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Die Welt · 1909-08-20 · 34 (20.8.1909) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
34 (20.8.1909)
Date
1909-08-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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läßt, wird über das Geschick dieser Brüder schwer seufzen. Was haben die Juden Marokkos von all den Umwälzungen, welche die „penetration pacifique" nach sich gezogen hat, erreicht? Massakers, Zerstörung, Verarmung und Schmach: sie waren das erste Lammopfer, dem es an die Wolle und ans Fleisch ging. Darüber kann uns die Korrespondenz mit Monsieur Reynault und mit Cai'd El Glaoni, Grand Vizir de Sa Majeste usw. nicht hinwegtäuschen. Die Franzosen, die jetzt Sa Majeste Cherifienne le Sultan Mouley Hafid umräuchern, haben früher alle Anstrengungen gemacht, Abdul Azis zu erhalten, mit Intriguen und mit Gewalt zu erhalten; das war die Ursache der Wirren und der Feindseligkeiten, denen so viele Juden zum Opfer gefallen sind. Das ist der einfache Sinn der jüdischen Ereignisse in Marokko. Alles andere ist die Wiederholung der alten Geschichte der Petitionen, Proteste, Versprechungen und Wortbrüche ohne Ende. Es wird an den Botschafter geschrieben, dieser verspricht zu Gunsten der Verfolgten einzutreten, manchmal tut er es, manchmal auch nicht, und alles bleibt beim alten. Wird doch wegen der paar Juden kein Krieg erklärt. Wir wollen nicht einseitig sein: es hat eine gewisse Bedeutung, daß die Verfolgten nicht ganz verlassen sind und daß von Paris einige Briefe geschrieben werden, es ist ein Minimum, was von der alten Alliancetätigkeit geblieben ist, aber es darf nicht zu sehr breitgetreten werden, am allerwenigsten mit bezug auf die marokkanischen Juden, denen die französische Tätigkeit der letzten zwei Jahre teuer bekommen ist. Auf die Juden Marokkos folgt ein Kapitel über die Juden in Persien und der bekannte Bericht des Herrn Nahoum (jetziger Chachambaschi in Konstantinopel) über die Falaschas. Den wichtigsten Teil des Berichts bilden die Berichte über das Schulwesen. Sie enthalten manches, das einen neuen Geist verrät. Mit dieser Frage wollen wir uns nächstens beschäftigen. Ein jüdisches naturhistorisches Museum in Jerusalem Bekanntlich wurde im „Bezalel" eine naturhistorische Kollektion angelegt, an deren Zusammenstellung Herr Prof. Boris Schatz, der Unterzeichnete und, zum Lobe der hiesigen jüdischen Bevölkerung sei es gesagt, auch viele unserer Brüder mit Geschenken von Reptilien und Insekten sich praktisch betätigen. Diese Kollektion wuchs nach und nach immer mehr an und enthält gegenwärtig, außer vielen Mineralien, folgende zoologische Objekte: 1) Säugetiere. 2) Vögel. Noch vor einem Jahre galt unsere Vogelsammlung als die größte in Jerusalem; momentan wird sie von jener des deutschen archäologischen Instituts, die 150 Vogelarten enthält, und vom Verfasser beschafft wurde, übertroffen. 3) Reptilien. 4) Amphibien. 5} Fische a) innerpalästinensische, b) eine bedeutende Anzahl mediterraner Fische. 6) Süßwasserschnecken und Meereskonchylien über 150 Arten. 7) Schmetterlinge über 600 Arten. 8) Käfer über 800 Arten. 9) Fliegen (diptera) 460 Arten. Diese Abteilung ist fast noch gar nicht erforscht worden, denn unter den ersten 48 Arten, die wir hier gesammelt haben, waren nicht weniger als 18 neue .Genera'und Spezies. 10) Gradflügler 110 Arten, darunter wahre Riesenexemplare. 11) Netzflügler 25 Arten. 12) Halbdecker 150 Arten. 13) Tausendfüßler 15 Arten. 14) Spinnentiere 220 Arten, darunter 15 Arten von Skorpionen, 160 echte Spinnenarten und die übrigen Zecken und Milben. Diese Sammlung wurde bisher zustande gebracht. Wenn man die ungeheuren Schwierigkeiten berücksichtigt, die man in einem so unkultivierten Lande wie Palästina zu überwinden hatte, wie z. B. die Unsicherheit des Verkehrs gerade in den reichsten Gegenden, Unzuverlässigkeit des Landvolkes, das bei Beschaffung der Naturalien in erster Linie in Betracht kommt; wenn man weiter bedenkt, daß wir ohne jegliche pekuniäre Hilfe gearbeitet haben, und daß nicht das Sammeln, sondern auch das Konservieren des Materials sehr viel Zeit und Kraft erfordert, so wird man zugeben müssen, daß die Gründer des Museums eine wahrhaft ideale Arbeit zustande gebracht haben, wie sie eben nur Begeisterung für eine große schöne Sache zu leisten vermag. Früher waren nicht einmal die nötigen Räume für die Sammlung vorhanden, aber im neuen Heim des Bezalel räumte Herr Prof. Boris Schatz der naturhistorischen Abteilung drei Zimmer ein*. Es dürfte vielleicht nur wenigen bekannt sein, welch glühender Naturverehrer Prof. Schatz ist. Schon zurzeit seines Aufenthalts in Bulgarien, wo er als Hofskulpteur Gelegenheit hatte, die Tiere der Menagerie des Prinzen zu modellieren, war ihm ein tiefes Verständnis des seelischen Ausdrucks der Tiere aufgegangen, und er hatte sich eine gründliche Kenntnis ihrer Bewegungen und ihres muskulösen Baues angeeignet. Und wer Tiere wirklich kennt, muß sie auch liebgewinnen. Ich muß es hier nochmals erwähnen, daß von allen unsern Leuten in Palästina, vielleicht mit Ausnahme von Ben-Jehuda, Prof. Schatz der erste und einzige gewesen ist, der meinen Gedanken, ein Museum in Jerusalem zu gründen, nicht mit spöttischem Lächeln, wie dies leider die Art vieler unserer hiesigen Brüder ist, sondern mit ernstem Wohlwollen aufgenommen hat. Denn er erblickte in der Schaffung eines Museums eines der wichtigsten und stärksten Mittel für die Annäherung des jüdischen Volkes an die Natur seines Landes, die eben nur durch das Erkennen bewirkt werden kann. Und wie sollte ein .Mann, der so tief im Volke wurzelt wie Prof. Schatz, einen solchen Gedanken in einem Lande nicht begrüßen, wo das jüdische Volk zu den christlichen — übrigens durchweg archäologischen Natur — Museen so gut wie gar keinen Zutritt hat, in einem Lande, wo auch die heranwachsende Jugend niemals Aussicht hätte, tiefer in die wunderbaren Naturschönheiten einzudringen als die ältere Generation, die in einem Museum nichts anderes sieht, als eine luxuriöse Raritätensammlung, weil sie niemals Gelegenheit hatte, dessen ungeheuren geistigen und praktischen Wert

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