Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 34 (20.8.1909)
- Date
- 1909-08-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316349-3316386--52237-3345913- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I jifi ■Ah \M M pi kn 752 j jj Ji .m a MI?* $;; _ ■; DIE So weit sind wir also bisher gekommen. Wir bereiten eine breite Basis vor, auf welcher sich das naturhistorische jüdische Nationalmuseum sehr gut aufbauen läßt. Wir knüpften bereits Verbindungen mit den ersten Vertretern der Zoologie sowie den bedeutendsten Spezialisten der einzelnen Fächer an. Unser ganzes gesammeltes Material ist streng wissenschaftlich lateinisch und, wo es nur angeht, auch hebräisch und arabisch determiniert. Wir haben eine ausgedehnte Bekanntschaft unter den Jägern in allen Teilen Palästinas und Syriens angeknüpft, die nicht zu unterschätzen ist. Kürzlich besuchte der Gouverneur des gesamten Südens, das Oberhaupt aller Beduinen, den Bezalel. Abgesehen von seinem unermeßlichen Reichtum, als Besitzer von ausgedehnten Ländereien um die jüdischen Kolonien in Galiläa, sowie den See Kinereth und im Süden des Landes, gilt er auch als einflußreichster Mann unter allen hiesigen Beduinen, speziell aber unter denen der Wüste. Er war von den Fortschritten der Anstalt so entzückt, daß er uns mit wahrer Begeisterung versprach, alles, was auf seinem Gebiete für uns Interesse habe, zu verschaffen. Und in seinem Gebiete ist der Leopard, der Strauß, verschiedene sehr wertvolle Antilopenarten, zwei wilde Eselarten, die Kragentrappe, viele Arten wertvoller Wüstenhühner usw. heimisch. Wir besitzen jetzt Sammler in den friedlichen fruchtbaren Ebenen sowohl, als auch in der Wüste und im Gebirge. Das ist aber nicht durch irgendwelche Zufälle, sondern durch eine zielbewußte und emsige Arbeit ermöglicht worden. Wenn aber dieses mit so viel günstigen Aussichten ELT No. 34 eröffnete Unternehmen in seiner weitern Entwicklung nicht unterbunden werden soll, so muß es von allen unsern Brüdern tatkräftigst unterstützt werden. Mit einer monatlichen Unterstützung von 300 Frs. wäre dem Museum vollkommen gedient, und wir zweifeln nicht daran, daß dieser, im Verhältnis zu der Bedeutung der Sache geringe Betrag, von unserm Volke aufgebracht werden wird. Wie können wir in einer Zeit, wo alle Völker die Ausbeute der Natur hierzulande mit wahrem Fiebereifer betreiben und sich glücklich schätzen, die Naturerkenntnis dieses schönsten aller Länder, wenn auch nur um ein Minimum zu bereichern, als müßige Zuschauer in der Ferne stehen? Wenn auch unser Museum heute schon neue Funde aufzuweisen hat, wie z. B. Schmetterlinge, Dipteren, und sogar Vögel wie der Caprimulgus nubicus, der hier von mir zum ersten Male entdeckt wurde, und sogar eine sehr große Chreule, ein großer Vogel, der, so wunderbar es beinahe klingt, bisher übersehen werden konnte, so dürfen wir uns damit absolut nicht zufrieden geben, sondern müssen der ganzen Welt zeigen, daß wir die Natur unseres Landes allein zu erfassen und zu fördern vermögen. Wenn aber das jüdische Volk diese schöne und nützliche Sache nicht unterstützen wird, so wird es nur, wie leider zu oft, zeigen, wie wenig Interesse es für das Land seiner Väter hat, und damit hinter andern Völkern in der Naturerkehntnis seines Landes weit zurückstehen. Die andern Völker werden dafür sorgen, daß für uns nichts mehr übrig bleibt. Hoffen wir, daß es mit unserm Volke so weit noch nicht gekommen ist. I. Aharoni *n REVUE DER PRESSE ktf'..:. 1 fc'/Ü' 8*« 1;: Ein Weltkongreß zur Rege- £cei"e.r dfr jüngsten Nummern ■„_„ .•••,- r. - des Petersburger „Fraind" wird lung der jüdischen Emigration einAufruf ausfiftrlidibesprochen, mit dem sich die im März d. J. in New-York abgehaltene jüdische Immigrationskonferenz in Angelegenheit, der Einberufung eines „Weltkongresses für jüdische Wanderung" an die jüdischen Organisationen und Wohlfahrtsgesellschaften aller Länder gewandt hat. Die genannte Immigrationskonferenz war von dem weitaus größten Teile der jüdischen — politischen und philantropischen — Organisationen New-Yorks und anderer amerikanischer Städte beschicktn und vertrat nahezu eine Million Juden. Allgemein wurde der Überzeugung Ausdruck gegeben, daß die jüdische Wanderung gegenwärtig eine schwere Krise durchmache und daß eine baldige planmäßige Regelung der Emigration dringend nottue. In New York, Philadelphia, und den übrigen Großstädten der nordamerikanischen Union wird es für die neuen Einwanderer immer schwieriger, den Kampf ums Dasein siegreich zu behaupten und zu einer menschenwürdigen Existenz zu gelangen. Die dortigen Ghetti sind in jeder Hinsicht eng und überfüllt, so daß sie für den Zustrom neuer Emigrantenscharen absolut keinen Raum bieten. Zudem werden auch die gesetzlichen Einwanderungsbestimmungen immer mehr verschärft und die bestehenden immer strenger gehandhabt. In den Ghettis der alten Welt, in Rußland, Rumänien und Galizien ist die Lage noch verzweifelter, und das unbeschreibliche Elend treibt alljährlich hunderttausende von Auswanderern über das große Wasser, immer nach demselben Amerika, wo der jüdische Wanderer trotz alledem die meiste Aussicht hat, sein Brot und ein neues Heim zu finden, wo die jüdische Bevölkerung eine gewisse Stellung im öffentlichen Leben einnimmt und sich eine gesellschaftliche, ja sogar politische Position errungen hat wie in keinem andern Lande der Welt. Sollte es daher dazu kommen, daß Amerika den jüdischen Einwandern seine Tore verschließt, so wäre dies für die Judenheit der alten Welt, so lange kein anderes Territorium den Wandererstrom aufnehmen kann, ein ungeheurer Schlag, dessen Folgen gar nicht abzusehen sind. Pflicht und Notwendigkeit gebieten daher den jüdischen Organisationen, beizeiten geeignete Vorkehrungen zu treffen, damit uns eine solche Katastrophe, die durchaus im Bereiche der Möglichkeit liegt, nicht völlig unvorbereitet treffe. Diese Erwägung hat die Einberufung der New Yorker Immigrationskonferenz veranlaßt und auf derselben zu dem vorhin skizzierten Beschluß geführt. Von verschiedenen Konferenzteilnehmern wurde betont, daß die Vereinigten Staaten selbst, abgesehen von andern Einwanderungsgebieten, Territorien in großer Anzahl aufweisen, die recht spärlich besiedelt sind und auf denen neue Arbeitskräfte höchst erwünscht wären. Die Behörden und Ansiedler dieser Territorien würden eine jüdische Einwanderung dahin recht gerne sehen und nach Möglichkeit fördern. Allein die Einwanderermasse selbst ist viel zu ohnmächtig und undiszipliniert, als daß sie imstande und willens wäre, aus eignem Antrieb neue Wege zu betreten. Auch die einzelnen philanthropischen Körperschaften in Westeuropa und Amerika sind unvermögend, den blinden Emigrationsstrom aus seinem alten, gefährlichen Bett abzulenken. Dieses Ziel könnte nur durch die vereinigten Kräfte des ganzen jüdischen Volkes, durch eine Weltorganisation mit wohldurchdachtem und energisch durchgeführtem Arbeitsplan erreicht werden. Demzufolge richtet die New Yorker Immigrationskonferenz in einem eindringlichen Appell die Aufforderung an die jüdische Gesamtheit, an sämtliche jüdischen Parteien, Gesellschaften und Organisationen Europas und Amerikas, sich zu einer interterritorialen Organisation behufs einheitlicher Regelung der jüdischen Emigration zusammenzuschließen und zu diesem Zwecke" einen Weltkongreß einzuberufen.