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Die Welt · 1909-07-09 · 28 (9.7.1909) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 28 DIE^ELT 609 Australien Sidney. Die Sidney Zionist Society schreitet rüstig vorwärts. Sie hat schon Beziehungen bis zu den Fidschiinseln angeknüpft, von welch entlegener Gegend jüngst' fünf Ölbäume gespendet wurden. Insgesamt zahlt sie für 200 Mitglieder Schekel und sammelt auch hübsche Beträge für Parteifonds und Nationalfonds. Misrachi Um die zionistische Idee unter den östlichen Juden zu propagieren, veranstaltete die Misrachigruppe Berlin drei kleine Versammlungen in der Grenadierstraße, die von gutem Erfolg begleitet waren. Die Redner der drei Abende waren die Herren Lazarus Barth, Dr. Rudolf Leszynsky und Rabbiner Dr. Emil Levy. Die Zentrale des Misrachi in Palästina befindet sich in Jaffa. Die Organisation hat Zweigvereine in Jerusalem, Pethach-Tikwah und in Galiläa. Die Jaffaer Zentrale steht im Briefwechsel mit den misrachistischen Vereinen in Rußland, Deutschland, Schweiz, Galizien und Amerika. In den letzten drei Monaten erhielt das Bureau in Jaffa 48 Anfragen von verschiedenen Personen, die die Absicht äußerten, sich in Palästina niederzulassen. Zehn von den Fragestellern haben bereits mit ihren Familien dauernden Erwerb in Palästina gefunden. Die „Societe Misrachi" ersucht uns um Veröffentlichung nachfolgender Resolution, die sie in ihrer Sitzung vom 13. Juni gefaßt hat: „Die Misrachi-Ortsgruppe Paris spricht ihr Bedauern darüber aus, daß das Hebräische Gymnasium in Jaffa aus Mitteln des Nationalfonds und zionistischen Parteimitteln Unterstützung findet. Sie erblickt darin sowohl eine Verletzung der Kongreßbeschlüsse und abgegebenen Versprechungen, als auch eine schwere Schädigung der weitern Propaganda der zionistischen Idee und erklärt sich solidarisch mit dem Vorgehen des Frankfurter Misiachibureaus für Westeuropa." O ff-\J > O(□□□□□□ o A V_f\ > FEUILLETON o □□□□ 0^" O H£)° GALILÄA . . Reiseeindrücke Von Dr. Ernst Müller Frühlingsmittag. Eine einzige endlose Bläue ist das Meer, das nur in leisen, funkelnden Wellen zittert. Alles ist voll Ruhe, Reinheit und Zartheit . . . Das Küstenland ist anfangs einförmig. Sand und Felder und Bojaren. Auch die Bäume von Petach Tikwah sind eine Zeitlang sichtbar. Später erheben sich die blauen Bergketten im Hintergründe zu größern Formen, und der Ebel und Garizim sind deutlich erkennbar. Auch die Küste wird reicher. Ein Hügelzug begleitet sie, der sich bis zum Karmel hinzieht. Dies sind seine Vorberge, und von einem derselben winkt Sichron Jakob herab. „Eine Kolonie" sagen selbst die deutschen Mitreisenden einfach. Zwischen den Hügeln häufen sich Dörfer, deren einige von Drusen bewohnt sein sollen. Unmittelbar am Strande erblickt man mancherlei Ruinenstädte, Cäsarea, Tantura und die mächtigen Trümmer von Atlit. Dieser ganze Küstenstrich gehörte nur in makkabäischer Zeit zum jüdischen Reiche, und als die Griechen sich im Lande festsetzten, hatten sie mit. ihrem Schönheitsinstinkt diese Stätten zum Wohnsitze gewählt, die so lieblich zum lindbewegten Meere herblicken. Im Mittelalter haben die Kreuzfahrer hier Festungen gebaut, und später fand nicht weit von hier Napoleons Welteroberung ihre örtliche Grenze. Dieses ganze Bergland wird Karmel genannt. Seine Linien sind sanft und die Böschungen mit zerstreutem dunklem Gestrüpp bedeckt. Die Landschaft scheint etwas von der Art der Rheinlande an sich zu haben und wird vielleicht instinktiv darum von den Deutschen kolonisiert, welche wieder auf dem Karmel Weinberge gepflanzt haben. Warum aber haben wir keinen Anteil an seiner Besetzung? Schwer wird es, die Geschichte von Elias und den Baalsgötzen mit dieser Landschaft in Einklang zu bringen. Oder müssen wir hier manche unserer frühern Gefühlsauffassungen umlernen? Dann greift das Bergland in einer harten Spitze — bei dem alten Karmeliterkioster — mitten ins Meer vor, es ist die bekannte Karmelecke, welche die Bucht von Akka begrenzt. In weitem Bogen umkreist das Schiff die klippenreiche Stelle, an welcher vor kurzem durch die Unvorsichtigkeit des Kapitäns an windstillem Tage ein ganzes Schiff — nach geglückter Rettung der Passagiere — versunken ist. Dann geht es in die weite runde Bucht hinein, in welcher Haifa liegt. Der Karmel folgt der Linie des Strandes, von welcher die liebliche Stadt herwinkt mit blanken Häusern und gartengeschmückten Straßen. Haifa ist zu einem Teile die modernste Stadt Palästinas. Die deutsche Kolonie, schon 1869 gegründet, macht den Eindruck: der vollendeten Gartenstadt. Breite Straßen, die sich rechtwinklig schneiden, vor jedem Hause ein geräumiger Garten und nach dem Brauche der Templer über der Haustür irgendein Bibelspruch. Sorgfältig gebaute Wege führen auf den Karmel, wo eine Kolonie und ein Erholungsheim angelegt sind. Aber auch der neue arabische Stadtteil zeigt modernen Aufschwung. Besonders das neue Bahnhofsgebäude mit der Denksäule der Erbauung. Das jüdische Quartier hingegen ist mit dem alten arabischen vereinigt: schmutzig und lärmvoll. Dazu machen die Araber einen äußerst unsympathischen Eindruck. Die eingeborenen Juden, nicht viel an der Zahl, sollen größtenteils aus Nordafrika stammen. Eine neue russische Emigration macht sich erst seit wenigen Jahren geltend, denn in Rußland glaubt man zumeist, daß nur Jaffa Palästina sei. Die freie Luft Palästinas in jüdischem Sinne ist aber hier noch kaum fühlbar. Es gibt nicht einmal jüdische Häuser. „Achusat Bajit" will in kleinstem Maßstabe Abhilfe schaffen, der Bauplatz wird aber nur zwölf Häuser umfassen. Nicht .in merklichem Volksleben, nur in zwei großen Unternehmungen charakterisiert sich unser Einfluß auf die Entwicklung der Stadt, welche einmal als Hafenstadt große Bedeutung erlangen dürfte: dem Technikum und „Atid". Der Platz des Technikums befindet sich fast am Abhänge des Karmel und umfaßt einen beträchtlichen Landkomplex. Eine Umfassungsmauer ist schon errichtet, drinnen aber wächst noch Wein. Auch „Atid" steht an einem der schönsten Punkte, inmitten des großen Palmenhains, der den besondern Schmuck Haifas bildet, neben dem Strande. Außer der Öl- und Seifenfabrik, welche die zierliche „hebräische Seife" liefert, ist schon die große Halle einer neuen Maschinenfabrik eingerichtet, welche, in modernster hygienischer Weise eingerichtet, in Palästina mustergültig werden soll. Die Eisenbahn führt in die Ebene Jesreel. Anfangs begleitet der schattige Karmel den Weg, und die Eisenbahn übersetzt den Bach Kischon, wo einst Siseras Heer in den angeschwollenen Wassern ertrank. Bald treten die Hügel zurück, und die Ebene erweitert sich. Sie galt einst als die fruchtbarste Palästinas und gleicht einem einzigen saftigen Rasen. Dann erblickt man links die Hügel von Nazareth und bald auch das glockenförmige Haupt des Tabor. Er fällt in seiner einsamen Gestalt sofort auf, wie irgend ein neuer Mensch, der ein auffallendes und doch bekanntes rundes

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