Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1909-08-13 · 33 (13.8.1909) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
33 (13.8.1909)
Date
1909-08-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3315709-3316349-3316385--52219-3345894
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

schönen Ausblick auf das weite blaue Meer, die Berge Judas, denmalerischen alten Jaffaer Stadihügel und die immergrünen Orangenr gärten. Der Stifter, Herr Jacob Moser in Bradford, hat in seinee Großherzigkeit einen in dem Kostenanschlage die ursprüngliche! Stiftung um 20 000 Frs. übersteigenden Bauplan genehmigt unu sich bereit erklärt, auch diesen Mehrbetrag auf seine Kosten z n übernehmen. Da überdies der Nationalfonds aus eigenen xVlitte 1 . das Grundstück erwarb und dem Gymnasium zur Verfügung g e stellt hat, so werden die gesamten für die Errichtung des neuen Schulhauses bis jetzt aufgebrachten 130 000 Frs. die Erbauung eines imposanten öffentlichen jüdischen Gebäudes in Palästina ermöglichen. Die Leiter und Lehrer des Gymnasiums hielten bei der Legung des Grundsteins mehrere Ansprachen, in denen sie auf die Bedeutung dieser jungen Anstalt für die Erziehung eines neuen Geschlechts im jüdisch-nationalen Geiste hinwiesen. Die Feier währte einige Stunden, und trotz der außerordentlich starken Sonnenglut herrschte allgemein festliche Stimmung unter den Schulkindern und Gästen. Das Gymnasium wird von jetzt ab nach unserrn unvergeßlichen Führer Gymnasia Ibrith „Herzlia" heißen. Bestrafung wegen des Überfalls auf Mikweh Israel Gegen die Leute, aus Jazur, die, wie bereits gemeldet, auf Mikweh Israel einen Überfall veranstaltet haben, hat das Jaffaer Strafgericht eine strenge Untersuchung eingeleitet. Einige von ihnen sind wegen leichter Vergehen verurteilt worden; gegen etwa 12 Leute ist eine Strafanzeige wegen verbrecherischer Handlungen ergangen, und werden die weitern Verhandlungen gegen sie vor dem Strafgericht zweiter Instanz in Jerusalem geführt werden. Auch zwei junge Leute vom Personal in Mikweh Israel sind wegen Überschreitung der Grenzen der Selbstwehr zu leichten Strafen verurteilt worden. Moghrebitiische Unruhestifter In verschiedenen Plätzen Palästinas wohnen größere und kleinere Gruppen mohammedanischer Araber, die aus Marokko stammen. Sie sind durch ihre Unerschrockenheit und ihren Wagemut bekannt und werden daher mit Vorliebe als Wächter verwendet. Sie sind auch sehr abenteuerlustig und haben in den meisten Fällen zu den Unruhen, die in den letzten Monaten an verschiedenen Plätzen in Palästina vorkamen, Anlaß gegeben. Als nichttürkische Untertanen, die unter französischem Schutze stehen, haben sie weit weniger Angst vor den türkischen Behörden als die Eingeborenen und erlauben sich deshalb weit mehr Dreistigkeiten als diese. In der letzten Woche sind zwei Straßenmorde in Jaffa von einer Gruppe Moghrebiner verübt worden. In dem ersten Falle sind von einem betrunkenen Moghrebiner zufällige Passanten der Straße, zwei Araber und ein jemenitischer Jude, erschossen worden. Im andern Falle ist auf dem belebtesten Platze in Jaffa am hellen Tage vor der Kaserne von einem zweiten Moghrebiner der Prior des hiesigen armenischen Klosters erstochen worden und ein zweiter Passant, ein österreichischer Jude, leicht verletzt. Beide Mörder sind verhaftet worden und sollen angeblich (nach eingeholter Erlaubnis aus Konstantinopel) zum Abschrecken der übrigen Mitglieder dieser Bande öffentlich gehenkt werden. Es gab auch Stimmen, die behaupteten, die Moghrebiner wären von reaktionären Hintermännern der alttürkischen Partei gemietet, um durch die Verübung von Schreckenstaten allgemeine Unruhe hervorzurufen. Wenn auch diese Gerüchte wenig Wahrscheinlichkeit haben, so wurde doch bald auf Veranlassung der Jungtürken die hiesige Garnison um ca. 100 Mann, die am folgenden Tage nach Verübung des zweiten Mordes aus Jerusalem in Jaffa eingetroffen sind, verstärkt. Aron Vechts Begräbnis in Jaffa Unser verstorbener Gesinnungsgenosse Aron Vecht hatte vor seinem Tode den Wunsch ausgesprochen, in Palästina beerdigt zu werden. Die Hinterbliebenen des edlen Toten haben den Wunsch in pietätvoller Weise erfüllt und seinen Leichnam nach Palästina überführen lassen. Wie uns unser Korrespondent aus Jaffa telegraphisch mitteilt, fand das Begräbnis Vechts am 4. d. M. unter ungemein großer Beteiligung der jüdischen Bevölkerung Jaffas statt. p^AUS DER BEWEGUNG^] Österreich Radautz: Die jüdisch akad. Ferialvereinigung „Chermonia" veranstaltete Dienstag den 27. Juli 1. J. im hiesigen Tempel eine Tischebeabfeier, bei der cand. phil. et theol. Isak Menscher in jüdisch er Sprache den Sinn und die Bedeutung des Tischebeab klarlegte, worauf Dr. M. Rath in deutscher Sprache den Anwesenden das Wesen und den Fortschritt des Zionismus erörterte und dieselben zur zionistischen Arbeit aneiferte. Die Reden wurden beifällig aufgenommen, worauf für den jüdischen Nationalfonds gesammelt wurde. Die am 31. Juli I. J. sattgehabte Chargenwahl ergab folgendes Resultat : cand iur. Meschulem Jahr Präses X stud. iur. Mendel Sternschuß Vizepräses XX stud. iur. Chairn Kupferberg Schriftführer XXX. Saybusch: Sonntag den 1. August fand im hiesigen Kasino die Herzlfeier des Jüdischen Lesevereins statt, die einen ausgezeichneten Verlauf nahm. Herr Dr. Nehmer eröffnete die Feier mit einer kurzen Ansprache, worauf Fräulein Lea Eisner einen selbstverfaßten Prolog sprach. In einer schwungvollen Festrede feierte Herr Julius Neu mann aus Kattowitz den großen Führer- Frau Dr. Nehm er sowie Fräulein Bronn er, Fräulein Berg er und Herr Leo Eisner trugen durch Rezitationen und Ansprachen zur Verschönerung des Abends bei. Auch der materielle Erfolg der Veranstaltung war ein sehr zufriedenstellender. Für den Herzlwald wurden 10 Ölbäume, für den Nationalfonds 9 Kr. gespendet. Der Oberschuß der Regiebeiträge wurde dem Bezalel überwiesen. Zagreb: Seitens einiger Gesinnungsgenossen wurde für den 2. d. M. eine Vertrauensmännerversammlung einberufen, die nach längerer, eingehenderer Beratung den Beschluß faßte, einen zionistischen Bürgerverein in Zagreb ins Leben zu rufen. Die Herren Josip Kraus, Hermann Licht, Lav Stern, Dr. A. Coralnik und Dr. Siegfried Perlberg konstituierten sich als vorbereitendes Komitee zur Ausarbeitung der Statuten und E;nleitung einer Propaganda für eine zionistische Volksversammlung, die in der nächsten Zeit in Zagreb abgehalten werden soll. Ferner wurde in dieser Sitzung zur geplanten Landeskonferenz in Essek Stellung genommen und beschlossen, an den einberufenden Verein „Theodor Herzl" in Essek eine Zustirnmungskundgebung zu schicken. Die Teilnehmer der Versammlung schieden in später Nachtstunde voneinander in dem Bewußtsein, den Grundstein für eine zionistische Organisation in Zagreb gelegt zu haben, und in der Hoffnung, daß die neue Organisation ein tätiges Mitglied in der zionistischen Bewegung sein möge. Ungarn Wenn auch die Sommerglut und die Flucht der arbeitenden Kräfte aufs Land nötigerweise eine gewisse Erschlaffung der Parteitätigkeit in den Zentren mit sich brachte, pulsiert um so frischeres Leben an den Peripherien: Im Kurorte Pöstyen veranstaltete der dortige rührige Verein in rascher Aufeinanderfolge zwei Versammlungen, die viel zur Ausbreitung unserer Idee nicht bloß in Stadt und Umgebung, sondern auch im internationalen Kurpublikum beitrügen. Als Redner fungierten bei der ersten Versammlung Frl. Dr. Frieda Kohn und Dr. Nison Kahan, bei der zweiten Versammlung Samuel Bettelheim, Dr. Dömeny Lajos und Herr Markus (Wien). Ebenso fanden auch in Bad Trencsen-Teplitz zwei Agitationsabende statt, die lebhaften Anklang hatten und dem Zionismus viel neue Sympathien gewannen. Auf beiden Versammlungen sprachen Felix Neumann (Nyitra) und Direktor Adolf Reichenthal (Tyrnau). In Kaschau sprachen vor einer stark besuchten Versammlung Leopold Lebowits und Frl. Hedwig Lebowits; die Folge war die Gründung eines zionistischen Mädchenvereins. In Märmarossziget vereinigte ein Herzlabend nahezu 10O0 Personen, darunter auch zahlreiche Chassidim. Es sprachen Direktor Emil Hofmann, Salamon Straußmann, Ingenieur Armin Beregi (Bpest) und Leopold Lebowits (Bpest). Ein Chor unter Leitung Isak Gottliebs trug Zionslieder vor. Dem dortigen Vereine traten noch während der Versammlung 50 neue Mitglieder bei. In Gyula- Fehervär (Karlsburg) fand unter Beteiligung der gesamten jüdischen Intelligenz der erste zionistische Vortragsabend statt. Die Ziele und Aufgaben des Zionismus wurden hier vom Altmeister der ungarischen Zionisten, Dr. Rönai Jänos (Baläzsfalva), sowie Dr. Theodor Fischer und Dr. Nison Kahan (Bpest) behandelt. Über 60 Personen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.