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Die Welt · 1909-07-16 · 29 (16.7.1909) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
29 (16.7.1909)
Date
1909-07-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 29 DIE 3aXE LT 641 aller jüdischen Bank machen erfreuliche Fortschritte. In der Revue „La Nation" erschien ein Aufruf zur Einberufung eines Kongresses aller jüdischen Gemeinden der Türkei, um eine nationale Liga der türkischen Juden zu gründen. ÜberdiejüdischeGemeindeinMonastirbringtder,,Avenir" folgende Notizen: Die Gemeinde zählt 7000 Seelen und besitzt drei Schulen. Zwei dieser Schulen, eine Knaben- und eine Mädchenschule, unterhält die Alliance, die Gemeinde selbst unterstützt die Talmud-Thora- Schule. Diese letztere wird von 320 Schülern besucht. Der französische Unterricht ist ziemlich befriedigend, die türkische Sprache lehrt ein dortiger Offizier, mehr aus Patriotismus als des Verdienstes wegen. Leider läßt der Unterricht in der hebräischen Sprache sehr viel zu wünschen übrig. Ungeachtet der Bemühungen des tüchtigen Direktors, Herrn David Nachmias, war es nicht möglich, einen guten hebräischen Lehrer zu finden. Nunmehr hat sich das Schulkomitee mit dem dortigen zionistischen Vereine „Chowewe Zion" in Verbindung gesetzt, um gemeinsam eine tüchtige hebräische Kraft an die Schule heranzuziehen. Auch der Direktor der Allianceschule, Herr Benveniste, ist bemüht, den Unterricht in dei hebräischen ünd türkischen Sprache in seiner Schule dem in der französischen Sprache gleichzustellen. Es bestehen zwei Wohltätigkeitsvereine in der Gemeinde, „Oser Dalirn" mit 700 Mitgliedern, darunter 300 Frauen, und „Chowet Hamlachia" mit 550 Mitgliedern. Der Zweck des letztgenannten Vereins ist die Förderung des Handarbeitsunterrichts unter den Mädchen. Außerdem besteht noch ein zionistischer Verein „Chowewe Zion", der auch für die Verbreitung der hebräischen Sprache tätig ist. Er zählt bereits 80 Mitglieder und hat trotz seines kurzen Bestehens bereits gut gearbeitet. In der vorigen Woche bezog er ein neues Vereinslokal, und bei dieser Gelegenheit hielt Herr Josef Usiel, Sekretär des hiesigen Vereins „Bnei Zion", einen schwungvollen Vortrag über den Zionismus in Anwesenheit der angesehensten Gemeindemitglieder. Die Sommerferien nahen, und die Schulen werden schon von jetzt ab nur bis Mittag offen gehalten, und auch die Talmud-Tora- Hagadol beschloß, wie verlautet, den Lehrern ein wenig Freiheit zu schenken. Die armen Lehrer! Wie glücklich wären sie, falls sie während ihrer Ferienzeit manches ihnen in den Wissenschaftsfächern Mangelnde erwerben könnten. Sie sprechen ja diesen Wunsch täglich aus, es bleibt aber nur ein Wunsch. Denn die Lehrer der Talmud-Tora besitzen nicht die Möglichkeit, sich für kurze Zeit nach Europa zu begeben, um dort ihre Kenntnisse zu vervollkommnen, wie es manche Lehrer des Hebräischen Gymnasiums in Jaffa zu tun pflegen, dazu fehlen ihnen die Mittel. Das Gehalt, das sie beziehen, ist zu winzig und genügt kaum für die Lebensbedürfnisse. Man könnte aber auch einen Rat schaffen. Diesem Institute fehlt eine leitende jüdisch-nationale hebräische Kraft, und nur eine solche könnte die Talmud-Tora-Hagadol auf die Stufe einer guten und echten jüdischen Bildungsanstalt erheben. Die Lehrer haben einen Lehrer für sich nötig. 1200 jüdische Kinder erhalten Unterricht in diesem Institute, 1200 Kinder sollen hier zu Juden herangezogen werden. Viele haben ihrer Armut wegen nicht die Möglichkeit, die Talmud-Tora zu absolvieren und verlassen sie nach zwei, drei Jahren und manchmal sogar nach einem Jahre ihres Studiums. Falls hier das Judentum, der Nationalismus, nicht recht gepflegt wird, falls man die Erziehung dieser Kinder in die Hände eines Indifferenten oder gar eines Assimilatoren übergehen läßt, verlieren wir sicher viele, ja Hunderte von Juden. Man kann sich bereits jetzt genug davon überzeugen, wie sehr einem beträchtlichen Teil des hiesigen jüdischen Pöbels das Judentum fast fremd ist. Sie sind Juden, weil sie Spaniolisch sprechen, weil sie jüdische Namen besitzen, und hätte hier der „Cercle des Intimes'1 nicht die Initiative ergriffen, bei unsern hiesigen Brüdern durch Vorträge den jüdischen Nationalismus lu erwecken, wer weiß, auf welcher noch niedrigeren Stufe sich hier das Judentum befunden hätte. Hier soll man energisch eingreifen. Diese Anstalt, die uns jährlich 1200 gute Juden liefern könnte, dieses einzige Institut, welches noch die jüdische Erziehung pflegt, dieses sollte mit großer Sorge gehütet werden. Es ist Pflicht des Gemeindevorstandes, des Großrabbiners und des arbeitsamen „Cercle des Intimes", diese Anstalt in jüdisch-nationalem Sinne zu fördern. Es handelt sich hier um die Saloniker jüdische Gemeinde, die angesehenste Gemeinde der Türkei. Auch die hiesigen jüdischen Zeitungen werden gewiß zugunsten dieser Anstalt ihre Kolonnen öffnen. □ □ REVUE DER PRESSE □ □ Interview mit Jacob Schiff Der „American Hebrew" veröffentlicht ein Interview, das sein Korrespondent mit Herrn Schiff nach dessen Rückkehr aus Europa gehabt hat und das in mehrfacher Hinsicht interessant ist. Herr Schiff sprach über das Mesopotamienprojekt und äußerte sich noch einmal sehr scharf gegen jede Verknüpfung dieses Projektes mit nationalen oder autonomistischen Bestrebungen. Ober die angebliche Unterstützung, die die Ica dem Projekte versprochen haben soll, äußert er sich folgendermaßen: „Ich glaube nicht, daß das Projekt, wie es jüngst von der Ito vorgebracht worden ist, schon derart ist, daß es von irgend jemand unterstützt werden kann. Aber ich denke, daß die Ica der Sache günstig gegenüber steht und bereit ist, sie in der einzigen Form zu fördern, die jetzt möglich ist, indem sie eine Untersuchungskommission dorthin entsendet, eine Aufgabe, für die die Ica, dank ihrer vorzüglichen Organisation, am besten geeignet ist." Auf die Frage, ob irgend etwas weiter zu dem Zwecke geschehen sei, eine Einigung der großen Organisationen herbeizuführen, antwortete Herr Schiff: „Nein. Sie erinnern sich, daß ich im letzten Jahre versuchte, ein Übereinkommen dahingehend zu treffen, daß Vertreter des American Jewish Committee, der Alliance, der Anglo-Jewish Association, des Hilfsvereins und der österreichischen Alliance eine Art von Notstandskomitee bilden sollten, um in Zeiten großer Not, wie z. B. des Kischinewer Pogroms, gemeinsam zu handeln. Die Idee wurde von den fraglichen Organisationen günstig aufgenommen, scheiterte aber an der Unmöglichkeit des Zusammenarbeitens von Hilfsverein und Konferenzgemeinschaft, die, wie Sie wissen, die deutsche Abteilung der Alliance bildet. Ich muß gestehen, daß ich nicht einsehe, warum überhaupt die Alliance eine besondere deutsche Abteilung haben soll. Deutsche Mitglieder sehr wohl, aber die Interessen der deutschen Juden und die allgemein-jüdischen Interessen in Deutschland werden zur Genüge vom Hilfsverein wahrgenommen. Die Alliance machte denselbeu Fehler vor einigen Jahren, da sie versuchte, in Amerika eine eigene Abteilung zu begründen, wo sie verdientermaßen viele Mitglieder besitzt. Indessen mußte sie einsehen, daß die Errichtung einer besondern Abteilung nicht zulässig sei. Wird das Galvestonprojekt wieder in Wirksamkeit treten? Ja, wie ich hoffe. Indessen wenn es nicht in den nächsten Jahren tatsächlich wirksam werden kann, glaube ich nicht, daß man es fortsetzen sollte. Es kann seine Funktion nur dann erfüllen, wenn es möglich ist, dafür zu sorgen, daß in dem entfernten Südwesten, Westen und Nordwesten eine sehr große Zahl von Einwanderern plaziert werden, sodaß der Strom der Einwanderung von New York und den nordatlantischen Seehäfen soviel wie möglich abgelenkt wird, wo jetzt bereits eine Obersättigung mit Juden eingetreten ist. Ich bin gewiß kein Freund von Einwanderungsbeschränkungen, aber was New York anbetrifft, so werde ich jede gesetzliche Maßregel begrüßen, die die Ansiedlung weiterer großen Massen in New York selbst unmöglich machen wird. Wir haben hier schon beinahe eine Million Juden und die Probleme, die infolge der bestehenden Anhäufung aufgeworfen werden, seien sie sozialer, ökonomischer oder gar moralischer Natur, werden bald, ich fühle es, unserer Kontrolle entwachsen." n. tr^„4~„~M~ In diesen Tagen findet in London eine „Interüie Ito-Konferenz nationale Konferenz" der Ito statt. Es wurde bekanntgegeben, daß die sämtlichen Verhandlungen vertraulicher Natur sein werden. Hierzu schreibt der „Jewish Chronicle": „Wir erfahren, daß die internationale Konferenz der Jewish Territorial Organisation, die nächste Woche stattfinden soll, ein geheimes Konklave sein wird. Dies ist unserer Meinung nach ein schwerer Mißgriff. Die Ito wendet sich an die Öffentlichkeit um Unterstützung, moralische und materielle, und die Öffentlichkeit hat ein Recht, aus befriedigendem Quellen, als aus offiziellen Kundgebungen zu erfahren, was die Ito tut, die Ausdehnung ihrer Organisation, die Ansichten ihrer Anhänger und

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