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Die Welt · 1909-07-30 · 31 (30.7.1909) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
31 (30.7.1909)
Date
1909-07-30
Page
– (sequence 18)
Language
German
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702 dies§£ ELT No. 31 * \ '* * er ins Land gelassen werden will, schildert anschaulich der Berichterstatter des „American Hebrew". Als der Berichterstatter am 14. Juli Ellis Island besuchte, hatte die Aufregung gerade den Höhepunkt erreicht. Sielrenhundertneun Zurückweisungsfälle harrten damals der Erledigung. Die Verwirrung begann nach der Schilderung des Korrespondenten am 30. Juni, als 40 Passagiere der zweiten Klasse vom „Ryndam" landeten und es sich herausstellte, daß niemand von ihnen die verlangten 25 Dollars besaß. Die Passagiere wurden sämtlich zurückbehalten. Dieser Einbruch in die bis dahin streng gewahrte Immunität der zweiten Klasse rief einen Sturm der Entrüstung hervor. Kommissar William verharrte indessen hartnäckig auf seinem Standpunkt, ließ die angehaltenen Ankömmlinge nicht ins Land und brachte es fertig, daß in wenigen Tagen die Insel mit Einwanderern überfüllt war, die auf Grund der neuen Bestimmung vorläufig zurückgehalten wurden. Der Berichterstatter des „American Hebrew" hatte in Abwesenheit des Kommissiars eine Unterredung mit dessen Gehilfen, der sich sehr entgegenkommend zeigte und ihm gestattete, beliebige Einwanderer auszufragen. Der Korrespondent suchte sich sechs Einwanderer aus, einen Arzt, der bereits im Namen von 96 Zurückgehaltenen eine lange Beschv/erde im „Jewish Daily Forward" veröffentlicht hatte, und fünf Mechaniker. Er berichtet, daß ihm zunächst das Fehlen jeder anormalen Erscheinung bei diesen Leuten auffiel, es waren durchaus typische Figuren. Sie waren natürlich alle etwas aufgeregt, aber durchaus gesund, ihre Muskeln zeugten von harter Arbeit, sie sprachen frei und intelligent, ihre Kleidung war nicht schlechter, als die Durchschnittsbevölkerung sie trägt, und nichts schien sie zu hindern, mit Hilfe eines der großen Magazine in der Grand Street binnen zwei Monaten das typische Bild eines jüdischen Yankees abzugeben. Einer der Befragten, ein Schneider aus Kiew, hatte aus Chikago 50 Dollars, also das Doppelte der erforderlichen Summe, gesandt bekommen. Da aber das Geld zwei Wochen zu spät in Ellis Island eintraf, soll er nicht hineingelassen werden. Zwei andere haben gleichfalls Verwandte in gesicherter Stellung in Amerika, die bereit sind, für den Unterhalt der beiden zu bürgen, — indessen Amerika will sie nicht! Wieder ein anderer erzählte, daß er Geld genug besessen habe. Indessen durch die überhohen Preise, die man ihm für seinen Unterhalt während der Überfahrt abverlangte, und durch andere Übervorteilungen ist er darum gekommen. Der Berichterstatter beschreibt den Arzt. Er hat eben seine Studien vollendet und ist, ein seltener Vogel unter russischen Studenten, streng orthodox, hat sich immer ferngehalten von aller politischen Betätigung, ein harmloser, sich selbst genügender Akademiker. Und dieser Mann ist während der paar Wochen erzwungenen Aufenthalts auf Ellis Island zum glühenden Verfechter der Unterdrückten geworden, ein enragierter Sozialist, der seine Klagen in einem anarchistischen Blatte veröffentlicht. Selig Fein aus Slonim hat einen Cousin in NewYork, ein sehr angesehenes Mitglied der dortigen russisch-jüdischen Gemeinde, dem es sehr gut geht und der mancherlei Ehrenstellen bekleidet. Er ist bereit, die 25 Dollar für seinen Cousin zu hinterlegen, aber die neue Verordnung läßt die Vetternschaft nicht als Verwandtschaft gelten. Das Geld muß vom Vater oder vom Sohne kommen, das des Cousin ist trefe. Und alle diese Armen fragen: Warum sind wir gefangen in Ellis Island an der Pforte der Freiheit? Mülhausen, 21. Juli. Vor dem Kriegsgericht der 29. Division wurde heute die Anklage gegen den Gefreiten Seuster von der 4. Eskadron des Jägerregiments zu Pferd in Mülhausen wegen Beleidigung eines Vorgesetzten und Achtungsverletzung unter dem Gewehr und versammelter Mannschaft verhandelt. Seuster war im bekannten Prozeß Bloch der Hauptbelastungszeuge, dessen Glaubwürdigkeit Graf Gersdorff durch den Vorwurf sozialdemokratischer Gesinnung zu mindern versuchte. Wie man sich erinnert, trat Seuster damals dem Rittmeister sehr entschieden gegenüber; die dabei gefallenen Äußerungen lagen der Anklage zugrunde. Der Anklagevertreter beantragte zwölf Tage strengen Arrest, das Gericht kam jedoch zur Freisprechung. Brief aus Saloniki (Von unserm Berichterstatter) Anläßlich der Wiederkehr des Todestages Dr. Herzls veranstaltete der hiesige Verein „Bnei Zion" eine Gedenkfeier, an der mehr als 350 Personen teilnahmen. Herr David Florentin, Chefredakteur des „Avenir", hielt die Gedenkrede, der er die Geschichte des Zionismus zugrunde gelegt hatte. Hierauf folgte ein weihevolles Gebet, verrichtet von einem der angesehensten Chahchamim der Gemeinde. Tief ergriffen verließen die Zuhörer die Gedenkfeier, die erste dieser Art in der Türkei. Auch der zionistische Verein „Chowewe Zion" in Monastir, veranstaltete eine Herzlgedenkfeier, an der die Vorsteher der Gemeinde und aller Vereine teilnahmen. Herr David Nachmias, Direktor der Talmud Tora schule, hielt eine kurze Ansprache, in der er die Erschienenen zu energischer zionistischer Arbeit aufforderte. Der neugegründete Verein zählt bereits 100 Mitglieder. Aus Larissa (Griechenland) schreibt man dem hiesigen „Bnei Zion", daß der neugegründete Verein „Mebasseret Zion" sich sehr gut entwickelt und bereits über 80 Mitglieder zählt. In der Talmud Toraschule wird neuerdings das Hebräische als lebende Sprache unterrichtet. In Smyrna erregte die jüngste Rede Dr. Riesa Tewfik Beys über den Zionismus, über die wir in unserer letzten Nummer berichtet haben, großes Aufsehen. Die dortigen spaniolischen Zeitungen bringen lange Kommentare dazu. Herr Advokat Albert Tarika gibt in der Zeitung „El Novelista" seiner Befürchtung Ausdruck, daß die türkischen Juden unter einem mißverstandenen Zionismus leiden möchten und schlägt vor, seinen Namen dahin zu ändern, daß daraus hervorgehe, daß er lediglich die jüdische Kolonisation innerhalb des ottomanischen Reiches bezwecke. Die Zeitung antwortet ihm darauf, daß zu einer Namensänderung keine Notwendigkeit vorliege. Die Zionisten haben ihr Programm bekanntgegeben und bekennen sich als ottomanische Patrioten. Es sei daher kein Grund zu irgendeiner Besorgnis. Auch die zweimal wöchentlich erscheinende „Vos die Puevlo" gibt ihrer Sympathie für den Zionismus Ausdruck, der offenbar keinerlei separatistische Tendenzen verfolge. Indessen hält sie ihn noch für verfrüht, in der Türkei für den Zionismus zu arbeiten, da die Ordnung des Reiches noch nicht geregelt genug sei. In 4 bis 5 Jahren werde das ottomanische Volk für den Zionismus reif sein, und dann solle man anfangen zu arbeiten. In Istrumsa bei Saloniki wurde ebenfalls ein zionistischer Verein mit 50 Mitgliedern gegründet, hauptsächlich dank den Bemühungen des Herrn Salomon Kimchi. Auch in Silibria bei Adrianopel ist eine zionistische Gruppe ins Leben getreten. Sitzung der Agrarkreditkommission Berlin, 28. Juli (Spezialbericht). Am 26. ds. fand in Berlin die zweite Sitzung der Palästina-Agrarkredit-Kommission statt, die von der letzten A.-C.-Sitzung eingesetzt worden ist. Verschiedene Berichte wurden vorgelegt, der Plan der v/eitern Tätigkeit wurde festgestellt und Maßnahmen getroffen, um die gefaßten Beschlüsse auszuführen. Berichtigung In den beiden Feuilletons „Galiläa" der „Welt" Nr. 28 und 29 sind folgende Druckfehler zu berichtigen: Seite 609, linke Spalte, Zeile 6 von oben „Ebal" statt „Ebel". Seite 610, linke Spalte, Zeile 29 von oben „zagen sich" statt „zogen sich". Seite 610, rechte Spalte, Zeile 29 von unten „rasengerändert" statt „rosengerändert". Seite 613, Zeile 14 von unten „wie zu einer Gesamtörtlichkeit*' statt „wie mit einer Gesamtörtlichkeit". Seite 636, linke Spalte, Zeile 13 von unten „Charaten" statt „Choreten". Seite 636, rechte Spalte, Zeile 28 von unten „Bergessaum" statt „Bergessand". Ferner soll es an den betreffenden Orten heißen: „Mizpa" statt „Mirpa". „Jessod Harniialeh" statt „Jessod Hamaleh". „Ischak Luria" statt „Irchek L.'*. „Sammarin" statt „Samaria". „Schewejah" statt „Schewegah" und „Em el Gamal" statt „Em el Hamal". „Max Nordau als Kulturphilosoph" Ich werde darauf aufmerksam gemacht, daß nicht Möbius ein Vorläufer von Nordau war, sondern daß vielmehr Möbius in seiner Göthe-Pathographie Nordau zitiert und sich auf Nordau beruft. Beim Lesen des Möbiusschen Werkes habe ich dieses Faktum über-

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