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Die Welt · 1909-08-20 · 34 (20.8.1909) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
34 (20.8.1909)
Date
1909-08-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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die Überfahrt einzusenden. Da sie selbst als alleinstehendes Mädchen nicht genügend Existenzmittel aufweisen konnte, wurde sie zunächst von der ihres Amtes mit voller Strenge waltenden Behörde zurückgestellt. Das einzige Mittel, die Landung doch noch durchzusetzen, war die „Not-Trauung". In aller Eile beschaffte man von der „Ost- Seite" einen Rabbiner, der mit allen Zeremonialgeräten versehen, auf Ellis Island erschien, um die Trauung vorzunehmen. Zehn zur Heimat „verurteilte" Juden wurden aufgetrieben, um die nach jüdischem Brauch erforderliche Anzahl der Betenden zu stellen, und die Zeremonie nach orthodoxem Ritus durchgeführt. Nunmehr stand der Landung der Frau Maislik nichts mehr im Wege, und die „Heiligkeit der Ehe" hatte sich wieder einmal glänzend bewährt Von den Falaschas Herr Rabbiner Dr. Margulies, Florenz, sendet uns folgenden Bericht: Hochgeehrter Herr Redakteur! Unser mutiger Forscher und Missionar, Herr Dr. J. Faitlovitsch, ist vor einiger* Tagen von Seiner zweiten Missionsreise in Abessinien, die zirte 15 Monate gedauert hat, zurückgekehrt. Aus seihen an mich gerichteten Briefen aus Addis Abeba, die -auszuglich in verschiedenen Blättern erschienen sind, hat die jüdische weit bereits erfahren, daß er den größten Teil Abessiniens durchwandert und die meisten Niederlassungen der Falaschas besucht hat. Er bringt ein reiches Material von überaus wichtigen Nachrichten und Dokumenten mit, die über das Leben* die sozialen Verhältnisse und die religiösen Anschauungen und Gebräuche der äbessinischen Juden neues Licht verbreiten, und die er in nächster Zeit in einem ausführlichen Berichte der Öffentlichkeit vorlegen wird. Er hat die angesehensten Lehrer und Priester der Falaschas persönlich kennen gelernt und mit ihnen längere und eingehende Unterredungen gehabt. Sein in amharischer Sprache abgefaßtes Sendschreiben an die Falaschas (n^nn rn^N)» welches auch eine Ubersetzung des von dem Unterzeichneten verfaßten und von zahlreichen Rabbinern der ganzen Welt unterschriebenen hebräischen Briefes an dieselben enthielt, wurde in mehr als tausend Exemplaren im Lande verbreitet und überall mit Jubel begrüßt Als Antwort darauf bringt Herr Dr. Faitlovitsch einen ihm gelegentlich seiner Zusammenkunft mit ihnen in den Sukkothfeiertagen von den Häuptern der Falaschas übergebenen neuen Brief an die Judenhek aller zivilisierten Länder mit, der die Unterschriften der Vertreter der meisten Falaschagemeinden trägt, und den ich Ihnen hier mitteile. Außerdem sind Herrn Dr. Faitlovitsch während seines Aufenthalts in Abessinien viele Briefe von entfernten Gemeinden zugekommen, die er in seinem Berichte ebenfalls der Öffentlichkeit übergeben wird. In allen diesen Briefen kommt die große Freude der armen Falaschas über Dr. Faitlovitschs neuen Besuch bei ihnen, ihre wiederbelebte Hoffnung auf unsere baldige Hilfe und ihre tiefe Sehnsucht nach religiöser Belehrung in rührender Weise zum Ausdruck. Es klingt daraus wie der letzte Hilferuf eines versunkenen Bruderstammes zu uns herüber, und es wäre wahrlich eine unaustilgbare Schmach für die zeitgenössische Judenheit, wenn auch dieser Hilferuf ungehört verhallte, und wir nicht einmal die verhältnismäßig geringen Opfer zu bringen bereit wären, die dazu nötig sind, um den Überrest eines heldenhaften jüdischen Stammes, der immerhin noch nach vielen Tausenden zählt, den nach ihm ausgestreckten Armen der christlichen Missionen zu entreißen und dem Judentum zu erhalten. Hochachtungsvoll Oberrabbiner Dr. S. H. Margulies, Vorsitzender des internationalen Pro Falascha-Komitees. „Gepriesen sei Gott, der Herr Israels, der Herr allen Geistes und allen Fleisches! Schreiben, gesandt aus Abessinien von den israelitischen Gemeinden, gerichtet an unsere,Brüder, an die israelitischen Gemeinden der ganzen Welt. Heil, Heil Euch, Brüder in Israel! Wie geht es Euch? Der Brief, den Ihr uns durch Vermittlung des Dr. JaekobNoah, Sohnes des Moses Faitlovitsch, gesandt habt, ist uns zugegangen; wir sind darüber befriedigt. Die Nachrichten von Eurer Existenz waren bisher für uns nur Fabeln; jetzt haben wir darüber Gewißheit und Sicherheit erhalten. Eben deshalb sind wir darüber befriedigt. Dadurch, daß wir Nachrichten von Euch erhalten haben, sind unsere Herzen gekräftigt und sind wir getröstet. Wir sind in tiefer Trauer; habet Mitleid mit uns und betet für uns! Bis jetzt harren wir in unserm Glauben, bei dem einzigen Gott, bei dem Gesetze Moses' aus; wir sind dafür Gott, dem Herrn Israels, dankbar. Bis zur Gegenwart hat Gott den Samen Jakobs in Abessinien nicht zu Grunde gehen lassen. Früher haben wir unendlich viel Unheil und Mißgeschick erlitten, und eine große Anzahl hat zwangsweise das Christentum angenommen. Jetzt haben wir, Dank dem Herrn Israels, einen gütigen König; Menelik will, daß jeder bei der Religion seiner Väter verbleibe. Möge Gott ihrri ein lätlges Lebörl gewähren! Aber dadurch, daß wir keitie Schulen haben, ü'isere Bücher vernichtet sirid und die christlichen Missionare die Bücher ihrer Religion an unsere Brüder verteilen, haben sie dieselben zum Abfäll verleitet, jetzt, wo wir, Gott sei Dank, Nachrichten von Euch erhalten haben, empfinden wir große Freude; die Israeliten in Abessinien hoffen. Seitdem Prof. Jaekob gekommen ist, sind die Augen aller Israeliten auf Euch gerichtet. Wenn wir Bücher, Schulen und Lehrer erhalten, damit unsere Kinder unterrichtet werden, dann werden wir sehr zufrieden sein. Wir selbst sind allein außerstande, alles dies zu leisten. Wir bitten Gott, daß er den Kindern Israels und Prof. Jaekob langes Leben gewähre. Wir bitten auch, daß Gott uns mit dem eineri oder dem andern zü^ sämmenführen möge. Der Herr, der Gött Abrahams, Isaaks, Jakobs und Moses', schirme und schütze den Prof. Jaekob Noah? den Sohn des Moses. Dieser Brief ist geschrieben von den Großen und Notabein der israelitischen Gemeinden der Provinzen Belessa, Semien, Armatscheho, Taqussa, Dembeya, die am Sukkoth sich vereinigten, um den Prof. Jaekob zu sehen: Abba Alazar, Oberpriester von Belessa; AbbaYaekob, Oberpriester von Dero^Wuha, Woghera; Abba Melieret, Oberpriester von Dengör-Dibba, Wogherä; Abba Keridie\ Oberpriestef von Melatha> Semiert; Abba Eernieyas, Oberpfiester , von Gurabaj Abba Röbel, Oberpriester von Melhatä, Semien; Debtera (Lehrer) Heriok, Öberpriester von Qualai, Belessa; Debtera Fentaye, Priester von Älewa, Taqussa; Debtera Yaekob, Priester von Wanz^ghye, Armatscheho; Debtera Elyas aus Wasch-Ghedebghe; Debterä Engheda Ichet aus Qualai, Belessa; DebteraKebtte ausTschintschaghe, Belessa; Debtera Bitawüllgn aus Ambatschara; Debtera Salomon Tschokole aus Amba-Qualit; Debterä Eratye" aus Abena, Tselmet; Debtera Semani aus Malathä, Semien; Bedjerond Issayas aus Kun; Ato Salomon aus Küri, Belessa; AtoTeameiio ausWasch-Ghedebghe; Belessa; Ato Salomon aus Qualai, Belessa; Bedjerond Melokori aus Qualai, Belessa; Debtera Wassye aus Zoz, Belessa; Bedjerond Ain-Alem aus Qualai; Debtera Adgheh aus Chimbra-Wuha,Woghera; Ato Wondem-Aghgnehon, Vater des Ghetie-Ermeyas, aus Amba- Qualit, Sequeit; Bedjerond Dawit aus Amba-Qualit, Sequelt; Ato Berou aus Amba-Qualit, Sequeit; Bedjerond Semani aus Azazö- Gondar, Dembeya. Geschrieben in Amba-Qualit am 23. des siebten Monats. Die Schreiber dieses Briefes sind: Debtera Bayene, Sohn des Wondem, aus Qualai in Belessa, und Alequa Tessemma aus Denger-Dibba in Woghera. Wir, die israelitische Gemeinde von Tedda in Dembeya, haben von diesem Briefe Kenntnis genommen und freuen uns sehr. Wir beten zu Gott, daß er dem Prof. Jaekob Noah, Sohn des Moses, beistehen möge, das begonnene Werk zu vollenden. Debtera Gombel, Oberpriester, Debtera Ananya, Debtera Redai, Belata Tessemma, Bedjerond Eschetie, Ein Freund der deutschen Juden Herr Purischkewitsch, der bekannte Heid des Verbandes der echtrussischen Leute, weilt gegenwärtig in Kissingen, um seine durch die Vorarbeiten für die nächstjährigen Judenpogrome etwas geschwächte Gesundheit neu zu kräftigen. Er muß wohl meinen, er sehe schon wieder ganz stattlich aus, denn dieser Tage überkam ihm plötzlich das Bedürfnis, sich photographieren zu lassen. Um nun auch allen seinen zahlreichen Freunden im russischen Volksverband ein Konterfei zukommen lassen zu können, bestellte Herr Purischkewitsch eine so große Anzahl von Bildern, daß es dem Photographen auffällig erschien. Der Mann — ein Jude, der aber natürlich keine Ahnung hatte, wen seine neueste Platte darstellte — zeigte einen Probeabzug im Vertrauen einem andern russischen Kunden und war nicht wenig erstaunt, als dieser ihn auf die große Rosette hinwies, die der Porträtierte auf der Brust trug, und auf der groß und deutlich die Worte zu lesen waren „Bjej shydow!" (Schlagt die Juden tot!") Der Photograph wandte sich an die Behörde um zu erfahren, ob er zur Ausführung der Bestellung verpflichtet sei, was natürlich verneint wurde. Als der Photograph Herrn Purischkewitsch mitteilte, daß er die Bilder nicht liefern werde und ihn fragte, warum er gerade zu einem jüdischen Photographen gegangen sei, erwiderte der große Mann seelenruhig, seine „Devise" beziehe sich nur auf die russischen

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