Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1909-07-09 · 28 (9.7.1909) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316349-3316380--52085-3345755
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

608 DIEBEL! No. 28 durchgeführt, mit den exakten Wendungen, Ausfällen, schönen Paraden, machte auf das Publikum einen nachhaltigen Eindruck. Das Publikum applaudierte die Turner im hellen Jubel. Darauf sang Opernsänger Beck; hierauf folgte eine Rezitation eines Kattowitzer Herrn, und nun flutete alles wieder aus der heißen Atmosphäre des Saales in den Garten hinaus, um in der angenehmen Abendkühle unter den schattigen Bäumen den verlockenden Klängen der Hunderterkapelle zu lauschen. Zum Schlüsse folgte der übliche Tanz der jüngern Semester ad infinitum. Beinahe hätte ich vergessen, daß der Frühschoppen des von nahezu 3000 Personen besuchten Zionistenfestes beim Emmenhof abgehalten wurde, wo sich bei der Musik ein fröhliches Eröffnungstreiben entwickelte. Alles in allem muß man das Zionistenfest als durchaus gelungen betrachten, und dieser Bericht soll nicht enden, ohne vorher noch dem hiesigen Zionistenvereine den Dank aller für die Mühe und Arbeit, die das Komitee hatte, abgestattet zu haben, denen es einen in jeder Richtung angenehmen Tag bereitet und eine Erinnerung an erhebend verlebte Stunden verschafft hat, die nicht sobald in allen Herzen verlöschen wird! Verein der jüdischen Hochschüler Bar Kochba in Prag Dem soeben veröffentlichten Jahresbericht des Vereins entnehmen wir folgende Angaben: Unsere Arbeit ist vor allem eine innere. Unser Verein arbeitet systematisch darauf hin, unsere jungen Mitglieder einzuführen in die lebendige Geschichte unseres Volkes, die eine Nationalgeschichte ist. So wird das Geschichtsseminar, das für alle jungen Bundesbrüder obligat ist, eine ständige Einrichtung unserer Korporation. Die Seminarmethode ist eine rein wissenschaftlich objektive, untendenLiöse. Die Vorträge im Seminar werden selbstverständlich zur Grundlage gründlicher Debatten gemacht, die unter der Leitung des Seminarleiters stehen. Im Rahmen dieses Seminars pflegen wir aktuelle Themen, wichtige jüdische Probleme, die der Klärung bedürfen, zu behandeln. Wir besprechen hier auch die speziellen Gebiete der Palästinakenntnis, der Nationalökonomie, der wirtschaftlichen und kulturellen Judenfrage, so zwar, daß öfters, wenn im Verlaufe einer Seminarbesprechung noch unbesprochene Probleme, die wichtig sind und zur Sache gehören, angeschnitten werden, einem Referate in der nächsten Seminarsitzung ihre gründliche Bearbeitung zugewiesen wird. Zusammenfassende Vorträge, die größere Gebiete umfassen, oder der seminaristischen Behandlung nicht zugänglich sind, werden an einem andern Tage der Woche beim Vereinsabend gehalten. Diese Vereinsabende sind unsern Freunden, sind allen denen, die für jüdische Fragen intensives Interesse haben, zugänglich. An Vereinsabenden wurden Themen behandelt, wie: Jüdische Renaissance; Nationalfeste; Martin Buber; Felix Saiten und die Assimilationsfrage; Die innere und die äußere Assimilation; Ein Minimalprogramm; Palästinavorträge; Die wirtschaftliche Judenfrage; Der Abfall der Intelligenz; Achad Haam und Dubnow u. a. An einem Tage der Woche leitet einer unserer vorgeschrittenen Bundesbrüder das Seminar der hebräischen Sprache. Unsere intensive innere Arbeit wurde uns möglich gemacht durch unsere Vereinsbibliothek, die besonders in der Abteilung der Judaica und der Literatur der jüdischen Moderne ganz gut ausgestattet ist und durch eine ununterbrochene Ergänzung auf diesem Niveau erhalten wird. Ebenso wichtig wie die innere Arbeit, die Arbeit an uns selbst, für uns selbst, ist uns die äußere Arbeit, die Arbeit zur Verbreitung unserer Idee, zur Förderung der Aufklärung unter der jüdischen Studentenschaft und dem jüdischen Bürgertum. Unsere Arbeit erstreckte sich auch in den verflossenen zwei Semestern nicht nur auf Prag, sondern auch auf die meisten Städte Böhmens, sowohl im deutschen, als auch tschechischen Sprachgebiete. Die Arbeit des Vereins nach außen war eine besonders weitreichende eben deshalb, weil wir als der einzige jüdische und zionistische Studentenverein, der auch tschechisch redende Mitglieder zählt, die Verpflichtung fühlten, einen gewissen Teil unserer Klärte in der äußeren Propaganda unter den tschechisch sprechenden Stammesgenossen anzulegen. Und wir freuen uns, sagen zu können, daß wir durch eine intensive Tätigkeit den Boden so weit vorbereitet haben, um im Herbst an die Öffentlichkeit mit der Aufforderung zur Unterstützung des gesinnungsgenössisehen Studentenvereins tschechischer Umgangssprache herantreten zu können. Wir hoffen heute schon, daß uns diese Hilfe nicht versagt werden wird von allen Freunden unseres Vereins, unserer Bewegung. Unser Verein delegierte im Laufe des Jahres fast in jede Stadt Böhmens, wo es eine Arbeit zu leisten galt, wo man uns brauchte, einen oder mehrere Bundesbrüder; mehrere Bundesbrüder fuhren im Auftrage des löbl. zionistischen Distriktskomitees für Böhmen als Redner bei verschiedenen Anlässen in die Provinz. Diese speziell zionistische Aufklärungsarbeit war uns besonders dadurch ermöglicht, weil wir mit Unterstützung des löblichen zionistischen Distriktskomitees für Böhmen und der löbl. jüdischen Volksvereine in Prag, Teplitz und Kolin eine bedeutende Zahl unserer Mitglieder zu den im Feber in Wien vom Verein der zionistischen Hochschüler „Theodor Herzl" veranstalteten, ungemein instruktiven Hochschulkursen für Palästinakunde entsendet hatten. Die dort mitgeteilten neusten Forschungen nnd Erfahrungen der besten Palästinakenner möglichst zu verbreiten, war eine lohnende Aufgabe. Abgesehen von der eigenen Arbeit unserer Bundesbrüder nach außen, suchten wir durch große Veranstaltungen in Prag die Öffentlichkeit unserer Idee näher zu bringen. Und zwar sowohl auf kulturellem und künstlerischem Gebiete wie auf dem der Lage der Juden in Böhmen und dem der zionistischen Kolonisationsfrage. Unsere erste Veranstaltung fand anläßlich des ordentlichen Distriktstages für Böhmen am 18. November 1908 statt. In einer großen öffentlichen Versammlung mit dem Thema „Die Lage der Juden in Böhmen" sprachen die Herren R. R. Abg. Doz. Dr. Arthur Mahler, Dr. Emil Margulies und jur. Angelo Goldstein, letzterer in tschechischer Sprache. Am 20. Jänner veranstalteten wir einen jüdischen Festabend, dessen Programm es war, das Judentum, den Abfall von ihm, das Leben in ihm klar zu machen. Und unsere dritte Veranstaltung, die wir im Verein mit dem löbl. jüdischen Volksverein „Zion" in Prag durchführten, war ein Vortrag unseres Gesinnungsgenossen Herrn Davis Trietsch (Jaffa- Berlin) über den Zionismus und die Lage im Orient. Reichenberg. Am 26. Juni a. c. veranstalteten die Reichenberger Zionisten im Saale des Hotels zum „goldenen Löwen" eine Herzlgedenkfeier. Nachdem Herr Deutsch die Erschienenen auf das herzlichste willkommengeheißen hatte, ergriff Herr J. U. C. Herbert Birnbaum von der Prager „Barissia" das Wort zur Gedenkrede. Die begeisternden Ausführungen des Redners ernteten reichen Beifall. Es folgten nun einige Rezitationen und Musikvorträge der Herren Popper, Tedesko, Goldschmid, Weiseler. Rumänien Pitesti. Am 24. Juni veranstaltete die hiesige Ortsgruppe eine große Versammlung, die durch die Anwesenheit der Herren Rabbiner Dr. I. Niemirower und Dr. Isaak Leon besondern Glanz erhielt. Die Versammlung war auch aus der Umgegend zahlreich besucht. Herr Dr. Niemirower und Herr Dr. Leon richteten begeisternde Worte an die Versammelten, die es sich nicht nehmen ließen, die beiden Gäste in das Goldene Buch eintragen zu lassen. Abends fand bei Herrn B. Feindstein ein intimer Kommers statt, an dem u. a. auch der Vorstand der Gemeinde teilnahm. Unsere Gemeinde zählt 150 Familien, hat aber im letzten Jahre am meisten von allen rumänischen Gemeinden für den Nationalfonds beigesteuert. England London Zionist League Die Jahresversammlung der London Zionist League fand am letzten Sonntag abend statt. Der zurücktretende Präsident, Dr. M. Friedeberger, erstattete den Bericht und gab seiner Genugtuung über deren erfolgreiche Tätigkeit im abgelaufenen Jahre Ausdruck. Die League hätte £ 14,17.11. für verschiedene zionistische Zwecke gespendet. Die League hat auch dank der Generosität des Herrn Goldreich eine Broschüre „Zionismus und der westliche Jude" herausgeben können. Zu Ehren des scheidenden Vorsitzenden, der eine Berufung nach Wien angenommen hat, spendete die Versammlung fünf Bäume im Herziwald. Zum neuen Vorsitzenden wurde Dr. Samuel Daiches, Dozent am Jew's College gewählt. Amerika Order Knights of Zion In der letzten Sitzung des Vorstandes der Federation Order Knights of Zion wurde über eine Reihe erfolgreicher Versammlungen berichtet, die unter den Auspizien des Verbandes in der letzten Zeit stattfanden. U. a. wurden gut besuchte Versammlungen abgehalten in Chicago, Sioux City, Omaha, Minneapolis, St. Paul, Des Moines usw. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß die Mitglieder des Vorstandes selbst mit großer Bereitwilligkeit den an sie heranr tretenden Anforderungen und Ersuchen, Propagandareisen und Vorträge zu absolvieren, nachkamen. Die Schekelsammlung verlief sehr gut und hat den Ertrag des Vorjahres bereits überschritten. Auch die N. F.-Sammlung, insbesondere die durch Büchsen, macht gute Fortschritte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.