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Die Welt · 1909-07-30 · 31 (30.7.1909) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
31 (30.7.1909)
Date
1909-07-30
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Misrachisten zuzulassen: nur sollte dieser keine zionistische Versammlungen besuchen und dem Bunde der jungen Juden „Macbi" — welcher, obgleich er nicht zionistisch ist, dennoch im Verdachte zionistischer Neigungen steht — keine Hilfe leihen. Da man wußte, daß an dem letzten Verbot persönliche Gründe Schuld hatten, und der Oberrabbiner sein Prinzip, keinen Zionisten zu dulden, hatte fahren lassen, schlössen die Ausgetretenen sich wieder der alten Gemeinde an und konnten das Resultat als einen Sieg betrachten. Die Sache im allgemeinen aber war keineswegs erledigt. Denn man begreift, daß dieser Fall nicht vereinzelt zu bleiben braucht, und der Bundesvorstand des niederländischen Zionistenbundes mußte daher sorgen, daß schon im voraus Maßregeln getroffen wurden, um dieses endgültig zu verhindern. Er richtete deshalb ein Schreiben an die „Zentral-Kommission für die Interessen der niederländischen Israelitischen Kirchengenossenschaft", in welchem er darauf hinweist, daß die Freiheit, weiche in diesen Sachen einzelnen Personen zugestanden wird, sehr gefährlich für den Frieden im holländischen Judentum sein kann. Dieses Schreiben kam in der jährlichen Versammlung der Zentral-Kommission am 27. Juni d. J. gleich in Behandlung, namentlich durch den Einfluß unserer zionistischen Gesinnungsgenossen, welche Mitglieder der Versammlung sind, der Herren J. H. Kann, Dr. M. Wolff und Dr. H. Pinkhof — der Vorsitzende wollte nämlich, wie dieses in jeder hohen Versammlung meistens geschieht, die Behandlung bis zum nächsten Jahre, d. h. ad calendas graecas verschieben. Bei der Behandlung brachte Herr Dr. M. Wolff eine Resolution vor, in welcher der Permanenz-Ausschuß der Kommission eingeladen wurde, in derartigen Fällen durch freundschaftliche Überredung dahin zu wirken, daß der Frieden ungestört bleibt. Diese Resolution wurde zwrar nicht angenommen, aber dennoch dem Permanenz-Ausschuß überwiesen, welcher sich also jedenfalls mit ihr befassen muß. Und dieses gilt bei der Indifferenz dieser Herren dem Zionismus gegenüber schon als sehr wichtig. Allgemein wird denn auch das Resultat als ein sehr gutes betrachtet und man ist überzeugt, daß jetzt jedenfalls etwas in der guten Richtung geschehen wird. Was, weiß man noch nicht bestimmt, da die Zentral-Kommission sich nicht sehr gerne in Sachen mischt, welche zu der Autonomie der jüdischen Gemeinden gehören, und daher ihr faktischer Einfluß nicht sehr groß ist und nur ihr moralischer sehr groß sein kann. Man muß also in der Kommission das allgemeine Interesse dieser Sache begreifen lernen, und das wird wahrscheinlich wohl der Fall sein, — die Debatte war wenigstens für den Groninger Oberrabiner nicht sehr freundlich. Die allgemeine Lage Damit aber haben wir hoffentlich — wenn nicht wieder etwas derartiges geschieht — bis zum nächsten Jahre Zeit. Und inzwischen können wir, was angenehmer und wohl auch besser ist, all unsere Kräfte der praktischen Propaganda widmen. Wir haben diese jedoch auch im abgelaufenen Jahre im Streit nicht vergessen, und wir können, wenn wir das Resultat betrachten, zufrieden sein — vielleicht nicht mehr als zufrieden, aber jedenfalls zufrieden. Es wurden in den Ortsgruppen wie gewöhnlich sehr viele Versammlungen und Zusammenkünfte gehalten, (reges Interesse weckten namentlich die Palästinabilder, welche uns vom Berliner Zentralbureau zur Verfügung gestellt wurden), und auch eine neue Ortsgruppe wurde gegründet: Assen. Daneben wurde für den Misrachi eifrig — und in diesem Jahre zuerst — plangemäß gearbeitet; ein Misrachi-Komitee wurde gebildet und der Verein — welcher einen Teil des Niederländischen Zionistenbundes bildet — hat jetzt ungefähr 130 Mitglieder. Es ist kein Zweifel, unser Wunsch, vor dem nächsten Kongreß mehr als 1000 Mitglieder zu haben, ist erfüllt. Genau aber kann die Zahl noch nicht bestimmt werden. Nur dieses läßt sich jedenfalls mit Gewißheit sagen: auch in diesem Jahre haben wir wieder sehr viel an Kraft gewonnen. Denn das ist unser Glück, daß wir wohl einmal Mitglieder verlieren, aber Gesinnungsgenossen dafür zurückbekommen. In der ersten Zeit des holländischen Zionismus kamen viele zu uns, welche in unserm Streben die alte Rachmonushilfe verehrten. Wir aber haben nicht aufgehört, den nationalen Grund unserer Bewegung immer und immer wieder zu betonen. Dadurch sind sehr viele, welche zu uns gekommen waren, abgeschreckt; denn unsere Propaganda war, aus unbewußter Furcht vor diesem Mißverständnis der Prinzipien, nicht gerade sehr tolerant. Dieser strenge Standpunkt, welcher zweifelsohne seine Nachteile hat, indem er die Zahl der Anhänger kleiner scheinen läßt, als sie in Wirklichkeit ist, hat dennoch den Vorteil, daß die wirklich bewußten Juden mit desto mehr Kraft angezogen werden. So bekommen wir für jeden, der fortläuft, immer einen Bessern wieder. Diese Betonung des nationalen Prinzips aber hat auch zur Folge, daß die Bewegung in Holland fast ausschließlich von Jüngern getragen und geführt wird. Das hat auch viele leicht zu verstehende Nachteile; aber dabei ist dennoch der Vorteil des immer lebendigen und immer warmen Enthusiasmus ein allzu großer, als daß wir gerne täuschen möchten. Nur eines macht dadurch die Propaganda schwierig: wir haben fast keine Agitationsredner. Namentlich im letzten Jahre haben wir damit zu kämpfen gehabt. Und es wird nun versucht, unter den Studenten diese Redner zu bilden. Wir haben nämlich einen ziemlich großen Teil der jüdischen Studenten in unsern Reihen. Diese haben im vorigen Jahre sich zu einem eigenen Verein zusammengeschlossen und neulich ein Jahrbuch herausgegeben, in welchem ein Verzeichnis aller jüdischen Studentenverbindungen in Europa und Amerika, und mehrere Aufsätze (u. a. ein überaus kräftiger Aufruf des Herrn Sokolow „An die Jugend") aufgenommen sind. Im September werden die Studenten ihre zweite Jahresversammlung abhalten. Auch haben wir einen Bund der ganz jungen Juden: „Macbi", der, wie ich bereits schrieb, nicht zionistisch, sondern rein national ist. Dieser Bund will seinem Programm gemäß namentlich die Assimilation unter der heranwachsenden jüdischen Jugend bekämpfen, und seine Mitglieder befassen sich daher wöchentlich mit dem Studium der jüdischen Literatur, Geschichte usw. Eine sehr große Schwierigkeit bei seiner Arbeit ist, daß die Orthodoxie nicht mithilft, sondern den Bund sogar bekämpft, und daß dadurch oft keine guten Lehrer gefunden werden können. In letzter Zeit aber wird der Widerstand der Orthodoxie, namentlich durch die Arbeit der Misrachi, ein wenig schwächer. So hat sich jetzt auch der Redakteur einer jüdischen Zeitung, welcher bis jetzt dem Zionismus feindlich gesinnt war, unserer Bewegung angeschlossen. Drei der vier angesehenen jüdischen Zeitungen Hollands sind jetzt zionistisch. Unter diesen nimmt selbstverständlich für uns unser Parteiorgan „de Joodsche Wächter" die erste Stelle ein. Durch die treffliche Führung des Herrn A. B. Kleerekoper ist der Inhalt bedeutend vergrößert; die Zahl der Abonnenten wächst jeden Tag. Es ist leicht zu begreifen, welch ein mächtiges Propagandamittel wir dadurch für unsere Bewegung haben. Die Alliance und der Zionismus Wie groß unser Einfluß in dem holländischen Judentum bereits ist, hat sich wieder einmal in der letzten Generalversammlung der Alliance, Abt. Holland, gezeigt. Hier spricht der Vorsitzende in seiner Eröffnungsrede nicht gegen den Zionismus; im Gegenteil, die „Jüngeren" in der Alliance werden in den letzten Jahren immer offiziell mit Freuden begrüßt. Ein Versuch, Herrn Dr. Ornstein für das Comite Central zu nominieren, mißlang zwar; er bekam aber sehr viele Stimmen, und diese erklärten sich nicht nur für seine Person, sondern auch für die Richtung, welche er im Judentum verfolgt. Ein anderes jedoch geschah, was uns mit Freuden erfüllen darf. Vor fünf Jahren hatte Dr. Franzie Berenstein den Antrag gestellt, die Alliance möchte sich mit der sozialen Arbeit unter den holländischen Juden befassen. Dieser Antrag wurde zu jener Zeit fast allgemein abgelehnt. Und jetzt, nach nur fünf Jahren, stellte eine Ortsgruppe wieder den Antrag — und er wurde einstimmig und mit großem Jubel angenommen. Das ist wohl ein guter Beweis, wie sehr unser junger Geist selbst in eine so alte und ehrwürdige Versammlung wie jene der Alliance eingedrungen ist. Galizien Der Hebräische Schulverein in Galizien Um die Zahl der hebräischen Schulen in Galizien zu vergrößern, das gesamte jüdische Schulwesen zu überwachen und nach einheitlichen Gesichtspunkten zu leiten, wurde im April dieses Jahres in Lemberg eine Konferenz der Vertreter sämtlicher Schulkomitees abgehalten und die Gründung eines „Hebräischen Schulvereins für Galizien und Bukowina" beschlossen. Der Verein betrachtet es als seine vornehmste Aufgabe, über diese beiden Kronländer ein Netz gut funktionierender zweckentsprechender hebräischer Schulen zu verbreiten. Jede jüdische Gemeinde, möge die Zahl ihrer Mitglieder noch so gering sein, soll ihre hebräische Schule haben. Die Leitung des Schulvereins wird die gesamte Kontrolle übernehmen und die Schulen von tüchtigen Pädagogen inspizieren lassen. Die Grundlage des Erziehungswesens soll der Kindergarten bilden, an den sich die sechsklassige Schule angliedert, worauf ein Oberbau in Form von hebräischen Fortbildungskursen gesetzt sein soll. Die Leitung deshebräischen Schulvereins erläßt jetzt einen Aufruf, in dem sie zum Beitritt in den Verein auffordert. Alle Auskünfte erteilt Herr Salomon Schiller, Lemberg, Alembekow 14. Die Unterstützung des Vereins kann nicht dringlich genug empfohlen werden.

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