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Die Welt · 1909-07-09 · 28 (9.7.1909) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 28 DiE^ELT 605 Charles Co wen, von dem der Abänderungsantrag ausging, setzte sich energisch für die Konzentration der zionistischen Arbeit auf die zionistischen Institute ein. Mr. de Haas betonte ebenfalls nachdrücklich den politischen Charakter der Bewegung. Andernfalls wird ein mit Juden besiedeltes Palästina existieren, das nicht die Heimstätte für das jüdische Volk ist. Die Debatte war äußerst streng und sachlich, die Delegierten lauschten mit angespannter Aufmerksamkeit. Die Freunde der realen Arbeit waren offenbar in der Mehrheit. Der Abänderungsantrag wurde mit 70 gegen 54 Stimmen verworfen, der des Vorstandes, der ja eigentlich dasselbe wollte, mit 66 gegen 51 angenommen. Nunmehr wurde die Resolution wegen des Basler Programms zur Debatte gestellt. Ihr Schicksal war besiegelt, als Dr. Magnes in einer groß angelegten Rede sich dagegen aussprach und forderte, man müsse jetzt schon offen erklären, in welcher Richtung die jetzige Politik des Zionismus sich bewegen solle. Es sei nötig, den veränderten Zeitverhältnissen Rechnung zu tragen. Nun herrsche, aber über die Wege der zionistischen Politik große Unklarheit, und es sei daher verdienstlich, wenn die Konferenz zur Klärung der Lage beitrage. Man müsse beachten, daß der Choveve-Zionismus seinerzeit gut gewesen sei und daß der Herzische Zionismus ebenfalls seiner Zeit entsprochen habe. Nun sei eine neue Zeit gekommen. Seitdem die türkische Revolution eingetreten sei, habe sich in seinen, des Redners Ansichten, eine Wandlung zum Choveve-Zionismus hin vollzogen. Der politische Zionismus sei nutzbringend gewesen. Ohne seine Wirksamkeit würde das jüdische Volk nicht nach Palästina zurückgekehrt sein, wie es dies heute tue. Indessen müssen wir mit den veränderten Verhältnissen rechnen. Was bedeutet denn die nationale und politische Basis unserer Bewegung? Ist nicht die Ansiedlung von Juden in Palästina unter einer freien Regierung hinreichend, um alle Ansprüche in dieser Hinsicht zu erfüllen? Er bitte die Konferenz, zu erklären, daß sie die Unteilbarkeit des ottomanischen Reiches wünscht, und daß die zionistische Bewegung keinerlei separatistische Ziele verfolge. Es sei die Pflicht der Zionisten, eine Synthese zwischen Choveve Zionismus und Herzischem Zionismus aufzustellen. Auch er sei der Meinung, daß die zionistische Organisation nicht für Privatunternehmungen verantwortlich gemacht werden dürfe. Er befürworte auch die Absendung eines Glückwunsches an die Ito, weil sie sich dazu verstanden habe, ihre Blicke auf das freie ottomanische Reich zu richten. Man müsse aber gleichzeitig sagen, daß die Zionisten das Mesopotamienprojekt, wenn es als eine jüdisch-nationale Bewegung aufgefaßt werde, als unpraktisch und gegenüber der Bedeutung Palästinas unwichtig ansehen. Die Zionisten sollten alle Organisationen auffordern, sich auf Siedelungsarbeit in Palästina zu vereinigen. Diese Rede machte tiefen Eindruck, erweckte aber auch starken Widerspruch. Insbesondere die Bemerkungen über politischen Zionismus wurden teilweise sehr gemißbilligt, dann wandte man sich auch gegen das Verfahren, so wichtige Resolutionen, wie die von Dr. Magnes vorgeschlagenen, so spät zur Kenntnis der Delegierten zu bringen. Derartige Resolutionen hätten zuvor dem Vorstande der Federation vorgelegt werden müssen. Schließlich wurden v die Resolutionen dem Resolutionskomitee vorgelegt, das sie in folgender Fassung vor die Versammlung brachte: „Die Versammlung bestätigt das Basler Programm. Wenn die gegenwärtige türkische Lage eine besondere Meinungsäußerung verlangt, soll der bevorstehende Kongreß eine Resolution fassen, die die Aufgabe und die Absichten der ganzen zionistischen Organisation mit Bezug auf die Förderung der zionistischen Arbeit in Palästina zum Ausdruck bringt. Wir drücken unsere Freude über den Sieg der Kräfte der Freiheit in der Türkei aus, unter der allen Nationalitäten nationale Freiheit in einem geeinten Reiche gesichert ist. Wir senden unsere brüderlichen Grüße unsern jüdischen Brüdern in der konstitutionellen Armee, und wir begrüßen mit Genugtuung ihre Aufnahme als freie ottomanische Bürger einer freien jüdischen Nation seitens ihrer ottomanischen Kameraden." Auch diese Resolution entfesselte noch eine heftige Debatte. Herr Dr. Magnes versuchte vergebens, die Resolution in dem von ihm vertretenen Sinne zu erweitern; schließlich wurde die Resolution in der oben wiedergegebenen Fassung einstimmig angenommen. Vorher fanden die Wahlen statt, und da erhob sich gegen die vorgeschlagene Wahl des Dr. Magnes zum Vizepräsidenten Widerspruch. Mr. Cowen begründete diesen Protest mit den politischen Ausführungen des Herrn Dr. Magnes, denen er und seine Freunde keinesfalls zustimmen könnten. Die Magnes'sche Auslegung des Zionismus sei eine Mißdeutung. Dem Protest des Herrn Cowen schlössen sich die Herren de Haas, Katzman, Richards, Joseph, Iser und Lipsky an. Dieser Widerspruch erregte deshalb Aufsehen, weil etwas Derartiges bisher noch auf keiner zionistischen Jahreskonferenz in Amerika vorgekommen ist. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Dr. Harry Friedenwald, Präsident; Dr. J. L. Magnes, Vizepräsident; Joseph Jasin, Sekretär; N. Taylor, Kassierer. Ins Exekutivkomitee wurden gewählt die Herren: Prof. L. Friedlander, Loüis H.Levin (vom „Jewish Comment" in Baltimore), E. W. Lewin-Epstein, Dr. Egelson, A. Lubalsky, Louis A. Freed, L. D. Livington, S. Shapinsky, J. Maltin, Dr. H. J. Epstein, Dr. B. L. Gordon, David Schneeberg, Rabbi A. M. Hershman, Rabbi Ashinsky, Rev. J. Meyers, Harry Fischel, B. G. Richards, Elias Margolis, S. Abel, S. P. Abelow, Rabbi Ehrenreich, Dr. Kaplan, Dr. M. M. Kaplan. Zu Vizepräsidenten der Federation im Ehrenamte wurden gewählt: Dr. Salomon Schechter, Rabbi Max Heller, Miß Henrietta Szold, Prof. S. Pessels, Prof. Max Margolis, Prof. J. Malter, Rabbi B. L. Levinthal, Rabbi B. Schaffer, Rev. H. Masliansky, Jacob de Haas. Arn Montag abend fand eine Straßen de monstratipn statt in Form einer Prozession durch die East End-Straßen. Über eintausend Zionisten gingen im Zuge und mehr als 900 Kinder, Mitglieder der Juniorzirkel. Diese Parade war einzig in ihrer Art, denn sie war die erste, die stattfand, nicht zum Protest gegen eine Bestimmung oder als Ausdruck irgendekier Gegnerschaft, sondern lediglich um einem idealen Zweck zu huldigen. Der Prozession folgte eine Versammlung in Reitgers Square und ein Bankett in der Clinton Hall. Dienstag vormittag gelangte der Bericht des Sekretärs zur Verlesung, der feststellte, daß 197 Delegierte anwesend waren; die 107 Vereine in 61 Orten und 22 Staaten vertraten. Es wurde beschlossen, Dr. Nordaus Geburtstag überall festlich zu begehen und einen zionistischen Fraüenverband zu bilden. Unter großem Enthusiasmus schloß die glanzreich verlaufene Versammlung. Neue Bücher Drei Neuerscheinungen auf dem zionistischen Büchermarkte Wiens. Dies ist nahezu ein Ereignis. Der Wiener Jude ist Kaffeehausbürger und liest gern Zeitungen. Da mußte vor allem in dieser Richtung vorgesorgt werden. Doch ein Blatt, auch' eine Wochenschrift, üben nicht eine derart bleibende Wirkung aus wie die kleinste Broschüre. Wir erhielten nunmehr drei Werke. Die „Jüdischen Fragen" behandeln Probleme der zionistischen Theorie und der jüdischen Ökonomik, „Zionistische Palästinaarbeit" von Adolf Boehm wirbt um Freunde der Palästinakolonisation; schließlich fährt Beda fort, die bunten Trachten der Assimilanten mit seinen Satiren zu durchlöchern. Jüdische Fragen. Sammlung von wissenschaftlichen Arbeiten aus dem Seminar des Vereins zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl" in Wien. Der akademische Verein „Theodor Herzl" hat anläßlich seines fünfjährigen Bestandes dieses Sammelwerk herausgegeben. Die wissenschaftliche Begründung des Zionismus ist seine Aufgabe. Der Verein „Theodor Herzl" hat allen Grund, auf das Zustandekommen des Buches stolz zu sein. Es ist ein erfreuliches Zeugnis des Forschungsfleißes, der Intelligenz und des Ernstes seiner Mitglieder, die sichtlich bemüht sind, den Zionismus zu einem unverrückbaren Grundstein ihrer Welt- und Lebensanschauung zu machen. Eben deshalb wäre im Geleitwort vornehme Zurückhaltung am Platze. An der Spitze des Sammelbuches steht der großangelegte Aufsatz des Ehrenmitgliedes des Vereins, Dr. Daniel Pasmanik: „Nation und jüdische Nationalität," eine ausgezeichnete soziologische Studie. Dr. Pa s m a n i k unterscheidet drei gesellschaftliche Faktoren : Territorium, Fortpflanzungstrieb und Sprache. „....So wie das Individuellmenschliche ohne die drei Grundkategorien des Geistes — Raum, Zeit und Kausalität — undenkbar ist, ebenso ist das Menschlichgesellschaftliche ohne die drei Kategorien Raum—Territorium, Zeit-—Sprache, Kausalität—Fortpflanzungstrieb, undenkbar." Von diesen drei Faktoren sind nur das Territorium und die Sprache zugleich nationbildend. Das Territorium ist es mit einer wesentlichen Einschränkung, es wirkt einigend und differenzierend, insofern eszumZusammenleben in derselben Gruppengemeinschaft führt. „Nicht das Territorium als solches schafft die Nation, sondern die auf ihm entstandene Wirtschaft." Die Sprache ist der zweite nationschaffende und differenzierend wirkende Faktor. Die Sprache ist ein Mittel des Verkehrs zwischen Zeitgenossen und Generationen, so schafft die gemeinsame Sprache die historische Kulturgemeinschaft. Pasmanik ist die Nation eine geschichtlich gewordene Schicksalsgemeinschaft, die von der Wirtschafts- und Kulturgemeinschaft bedingt ist. Eine Definition, die das Wesen einer Nation, meines

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