Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 35 (27.8.1909)
- Date
- 1909-08-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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arbeiten, sich zusammentun und für einen geeigneten landwirtschaftlichen Unterricht sorgen. Wenn „Mikveh";u dem werden wird, wozu es bestimmt war, zu einer Rrziehungsstätte für palästinensische Kolonisten, wenn die „Alliance" dafür sorgen wird, daß die Zöglinge die . löglichkeit haben, die Anregung und die^Aufmunterung rhalten in Palästina zu bleiben, wenn ferner die „Ica" i i den Kolonien den Ackerbäuunterricht einführt, wenn (ie zionistische« Organisation, das Odessaer Komitee nid all die Vereine überall mitwirken, so ist die Mög- Ichkeit gegeben. So kann eine starke und solide Grundlage für die Palästinaarbeit geschaffen werden. N. S. Die Ziele der Palestine Land Development Company Ltd. Die Palestine Land Development Company Ltd. bezweckt auf kommerzieller Basis unter Anwendung moderner kolonisatorischer Methoden: 1. den Erwerb, die Ameliorierung und Parzellierung größerer Grundstücke in Palästina für eigene und für fremde Rechnung behufs Schaffung neuer Siedlungen (Kolonien), 2. die Anlage und Pflege extensiver und intensiver Kulturen für eigne und für fremde Rechnung, 3. die systematische Ausbildung und allmähliche .Seßhaftmachung jüdischer Landarbeiter in Palästina. Unter dem Drucke der Not, die auf den Juden in! ißland, Rumänien, Galizien und der Bukowina lastet, i id von der Idee eines neuen jüdisch-nationalen Lebens i Palästina begeistert, kommen alljährlich einige Tausend -den aus diesen Ländern nach Palästina, um hier ein i ues Heim zu gründen. Ebensoviel Hunderttausende >n Juden stehen in Osteuropa zur Auswanderung bereit, iele von den Einwanderern oder von den Einwanderungsstigen sind im Besitze eines kleinen oder mittlem ermögens. Die meisten sind arbeitskräftig und arbeits- ' iiiig, und es ist in ihnen der lebhafte Wunsch rege, Palästina auf eigner Scholle zu sitzen und sich von -t Landwirtschaft zu ernähren. Wie kommt es nun, daß trotz dieses großen Angebots on arbeitswilligen und zum Teil auch bemittelten Juden le landwirtschaftliche Besiedlung Palästinas durch Juden 0 langsame Fortschritte macht? Eine lange Beobachtung 1 Palästina hat gezeigt, daß es hauptsächlich die folgenden iindernisse sind, welche das Fortschreiten der Kolonisation ischweren: Die Schwierigkeit des Erwerbs kleiner Parzellen Während der Jude, der sich als Ackerbauer eine xistenz in Palästina gründen will, dazu einer Bodeniäche von 200 bis 300 Dunam bedarf, sind aus den fänden der arabischen Besitzer nur große Landstücke on mehreren tausend Dunam zu kaufen. 2. Die Kompliziertheit der türkischen Agrargesetzgebung Es ist dem eben aus Europa gekommenen Einwanderer unmöglich, die komplizierten Rechtsfragen, die beim Ankauf eines Grundstückes in Betracht zu ziehen sind, nichtig zu beurteilen. Er fürchtet sein Geld zu verlieren und wird oft ganz vom Kaufe abgeschreckt, obwohl in Wirklichkeit der Landkauf in Palästina zwar eine komplizierte und langwierige, aber keine riskante Sache ist. 3. Die schlechte Kultur des Bodens Der bisher von Arabern mit dem primitiven arabischen Pfluge bearbeitete Boden muß durch gründliche Bearbeitung während einiger Jahre für europäische Arbeitsmethoden erst vorbereitet werden, ehe er den Kolonisten übergeben werden kann. So muß z. B. Land, das mit Zizyphusgestrüpp bewachsen ist, von diesem befreit, große Steine, die das Pflügen mit dem europäischen Pflug hindern, müssen entfernt, sumpfige Stellen müssen trocken gelegt werden. Außer dieser einmaligen Bearbeitung ist die Herstellung von Wegen und Brunnen erforderlich. Alle diese Arbeiten können von dem einzelnen mit seinen geringen Mitteln nicht geleistet werden. 4. Die Unbequemlichkeit der Einzelansiedlung außerhalb der jüdischen Kolonien Da das dicht bei den jüdischen Kolonien gelegene Land oft gar nicht oder nur zu sehr hohen Preisen zu kaufen ist, muß der Einwanderer in vielen Fällen in einiger Entfernung von den jüdischen Kolonien Land kaufen und sich auf diesem Lande ein Wohnhaus errichten. Nicht jeder will aber die Unbequemlichkeiten einer solchen isolierten Ansiedlung (Mangel an Verkehr, an Unterricht, an Koscherfleisch usw.) ih den Kauf nehmen; nicht jeder hat den Mut, als erster außerhalb der jüdischen Kolonien in arabischer Umgebung zu wohnen, und in vielen Fällen kann eine Besitznahme von Land fern von den jüdischen Kolonien in der Tat nur dann empfohlen werden, wenn das Land sofort von einer größern Zahl kräftiger Leute, welche den Arabern Respekt einflößen, in Besitz genommen wird. Die bisher erwähnten Hindernisse ließen sich verringern, wenn sich eine größere Anzahl von Personen zu gemeinschaftlichem Kaufe und gemeinsamer Installierung in Palästina zusammenfände. Aber es ist außerordentlich schwer, eine vielköpfige Menge, die aus verschiedenen Ländern nach Palästina zusammengeströmt ist, hier zu einem gemeinsamen Handeln zu organisieren und zusammenzuhalten. In den meisten Fällen scheitert der Versuch daran, daß sich die verschiedenen Wünsche von zehn oder zwanzig Familien nicht vereinigen lassen. Kommen aber bereits organisierte Gruppen von Juden zwecks Ansiedlung von Europa nach Palästina, so ergeben sich noch andere Hindernisse, nämlich: 5. Das lange Warten bis zur definitiven Niederlassung Es kann mitunter zwei bis drei Jahre dauern, bis die Kaufverhandlungen, die Vorbereitung des Bodens, die Herstellung der Straßen und Brunnen, der Bau von Häusern usw. beendet ist und die Einwanderer daran gehen können, den Boden zu bewohnen und zu bearbeiten. In diesen zwei bis drei Jahren verzehren die neuen Einwanderer nicht nur einen großen Teil ihres Kapitals, sondern verlieren oft überhaupt die Lust zur Landarbeit. Einige Familien finden in andern Berufen Beschäftigung, einige fahren nach Europa zurück, und der Rest verfällt dann allzu leicht in Desorganisation und Mutlosigkeit. 6. Mangelnde Kenntnis und Erfahrung in der Landwirtschaft Da die Mehrzahl der einwandernden Juden mit der Landwirtschaft nicht vertraut ist, ist es natürlich, daß sie bei ihrer Seßhaftmachung technische Fehler begehen, welche ihre ohnehin meist beschränkten Mittel noch 2*