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Die Welt · 1909-07-23 · 30 (23.7.1909) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
30 (23.7.1909)
Date
1909-07-23
Page
– (sequence 26)
Language
German
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676 DIEt&ELT No. 30 II -M i ■ p; .-?j; n> H I und der jüdische Turnverein „Makkabi", vielleicht auch noch andere Körperschaften, werden sich in feierlichem Zuge mit Fahnen an die Denkmalsstätte begeben, wo sie einen großen Kranz und einen Riesen-Magen-David niederlegen werden. Ansprachen werden in hebräischer und türkischer Sprache gehalten werden. Auszeichnung des Qroßrabbiners Rabbi Haim Nahum hat dieser Tage vom Sultan Menelik einen Orden erhalten. Eine Gendarmerieschule in Jerusalem Im Plane der allgemeinen Reorganisation der türkischen Gendarmerie, die von dem italienischen General Robilant Pascha geleitet wird, figuriert auch die Gründung einer Gendarmerieschule in Jerusalem. Im Interesse der öffentlichen Sicherheit wird diese Gründung von unsern Kolonisten freudigst begrüßt werden. Konstantinopel, 20. Juti.M Der Schech ül Islam hat an alle Muftis, Geistliche, Richter und Ülemas einen Erlaß gerichtet, worin er auf Grund von Koransprüchen erklärt, daß der Religionsunterschied kein Hindernis für die Gleichheit bilde. Der Erlaß enthält die Aufforderung, auf das Prinzip der Gleichheit streng zu achten und der Bevölkerung nahezulegen, in Eintracht mit den Nichtmohammedanern zu leben. Konstantinopel, 21. Juli. Die Kammer nahm nach lebhafter Erörterung den Gesetzentwurf für die sofortige Aushebung von sechs Klassen Nicht-Muselmanen und solchen Muselmanen an, die bisher vom Militärdienst befreit waren. D«e Gesamtzahl dieser Mannschaften wird auf 150000 geschätzt. England (Von unserm Berichterstatter) Besuch der türkischen Deputierten Die ottomanische Deputation, bestehend aus 17 hervorragenden Mitgliedern des türkischen Parlaments, kam am verflossenen Samstag in London an. Ein Hauptzweck ihrer Mission ist, im Namen Sr. Hoheit des Grandvesirs der britischen Nation Dank für die Sympathien und die Freundwilligkeit auszusprechen, die sie seit der Verfassungsproklamierung gezeigt hat. Die Vorbereitungen für den Empfang und die Unterhaltung der Deputation lag in den Händen eines einflußreichen Komitees, an dessen Spitze der Earl of Onslow steht. Die Besucher vertreten das neue türkische Parlament in würdiger und bezeichnender Weise, — wir finden unter ihnen Schriftsteller, Journalisten, Verleger, Zeitungsbesitzer, Kaufleute, Doktoren usw., alles Leute, die herübergekommen sind, um die große Freundschaft zu beweisen, die die Türkei für England hegt als für eine Nation, deren Unterstützung sie in politischer und kommerzieller Hinsicht auch in Zukunft wünscht. Die englische Presse begrüßt die Gäste höchst herzlich und bundesbrüderlich und drückt den Wunsch aus, daß der englische Handel die Gelegenheit ergreifen und seine kaufmännischen Pläne in der Türkei nunmehr energisch vorwärtsbringen werde in sicherm Bewußtsein, seitens der neuen türkischen Regierung sehr freundlich bewillkommnet zu werden. Die Deputation wurde bei ihrer Ankunft in Dover von Colonel Percy Massy begrüßt, der sich seit Januar der Vorbereitung dieses Besuchs gewidmet hat. Colonel Massy war es, der im letzten Monat Konstantinopel besuchte, um mit dem Präsidenten der türkischen Kammer das Datum des Besuchs festzusetzen. Die Deputation wird eine Woche lang in London bleiben und wird sodann eine Rundreise durch die Hauptindustrieplätze des mittlem und nördlichen Englands machen. Der Präsident der Delegation ist Talaat Bey, Vizepräsident der Kammer und Deputierter von Adrianopel, der Sekretär ist Nissim Mazliach Effendi, der Schriftführer der ottomanischen Kammer und Deputierter für Smyrna. Der Deputation gehören außerdem u. a. noch an: Sasson Effendi, Dr. Risa Tewfik Bey, Bostani Effendi (Vizepräsident der Deputation), Rouchi el Halidi Bey (Deputierter für Jerusalem) u. a. m. Der Empfang der Deputation verlief in höchst vornehmer und gastfreundlicher Weise. Die lange Reihe der Frühstücke, Diners und Empfänge begann schon am Sonntagmittag. Nachmittags nahmen die Besucher den Tee bei Sir Edward Stern, dem wohlbekannten jüdischen Bankier, der u. a. Präsident der jüdischen Taubstummenanstalt und Vizepräsident der Anglo-Jewish Association ist. Heute, Montag, nahm die Deputation das Lunch beim Sprecher des Unterhauses ein und wurde abends vom König im Buckingham Palace empfangen. Morgen wird sie die Flotte besichtigen, die jetzt hier vor Anker liegt und abends wird die hauptsächlichste öffentliche Veranstaltung anläßlich des Empfangs stattfinden, ein Begrüßungsbankett im Hotel Cecil, bei dem Lord Onslow präsidieren und Lord Curzon den Haupttoast halten wird. Vorgesehen sind außerdem ein Frühstück seitens der interparlamentarischen Union im Unterhause, ein Frühstück seitens der Regierung ebendaselbst, ein Frühstück seitens der Londoner Handelskammer, Besuch des Schlosses Windsor und ein Diner in der türkischen Botschaft. Am Dienstag vormittag besuchten Herr L. J. Greenberg, Vizepräsident der English Zionist Federation, Herr Joseph Cowen, Direktor des Jewish Colonial Trust und Herr Israel Cohen, Sekretär der Federation, die beiden jüdischen Deputierten des türkischen Parlaments, die Herren Sasson Eskell Effendi (Bagdad) und Nissim Mazliach Effendi (Smyrna) und besprachen mit ihnen die Lage des Zionismus und die allgemeinen Möglichkeiten der jüdischen Kolonisation im türkischen Reiche. Sir Francis Montefiore, Bart, Ehrenpräsident der English Zionist Federation, wird einige Mitglieder der Deputation des türkischen Palamentes nächsten Samstag zum Besuch im Hotel Great Central empfangen. Unter den Gästen werden sich befinden die Herren Sasson Eskell Effendi (Bagdad), Nissim Mazliach Effendi (Smyrna) Dr, Riza Tewfik Bey (Ädrianopel) und Roubhi el Halidy Bey (Jerusalem). Zangwills jüngste Kundgebung Am Donnerstag und Freitag vergangener Woche fand in London eine Konferenz des Internationalrates des Ito statt. Im Zusammenhang damit wurde am Sonntagabend eine Versammlung im Pavilion-Theater abgehalten, bei der Herr Zangwill präsidierte, unterstützt von den Herren Meyer Spielmann, Dr. Jassinowski, Dr. Jochelmann, Dr. N. Slousch usw. Herr Zangwill sprach in hoffnungsvollen Worten über die Aussichten der Kolonisation in Mesopotamien. Er gab der Meinung Ausdruck, daß auch die zionistische Organisation dem Plane freundlich gegenüberstehen werde, wenn man an die materielle Unterstützung ihrer finanziellen Institutionen appellieren werde auf Grund der wachsenden Bedeutung jüdischer Kolonisationsbestrebungen im Orient. Mit Bezug auf die Frage der Autonomie sagte er, daß dieses Wort im Itoprogramm nicht enthalten sei. Es sei unmöglich, eine Autonomie beim Beginn der Kolonisation zu verlangen, sondern die Kolonie werde auf einer autonomen Basis aufgebaut werden, d.h., die Juden würden, indem sie das vorherrschende Element würden, allmählich auf natürlichem Wege Selbstverwaltung erlangen. Was die der Siedelung vorherzugehende Erforschung anlange, so denke er, es sei nicht notwendig, eine wissenschaftliche Untersuchung vorzunehmen. Er glaube vielmehr, daß die beste Untersuchung die sei, die von den Pionier-Ansiedlern vorgenommen würde, die mit den Naturkräften zu kämpfen hätten und damit die Grundlagen für ein neues jüdisches Land legten. Die Schechita auf dem internationalen Tierschutz=Kon greß In der vergangenen Woche fand in London der internationale Kongreß der fierschutzfreunde statt. Wie es schon einmal bei den Versammlungen dieser Vereinigung üblich zu sein pflegt, ging auch diese Tagung nicht vorüber, ohne daß man sich nicht veranlaßt gesehen hätte, die Sympathien, die die Juden in so hervorragendem Maße den Bestrebungen der Tierfreunde entgegenbringen, dadurch zu erschüttern, daß heftige und in diesem Falle ganz besonders provozierende Angriffe auf die Schächtmethode gemacht wurden. Diesmal war es eine finnische Dame, Fröken von Konow aus Helsingfors, die in einem Vortrage über „Die jüdische Schlachtmethode" sich zu den heftigsten Angriffen auf das Schächten hinreißen ließ. Der ganze Vortrag war nichts anderes als ein Sammelsurium unsachlicher und verletzender Angriffe. Eigentümlicherweise waren die Arrangements der Versammlung derart getroffen, daß es kaum möglich war, der Dame, die es durch ihre Agitation fertiggebracht hat, daß in Finnland das Schächten verboten ist, gebührend zu erwidern. Fröken von Konow sprach über anderthalb Stunden, den Diskussionsrednern war aber nur eine Redezeit von je fünf Minuten gestattet, während sie selbst nach jedem Redner, solange sie wollte, erwidern konnte. Die ganze Sache machte einen peinlichen Eindruck und führte zu stürmischen Zwischenfällen. Fröken von Konow bezeichnete die jüdische Schächtmethode als barbarisch und verspottete ironisch die Bemühungen der Juden, ihren Bestrebungen entgegenzuarbeiten. Triumphierend berichtete sie, daß es ihr dank ihren guten Be-

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