Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 28 (9.7.1909)
- Date
- 1909-07-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 28 DIE3^ELT 607 bekannten Gesinnungsgenossen Hermann Struck, und er hat Recht damit: Künstler und Dilettanten können gleichmäßig daraus lernen. In knapper und klarer Form werden wir belehrt, wie Kupferstich und Radierung, Holzschnitt und Lithographie, Aquatinta und Schabkunst, Crayon und Verni mou sich unterscheiden. Aber das Buch zeigt mehr als das Kunst- und Handwerksmäßige. Es bereichert uns nicht nur um totes Wissen, sondern es gibt uns einen völligen historischen und künstlerischen Überblick über die edle Kunst des Schwarz und Weiß, lehrt uns die Intentionen der großen Meister der Vergangenheit und Gegenwart zu verstehen und in ihr Wesen und Empfinden einzudringen. So wird es zu einer Art künstlerischer Anleitung überhaupt, zu einem künstlerischen Lehrbuch, aus dem man reichen Genuß schöpft. Aus jeder Seite des Werkes spricht zu uns die starke und wahre Individualität des strebenden Künstlers, der mit sich selbst wie mit den andern ins Gericht geht, stets von dem Verlangen erfüllt, dem Schönen und Wahren zum Siege zu verhelfen. Das Studium des Buches wird belebt und angeregt durch eine Fülle von Originalradierungen und Reproduktionen, die uns die Eigenart der Meister und die Wirkungen der einzelnen Verfahren anschaulich vor Augen führen. Mit Liebe und Sachverständnis sind die besten Werke ausgewählt und dem Text einverleibt. Eine Besprechung der Blätter erleichtert ihr Verständnis, und selbst da, wo wir bei dem Schüler Liebermanns einmal glauben, daß er den andern Richtungen nicht ganz gerecht wird wie bei Earlom — freuen wir uns des Subjektiven, das so ehrliche Begeisterung atmet. Jedem Kunstfreunde sei das prachtvoll ausgestattete Buch bestens empfohlen. Ad. Fr. Körperliche Renaissance der Juden Anläßlich des IV. Turntages der Jüdischen Turnerschaft und der Feier des zehnjährigen Bestehens des Jüdischen Turnvereins Bar Kochba Berlin, hat der Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft unter diesem Titel eine Festschrift herausgegeben, die wir der Beachtung unseres Leserkreises nur angelegentlichst empfehlen können. Aus dem reichen Inhalt nennen wir die Artikel: Die jüdische Turnbewegung, von Dr. Zirker, Jüdische Erziehungsprobleme von Dr. Moses-Mannheim, Muslceljuden und Nervenjuden von Sanitätsrat Dr. Jastrowitz, Turnen und Sport von Prof. Dr. Albu, Sportliches aus Palästina von Dr. Auerbach u. v. a. Dem mit Illustrationen reich ausgestatteten Heft liegt eine Kunstbeilage: Ein Jünger Bar Kochbas, Originallithographie von Hermann Struck bei. Im Verlag von W. Kohlhammer, Stuttgart, erschien vor kurzem ein Werk: Sammlung der Gesetze, Verordnungen, Verfügungen und Erlasse, betreffend die Kirchenverfassung und die religiösen Einrichtungen der Israeliten in Württemberg von Dr. Alfred Gunzenhauser, Rechtsanwalt in Stuttgart (312 Seiten). Der Verfasser ist mit seiner ungemein fleißigen und gründlichen Arbeit einem dringenden Bedürfnisse entgegengekommen; denn es war ein geradezu unleidlicher Zustand, wie sich seit Jahrzehnten die Verwaltungsbehörden und die Kirchenbehörden in Württemberg behelfen mußten, wenn eine zweifelhafte Frage an sie herantrat. Ein kirchliches Verordnungsblatt erscheint nicht, und eine Zusammenfassung von präjudiziellen Entscheidungen ist zum letzen Male vor mehr als 60 Jahren erschienen (von Mayer 1847). Die Behörden waren also gezwungen, in der Entscheidung über wichtige Fragen alle möglichen Aktenstöße herbeizuholen. Das Gunzenhausersche Sammelwerk hilft dem Übelstand ab. Abgesehen davon, daß es die Entscheidungen und Verordnungen auch der jüngsten Zeit bringt, hat es vor dem Mayerschen Werke den Vorzug, daß es n3ch Materien geordnet ist, während dieses chronologisch verfährt. Zudem enthält es auch alles das aus der allgemeinen Gesetzgebung, was die speziell jüdischen Verhältnisse und Einrichtungen berührt. Aber die Arbeit weckt Interesse auch über Württembergs Grenzen hinaus. Mau ist sowohl in Preußen als auch besonders in Bayern daran, neue israelitische Kirchenverfassungen zu schaffen. Die Kenntnis der alten Bestimmungen ist zweifellos Voraussetzung bei Schaffung von neuen, und da erweist sich das Gunzenhausersche Werkchen als im höchsten Grade nützlich. Die Sammlung gibt ein klares Bild der Entwicklung und der württembergischen Verfassung, die in mancher Hinsicht, besonders durch die staatliche, aber sicherlich nicht drückende Oberaufsicht vielfach vorbildlich sein dürfte und besonders den Rabbinern und Lehrern eine feste Stellung schafft und sie die Wohltaten, der Beamtenfürsorge genießen läßt. — Das Buch gewinnt an Übersichtlichkeit noch dadurch, daß die Materien wieder nach Unterabteilungen geordnet und in diesen die wichtigsten Schlagwörter durch den Druck hervorgehoben worden sind. Auch das alphabetische Sachregister trägt zur leichteren Handhabung des Buches wesentlich bei. — Das Schlußkapitel „Verschiedenes" geht auf die Stellung der württembergischen Kirchenbehörden zu allgemeinen und speziell allgemein jüdischen Institutionen ein, und es dürfte deshalb das Interesse für das Werk auch außerhalb der schw irz-roten Grenzpfähle wecken und bestärken. Es war keine kleine Aufgabe, aus dem Wust der in 80 Jahren ergangenen Entscheidungen und Gesetze und Gesetzesauslegungen das herauszugreifen, was noch in Geltung und was geeignet ist, allgemein zu interessieren. Dem Verfasser ist dies aber in der besten Weise gelungen und es ist deshalb dem Werke die weiteste Verbreitung zu wünschen. Dr. Blüth. o o o o o o o |) €= o o o o o ooj AUS DER BEWEGUNG (fooooooo^ Q O Österreich Der Bielitzer Zionistentag Die Sonne, welche bekanntlich eine unerläßliche Voraussetzung jedes Gartenfestes ist, hatte ihre Gunst dem Zionisten-Rendezvous nur in sehr spärlichem Maße zuteil werden lassen. Die bekannten Bielitzer grauen Wolkenmassen bedeckten vormittags das ganze Firmament, aber immerhin so gnädig, manchmal einen Sonnenstrahl durchlassend, daß das ganze Fest ausschließlich der rednerischen Abteilung ohne Störung im Freien abgehalten werden konnte. Von Mähren, Schlesien, Galizien, Rußland und dem benachbarten Preuß.-Oberschlesien waren die Anhänger der zionistischen Idee in großer Zahl hierhergekommen, um an dem Zionisten^ tage von neuem Begeisterung zu erwecken und der nationalen Sache des Judentums neue Anhänger zu werben. Will man objektiv sein, so muß ohne weiters konstatiert werden, daß infolge der meisterhaften, in Form und Vortrag gleich .vollendeten Rede des zionistischen Reichsratsabgeordneten, Privatdozenten Dr. Mahl er, der Zweck des Festes resp. der Versammlung in Erfüllung gegangen sein dürfte, denn diese Rede hat zweifelsohne alle jene Anwesenden, die noch nicht Zionisten sind, dazu gemacht. Herr Dr. Mahler sprach in fließendem Vortrag mit edlem Pathos wohl an zwei Stunden überaus packend und auf die Geister einwirkend. Nach Dr. Mahler sprach der Vertreter von Troppau Herr Dr. Cokstein, der auf die Zusammengehörigkeit der Zionisten im In- und Auslände hinwies und den ausgezeichneten Ausführungen seines Vorredners begeisterte Anerkennung zollte.. Ihm folgte als dritter Redner Herr Fabrikant Wiener aus Kattowitz, der die Grüße der dortigen Zionisten überbrachte und die Unterdrückung der jüdischen Rasse in Preußen und Österreich einer Betrachtung unterzog. Der nächste Redner, Rechtsanwalt Dr. Lach mann-Königshütte, traf packende Akzente, als. er eine Parallele zwischen den Juden in Preußen und denen in Österreich resp. ihrer Leiden zog. Er kritisierte die soziale Lage der Juden, ihre Zurücksetzung in den Ämtern und in der Gesellschaft, wie es in Preußen gang und gäbe ist, und sagte dann, daß die bedeutend bessere Lage der Juden in Österreich und das Fortschreiten des Zionismus, wie er in Österreich zu konstatieren ist, auch die preußischen Juden mit hoher Begeisterung für diese edle Sache erfüllte. Auf diesen Herrn folgte Herr Schor aus Koloniea, der, obwohl im Jargon als polnischer Jude, in polnischem Habit sprechend, ganz enorme Begeisterung für die zionistische Sache hervorrief, in seinem galizischen Deutsch sehr humorvoll dem staunenden Publikum demonstrierte, wie schwer es den galizischen Juden war, fünf jüdisch-nationale Abgeordnete in den Reichsrat zu entsenden. Rauschender Applaus folgte dem jugendlichen Naturredner und damit war das Redeturnier zu Ende. Der Versammlung präsidierte Herr Dr. Citrin, welcher auch die Debatten leitete. Nun kamen die Vorführungen des jüdischen Turnvereins, unter der vorzüglichen Leitung des K. K. Postassistenten Herrn Klimezki. Eine stattliche Anzahl Turner marschierte stramm militärisch im festen Schritt auf das Podium. Der Stabreigen, geradezu musterhaft