Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1909-06-18 · 25 (18.6.1909) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
25 (18.6.1909)
Date
1909-06-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316349-3316377--52023-3345710
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

No. 25 DIE^EELT 549 Die nächsten Traktanden: Festsetzung des Vorortes und Wahl der Mitglieder des L.-C. beanspruchten gegen die überlieferte Gewohnheit dieses Mal nur wenig Zeit, dank des Entgegenkommens der Basler Delegierten. Als Vorort wurde Basel bestimmt Als Präsident des Landesverbandes wurde Herr Moritz Levy-Liestal, als Kassierer Herr J. J. Weil-Basel und als Sekretär Herr Arthur Zivy-Basel gewählt. Als weitere Mitglieder des Landeskomitees gingen aus der Wa-hl hervor: die Herren B. Bloch, Direktor in Lausanne, 4. Horn-Zürich, Dr. Cainille Levy-Biel und Dr. L. F. Pincus-Zürich. Nach den üblichen Dankesbezeugungen an den Präsidenten schloß der auch von Gästen sehr gut "besuchte Delegiertentag. Die Verhandlungen verliefen glatt und sachlich und brachten nur geschäftsmäßige Traktanden auf die Tagesordnung, ohne prinzipielle Fragen zu berühren. England Die Zionisten der Universität Oxford Die Zionistische Vereinigung der Universität Oxford lud Herrn Israel Cohen, den neugewählten Sekretär der Englisch Zionist Federation, ein, am verflossenen Sonntag vor ihr über die gegenwärtige Lage der zionistischen Bewegung zu sprechen. Herr Cohen gab einen Überblick über die Tätigkeit in den verschiedenen Ländern und die jüngsten Entwicklungen der zionistischen Unternehmungen in Palästina. Er besprach auch die Frage der Agrarbank und die der vorgeschlagenen Änderung des Organisationsstatuts. Südafrika Parteifonds Das Exekutivkomitee der südafrikanischen Federation hat bebeschlossen, den Monat Juni als einen Spezialinonat für die Sammlung für den Parteifonds festzusetzen. Informationsbureau für Palästina Unsere Palästina-Auswanderer, die ihren Weg über Wien nehmen, werden ersucht, sich vor dem Antreten der Reise mit dem Information sbureau für Palästina, Wien IX., Türkenstraße 9, in Verbindung zu setzen. Das Bureau erteilt Auskünfte über die palästinensischen Verhältnisse und gewährt unsern Gg. folgende Ermäßigungen: 50 "0 für die III. Klasse des Personenzuges Wien-Triest. (Preis der halben Karte K. 12.—.) 30 '> für die IV., III. und II. Klasse der Schiffe des Österreichischen Lloyd. Die Preise der ermäßigten Karten Triest-Jaffa betragen: Für Schnelldampfer: (Reisedauer 4l -Tage) IV. Klasse (ohne Bett und Verpflegung) K. 61.80, III. Klasse (bis Alexandrien, d. i. 3 12 Tage mit Bett und Verpflegung) K. 94.50. Für gewöhnliche Dampfer (Syrische Linie, Reisedauer 10 Tage): III. Kl. (ohne Bett und Verpflegung) K. 51.60, II. Klasse (mit Bett und Verpflegung) K. 169.—. Die Schnelldampfer gehen jeden Donnerstag, die gewöhnlichen jeden Samstag von Triest ab. Der Emigrant muß sich zur Besorgung der Karten und Visierung des Passes wenigstens drei Tage zuvor in Wien einfinden und in unserm Bureau melden. Zum Schluß machen wir noch die Emigranten und auch unsere Organisationen und Vertrauensmänner besonders darauf aufmerksam, daß alle philanthropischen Institutionen in Wien unsern Auswanderern die Unterstützung verweigern, weshalb sie unbedingt über die Reisespesen verfügen müssen, da sie sonst Gefahr laufen, die Reise nicht antreten zu können. NACHRICHTEN Deutschland Eine Erklärung des Hilfsvereins In der Sitzung des Lokalkomitees der Alliance Israelite Universelle am 23. Mai 1909 zu Berlin wurden vom Vorsitzenden folgende Worte gesprochen: „Sie wissen aus den Berichten des Hilfsvereins, daß diese Organisation, da sie im Orient kaum die Möglichkeit fand, eine Schule zu gründen, sich gleichsam eine Spezialität aus den Kindergärten gemacht hat. In diesen Kindergärten unterrichtet man nur Hebräisch, singt man nur zionistische Lieder, sind die Lehrer alle oder fast alle Zionisten, die keinen Wert darauf legen, die Kinder zu religiösem Sinn zu erziehen, sondern sich bemühen, aus der ihnen anvertrauten Jugend Zionisten zu machen. Das Hebräische ist für sie nur das Mittel zur Verbreitung national-zionistischer Ideen. Weiß der Hilfsverein das nicht? oder mag er es nicht wissen? Es ist nicht meines Amtes, auf diese Frage zu antworten." Demgegenüber beschränken wir uns, da wir im Interesse der jüdischen Sache bemüht bleiben, eine Polemik mit andern jüdischen Organisationen zu vermeiden, auf folgende Erklärungen: 1. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat sich niemals zum Programm des Zionismus bekannt oder zionistische Tendenzen gefördert. Allerdings ist er immer bereit, ohne Voreingenommenheit mit jeder Organisation in konkreter praktischer Arbeit sich zusammen zu finden. 2. Die hebräische Sprache dient in unsern Kindergärten als Unterrichtssprache, weil sie bei den vielsprachigen Elementen die gegebene einheitliche Unterrichtssprache ist. Es ist dies eine pädagogische Notwendigkeit, der sich niemand verschließen kann, der die Verhältnisse an^Ort und Stelle kennt. Hat doch aus denselben Erwägungen heraus auch der Chacham Baschi in Konstantinopei neuerdings verfügt, daß sämtliche Berichte und Eingaben an ihn, um die Vielsprachigkeit zu vermeiden, in hebräischer Sprache abgefaßt sein sollen. 3. Bei der Auswahl der Lehrer und Lehrerinnen wird der Hilfsverein ausschließlich davon geleitet, Persönlichkeiten anzustellen, deren religiöser und sittlicher Lebenswandel zu keinen Bedenken Anlaß gibt, und deren pädagogische Fähigkeiten dem ihnen anzuvertrauenden Amte entsprechen. Der Hilfsverein hat mit seinem Lehrpersonal die besten Erfahrungen gemacht, und es ist ihm nie bekannt geworden, daß seine Lehrer und Lehrerinnen die vom Hilfsverein aufgestellten Grundsätze für die Erziehung und den Unterricht nicht innehalten. Die Grundsätze unseres Erziehungswerkes haben sich aufs trefflichste bewährt. Nach der Verschiedenheit der lokalen Bedürfnisse — nur diese sind maßgebend — ändern sich selbstredend auch Unterrichtssprache und Unterrichtsgegenstände. Im Orient bezweck! unser Schulwerk, eine bodenständige, mit den Heimatsprachen vertraute, ihrem Vaterlande ergebene, mit ausreichenden Kenntnissen für ihr Leben und Wirken in der Heimat ausgerüstete und ihr Judentum achtende Jugend heranzubilden. 4. Das Fundament unserer Hrziehungstätigkeit im Orient bilden naturgemäß die Kindergärten. Aber auf diesem Fundamente haben wir in der kurzen Spanne Zeit ein Schulwerk errichtet, wie in demselben Zeitraum nie eine Organisation zuvor. Das Schulwerk, an dem wir beteiligt sind, umfaßt heute 14 Kindergärten, 13 Knaben- und Mädchenschulen, 2 Handelsschulen, 1 Haushaltungsschule, 1 Lehrerseminar und 2 Mädchenheime. Außerdem hat der Hilfsverein zu der Begründung des Jüdischen Instituts für technische Erziehung in Palästina zu Haifa, das jetzt ins Leben tritt, die Initiative gegeben. 5. Unsere Schulen entsprechen, was den religiösen Standpunkt anbelangt, sowohl den religiösen Anschauungen der einheimischen Bevölkerung als auch den Forderungen der religiösen Autoritäten im Abendland. Das muß uns genügen. Hilfsverein der Deutschen Juden James Simon, Vorsitzender. Am 3. Juni fand unter Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt. In der Sitzung wurden u. a. Bewilligungen für Rußland, Galizien, Rumänien, Bulgarien, die europäische und asiatische Türkei vorgenommen. Besonders umfangreich waren die Bewilligungen für das Schulwerk in Palästina, dessen Gesamtbudget auf der Tagesordnung stand. Die Subventionen für sämtliche palästinensischen Institute, die der Hilfsverein bisher unterstützte oder unterhielt, wurden erneuert und weitere Mittel für die Ausgestaltung und Ausdehnung des Schul- und Erziehungswerks zur Verfügung gestellt. Die Gesamtsumme der Bewilligungen betrug über 100000 Ji. Es wurde bei dieser Gelegenheit die lebhafte Genugtuung seitens des geschäftsführenden Ausschusses zum Ausdruck gebracht, daß die Grundsätze, nach denen der Hilfsverein der Deutschen Juden sein Schulwerk von Anfang an organisiert hat, sich nach jeder Richtung hin bestens bewährt haben und gerade unter den neuen Verhältnissen in der Türkei besonders fruchtbringend zur Geltung kommen. Das Schulwerk des Hilfsvereins im Orient hat sich in der kurzen Zeit seines Bestehens aufs erfreulichste entwickelt. Von den Sympathien weitester Kreise getragen, ist es überraschend

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.