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Die Welt · 1909-08-13 · 33 (13.8.1909) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
33 (13.8.1909)
Date
1909-08-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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haben ihren Beitritt zum Zionistenvereine erklärt, darunter der ehrwürdige Rabbi dieser ältesten Gemeinde Siebensbürgens, Oberrabbiner Fischer, und der Vizepräses der Kultu-sgemeinde Deutsch. Den Abschluß der Agitationstätigkeit der letzten vier Wochen bildete ein blau-weißes Gartenfest unter der Leitung Samuel Bettelheims in Pozsony und eine Agitationsversammlung in Nagyrnärton, wo in aufopferungsvoller Weise abermals Leopold Lebowits die Festrede hielt. Eine Folge der lebhaften Agitation ist auch die, daß unsere Finanzinstitutionen (Nationalfonds, Bank) immer mehr Verständnis finden. Und so gab denn auch der durch seine Opferbereitschaft bekannte Bankdirektor Wilhelm Klein in Szatmär erst neulich durch eine Nationalfondsspende im Betrage von 250 K ein Zeugnis, daß unsere ungarischen Gesinnungsgenossen für Zion fortan sich nicht bloß „begeistern", sondern auch „arbeiten" wollen. Mit Rücksicht auf die ernste, selbstlose Arbeit, die unsere Organisation leistet, scheint auch die uns bisher feindlich gesinnte konfessionelle Presse einen minder gehässigen Ton anzuschlagen: Egyenlöseg, das den Zionismus bisher unerbittlich bekämpft hat, bringt in seinen jüngsten Nummern zwei Aufsätze, in welchen es das „mikrobiologische Institut" und den Nationalfonds als gemeinnützige Anstalten der Unterstützung aller Juden empfiehlt. Allenfalls muß aber noch abgewartet werden, und erst die Zukunft wird zeigen, ob diese vereinzelten Symptome besserer Einsicht, wirklich den ersten Schritt zu einer ernst aufgefaßten Betätigung fürs Judentum bedeuten. — Auch eine Palästinareise wird für den Herbst in Ungarn organisiert. Die Reise soll auch die Kolonien, die Stätten jungjüdischen Lebens, berühren, und es ist zu erwarten, daß auch dieses Unternehmen, wiewohl aus nichtzionistischen Kreisen ausgehend, einen Schritt zum Zionismus bedeuten wird. England Max Nordau Jubiläum Am verflossenen Donnerstag sandte der Sekretär der English Zionist Federation folgendes Telegramm an Dr. Max Nordau: „Die English Zionist Federation, welche die organisierten Zionisten des Vereinigten Königreichs vertritt, sendet Ihnen die herzlichsten Glückwünsche anläßlich ihrer Vollendung von 60 Jahren eines arbeitsamen und segensreichen Lebens. Dankbar erkennt sie die wertvollen Dienste an, die Sie unserer Sache geleistet haben, und hofft, daß es Ihnen vergönnt sein möge, die Erfüllung unseres historischen Ideals zu erleben, und sich der Früchte Ihrer Arbeit in einem wieder erneuerten Zion zu. erfreuen." Jeder der in der Federation zusammengeschlossenen Vereine sandte folgendes Telegramm: „Herzlichste Glückwünsche zu Ihrem 60. Geburtstage und innigsten Wünsche für viele Jahre in ungeschwächter Stärke als beredter Vorkämpfer unserer nationalen Sache." Öffentliche Versammlungen und Feiern fanden in vielen Städten statt, auch wurde allenthalben für das Mikro-biologische Institut gebammelt. In Leeds fand unter den Auspizien des Vereins Bnei- Zion und des Zionistischen Jugendvereins am Sonntag eine begeistert verlaufende Versammlung im Jüdischen Jugendheim statt. Rev. Dr. Strauß (Bradford) präsidierte und Herr Israel Cohen (London) hielt die Festrede über das Leben und die Tätigkeit Dr. Max Nordaus, die mit einem Appell für das Mikro-biologische Institut schloß. Ferner sprachen Dr. Umanski, Herr Flachs und Herr Burgess. In Glasgow fand im Herzl-Institut ein literarischer und musikalischer Abend statt. Hauptredner war Herr P. M. Raskin (Leeds). Die Veranstaltung schloß mit der Vorführung lebender Bilder. Amerika New York, 26. Juli. Gestern ist von den vereinigten Zionisten New Yorks eine Feier zu Ehren des 60jährigen Jubiläums Dr. Max Nordaus veranstaltet worden, die in jeder Hinsicht als höchst gelungen betrachtet werden kann. Der mächtige „Cooper Unionsaal" war vollgepfropft mit den Verehrern des Jubilars. Eine Resolution, Dr. Max Nordau ins Goldene Buch eintragen zu lassen, wurde per Akklamation angenommen. Die hiesigen Zeitungen widmeten den Schriften, Taten und dem Leben Nordaus lange Artikel. c ooooooooo <2^s~ ls^= NACHRICHTEN IS SiS: ooooooooo *i) Österreich (Von unserm Berichterstatter) Schwechat-Simmering und die Juden In den letzten Wochen waren Wiener Vororte der Schauplatz von argen Zusammenstößen zwischen Deutschen und Tschechen. Die „Völkerschlachten" und Raufereien in Schwee hat und S immer ing sind klassische Belege für die Art, wie in Österreich „nationale Leidenschaften" angefacht werden. Die Hauptstadt des Reiches ist seit Jahrzehnten Einwanderungsgebiet für Hunderttausende von Tschechen, die in Wien und Niederösterreich Brotervverb suchen und finden. Nun ist es eine feststehende Erscheinung, daß die Wiener Tschechen, zumeist Arbeiter und Gewerbetreibende, sich den Deutschen in hohem Grade assimilieren. In dem Maße jedoch, wie die tschechische Bevölkerung angewachsen ist und nach Hunderttausenden zählt, traten auch Bestrebungen zutage, die tschechische Nationalität aufrecht zu erhalten; es wurden tschechische Schulen begründet, und ein Heer von Vereinen und Organisationen setzte sich die Förderung ces nationalen Gemeinsinns zum Zwecke. Auch die politischen Parteien, vor allem die tschechisch-slawische Sozialdemokratie, die 18 000 organisierte Arbeiter in Wien allein zählt, trugen viel dazu bei, den Zusammenschluß der Tschechen Wiens auf nationaler Basis herbeizuführen und derart den Auflösungs¬ und Assimilierungsbestrebungen eine Schranke zu setzen. Für einen jüdischen Soziologen ist es eine lehrreiche Aufgabe, die Wechselwirkung von assimilierenden und nationalerhaltenden Kräften zu verfolgen, innerhalb einer hunderttausendköpfigen Bevölkerung in einer nationalfremden Millionenstadt, während in nächster Nachbarschaft sechs Millionen Tschechen ein nahezu geschlossenes Gebiet bewohnen, wo sie sich national voll ausleben können. Jahrzehnte hindurch ging diese Entwicklung des Wiener Tschechentums vor sich, ohne zu irgendwelchen nationalen Reibungen Anlaß zu geben. Wohl verweigerten auch die Christlichsozialen den tschechischen Schulen das Öffentlichkeitsrecht und bekundeten somit ihre Neigung, eine aktive Germanisierungspolitik in Angriff zu nehmen; aber wüste „nationale" Ausschreitungen, Raufereien und Exzesse, wie sie in Böhmen auf der Tagesordnung sind, waren in Wien unbekannt. Den alldeutschen, deutschnationalen und -radikalen Agitatoren blieb es vorbehalten, den „nationalen Kampf" nach Wien zu verpflanzen. Tschechische Vereins- und Wohltätigkeitsfeste, Erntefeiern, Gartenfeste zugunsten des tschechischen Schulvereins, Veranstaltungen, die seit Jahren stattfinden, ohne jemanden aufzuregen, ohne die nationalen Leidenschaften des „deutschen Volkes" von Wien im geringsten zu reizen, alle diese tschechischen Unterhaltungen wurden plötzlich entdeckt, zu einer „nationalen Gefahr", zu einer „Bedrohung des Deutschtums", zu einem „Eroberungszug" der Tschechen gegen Wien hinauf deklariert. Wien erlebte Unerhörtes. Tausende rauflustiger Burschen wurden vom alldeutschen Abg. Malik und andern deutschnationalen Hetzern zwei Sonntage hintereinander mobil gemacht, um einige Hundert friedlich feiernder Tschechen zu überfallen. Stöcke wurden geschwungen, Steine geworfen, die Lokale, in weichen die Tschechen sich unterhalten — das ist natürlich eine „Provokation!" —werden gestürmt. Sonntag brach blutüberströmt ein Mädchen in Simmering zusammen, weii es in der Tramway tschechisch gesprochen hat. Es sind Roheiten und Gewalttätigkeiten, die jeden billig Denkenden empören müssen. Wir hätten trotzdem keinen Anlaß, uns mit der deutschen „Abwehraktion" zu befassen. Aber die Rolle der jüdischen Assimilanten in diesen traurigen Vorfällen ist eine derart unqualifizierte, daß es unmöglich ist, sich über dieses Treiben mit Stillschweigen hinwegzusetzen. Die jüdischen Assimilanten bemächtigten sich der Sache, sie schlössen sich den alldeutschen Antisemiten schleunigst an, die judenliberale Presse wettert unaufhörlich, hetzt in geradezu verbrecherischer, chauvinistischer, unsinniger Weise gegen die tschechische Gefahr, propagiert den Boykott tschechischer Arbeiter und Geschäftsleute, verlangt die Sanktionierung der tschechenfeindlichen Lex Kolisko-Almann. Noch mehr! Die rückgratlosen Skribifaxen jammern über den Hinauswurf der Juden im Laufe der letzten Jahrzehnte österreichischpolitischer Entwicklung aus allen „freiheitlichen" und deutschen „nationalen" Parteien, winseln die deutsch-radikalen Rassenantisemiten in der ekelhaftesten Weise an und hetzen zugleich gegen

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