Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 29 (16.7.1909)
- Date
- 1909-07-16
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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642 DIEl^ELT alle die Dinge, die am besten und sichersten durch eine solche Versammlung bekannt werden, wie die angeführte es ist. Natürlich mag es auch Dinge geben, von denen es wünschenswert ist, daß die Ito sie unter sich diskutiert und die nicht in die Öffentlichkeit gelangen sollen, und zu diesem Zwecke mögen vertrauliche Sitzungen abgehalten werden. Aber die Notwendigkeit der Geheimhaltung kann nicht oder sollte nicht auf die Gänze der Verhandlungen ausgedehnt werden. Eine periodische öffentliche Versammlung einer solchen Organisation ist ein vorzügliches Ventil, sie mag Kritik auslösen, aber sie wird Mißachtung hintanhalten, und keine öffentliche Körperschaft sollte vor dem einen zurückscheuen oder das zweite geringschätzen. Solch eine Versammlung, wenn sie bei offenen Türen abgehalten wird, ist . eine Bürgschaft für das Vertrauen der Öffentlichkeit, die die Öffentlichkeit wahrscheinlich annehmen wird. Ohne solches Vertrauen muß die öffentliche Unterstützung fehlschlagen. Wir empfehlen diese Betrachtung insbesondere Herrn Zangwill, dem Präsidenten der Ito, der in vergangenen Zeiten nicht gespart hat mit Vorwürfen gegen andere jüdische Organisationen, nur weil ihre Geschäftsführung und Verhandlungen geheimgehalten wurden." AM+;«A.*,;+:~m..c :~ \ t,n Wir lesen im „Jewish Comment" Antisemitismus in Amerika folgende bezeichnende Klage über den wachsenden Antisemitismus in Amerika: „Landaufenthalt. Den höchsten Ansprüchen genügend. Keine Kinder und keine Juden. Drei Minuten entfernt vom schattigen Walde. Pelham Heights, New York. Beste Empfehlungen." Jawohl, dies ist die Anzeige einer Sommerpension, und sie erschien im „The Outlook", dessen Chefredakteur Dr. Lyman Abbott und dessen Hauptmitarbeiter Expräsident Roosevelt ist. Es bedeutet sehr wenig für die Juden, ob dieser dunkle Kneipwirt sie will oder nicht, aber es ist eine Sache von großer Bedeutung, daß ein Herausgeber von einem solchen Range und daß vor allem ein Expräsident mit dem höchsten Ansehen hier und in der ganzen Welt eine Anzeige dieser Art in ihrem Blatte zulassen. Dr. Abbott ist ein Prediger und hat sehr gut über jüdische Schriften geschrieben. Mr. Roosevelt erzählt sehr gerne, wie No. 29 tapfer die jüdischen Soldaten unter ihm vor Santiago gefochten haben. Sie hätten sich beeilen müssen, um die Beleidigung, die in dieser Anzeige lag, wieder gut zu machen. Ein Brief an den Herausgeber wurde in seiner Abwesenheit von seinem Vertreter mit einer lahmen Entschuldigung beantwortet, die nichts besagt. Es ist ganz gleichgültig, ob diese Anzeige ohne Wissen der Redaktion erschien, aber es ist bedauerlich, daß eine Zeitschrift von dem hohen Range, den „The Outlook" bisher einzunehmen schien, die Bedeutung dieser Angelegenheit nicht erfaßt hat und daß-sie, nachdem ihre Aufmerksamkeit darauf gelenkt wurde, es nicht für nötig fand, die Sache schleunigst wieder gut zu machen. Es ist nicht unsere Gewohnheit, nach Anzeigen dieser Art zu fahnden, aber der Charakter der Zeitschrift und die Bedeutung ihrer leitenden Männer heben diesen Fall vor andern heraus, und wir sind begierig zu sehen, wie die jüdischen Leser des „Outlook" und alle, die sonst auf einen guten Ton halten, der Zeitschrift ihre Meinung über diese Handlungsweise zu erkennen geben. Der Wortlaut der Anzeige beweist, daß der Hotelbesitzer seine Abneigung gegen die Juden dazu benutzt, die Anziehungskraft seines Hauses zu erhöhen, da er ihren Ausschluß mit dem der Kinder als zweier gleich lästigen Besucher verbindet. Er hätte allen Besuchern im stillen von den Eigentümlichkeiten seines Hauses Mitteilung machen können und auf diese Weise Juden ausgeschlossen, wenn er nur dies wünschte. Aber er wollte öffentlich Kapital aus seinem Vorurteil schlagen, daher diese Anzeige. Es muß den Wert des „Outlook" sehr vermindern, wenn er sich zu einem solchen Zwecke hergibt und veröffentlicht, was eine niedrige Geringschätzung eines Teiles der Bewohner dieses Landes, von denen viele alte Freunde der Zeitung sind, in sich schließt. Wenn Dr. Abbott derartige Annoncen zuläßt, kann man von andern Zeitungen nicht erwarten, daß sie sich gegen solche Ausbrüche von Vorurteilen und Mißgunst wehren. Wir hoffen, daß, wenn die wirklichen verantwortlichen Leiter des „Outlook" von dieser schmachvollen Anzeige erfahren, sie schleunigst Schritte ergreifen werden, um den Charakter des Blattes als einer Rundschau der Intelligenz und des Rechtsgefühles, ganz über allen niedrigen Aufreizungen zum Rassenhaß erhaben, zu wahren." ooooooooo NACHRICHTEN ooooooooo Deutschland Die allgemeine jüdische Kolonisationsorganisation „Jewish Chronicle" berichtet über eine vertrauliche Versammlung der Allgemeinen Jüdischen Kolonisationsorganisation (A.J.K.O.), die bekanntlich im vorigen Jahre in Berlin gegründet wurde und seither ein in den weitesten Kreisen unbekanntes Dasein geführt hat. Darnach soll diese Versammlung in der verflossenen Woche im Hotel Adlon getagt und ernste Debatten geführt haben. Der Umschwung in der Türkei und das Auftauchen des Mesopotamienprojekts habe auch diese Organisation veranlaßt, aus ihrer Lethargie sich aufzurütteln und diese Fragen der Erörterung zu unterziehen. In der Versammlung seien u. a. anwesend gewesen die Herren Geheimrat Dr. Senator, Justizrat Dr. Fuchs, die Kommerzienräte Hirsch und Bamberger usw. Bestimmte Beschlüsse seien nicht gefaßt worden, indessen habe besonders das Mesopotamienprojekt Anlaß zu eingehenden Erörterungen gegeben. Die Leiter der Organisation hätten ihrer Überzeugung Ausdruck gegeben, daß diese etwas tun müsse. Die ganze Presse und Öffentlichkeit verlange mit Recht eine Betätigung der Organisation. Unbedingt müsse jetzt mit der praktischen Kolonisationsarbeit begonnen werden. Ob man das mesopotamische oder ein anderes Projekt unterstützen wolle, sei im Augenblick weniger wichtig zu entscheiden, als zu bestimmen, daß überhaupt etwas getan werden müsse. Wenn die Organisation jetzt nichts tue, gäbe sie ihren Kritikern recht, die ihr Untätigkeit und Unvermögen vorwerfen, und verliere jede Existenzberechtigung. Ungarn Graf Albert Apponyi als Zeuge In dem Wochenblatte „Egyenlöseg" erschienen im Monate November 1908 unter den Aufschriften: „Die Wirtschaft im Kultusministerium" und „Die Statuten der israelitischen Religionsgemeinde" scharfe Angriffe gegen den Vorstand der Abteilung für die israelitischen Religionsangelegenheiten im Kultusministerium. Es hieß da, der betreffende Ministerialrat bekunde eine große Antipathie gegen die jüdischen Angelegenheiten, indem er die Erledigung derselben verzögere, und sogar — wie konkrete Beispiele beweisen einzelne Judengemeinden, die ihre Statuten dem Ministerium unterbreitet haben, vexiere. So erhebe er bei einzelnen Religionsgemeinden gegen dieselben Punkte der Statuten Einwendungen, deren Aufnahme er in andern Fällen angeordnet hat. Die k. Staatsanwaltschaft strengte wegen dieser zwei Artikel gegen den Redakteur des „Egyenlöseg", Max Szabolcsi,, einen Preßprozeß an. Szabolcsi erklärte, seine den Ministerialrat Bela Makkay betreffenden Behauptungen aufrechtzuhalten und bat um Anordnung des Beweisverfahrens. Der Untersuchungsrichter gab dem Ersuchen Folge und lud für heute den Kultus- und Unterrichtsminister Grafen Albert Apponyi als Zeugen vor. Szabolcsi beruft sich auf den Kultusminister als Zeugen dafür, daß er den Minister sofort nach dessen Ernennung aufgesucht und bei ihm über das bei Erledigung der israelitischen Angelegenheiten bekundete böswillige Vorgehen Bela Makkays Klage geführt habe. Szabolcsi hat sich ferner noch auf Dr. Moritz Mezei, auf Dr. Franz Mezei und Dr. Izsö Rösa, die dem Minister ein Memorandum über das Vorgehen des Ministerialrates Makkay unterbreitet haben, als Zeugen berufen. Graf Albert Apponyi erschien bei dem Untersuchungsrichter Ludwig Szekely, der mit ihm sofort ein Protokoll aufnahm. Amerika Eine chinesisch»jüdische Hochzeit Wir lesen im „Reform-Advocate": „Unter den Klängen eines chinesischen Hochzeitsmarsches und dem Beifallruf einer zahlreichen Menge, die sie mit herzlichen Maseltows in chinesich, jüdisch und englisch begrüßten, wurden Miss Miriam Sommerson und Wee-Lung, ein junger Sohn des himmlischen Reiches, jüngst in der Prospekt- Hall in Brooklyn getraut und die Zermonie wurde vorgenommen vom hohen Priester des Chinesenviertels, Rev. Lee Hung Po. Die interessanteste Seite der Hochzeit war der chinesisch-jüdische Charakter der Zermonie. Sie war mehr jüdisch als chinesisch, erinnerte