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Die Welt · 1909-08-27 · 35 (27.8.1909) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
35 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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774 DIE 3^ ELT No. 35 1'f'tvU, ftlMl weiter schmälern und oft zu einem vollständigen Mißerfolge der Kolonisation führen. 7. Geringe Aussichten zum Vorwärtskommen für Landarbeiter Die bisher angegebenen Schwierigkeiten gelten hauptsächlich für solche Leute, die, mit einem Kapital von 12 000 bis 15000 Francs (5000 bis 6000 Rubel) ausgerüstet, in Palästina -sofort eine selbständige bäuerliche Existenz begründen wollen. Noch größer als für sie, sind die Schwierigkeiten für die unbemittelten jungen Leute, die ohne Mittel nach Palästina kommen, um als Landarbeiter hier zu arbeiten. Palästina könnte einen'noch viel größern Zufluß dieser Arbeiter bekommen und damit ein für die Kolonisation außerordentlich wertvolles xMenschenmaterial ins Land ziehen, wenn es möglich wäre, den Arbeitern ein Nallmähliges Aufsteigen zu einer selbständigen Existenz zu ermöglichen. Bisher hat der unbemittelte Arbeiter bei den palästinensischen Lohnsätzen keine Möglichkeit, Qeld zu sparen und aus eignen Kräften zu einem Stück Boden und zu einem Häuschen zu gelangen. Diese Aussichtslosigkeit der Lage der jüdischen Arbeiter schreckt viele jungen Leute in Osteuropa von der Auswanderung nach Palästina ab und hat sogar viele eingewanderte Landarbeiter wieder aus Palästina vertrieben. Zur Abhilfe all dieser Hemmnisse der Kolonisation ist die PalestineLand Development Company Ltd. gegründet worden. Ihr Qeschäftsplan ist folgender: a) Bodenerwerb Sie unterhält juristische und agronomische Beamte in Palästina und kann dadurch verhältnismäßig leicht die Schwierigkeiten des Landerwerbs überwinden. Sie will größere Landstücke, sobald sie aus arabischen Händen günstig angeboten werden, erwerben, um sie im Verlauf von einigen Jahren durch jüdische Arbeiter unter der Leitung eines Agronomen in Kultur zu bringen, sie mit Straßen und Brunnen zu versehen und dann an Juden weiterzuverkaufen. b) Parzellierung für eigene Rechnung Vorbildlich sind für sie bei ihrer Tätigkeit die Methoden, welche in den östlichen preußischen Provinzen die deutsche „Landbank", die polnische „Bank Ziemski" und die preußische Ansiedlungskommission bei der Ansiedlung von Bauern befolgen. Allein die Ansiedlungskommission hat in der Zeit von 1886 bis 1907 353 383 Hektar (= ca. 4 000 000 Dunam) Land für 306 Millionen Mark von Großgrundbesitzern erworben und auf diesem Lande bisher mehr als 12000 Bauernwirtschaften neu geschaffen. Aber auch die Polen haben, obwohl sie natürlich überall auf den Widerstand der preußischen Regierung stießen, Tausende neuer Wirtschaften begründet, und diese Leistung verdient um so größere Beachtung, als sie mit relativ geringen Mitteln (die zwischen 1890 und 1905 gegründeten polnischen Parzellierungsgenossenschaften hatten im Jahre 1905 ein Kapital von nicht mehr als 2160000 Jt) zustande gebracht ist. Die Erfahrungen, welche all diese zwecks Schaffung neuer Bauernwirtschaften gegründeten Institute, insbesondere die preußische Ansiedlungskommission, während einer zwanzigjährigen Tätigkeit erworben haben, die genaue Beobachtung aller Zustände und Verhältnisse in den neu gegründeten Bauernkolonien haben eine Parzellierungswissenschaft entstehen lassen, die dem Ziele dient, auf die bestmögliche Weise eine standesbewußte, wirtschaftlich starke bäuerliche Bevölkerung und zahlreiche, mit den vollkommensten wirtschaftlichen Wohlfahrtseinrichtungen ausgestattete Gemeinwesen (Kolonien) zu schaffen. Die Umwandlung vom Großgrundbesitz in bäuerliche Dörfer ist ein Prozeß von einiger Dauer. Die Ansiedlungskommission beginnt nicht sofort, nachdem sie ein Gut erworben hat, mit der Parzellierung. Das Gut wird vielmehr zunächst im Auftrage der Kommission von einem Verwalter weiter bewirtschaftet, der zugleich die notwendigen Vorbereitungen für die Parzellierung zu treffen hat. Je nach der Lage, der Qualität des Bodens usw. werden während dieser sogenannten „Zwischenwirtschaft" Bodenverbesserungen durch Düngung vorgenommen, Wege angelegt, Gräben gezogen, Drainagen durchgeführt, alles Dinge, die von einer einheitlichen Zentralstelle aus am zweckmäßigsten getan werden können. Dann wird der Boden in kleine bäuerliche Parzellen geteilt, die in der Regel 10 bis 15 Hektar groß sind. Um eine solche Ansiedlerstelle zu übernehmen und mit Gebäuden zu versehen, ist eine Anzahlung von 7000 bis 8000 Mark notwendig. Wer nur etwa 4000 Mark hat, wird als Pächter angesetzt. Endlich siedelt die Kommission auch Arbeiter an. Eine Arbeiterstelle umfaßt 1 bis 11h Hektar, und um eine solche zu erwerben, bedarf es eines Kapitals von nur 225 Mark. Bei dem Aufbau der Gebäude hilft die Kommission durch Gespannleistung, und sie überläßt die Baumaterialien zum Selbstkostenpreis. Nach dieser Methode gedenkt auch die P. L. D. C. zu verfahren. Auch sie will ein gekauftes größeres Grundstück zuerst durch einen landwirtschaftlichen Verwalter bewirtschaften lassen, der mit Lohnarbeitern den Boden in bessere Kultur bringt und ihn durch Anlegung von Wegen und Brunnen, durch Feststellung der Grenzen usw. für die Parzellierung vorbereitet. Je nach der Lage und Beschaffenheit des Bodens ist innerhalb der Verwaltungszeit zugleich für Regulierung der Bewässerung und für die Anlage von Fruchtbäumen zu sorgen, damit der Körnerbau die in Palästina so wertvolle Ergänzung durch den Pflanzungsbau erfährt. Bei der Parzellierung wird die P. L. D. C. bestrebt sein, neben den eigentlichen Bauernstellen von 200 bis 250 Dunam und den Arbeiterstellen von 10 bis 20 Dunam auch eine größere Wirtschaft von etwa 1000 Dunam unter Leitung eines tüchtigen Landwirts zu schaffen, damit die neu angesiedelten Kolonisten an dieser größern Wirtschaft einen Rückhalt haben und durch ihr Beispiel landwirtschaftlich geschult werden. Auch bei der Ansiedlung von Bauern in den preußischen Ostprovinzen wird durch Bildung eines sogenannten „Restgutes" darauf Rücksicht genommen, neben den Bauernwirtschaften auch eine größere Gutswirtschaft entstehen zu lassen, damit diese als Mustergui den kleinen Besitzern in der richtigen Bearbeitung des Bodens und in der Aufzeigung der besten landwirtschaftlichen Methoden mit gutem Beispiel vorangeht. c) Parzellierung für fremde Rechnung Die P. L. D. C. will die Parzellierung von Grundstücken sowohl mit angemessenem Gewinn für eigene Rechnung als auch gegen Berechnung einer mäßigen Kommissionsgebühr für Rechnung fremder Auftraggeber

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