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Die Welt · 1909-06-25 · 26 (25.6.1909) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
26 (25.6.1909)
Date
1909-06-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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566 DIE 3§KE LT No. 26 Der Bericht enthält auch interessante Angaben geographischer Natur. Die Stadt Qaza liegt 2 Meilen von der Küste auf einem 100 Fuß hohen Hügel und zählt 40 000 Einwohner. Die andern Orte des Distrikts haben insgesamt eine Bevölkerung von 30 000 Seelen. Qaza liegt im Südosten Palästinas, nur 12 Meilen entfernt von Rafeh, das die türkisch-ägyptische Grenze bildet. Der Distrikt zählt noch 60 Städtchen und Dörfer. Majdal ist die größte Stadt der Umgebung. Sie liegt 12 Meilen nördlich Gaza und hat eine Telegraphenstation. Ihre Bevölkerung beträgt 13 000 Seelen, die außer dem Ackerbau auch Weberei betreibt. Beer-Seba liegt 21 Meilen südöstlich von Gaza. Es zählt 130 Gebäude. Es ist der Sitz der Zentralregierung des Distrikts, dessen Vorsteher den Titel Mutessarif führt. Die Bedeutung dieser Stadt wächst beständig. Alle Beduinen, die die Ebenen des Gebiets bewohnen, 80000 an Zahl, unterstehen dieser Regierung, In die alte Stadt El Hafik hat die Regierung einen Kaimakam entsandt. Die Stadt liegt 20 Meilen südöstlich von Berseba, dicht an der Grenze. Die Regierung hat begonnen einen Serail (Regierungsgebäude) zu bauen, auch ist bereits ein Telegraphenamt errichtet worden. Vorläufig leben alle Regierungsbeamte noch in Zelten. Die geplanten Grenzbefestigungen sind noch nicht begonnen worden. Für britische Firmen wären auch große Handelsaussichten. 1908 eröffnete eine deutsche Schiffahrtsgesellschaft eine Agentur. Auch eine Bank hätte hier gute Möglichkeiten, da jetzt der Kreditverkehr nur zu enormen Zinssätzen möglich ist. Während des verflossenen Sommers hatte die deutsche Palästina-Bank einen Agenten in Gaza. nn PALÄSTINA nun Organisation einer Jaffaer jüdischen Gemeinde Jaffa, 12. Juni. Wie es scheint, wird dieses schwere und wichtige Werk doch in absehbarer Zeit Zustandekommen. Die neue Verfassungsära wird zur Beschleunigung dieser Angelegenheit mittelbar und unmittelbar vielfach beitragen. Das Wesen der Freiheit erblickten nämlich die hiesigen Fleischer zunächst in der Befreiung von ihren bisherigen Zahlungen und stellten die Entrichtung der Gabella (der Fleischsteuer) ein. Da aber die Gabella die einzige Einnahmequelle für das Rabbinat und die Schächter bildete und zum Teil auch zur Unterstützung von Armen verwendet wurde, sind Rabbiner und Schächter infolge der passiven Resistenz der Fleischer brotlos geblieben, und auch die Armen hatten darunter zu leiden. Dieser Zustand führte dazu, daß die Chassidim und Peruschim (beide orthodoxe Parteien) sich vereinigten, um gemeinschaftlich sich zu organisieren und Geld zur Unterhaltung des Rabbinats zu sammeln. Anderseits haben auch die Sefardim sich vereinigt und einen Vorstand aus ihrer Mitte zu wählen beschlossen. Nebenher gingen die Bestrebungen der Vertreter des „neuen Jischuw", die zwar nicht unter dem Schächterstreik zu leiden hatten, jedoch aus nationalen Gründen die Entstehung einer einheitlichen, alle Juden umfassenden Gemeinde in Jaffa sehnlichst herbeiwünschten. Nun berief der Palästinarat die provisorischen Komitees aller dieser Gruppen zu einer gemeinschaftlichen Aussprache und einer Verständigung über die Abfassung eines allgemeinen, den Bedürfnissen aller vier Gruppen Rechnung tragenden Statuts. Zur Leistung dieser Aufgabe wurde ein von Mitgliedern aller vier Gruppen bestehender Ausschuß gewählt. Projekt einer neuen hebräischen Tageszeitung Gegen den „Hazewi" herrscht seit längerer Zeit im hiesigen Publikum eine allgemeine große Erbitterung, die darin begründet ist, daß das Blatt in einer dem Geschmacke eines gebildeten Lesers durchaus nicht entsprechenden und unreif-leichtfertigen Weise redigiert wird. Es ist deshalb der lebhafte Wunsch rege, ein modernes und ernstes, dem ziemlich hohen Niveau der palästinensischen Leser Rechnung tragendes Blatt ins Leben zu rufen. Wenn man auch nicht übersehen kann, daß in Palästina für zwei Tageszeitungen kein Platz ist, und daß Ben-Jehouda, der durch lange Jahre hindurch in kritischen Zeiten unter großen Kämpfen sein Blatt erhalten und für die Entwicklung der hebräischen Sprache so viel geleistet hat, es nicht verdient, durch ein Konkurrenzunternehmen kaltgestellt zu werden, so muß man doch zugeben, daß das literarisch-publizistische Niveau des jetzigen „Hazewi "auch mäßigen Ansprüchen nichtentspricht. Eine Reihe angesehener Bürger in Jaffa tat sich nun zusammen, um eine Aktion zur Begründung eines neuen Blattes einzuleiten. In Palästina und im Auslande sollen auf die neu zu erscheinende Zeitung Subskriptionen gesammelt werden. Man hofft eine genügende Abonnentenzahl zu finden, damit das neue Blatt ins Leben treten kann. Die Propagandaarbeit haben die Herren Marcus Kahn, (Mordechai ben Hilel Hakohen), Dr. Lourie und Ben-Zion-Guttmann übernommen. Schmitah Jaffa, den 10. Juni. Das nächste Jahr, nach jüdischer Zeitrechnung 5670, ist ein Schmitah-Jahr. Bekanntlich muß jedes 7. Jahr nach den Vorschriften unserer Bibel der Boden vollständig ausruhen, und es darf auf ihm in diesem Jahre gar keine Arbeit vorgenommen werden. Die Vorschrift kann natürlich unmöglich wortgetreu durchgeführt werden. Unsere Pflanzungen würden verfallen und eine drohende Hungersnot in unsern Kolonien entstehen, Kolonisten und Arbeiter im Müßiggang zugrunde gehen. Man kann sich überhaupt einen solchen Zustand, in dem das ganze Jahr hindurch alle Arbeit ruht, gar nicht ausdenken. Während dies vom Jaffaer Rabbiner Kuk und von einigen andern palästinischen Rabbinern eingesehen wird, und dieselben daher geneigt sind, von einem in der talmudischen Gesetzgebung aufzufindenden- Ausweg Gebrauch zu machen, um die Arbeit zu erlauben, wollen andere Rabbiner starr bei der Religionsvorschrift beharren. Sie schlagen vor, eine Deputation nach Paris zum Baron Rothschild und nach andern europäischen Städten zu entsenden, um Sammlungen einzuleiten, damit die nicht arbeitenden Kolonisten ein Jahr lang von Almosen leben können. Hoffentlich wird dieser dem Leben so sehr entgegentretende Standpunkt dem mildern und vernünftigenden Platz räumen. Schluß der Schule Kiriath-Sefer Jaffa, 10 Juni, Die Schule Kiriath Sefer in Beth-Arif bei Lydda mußte aus Mangel an Mitteln geschlossen werden. Herr Beikind befindet sich seit einigen Monaten in Europa; es ist ihm aber bis jetzt nicht gelungen, solche Fonds aufzubringen, die den dauernden Bestand der Schule sichern könnten. 9 Kinder, die in den letzten Wochen noch in der Schule wohnten, sind zu ihren Verwandten zurückgekehrt. Zwei Fallaschas zur Erziehung in Jerusalem Jerusalem, 7. Juni. Vor einigen Tagen trafen hier in Begleitung des Herrn Dr. Feitlowitz zwei Jünglinge von den Fallaschas ein. Bekanntlich hat sich der Hilfsverein der Deutschen Juden, der von Herrn Dr. Feitlowitz angeregten Idee, den Fallaschas in ihrem Kampfe gegen die christliche Mission zu Hilfe zu kommen, angenommen. Zwei junge Leute sollen nun im Lehrerseminar des Hilfsvereins in Jerusalem ausgebildet werden, damit sie nachher als Lehrer und Kulturträger zu ihren Brüdern zurückkehren. Der eine von ihnen war bereits 112 Jahr in Florenz, wo er vom Rabbiner Dr. Margulies Unterricht erhielt. Er versteht und spricht schon recht gut Hebräisch, hat ein gutes Benehmen und macht einen durchaus intelligenten Eindruck. Der zweite versteht noch gar nichts und blickt noch sehr erstaunt auf die Welt und auf alle ihn anglotzenden Gäste des Hotels Kaminitz, wo die beiden Zöglinge sonderbarerweise vielleicht als öffentliche Schaustücke untergebracht sind. Herr Dr. Feitlowitz hielt einen ausführlichen und interessanten Vortrag über die Fallaschas, die Verfolgungen, denen sie ausgesetzt sind, ihre Religionsanschauungen und ihre Verwandtschaft mit dem jüdischen Stamme. Herr Dr. Feitlowitz leistete sich nur hierbei die für einen

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