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Die Welt · 1909-08-06 · 32 (6.8.1909) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
32 (6.8.1909)
Date
1909-08-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Schon vor einigen Tagen hatte sich eine Gelegenheit zur gegenseitigen Aussprache zwischen mehreren angesehenen Mitgliedern der arabischen und jüdischen Bevölkerung Jaffas geboten. Der Wunsch nämlich der jüdischen Arbeiter, die beschäftigungslos waren, vor andern bei den Bauarbeiten in „Achusath-Baith" beschäftigt zu werden, hatte in der Stadt zu Gerüchten, daß die Juden die arabischen Arbeiter boykottieren wollen, Anlaß gegeben. Ein hier erscheinendes, wenig judenfreundliclies Blatt hat diese Gerüchte aufgegriffen, für ihre Verbreitung gesorgt, und sie zu einem Angriff gegen unsere Bank benutzt. Um diese Gerüchte ins wahre Licht zu bringen, lud Dr. Moyal mehrere Mitglieder des jungtürkischen Komitees und andere angesehene Jaffaer Bürger, Juden, Mohammedaner und Christen zu sich nach Hause ein. Es wurde hier darauf hingewiesen, wie sinnlos es doch wäre, von einer Boykottierung der arabischen Arbeiter durch Juden zu sprechen, da ja sowohl in den jüdischen Kolonien wie auch in den Städten die Araber bei den Juden in überwiegender Mehrzahl Beschäftigung finden. Selbstverständlich aber müsse der Anspruch der Juden, auf jüdische Arbeiter ein Vorrecht zu haben, als nicht unberechtigt angesehen werden, im übrigen aber müsse das Prinzip der vollständigen Freiheit bei der Arbeitsverteilung gewahrt bleiben. Die anwesenden Araber erklärten, daß es hier Leute gäbe, die im Trüben fischen wollen, sie würden ihnen aber das Handwerk legen. Eine genaue Darstellung dieser Angelegenheit erschien hierauf in dem wirklich freiheitlich gesinnten Tageblatt „Attaraki", welches hier seit einigen Tagen erscheint. Auch sonst gab der Beginn der Arbeit in Achusath-Baith Anlaß zu einigen unruhigen Auftritten zwischen Mitgliedern der Gesellschaft, einem Bauführer und zwei Arbeitern usw., die in der Kleinstadt Jaffa in vielfachem Echo wiederhallen, die aber die jetzt beginnende Arbeit doch nicht aufhalten können. Schmitta Die Ansicht, daß eine strenge Beobachtung der Schmitta vollständig undurchführbar sei, hat bald unter den palästinensischen Rabbinern Oberhand gewonnen. Es soll nun wie in frühem Schmittajahren die Einstellung der Arbeit auf dem Felde durch den vom Rabbinat vorzunehmenden Verkaufsakt des jüdischen Landes umgangen werden. In einem Schreiben, in dem sich der Jaffaer Rabbiner heute an die jüdischen Kolonien wendet, wird auseinandergesetzt, daß es nach der jetzigen ökonomischen Lage der Juden in Palästina unmöglich sei, das Schniittajahr allen seinen Bestimmungen nach durchzuführen, denn dies würde einer Zerstörung des ganzen Jisclmw gleichkommen. Alle Besitzer werden aufgefordert, die vom Robbinat ausgestellten Verkaufsp.tpiere zu unterschreiben nnd dem Rabbinat zur Verfügung zu stellen. Die Administration der dem Baron Rothschild gehörigen Ländereien hat bereits eine solche nach dem Religionsgesetz erforderliche.Urkunde („Satar mchira") dem Rabbinat übermittelt. Ein großer Übelstand ist es, daß auch nach der Vornahme dieses Schein Verkaufs die Saat-, Schnitt- und Drescharbeiten nicht durch Juden vorgenommen werden dürfen. Die strenge Befolgung dieses Verbots wird wieder das Bestreben, die jüdischen Arbeiter auf die Dauer in den jüdischen Kolonien festzuhalten, aufhalten. Konflikt in Petach-Tikwah Petach=Tikwah, 23. Juli 1909. Die vom Waad einberufene Generalversammlung der Kolonie hat vergangenen Sonnabend in der Synagoge stattgefunden. Jedwede Debatte war von vornherein ausgeschlossen, man durfte nur mit ja oder nein darüber abstimmen, ob die von Dr. Kohan-Bernstein eingereichte Demission anzunehmen oder abzulehnen ist. Die Abstimmung war geheim. 109 Stimmzettel lauteten für die Annahme der Demission, 17 dagegen. In unserer Kolonie beschuldigt man jedoch den Waad, die Abstimmung heimlich beeinflußt zu haben, weil es bekannt ist, daß selbst unter den Anhängern des Waad Dr. Bernstein-Kohan viel mehr Anhänger zählte, als es hier zum Ausdruck gekommen ist. Übrigens hat sich die ganze große Anhängerschar Dr. Bernstein-Kohan, die z.T. nach den jetzigen Satzungen der Kolonie nicht stimmberechtigt ist, von der Versammlung ferngehalten. Noch bevor diese Versammlung einberufen wurde, hat das provisorische Komitee der Oppositionspartei Dr. Bernstein-Kohan kontraktlich als seinen Arzt angestellt, wobei es nur noch von letzterem abhängt, ob er in der Kolonie weiterbleibt oder trotz der Bitte der Jugend sie auf immer verläßt. Wenn Dr. Bernstein-Kohan unsere Kolonie verlassen sollte, dann würde die Erbitterung gegen unsern alten Waad, der aller Welt bewiesen hat, daß Petach-Tikwah nicht würdig ist, einen Mann wie Dr. Bernstein-Kohan in [seiner Mitte zu haben, noch viel größer werden. Es ist zu hoffen,' daß die Tage dieses Waad trotz des heute geltenden, der Reaktion die Herrschaft erleichternden, Wahlsystems gezählte sind. Der Waad übrigens dementiert in der Presse die Nachricht, als ob er die Trauerandacht für Herzl, dessen Andenken in dieser Kolonie stets hochgehalten und der in der Synagoge alljährlich nach jüdischem Brauche betrauert wurde, nicht habe zulassen wollen. (Anmerkung der Redaktion: Auch uns ist in dieser Angelegenheit folgendes Schreiben vom Petach-Tikwaher Waad zugegangen: „In der letzten Zeit wurden im Hazewi über unsere Kolonie zahlreiche Nachrichten veröffentlicht, die nicht einen Funken Wahrheit enthalten. Wir halten es nicht für notwendig, auf all das zu erwidern, die Wahrheit wird sich schon selbst offenbaren und die Verbreiterdieser Nachrichten Lügen strafen. Jedoch die Verleumdung, daß der Waad nicht erlaubt hat, eine Trauerfeier für Dr. Theodor Herzl in der Synagoge zu veranstalten, können wir nicht mit Stillschweigen übergehen. Diese Behauptung ist vollständig erlogen. In Wirklichkeit verhält sich die Sache folgendermaßen: Ein Synagogenvorsteher kam zu Herrn Goklenhirsch, dem Vorsitzenden des Waad der Kolonie, um ihn um Erlaubnis zu bitten, für Dr. Herzl in der Synagoge eine Trauerfeier abhalten zu lassen. Der Vorsitzende wunderte sich sehr über diese Bitte, die von der Leitung der Synagoge ausging, welch letztere in keinem Verhältnis zum Waad steht, und erwiderte beiläufig: Die Synagoge st-eht nicht unter der Aufsicht des Waad, und dieser kümmert sich nicht um die Angelegenheiten der Synagoge. Wollen Sie mit Ihrem Kollegen, dem 2. Synagogenvorsteher, sich beraten und nach Belieben beschließen.) Hebräische Postmarken in Palästina Seit kurzer Zeit befindet sich in Palästina r ......... eine hebräische Postmarke im Umlauf, die von der Kolonie Petach Tikwah herausgegeben wird und womit es folgende Bewandtnis hat: Bekanntlich befördert die österreichische Post in Palästina unentgeltlich Briefe aus den jüdischen Kolonien im Ortsverkehr von Jaffa und nach den jüdischen Kolonien. Zum Entgelt haben sich die meisten der jüdischen Kolonien verpflichtet, eine gewisse; —; .. ,3 Anzahl von Postmarken für die Zwecke des Verkehrs nach außerhalb von der österreichischen Post zu beziehen. Da nun der Waad der Kolonie Petach Tikwah für die Errichtung eines Posthauses und die Austragung der Briefe in der Kolonie Ausgaben hat, beschloß er, sich eine regelmäßige Einnahme aus dem Postverkehr zu sichern, und gab zu diesem Zwecke eigene Marken aus. Jeder Brief, der gemäß der Vereinbarung mit der österreichischen Post portofrei aus Petach Tikwah hinausgeht, soll nach der Verordnung des Waad mit einer solchen Marke frankiert werden. Die Marken kosten 14 Paras gleich 1 Metallik, ca. 6 Centimes, also immerhin noch weniger, als das übliche Porto der Postanstalten beträgt. Ebenso wird verlangt, daß auch die Briefe, die portofrei von Jaffa nach Petach Tikwah versandt werden, zum Ausgleich mit einer solchen Koloniemarke versehen werden. Die Bestimmung ist ganz jungen Datums und wird vorläufig noch nicht ganz strikte durchgeführt, so daß sie selbst in Jaffa erst wenigen Leuten bekannt ist. Immerhin gelangten in unsere Redaktion bereits mehrere mit einer solchen Marke und der erforderlichen österreichischen Marke frankierte Sendungen. Beide Marken waren gleichermaßen von der österreichischen Post abgestempelt. Die Marke, von der wir eine Abbildung bringen, zeigt auf grüngelbem Hintergrunde einen Orangebaum und eine Pflugschar. Sie ist von einem schwarzgelben Rande eingefaßt, trägt oben in hebräischen Lettern die Ortsbezeichnung „Petach Tikwah" und unten in arabischen und hebräischen Ziffern die Wertangabe 14. Die Marke macht einen recht gefälligen Eindruck. iÄi The Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited In der am 3. August d. J. stattgehabten Generalversammlung unserer Gesellschaft ist für das mit dem 31. Dezember 1908 abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von 6d pro £ 1.— Aktie, steuerfrei, auf Kupon Nr. 5 erklärt worden. Die Einlösung erfolgt vom 23. August d. J. ab an unserer Kassa in Brook House, Walbrook London, E. C. und bei unserer Branch

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