück Land ils Pächter zu bewirtschaften — ev. durch Bildung on Pächtergenossenschaften — und auch in Raten- 'ahlungen als Eigentum zu erwerben. Diese Methode der Selbständigmachung von Arbeitern bietet deshalb eine bessere Aussicht als ähnliche bisher vorgenommeneVersuche,weil die P.L.D.C. die Möglichkeit uat, die Tüchtigkeit des einzelnen Arbeiters während seiner mehrjährigen Tätigkeit kennen zu lernen und so fiur wirklich geeignete Personen der Landwirtschaft zuzuführen. Auf der andern Seite unterscheidet sich diese Kolomsationsmethode von allen philanthropischen Methoden ladurch, daß sie durchaus auf geschäftlicher Basis beruht md dem Arbeiter nichts gibt, wofür sie *nicht von ihm einen nach geschäftlichen Grundsätzen berechneten Gegenwert erhält. Es sei hierbei erwähnt, daß die Jewish Colonisation einen ähnlichen wie den hier bezeichneten Weg zur Seßhaftmachung von Arbeitern in Palästina bereits eingeschlagen hat, und zwar auf der Farm Sedschera in Galiläa. Die landwirtschaftlichen Bedingungen waren in Sedschera durch Mangel an Wasser, schlechten Boden und schlechte Wege exceptionell ungünstig; nichtsdestoweniger hat sich Sedschera nach einigen schweren Jahren günstig entwickelt, und von dem Plane, Sedschera aufzugeben, ist heute keine Rede mehr. Vielmehr hat die J.CA. die Kolonisationsmetode von Sedschera neuerdings auch in Leloir (Argentinien) wiederholt. Bisherige Tätigkeit der P. L. D. C. Die P. L. D. C. hat ihre Arbeit in Palästina bereits begonnen. Sie hat vom Jüdischen Nationalfonds dessen Land in Kinereth am Tiberiassee gepachtet, das 6500 Dunam besten Ackerbodens umfaßt, und dort eine Qutswirtschaft eingerichtet, auf der bis 40 jüdische Arbeiter beschäftigt werden. Der Jüdische Nationalfonds hat sein Interesse für die P. L. D. C. dadurch bekundet, daß er als Gegenwert für das 99jährige Pachtrecht Qründeraktien der P. L. D. C. übernommen hat. Rechtliche Form der P. L. D. C. Die P. L. D. C. ist als englische Aktiengesellschaft mit einem Nominalkapital von 50000 Pfund Sterling (eingeteilt in Qründeraktien ä 50 Pfund Sterling und gewöhnliche Aktien ä 1 Pfund Sterling) eingetragen. Alle äußern Bedingungen, nicht zum wenigsten die konstitutionelle Ära in der Türkei, sind ihrer Arbeit günstig. So wird sie hoffentlich imstande sein, nicht nur ihren Aktionären eine angemessene Dividende zu gewähren, sondern auch der von allen Seiten herbeigesehnten stärkern landwirtschaftlichen Besiedlung Palästinas durch Juden einen neuen Anstoß zu geben. Berlin W15, im Juli 1909. Bleibtreustr. 34/35. The Palestine Land Development Company Ltd, gez. Prof. Dr. O. W a rb u r g, Vorsitzender des Direktoriums. P.S. Sämtliche Parteiblätter werden um vollinhaltlichen Abdruck vorliegenden Exposes gebeten. Kaiserlicher „Berat" für S. E. den Großrabbiner des ottomanischen Reiches Nach der französischen Übertragung des Kapu-Kehajas des Großrabbinats Von Dr. Israel Auerbach Vorbemerkung des Übersetzers. Vergangene Woche ist dem Chacharnbaschi der Kaiserliche Firman über seine Bestallung zugegangen. Die Anerkennungsakte erhält dadurch erhöhte Wichtigkeit, daß sämtliche Privilegien, die das jüdische Großrabbinat seit Jahrhunderten in der Türkei genießt, darin miteingeschlossen sind. Man hat somit Gelegenheit, die wahren Rechte und Vollmachten kennen zu lernen, die dem Chacharnbaschi zu eigen sind. Wie der weiter zitierte Wortlaut zeigt, sind diese von nicht geringer Bedeutung. Freilich muß in Betracht gezogen werden, daß die Beschränkungen dieser Vollmacht, Absetzungsmöglichkeiten usw,, nicht mitaufgeführt sind, sondern in den Bestimmungen des Chachamchane- Nisarnnamnessi sich vorfinden, die die Wahlvorschriften und die Vollmachten des Mischlisch ruchani und umumi enthalten. Außerdem darf nicht vergessen werden, daß überhaupt die konstitutionellen Gesetze einzelne Privilegien des Großrabbinats ziemlich illusorisch machen, und ihre Fortentwicklung höchstwahrscheinlich seine Macht weiter zerbröckeln werden. Gleichwohl ist, was übrig bleibt, noch genug, um dem Oberhaupt der ottomanischen Juden eine ganz außerordentliche Autorität zu sichern, die er, falls er der Rechte auf seinem Platze ist, zu großem Segen, im andern Falle zum Ruin des orientalischen Judentums benützen kann. Einige der Privilegien des Berats erweisen sich schon durch den Gegenstand, den sie betreffen, und ihren Stil als sehr alten Datums. * * *