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Die Welt · 1909-06-25 · 26 (25.6.1909) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
26 (25.6.1909)
Date
1909-06-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 26 DIE 567 Gelehrten doch zu naive Bemerkung, daß die Fallaschas, ursprünglich von gleicher Hautfarbe wie wir, unter dem Einfluß der afrikanischen Sonne die schwarze Farbe angenommen haben. Behaupte doch schon die Geliebte des „Hohenlieds": „Ich bin schwarz, weil mich die Sonne gebräunt hat." Es gelang ihm jedenfalls, seine beiden Z ö linge von der Wahrheit dieser Behauptung zu überzeugen, und der ältere weiß jedem Fragenden sofort eine Erklärung für ihre ch warze Hautfarbe zu geben, indem er den autoritativen Satz aus dem Hohenlied als unerschütterlichen Beweis zitiert. In Wirklichkeit repräsentieren die beiden mit ihrer schwarzen Augen- und Hautfarbe und wolligem Haare echte Negertypen. Kampf gegen Antebi Jerusalem, 13. Mai. Der vom„Hazewi" unternommene Kampf gegen Herrn Antebi, den Direktor der hiesigen Allianceschule, wird fortgesetzt; jeden Tag erscheinen neue Angriffsartikel, die darzutun suchen, daß er in despotischer Weise seines Amtes waltet. Auf einer öffentlichen Versammlung wurde beschlossen, das Zentralkomitee der Alliance in Paris um Absetzung des Herrn Antebi zu ersuchen. Dagegen veröffentlicht Herr Levontin, der Direktor der A. P. C, in hiesigen Zeitungen ein Schreiben, in dem er bescheinigt, daß Antebi durch seine Tüchtigkeit und seinen Fleiß der jüdischen Kolonisationsarbeit in Palästina große Dienste geleistet hat. Prof. Gottheil, unser verehrter amerikanischer Gesinnungsgenosse, soll, nach zuverlässigen Nachrichten, nach Jerusalem kommen und dort die Leitung des Amerikanischen Archäologischen Instituts übernehmen. Man erwartet ihn hier mit großer Sehnsucht, da der Aufenthalt dieses Gelehrten, der überdies als Mensch sehr sympathisch sein soll, sicherlich zur Hebung des gesellschaftlichen Lebens in Jerusalem beitragen wird. §CH □ □□□ FEUILLETON □ KAMPFE Von Dr. M. Scherlag Eine alte Wahrheit: das Leben ist ein Kampf. Moderner nennt man es den Kampf ums Dasein. Der Kampf bleibt derselbe, wenn er nicht gar heftiger, erbitterter wird und immer weitere Kreise zieht. Es kämpft der Mensch gegen die ganze Natur und jegliche Kreatur, vor allem gegen die lieben Nachbarn, Nächsten genannt, einzeln oder in Horden, in organisierten oder lasen Verbänden. Wo man hinsieht, tobt der Massenkampf, hier steht Rasse gegen Rasse, dort Klasse gegen Klasse oder Partei gegen Partei, jäh und zornsprühend. Qanze Nationen, die sich als Kulturträger ausgeben, wüten gegen einander, und dunkle Mächte schüren den Haß und finden immer Narren, die ihnen aus der Glut die Kastanien holen. Besonders ist dies in Österreich der Fall. Ein unerquickliches Schauspiel. Ja, wenn man nur Zuschauer sein könnte! Allein man wird in den Kampf hineingerissen, zumal wenn man Jude ist. Da muß man nun brav den Prügelknaben abgeben. So werden hier buchstäblich auf dem Buckel des Juden so manche Kämpfe brüderlich ausgetragen, des Juden vor allem, der nicht genug Takt besitzt, um sich so viel als möglich vom Getose fernzuhalten. Es gibt aber leider allzuviele Exemplare unter den Juden, die sich mit Gewalt anders nennen und geben wollen, was auf dem heißen Boden Österreichs sehr gefährlich ist. In Böhmen und Galizien haben die Deutschen und Polen mosaischer Konfession es geradezu verschuldet, daß ihr Volk im Kampfe zwischen Deutschen und Tschechen, zwischen Polen und Ruthenen oft den Sündenbock abgeben muß. Dennoch bleiben sie blind in ihrem Assimilationseifer, und mit Gewalt muß man ihnen die Augen öffnen, was die Gegner gründlich besorgen. Dies erlebt man hier täglich, stündlich. Die Luft ist gewitterschwül. Und was in der Luft hängt, spiegelt ( sich bekanntlich in der Literatur ab. Moderne Autoren greifen mit beiden Händen in das volle, zuckende Leben hinein und holen Bilder hervor, so aktuell und pulsierend frisch wie die erlebte Gegenwart. Dies gelang auch dem bekannten Erzähler Emil Ertl, der in seinem bei L. Staackmann, Leipzig, erschienenen, weitausgesponnenen und doch ziemlich spannenden Roman „Freiheit, die ich meine" ein anschauliches Bild der Wiener Revolutionszeit 1848^gibt. Mit einer erstaunlichen Objektivität schildert der Dichter das vormärzliche Wien, die Stimmungen und Strömungen fast aller Bevölkerungsklassen, die Anzeichen der nahenden Umwälzungen, den Ausbruch der Straßenunruhen in den Märztagen, die politischen Ereignisse und Schwankungen, die Barrikadenkämpfe im Oktober und das Niederwerfen des Aufruhrs. Ertls Objektivität fließt aber aus einem tiefmenschlichen, poetisch geläuterten und ein wenig ironisch gefärbten Subjektivismus, daher der intime Reiz der Schilderungen, wozu sich eine durchwärmte Innigkeit der Kleinmalerei und eine schlichte Natürlichkeit der gezeichneten Personen gesellt. Erschütternd wirkt es, wie die begeisterte, von Studenten und Bürgern getragene Volksbewegung, die freilich ab und zu durch undisziplinierte, von unten aufsteigende Elemente verpöbelt zu werden droht, im Kanonendonner erstickt wird. Und tragisch ist das Ende der Idealisten: sie werden zwischen den plump kämpfenden politischen Parteien zerrieben. Daß die Juden an den damaligen Kämpfen bedeutenden Anteil nahmen, betont der Dichter einigemal. „Von den Juden wird die Erlösung kommen," sagt der buntschillernde Journalist Mießriegel in den Tagen der Gärung, „das ist schon einmal das Volk jder Erlöser." Und sie kommt. Aber nicht von den reichen Juden, — als deren typische Vertreter Anselm Rothschild nur perspektivisch gestreift, Mosch-Eskeles dagegen plastisch, aber schablonenhaft vorgeführt wird, — sondern vom Proletariat der Intelligenz. Da stecken die Maulwürfe, die die große Arbeit leisten ... Während Mosch-Eskeles der Revolution als Zuschauer Interesse entgegenbringt, wühlen seine armen intelligenten Brüder, — die durch Leb Pinkas, Heinrich Spitzer und Adolf Fischhof repräsentiert werden, — im Volke unermüdlich, unaufhaltsam. Sehen wir uns die einzelnen Judengestalten näher an! Der Großhändler Mosch-Eskeles, ein feiner, vornehmer, sehr sympathischer Abkömmling der stolzen spanischen Juden, mit einem empfindlichen Gewissen, wohlhabend, opfert insgeheim sein halbes Einkommen

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