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Die Welt · 1909-06-25 · 26 (25.6.1909) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
26 (25.6.1909)
Date
1909-06-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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572 DIEE^KELT No. 26 großen Kundgebung der maßgebenden Kreise für die Pogromverbrecher. Der wüsteste russische Judenhasser, an dessen Händen das Blut von Hunderten Gemetzelten klebt, wurde als Heiliger begraben. Ungewöhnliche Ehrenbezeigungen wurden aufgewendet, um das Begräbnis zu einer Demonstration zu gestalten. Der Metropolit der Residenz (?), zahlreiche höchste Beamte, hohe Geistliche und Funktionäre, im ganzen 30 000 Menschen nahmen an der Beerdigung teil. Erfreulicherweise blieben die erwarteten Zwischenfälle aus, die Ruhe wurde nicht gestört. Pogrommeldungen, die aus Anlaß der Beerdigung über Rumänien verbreitet wurden, entsprechen nicht den Tatsachen. Rumänien (Von unserm Berichterstatter) Ausweisung der Juden aus den Dörfern Sämtliche jüdischen Weinbergbesitzer in den Dörfern der Umgegend von Jassy erhielten die Aufforderung, sofort die Gegend zu verlassen, obwohl sie bereits seit Jahren dort ansässig sind. Die Aufforderung wird damit begründet, daß den Juden der Aufenthalt in den Dorfgemeinden verboten ist. Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht eine große Panik, da die Verfügung gleichbedeutend mit dem Verlust ihrer sämtlichen Habe ist. Die Juden haben Schritte bei den obern Behörden getan, um eine Aufhebung der Verfügung zu erreichen. Sie erhielten aber den Bescheid, daß dies eine Sache der Dorfgemeinden sei. Amerika Gesellschaft für nationaljüdische Musik Eine neue „Gesellschaft für nationaljüdische Musik" wurde von einigen renommierten jüdischen Künstlern, Sängern und Musikkünstlern in New York gegründet. Unter den Gründern befinden sich der berühmte Opernsänger der Kaiserl. Oper, A. M. Davidow, der Musikkritiker der Russkaja Viedomoski, J. Engle, und andere. In ihrem Aufruf verbreitet sich die Gesellschaft über ihre Ziele, wie folgt: Jeder eine, selbst der, welcher die Charakteristika der jüdischen Nation am wenigsten kennt, weif3, wie musikliebend das jüdische Volk ist. Jüdische Musiker und jüdische Komponisten nahmen stets und nehmen auch heute sehr geachtete Stellungen in den Reihen der weltberühmten Musikkünstler ein. Sie haben lebhaften Anteil an der Entwicklung der Musik in den verschiedenen Ländern, in denen sie wohnten. Da die Juden eine alte Kultur haben, haben sie ihre Gemeinschaften bis zum heutigen Tage beibehalten. Die religiösen Überlieferungen, die alte und die mittelalterliche Litteratur sind in die verschiedenen europäischen Sprachen übersetzt worden; aber die jüdischen Melodien, welche unter den Juden ebensogut existieren wie unter den andern Völkern, sind verloren und vergessen gewesen. In Anbetracht der Tatsache, daß die Musik eine so große Rolle bei der Kultur eines Volkes spielt und da alles, wodurch die jüdische Kultur sich vor anderer auszeichnet, von schätzbarem Wert ist, so haben die Gründer der „Gesellschaft für nationaljüdische Musik" es unternommen, alle, die sich mit dieser Musik beschäftigen und sich dafür interessieren, zu vereinigen und alle jüdischen Komponisten zu sammeln, danach zu forschen und sie aufzuführen. Die Jerusalemer Nationalbibliothek In New York wurde ein Komitee gebildet zu dem Zweck, die Jüdische Nationalbibliothek in Jerusalem mit Hilfe der Juden Amerikas zu vergrößern. Es sollen Anstrengungen gemacht werden, um der Bibliothek seltene Bücher, Journale und Zeitungen wie auch Dokumente und Schriften zu sichern. Diejenigen, welche an diesem Projekt arbeiten, hoffen, daß hier genügendes Material gesammelt wird, so daß „Judaica Americana" einen hervorragenden Teil der Bibliothek ausmachen werden. Das Komitee besteht vorläufig aus folgenden Mitgliedern: Dr. Leon Kopolowitz, Dr. Maurice Fischberg, Dr. Nachum Syrkyn, A. S. Freidus, S. Joseph, I. J. Levin, S. Masin, S. Waldstein, Ephraim Kaplan, Nechemiah Kaplan, Leon Elbe, David Abraham, Isaac Wite. Mr. N. Kaplan, 204 East Broadway, besorgt die Geschäfte des zeitweiligen Sekretärs. Eine neue Maßregel gegen die Einwanderung Der erste Chef der Einwanderungsbehörde in New-York, Commissioner General Keefe, kündigt soeben an, daß er mit der Art der Untersuchung unzufrieden ist, die von der Spezial-Untersuchungsbehörde für Einwanderung in Ellis Island in Anwendung gebracht wird. Mr. Keefe ist der Meinung, daß es nicht genüge, den Einwanderer zu fragen, ob er hinreichend Mittel habe, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, oder um darzutun, daß er nicht der öffentlichen Armenpflege zur Last fallen werde. Nach der Ansicht des Herrn Keefe ist es vielmehr notwendig, die Gründe zu erforschen, aus denen der Einwanderer ausgewandert ist, und klarzulegen, ob es nicht besser für ihn ist, zu Hause zu bleiben, statt in ein Land zu wandern, dessen Sprache und Gewohnheiten - er nicht kennt. (!!) Com missioner Keefe beabsichtigt, darauf hinzuwirken, daß in Ellis Land jeder Einwanderer einer eingehenden Befragung in obendargelegtem Sinne unterworfen wird. Das würde natürlich eine außerordentliche Erschwerung der Einwanderung und eine Belästigung schlimmsten Stils für die Einwanderer bedeuten. England (Von unserm Berichterstatter) Schekeltag Am Sonntag, den 20. d. M. wurde von allen zionistischen Vereinen dieses Landes derSchekeltag begangen. Unsere Gesinnungsgenossen im Ostend und Westend Londons, wie auch in den großen Provinzzentren, Leeds, Manchester, Liverpool und Glasgow entfalteten allüberall eine energische Tätigkeit. Die English Zionist Federation gab aus diesem Anlaß ein besonderes Flugblatt heraus, das in einer Auflage von 17000 Exemplaren im ganzen Lande verbreitet wurde. Außer großen öffentlichen Versammlungen fanden an vielen Plätzen auch Sammlungen von Haus zu Haus statt, und große Anstrengungen wurden gemacht, um eine Rekordziffer des Schekelvertriebs zu erreichen. Besonders rührig war die Association of East End Zionists, Verband „Zion", die mit gutem Erfolge einen eigenen Aufruf in Jüdisch verbreitete. Das Exekutivkomitee der English Zionist Federation veranstaltete abends eine öffentliche Versammlung im Hotel Great Central, die von einer zahlreichen, begeisterungsfrohen Menge besucht wurde. Den Vorsitz führte der Präsident der Federation, Dr. Charles Dreyfuß, unterstützt von den Herren L. J. Greenberg, Dr. A. S. Rappopört und Israel Cohen. Unter lebhaftem Beifall wurden Begrüßungsschreiben der Herren Präsident Wolffsohn, Prof. Warburg, Joseph Cowen, Dr. Fuchs u. a. verlesen. Dr. Dreyfus führte in seiner Eröffnungsansprache aus, daß offenbar manche Leute der Ansicht seien, die Federation vertrete nicht die Meinung der Zionisten dieses Landes und ihre Politik sei daher nicht zu beachten. Er ergreife daher die erste Gelegenheit, um darzulegen, was die Politik der Federation sei: Sie bestehe darin, für Palästina zu arbeiten und zwar nur für Palästina, seine finanziellen Institutionen mit aller Kraft zu unterstützen, die Einwanderung zu fördern und den Gebrauch des Hebräischen als lebendige Sprache zu verbreiten. Das Programm sei kurz und klar, aber es begreife viele Arbeit in sich. Er hoffe, daß alle englischen Zionisten die Tätigkeit des Exekutivkomitees unterstützen würden. Wenn nicht das große Werk unseres unvergeßlichen Führers Herzl gewesen wäre, wäre heute das Geschick des jüdischen Volkes dunkel, glücklicherweise seien aber dadurch die Kräfte der Assimilation und Zerstörung gebrochen worden. Vor einer Woche habe Herr Zangwill zugunsten der Ito gesprochen und habe gesagt, diese sei eine internationale jüdische Gesellschaft, gegründet um die Judenfrage zu lösen. Aber Zangwill vergaß, daran zu erinnern, daß es eine ältere Organisation gebe, die zu demselben Zwecke gegründet worden sei, für den jetzt die Ito eintrete. Nun wohl, die Ito sei nach ihren vier Jahren der Erforschung zu den Grenzen Palästinas zurückgekehrt und entdeckte Mesopotamien. Aber könne man glauben, daß dieses Land die Juden so anziehen werde, wie Palästina? Seine Worte zu den Itoisten seien: Wandelt in euren Fußstapfen zurück, kommt wieder zu uns, und ihr werdet willkommen sein. (Großer Beifall). Dr. Angelo S. Rappaport brachte eine Resolution ein, die die Treue der Versammlung zum Zionismus und ihr Vertrauen zu seinen Führern ausspricht. Er behandelte den Zionismus vom intellektuellen Standpunkt und legte in geistreicher Weise seine ethische Bedeutung dar. Er brachte im Anschluß an die Territoriumsucherei der letzten Zeit interessante Erinnerungen an ähnliche Projekte früherer Datums vor, als vor vielen Jahren die Ica ein Territorium für jüdische Kolonisation in der Nähe Abessyniens suchte. Zu der Zeit wurde er von der Alliance Israelite ausgesandt, um die Falaschas zu erforschen. Er kam allerdings nie nach w Abessynien, da ihm der Eintritt verwehrt wurde, aber in Alexandrien hatte er eine Unterredung mit Lord Cromer, der sich sehr günstig für eine jüdische Siedlung in der Nähe Ägyptens aussprach. Aber da er mit einer englischen statt einer französischen Autorität verhandelt hatte, ließ die Ica das Projekt fallen.

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