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Die Welt · 1909-08-20 · 34 (20.8.1909) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
34 (20.8.1909)
Date
1909-08-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Häuschen gebaut wurde. Stoff, für eine poetische Erzählung, ilie ich . einmal schreiben möchte. Auch auf der andern Seite tauchen zwei Inselchen aus dem Blau: Oxiä, die spitzige, und Platia, die breite. Ein anderer InselgipfeT ragt uns entgegen mit einem großen Bau. Der berühmte Spekulant, Sir Edgar Vinjent, hatte sein Auge auf Prinkipo geworfen. Er wünschte einen „Semeringos" zu machen. Im schwarzen Tannenwald steht dort noch jetzt das Hotel, das er in die Welt gesetzt hat. Er hatte sich verrechnet. Die Konstantinopolitaner fanden es eben zu teuer und zu entlegen, und zu unverläßlich. Der Hotelpalast verkrachte bald, und schloß seine Tore. Dann ließ sich die Schlafwagengesellschaft herbei, ihn iu kaufen, d. h. sich ihn so ungefähr schenken zu lassen. Aber auch sie hatte keine reine Freude daran und wußte "das Haus irgendwie loszuwerden. Jetzt [ist es ein Waisenhaus. Ein empfehlenswertes Ende für alle verkrachten Hotels. Es ist doch schön in Prinkipo. Wir wandern durch Haine und kleine Täler, kreuz und quer. Eine Sammlung von Idyllen. Hier und da stößt man auf eine Mokkahütte. Am „Käfenion Ararat" fühlte ich mich ganz biblisch angehaucht. Natürlich ist das ein armenisches Cafe. H Die Gegend sieht gar nicht araratisch aus: die Straßen sind reizend-, die Villen desgleichen. Alles mmjSJ einen gelinden Rivlerastil an, mit einem gelegentlichen Einschuß von Neapelstimmung, Und mit einigem Durchschuß von islamischer Mode. - Es sind schon Anklänge vom „neuen Regime" vorhanden: Brücke der Freiheit, Cafeder Freiheit, Restaurant der Freiheit. Ja, ja, die Krämer sind gleich dabei, alles auszunutzen. Es wohnen auch Juden hier, einige Häuser gehören auch Juden, aber sie verschwinden in der Masse. Eine der reizendsten Villen in der myrtenumblühten Hauptstraße, die sich als immergrüner Baumgang durch das Dorf windet, ist ein Palästchen im türkischen Lattenstil, ganz in durchbrochenem Holzfiligran. Natürlich gehört es einem Armenier oder Griechen. Eine andere Villa hat ein hohes Belvedere in roten Ziegeln, eine Art viereckiger Westminsterturm. Lauter Spielereien und harmlose Zerstreuungen, großer Kinder, die in dieser Märchenwelt unter dieser Sonne tausend Jahre gespielt haben und dann dort schließlich verstorben sind. Denn man stirbt auch auf der prinzlichsten der Prinzeninseln. N. Sokolow. a Huf der schattigen Cerrasse Ruht im strohgeflochfnen üehnstuhl, Bjäiue Rgucfifiguren blasend, Herr Kommerzienraf lievyn. ülaud und Siegelind, die üöchfer, Sticken schwarz«rot=goldne Bander Für die ehrenfesten Burschen Von dem Korps ©ermania. „Diese biedern Landbewohner/' Schmunzelt liebevoll der HIfe, „Sind wohl heufzutag die letzten Cräger der Wahrhaftigkeit!'' Sommerfrische „Seht 3hr dort die Gärtnerswitwe, Die am Cor mit üohanrt plaudert % — So was Gutes und naives Gibt es in der Großstadt nicht!" „üja," entgegnet sanft Sieglinde Und schaut schwärmensch zur ßöhe, „Das ist's eben, was uns abgebt: Diese tiefe Chrisflichkeif!" — * * * „Sagen Sie, verehrte Berthe/' Fragt zur selben Zeit der.3ohann Hn der hohen Pillenpforte Die beleibte Blumenfrau — „Sagen Sie, verehrte Berthe,. Warum schimpfen Sie so prächtig, Grad vor unferer koschern Berrschaft 3mmer auf das Südenpack??" „Aber Johann, aber üohann!" hacht die biedre Hutochthonin; „Drum hat mich ja die Ulischpoche Gern — Was, Sie verstehn das nicht? nun, wenn ich auf Süden schimpfe Glauben sie, ich kenne ihnen 3hre großen, krummen Ilafen Und die ITlauschelei nicht an-- Und ich halte sie für Christen, Echte deutsche, reine Christen! Und das ist ihnen noch lieber Bis das feinste öänsef leisen!" Dröhnend lachte Berr Johannes;--- Oben aber in der Pilla has grad ülaud-mit lauter Stimme üufhers deutsches nachtgebet. Beda BRIEF AUS KONSTANTINOPEL (Von tinserm Berichterstatter) Der alte und der neue Minister Je mehr die Schleier des Geheimnisses von der Tätigkeit des gestürzten Ministers Ferid Pascha fallen, desto verhängnisvoller erseheint sie für uns. Wie die neuesten Informationen der hiesigen Presse ergeben, hat der Exminister des Innern sich nicht damit begnügt, die Aufhebung der Beschränkungen der Judeneinwanderung in Palästina zu hintertreiben, sondern sogar den Versuch gemacht, neue, ungleich schwerwiegende Hindernisse zu schaffen. Er hat dem Staatsrat den Entwurf eines Gesetzes vorgelegt, das Palästina den Juden absolut, auch den Ottomanischen, verschließen sollte. Insbesondere sollten alle weiteren Bodenkäufe in Palästina von oder für Juden inhibiert werden. Mit einem solchen Gesetze wäre nicht nur jede Fortarbeit an der Besiedlung des heiligen Landes unterbunden, sondern auch das erste antisemitische Gesetz in der Türkei (in der konstitutionellen!) geschaffen worden, das die Juden zu Bürgern niederen Ranges gestempelt und sie der Freizügigkeit beraubt hätte. Dem russischen Ansiedlungsrayon hätte die Türkei ihren Nicht-Ansiedlungsrayon gegenübersetzen können. Glücklicherweise ist der ministerielle Intrigant mit seinen Absichten nicht durchgedrungen. Der Staatsrat hat der neuen türkischen

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