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Die Welt · 1909-07-09 · 28 (9.7.1909) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Arbeiterwohnungen dringendst erforderlich. Zu diesem Behufe ist der Verein „Esra" durch Vermittlung der Anglo Palestine Company in Jaffa (der uns vorliegende dffizielie Bericht sagt: „der jüdischen Bank". D. Red.) mit den in Pethach-Tikwah wohnenden Besitzern des Bodens von Kufr-Saba in Verhandlung getreten, um auf letztgenanntem Areal jüdische Arbeiter anzusiedeln und so die 675 Hektar umfassende Besitzung zu einer jüdischen Kolonie auszugestalten. Durch die im iauferiden Jahre bevorstehende Verwirklichung dieses Planes wird ein neuer Typus von jüdischen Ansiedlern geschaffen werden, die bei minimalen Installierungskosten dennoch eine völlig gesicherte Existenz als Agrararbeiter und Halbbauern haben dürften. 3. Das Schmerzenskind des Vereins „Esra" bleibt nach wie vor die transjordanische Kolonie B'ne-Juda, deren Sanierung infolge ihrer isolierten Lage sowie durch die in der fürkei gegeip vvärtig herrschenden inneren Wirren auch im Berichtsjahre noch nicht gelungen ist. Glücklicherweise bedürfen die in der Kolonie noch verbliebenen sechsFamilien keinerlei materieller Unterstützungen, und die im Jahre 1908 für sie verausgabten 1600Frcs. sind zur Erlangung der gesetzlichen Besitzmittel (Kushans) auf einen Teil des Bodens der Kolonie verwendet worden. Nach Entgegennahme des Berichts und einstimmiger Dechargeerleiltmg wurden die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder des Zentralkomitees, die Herren Konsul Julius Friedmann (Schatzmeister), Sanitätsrat Dr. Caspari, Berthold Israel, Willibald Loewenthal, Privatdozent Dr. Eugen Mittwoch und Prof. Dr. 0. Warburg wiedergewählt. Unter allseitigem, lebhaften Beifall stimmte die Versammlung dem Antrage bei, den langjährigen verdienstvollen Vorsitzenden des „Esra", Herrn Moritz Dorn, anläßlich des bevorstehenden 25jährigen Jubiläums des Vereins zum Ehrenmitglied zu ernennen. Köln: Am Donnerstag den 8. ds. erstattete in einer gutbesuchten Versammlung des Jüdischen Turnvereins Herr Ludwig Löwendahl, einer der Delegierten des Vereins am IV. Jüdischen Turntag in Berlin, Bericht über seine Eindrücke vom Turntag und Schauturnen. Mit Genugtuung verzeichnete der Vortragende den glanzvollen Verlauf der turnerischen Veranstaltungen und der Tagung, zu der über 100 fremde Turner aus all.n Teilen Deutschlands und Österreichs erschienen waren. Die Tagung bot ein eindrucksvolles Bild von dem Wachstum der Jüdischen Turnerschaft, in dem die jüdischen Turnvereine zusammengeschlossen sind, wie auch von der guten turnerischen Ausbildung, die die Turngenossen darin erfahren. Besonders gut schnitten die Kölner Turner ab, deren Turn wart im volkstümlichen Wetturnen den ersten Preis erhielt und deren Spielabteilung im Faustballspiel gegenüber dem Berliner Turnverein „Bar Kochba" überlegen Sieger blieb. Reicher Beifall lohnte die sehr interessanten und inhaltsvollen Darlegungen des Redners, an die sich noch eine anregende Diskussion schloß. Moritz Weil Der deutsche Zionismus hat einen schweren Verlust erlitten. Am 5. Juli früh verschied plötzlich in Freiburg i. Br. an einem Herzschlag unser vortrefflicher Gesinnungsgenosse Herr Moritz Weil im Alter von noch nicht 49 Jahren. Er war ein getreuer Gehilfe der zionistischen Bewegung, die festeste Stütze der Freiburger Ortsgruppe, die er vor zehn# Jahren mit begründet hat. Still und unberedt, aber von tiefer Überzeugung durchdrungen, wirkte er durch sein Beispiel wie durch seine Tatkraft; mit seiner aufs Praktische gerichteten Erfahrung wußte er in allen Dingen Rat. Nie war ihm eine Arbeit zu klein oder zu groß, und opferwillig war er wie nur einer. In der jüdischen Gemeinde war er hochgeehrt; er gehörte seit Jahren ihrem Verwaltungskörper, dem Synagogenrate, an. Die Zionisten werden seinen arbeitsfreudigen Sinn, seinen überzeugungsvolleii Eifer, seine nie erlahmende Treue auf immer vermissen. Landwirtschaftliche Lehrstellen. Die landwirtschaftliche Ausbildungsanstalt auf dem Lehrgut Steinhorst bei Celle wird gegen Ende des Sommers eröffnet werden. Es können noch einige jüdische junge Leute vom 15. Lebensjahre ab Aufnahme finden. Die Ausbildung ruht in bewährten Händen, und bis zur Eröffnung der Anstalt werden auch die nötigen rituellen Einrichtungen fertiggestellt sein. Die Einstellung einer Anzahl junger, bereits ausgebildeter jüdischer Landwirte, insbesondere zur Bedienung der Gespanne, hat sich durchaus bewährt. Es sind dies meist frühere Zöglinge der I. CA. Jüdische Eltern, die ihre Söhne gern der Landwirtschaft zuführen wollen, oder junge Leute, die sich ihr aus freien Stücken gern widmen wollen, werden ersucht, sich an die Alexander und Fanny Simon'sche Stiftung, Hannover, Hansahaus, zu wenden. Aufgenommen werden aber nur körperlich, geistig und moralisch durchaus Taugliche. Das Entgelt für Verköstigung und Ausbildung wird nach näfewser Vereinbarung bemessene England (Von unserm Berichterstatter) East End und West End Zwei bemerkenswerte Vorkommnisse der jüngsten Zeit werfen ein bezeichnendes Licht auf die Besserung der Beziehungen zwischen den Juden des Westens und des Ostens, die neuerdings wahrzunehmen ist. Auf einer Versammlung der Gemeinde der West London Reform Synagogue wurde ein Antrag eingebracht, besondere Geistliche für das Eastend anzustellen. Es kann kaum ein Zweifel darüber obwalten, daß die Gemeinde sich bei diesem Beschluss von philanthropischen Motiven leiten ließ, und wenn auch ihre Mitglieder Reformer und die Mehrheit der Juden des Eastends strenggläubig sind, wäre es nichtdestoweniger zu begrüßen, wenn die Westendjuden mehr persönliches Interesse an der religiösen und sozialen Wohlfahrt ihrer Brüder im Eastend nähmen. Der zweite Fall ereignete sich auf einer Versammlung des Amtes für Religionsunterricht, das mehr das Westend als das Ostend repräsentiert, wenn es auch gemeinhin als Vertretung des gesamten Londoner Judentums betrachtet wird. Dieses Amt unterstützt die verschiedenen Religionsklassen in den Volksschulen. Bei jener jüngsten Beratung wurde nun der Vorschlag gemacht, das Amt solle auch, wenn die Mittel es zulassen, die Talmud-Thoraschulen unterstützen. Obgleich der Vorsitzende sich dagegen äußerte, wurde der Antrag angenommen. Judaisierung der Literaturvereine In Ergänzung meines jüngsten Berichtes über die Konferenz der jüdischen Literaturvereine ist noch zu bemerken, daß ein Vorschlag angenommen wurde, der Verband der jüdischen Literaturvereine solle einen hebräischen Namen annehmen. Auch wurde beschlossen, daß der Verband einen jährlichen Beitrag für die Nationalbibliothek in Jerusalem zahle. Der neue Präsident des Verbandes ist Mr. Elkan Adler, der jüngere Bruder des Chiefrabbi. Rußland Zur Dumawahl in Odessa Durch den Tod des Deputierten Pergament ist in Odessa eine NeuwahL nötig geworden. Die Odessaer Stadtduma wandte sich an den Kaiser mit dem Vorschlag, es möge ihr gestattet werden, die Bevölkerung in zwei Wahlkurien einzuteilen, eine aus Russen und die zweite aus Fremdgläubigen bestehend. Diese beiden sollen jetzt gemeinsam einen Ersatzdeputierten' für Pergament wählen und später gesondert je einen Deputierten in die Reichsduma entsenden. Auf diese Weise, behauptet die Odessaer Stadtduma, werden die patriotischen Gefühle der Russen in Odessa durch Juden und Fremdgläubige nicht verletzt werden. Die Abordnung der „Verbändler", die aus Odessa zum Begräbnis Kruschewans nach Kischinew gefahren war, verübte abends auf dem Markt Lärm und Skandal und drohte den Juden mit Revolvern und Messern. Hätte nicht die Polizei eingegriffen, wäre es unbedingt zu einem Pogrom gekommen. Die Ruhestörer wurden verhaftet, aber dank der Intervention einflußreicher Personen wieder freigelassen. * * * Der Petersburger Stadtkommandant hat die Legalisierung der Gesellschaft „Kadimah" abgelehnt, die die Unterstützung der jüdischen Auswanderung nach dem Orient zum Ziele haben sollte. Das Recht der Juden auf Bildung Aus Petersburg wird uns vom 4. Juli geschrieben: So oft in diesen Tagen eine Ankündigung über die für den Herbst bevorstehende Aufnahme in Hochschulen oder Zulassung zum Hören höherer Kurse der Öffentlichkeit übermittelt wird, gibt es immer einen obligaten Zusatz, daß Juden entweder nach einer bestimmten Prozentnorm oder überhaupt nicht aufgenommen werden. Hunderte von jüdischen Abiturienten, Jünglinge wie Mädchen, wissen also schon, daß für sie die Aussichten auf eine eventuelle Zulassung zum Studium denen eines Lotteriespielers gleichen, wobei sie jedoch nicht fatalistisch der Entwicklung der Dinge zuschauen dürfen, sondern mit verzweifelter Zähigkeit den Kampf um ein Plätzchen im Reich der Glücklichen führen, um erst dann in ihrer überwältigenden Mehrheit eine schwere Enttäuschung zu erleben und zum so und so vielten Male die Barbarei der herrschenden Mächte in vollen Zügen auszukosten.

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