Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 26 (25.6.1909)
- Date
- 1909-06-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 26 DIEl^KELT 575 von seinem zweimonatlichen Aufenthalt in Palästina sind sehr günstige. Was den Dichter besonders fesselte, das waren seinen Erzählungen nach die Anfänge des sich bildenden neuen jüdischen Kulturlebens, der Kampf der verschiedenen auf dem heiligen Boden aufeinanderstoßenden Lebensformen und -Stile, der bisher noch zu keiiier neuen vorherrschenden Einheitlichkeit geführt hat. Ein kleiner Kreis der hiesigen Zionisten und Freunde der Bialikschen Muse vereinigte sieh zu einem Begrüßungsabend im Hotel Rubin. Es wurden einige ernste und heitere Reden gehalten. Bei dieser Gelegenheit wurden auch mehrere Ölbäume auf den Namen des verehrten Gastes gespendet. Ein türkische Agrarbank in Jerusalem Vergangene Woche besprach, den hiesigen Blättern zufolge der Ministerrat unter anderm die Errichtung einer Agrarbank in Jerusalem. Nachtexpreß Kairo—Jerusalem Die Frage einer Bahnverbindung von Ägypten nach Syrien ist zu einem Plane gediehen, den ein bekannter Unternehmer in Kairo, Almagia, den türkischen und ägyptischen Behörden unterbreiten wird. Nach diesem Projekte soll eine Eisenbahnlinie über den Suezkanal gebaut werden, die an der asiatischen Küste entlang über El-Arisch führt und sich in Jaffa an die schon bestehende Bahnverbindung Jaffa—Jerusalem anschließt. Es wird wohl nicht das letzte Konzessionsgesuch um diese vielbegehrte Linie sein. Deutschland, England und Palästina Die Furcht vor einer Zerstückelung der Türkei ist trotz der Befestigung des neuen Regimes nicht ausgestorben. So schreiben die Konstantinopeler Blätter dieser Tage: „Gerüchten zufolge, die in Beirut zirkulieren, hat die deutsche Admiralität die Absicht, demnächst einen Kreuzer in den Orient zu schicken, der ständigen Aufenthalt an den syrischen Küsten nehmen und Beirut zum Stützpunkt haben soll. Diese Gerüchte verstärken aufs neue eine seit Wochen verbreitete Meinung, nach der Deutschland versuchen wolle, die gegenwärtige Situation der Türkei dazu zu benutzen, das ganz besondere Interesse zu markieren, das es an diesem Landstrich nimmt. Auch die zahlreichen diplomatischen Neubesetzungen in dieser Gegend bilden nach Meinung der Einheimischen Anzeichen für die eventuellen Absichten Deutschlands auf Syrien und Palästina. Anderseits schreibt, den Informationen des „Temps" aus Kairo zufolge, die syrische Kolonie Ägyptens analoge Absichten Großbritannien zu, insbesondere seit der Reise Sir Eldon Gorsts nach Beirut und der Veröffentlichung eines apokryphen Berichtes, der ihm zugeschrieben wird. Eine andere Nachricht, die dazu beitrug, diese Meinung zu verstärken, war die Mitteilung von der Landung englischer Matrosen auf den Stätten der Massakers von Adana. Da die Engländer die einzigen waren, die sich zu einem solchen Schritte entschlossen, will man durchaus die Manifestation eines Hintergedankens darin erblicken. Die Syrier Ägyptens sind heute geradezu überzeugt, daß Großbritannien bei der ersten sich bietenden günstigen Gelegenheit versuchen wird, sich Syriens und Palästinas zu bemächtigen." Schöne Phantasien! Aber sie sind bezeichnend für den Gemütszustand weiter Schichten der ottornanischen Bevölkerung, der aus den unsichern Zuständen Nahrung für allerlei gespenstische Befürchtungen zieht, und beweisen wieder einmal, wie notwendig eine absolute Stärkung der türkischen Herrschaft durch die Existenz einer getreuen loyalen Bevölkerung in diesen Gebieten ist. Eine türkische Gartenbauschule Durch M. Derouin, der Obergärtner der Kronländereien, ist dem Ministerium soeben ein interessantes Projekt eingereicht worden, das die Schaffung einer Gartenbauschule und eines riesigen botanischen Gartens im Park von Jildis, nach dem Muster ähnlicher Institute Europas, vorschlägt. Die Landespresse hält den Gedanken für überaus wichtig und glücklich. In Anbetracht der Lage und des Reichtums des Jildisparks kann auch die Ausführung auf keine großen Schwierigkeiten stoßen. Die Gründung einer türkischen Nationalbank Die Neue Freie Presse meldet aus Paris unter dem 21. Juni. Die Gründung einer türkischen Nationalbank tritt jetzt in ein entscheidendes Stadium. Die ursprünglich konkurrierenden Bankgruppen, die französische unter Führung der Banque Ottomane, die Banque de Paris und der Societe Generale, und die englische, von Sir Ernest Cassel geführt, haben sich zur Gründung der Nationalbank in Konstantinopel mit einem Kapital von fünf Millionen Pfund vereinigt und auch die Deutsche Bank in Berlin zur Kombination herangezogen. In der Banque de Paris hat die erste konstituierende Versammlung unter Vorsitz des Marschalls Mukhtar Pascha, welchem als Vizepräsident Graf Camondo assistierte, stattgefunden. Es wurde entschieden, daß die Nationalbank unverzüglich zur Gründung einer türkischen Bodenkred itanstalt schreiten solle. Die Nationalbank wird das Geldwesen in der Türkei zu regeln haben, und die Basis für die Entwicklung des industriellen und kaufmännischen Kredits schaffen, während der künftige Kredit Foncier Ottoman das Hypothekargeschäft pflegen wird, das in der Türkei noch kaum organisiert ist. An unsere Leser! Gesinnungsgenossen! In immer stärkerem Maße wendet sich das Interesse der zionistischen und allgemein jüdischen Öffentlichkeit dem bevorstehenden IX. Kongresse zu. Die hoehbedeutsarnen Fragen, die diesmal den Kongreß beschäftigen werden, gelangen jetzt schon in der zionistischen Presse zur Erörterung. „Die Welt", als Zentralorgan der Bewegung wird, ihrem Prinzip getreu, wie immer allen Richtungen in der Bewegung in ihren Spalten Raum geben, um zu einer Klärung der Anschauungen innerhalb der Gesamtorganisation beizutragen. Die Zeit, die uns noch vom Kongresse trennt, soll aber nicht allein nach der publizistischen, sondern auch nach der agitatorischen Seite hin in intensivster Weise ausgenutzt werden. Wir treten daher heute nochmals an alle unsere Leser und Gesinnungsgenossen mit dem dringenden Ersuchen heran, die Werbearbeit für den Zionismus durch die Presse, unter Hinweis auf den bevorstehenden Kongreß in erhöhtem Maße aufzunehmen. Während des Sommers, wo in sehr vielen Organisationen die Vereinstätigkeit eine Unterbrechung erleidet, ist die Propaganda durch und für die Presse um so notwendiger. Wir verweisen u. a. auch auf die Propaganda in den Kurorten. Die Expedition der „Welt" ist jederzeit gerne bereit, alle agitatorischen Aktionen, die der Ausbreitung unserer Idee durch die Presse von Nutzen sein können, tatkräftigst zu unterstützen. Nach wie vor bitten wir unsere Freunde uns ausgewähltes Adressenmaterial zwecks Zusendung von Probenummern, zur Verfügung zu stellen. Diejenigen Abonnenten, deren Bezugsrecht am 30. Juni 1909 abgelaufen ist, ersuchen wir um rechtzeitige Erneuerung des Abonnements, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Posterlagscheine zur kostenlosen Überweisung der Abonnementsbeträge für die Abonnenten in Österreich- Ungarn liegen der heutigen .Nummer bei. Zahlkarten unseres Postscheckkontos haben wir den Abonnenten in Deutschland, deren Bezugszeit abgelaufen ist, direkt zugehen lassen. Die Oberweisung der Beträge durch Zahlkarten erfolgt gleichfalls kostenlos. Expedition „DIE WELT"