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Die Welt · 1909-06-18 · 25 (18.6.1909) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
25 (18.6.1909)
Date
1909-06-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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r i p H I«.- i<" 4- PM K i> t^ft fr' [ lii* <** i^Ji lt?*F MI ff 546 DIE ELT i\o. 25 :? ■.«' •.rfj! HU t <¥" y V i*'" }*# V V! J|r. })>* wurde Dr. Nison Kahan, und auf Antrag des A. C.-Mitgliedes Bettelheim, Redakteur Leopold Lebowitsch für ihre Tätigkeit im Interesse des Zionismus der Dank ausgesprochen. Hierauf folgte die Spe'zialdebatte über Fragen der Organisation und Agitation. Auf Grund des Referats des Dr. Kahan wurde nach einer lebhaften Debatte, an der sich Dr. Oesterreicher, Bettelheirn, Pfeiffer, Jordan, Juhäsz, Blank, Batö, Ponger, Dr. Engel, David Kohn beteiligten, an Stelle der bisherigen Distriktsorganisation, die sich keineswegs bewährt hat, die Komitatsorganisation beschlossen. Dr. Ludwig Döm6ny referierte über Agitation; es sprachen zu dieser Frage unter anderm J. Weisz, Prof. Bokor, Sebök, und es wurden Resolutionen gefaßt, laut welchen der Gründung von Jugendvereinen besondere Aufmerksamkeit zu widmen sei, und anderseits wurde mit Rücksicht darauf, daß in mehrern der bedeutendsten Kultusgemeinden Zionisten in den Gemeinderepräsentationen vertreten sind, den zionistischen Repräsentanten zur Pflicht gemacht, in ihren Gemeinden für die Gründung jüdisch-kultureller Institutionen, wie Bibliotheken und Lesehallen, und für den intensiven Unterricht der hebräischen Sprache und jüdischen Geschichte in den jüdischen Schulen zu wirken. Ingenieur M. Bisseliches beantragte die Organisierung einer Palästinakommission, die nach Muster der deutschen Palästinakommission für unsere palästinensischen Institutionen Propaganda machen soll. Der ausführlich motivierte Antrag wurde einstimmig zum Beschluß erhoben. Der Budgetvorschlag wurde von David Kohn unterbreitet, und auf seinen Antrag wurde das L. C. bevollmächtigt, zur Deckung des voraussichtlichen Defizits eine Landessammlung behufs Schaffung eines Agitationsfonds zu veranstalten. Es fanden hierauf die Wahlen in das weitere und engere Landeskomitee statt, die sämtlich einstimmig vorgenommen wurden. Das Resultat haben wir bereits berichtet. Nach einem Dankesvotum des Delegierten Harvath an das Konferenzpräsidium und einem innigen Appell Samuel Bettelheims an die Delegierten, die er zur Eintracht und Ausdauer anspornte, schloß Präs. Oesterreicher mit herzlichen Worten die VII. Landeskonferenz der ungarischen Zionisten. Die XI. Landeskonferenz der rumänischen Zionisten Sonntag den 17. Mai a. St. tagte im Orpheussaal in Galatz die 11. Landeskonferenz der rumänischen Zionisten. Es sind über 60 Delegierte aus 23 Städten erschienen. Herr M.Heinrich Schein, Obmann des Landeskomitees, eröffnete um 10 Uhr vormittags die Konferenz. Er begrüßte die Delegierten und erteilte das Wort Herrn Dr. K. Lippe, Jassy, der die Anwesenden zu gemeinschaftlicher und friedlicher Arbeit anregte. Herr Sam. Pineles gedachte, inmitten einer andachtvollen Stille, der teuren Hingeschiedenen vom verflossenen Jahre. Herr M. H. Schein erstattete den Rechenschaftsbericht. Nach seinen Ausführungen hat sich der Kreis unserer Bewegung in Rumänien bedeutend erweitert. Nur sind jetzt Kräfte nötig, die das Gebiet bearbeiten sollen. Die allgemeinen Einnahmen im Jahre 1908 beliefen sich auf Frcs. 35 257, während das Jahr 1907 nur Frcs. 26 034.15 und das Jahr 1906 nur Frcs. 13 917.10 aufzuweisen haben. Von allen Institutionen ist der Nationalfonds der begünstigste, da er im Jahre 1908 einen Eingang von Frcs. 20 035.20 aufweist, von denen 5203.15 für Ölbäume gespendet sind. Es wurden im Lande 1000 N. F.-Büchsen verteilt, die gute Resultate geben. Ferner wurden im genannten Jahre 38 Einschreibungen ins „Goldene Buch" gemacht. Die Parteifondssteuer ergab im Jahre 1907 Frcs. 3574.95 und im Jahre 1908 Frcs. 3732.55, Beträge, die verhältnismäßig gering sind. Allgemeine Propaganda im Lande wurde nach Mitteln und Kräften gemacht; es hätte selbstverständlich unter andern Umständen auch mehr geleistet werden können. Ferner machte Herr Schein die erfreuliche Mitteilung, daß dank seiner Intervention bei Herrn Dr. Bodenheimer die 25 000 Frcs., die von den rumänischen „Chow'we Zion" für Bustra und Girgis seit Jahren beim Baron Rothschild deponiert sind, endlich dem J. N. F. übertragen werden können, und ersuchte, eine Kommission zu wählen, die mit Herrn Sam. Pineles — der einige Papiere in dieser Angelegenheit zu unterzeichnen habe — die Sache besprechen sollen. In der Debatte ergriffen das Wort die Herren Dr. J. Nacht (hebräisch), Dr. Niemirower, B. Samsony, Dr. Isac Leon, B. Zosmer, Zwiebel, N. Bring u. a. Auf Antrag des Herrn Brociner (Vorsitzender) wurde unter stürmischem Beifall dem Präsidenten des A. C, Herrn D. Wolffsohn, ein Erwiderungstelegramm auf sein Begrüßungsschreiben abgesandt. Nach Vorlesung vieler von verschiedenen Städten eingelaufener Begrüßungen wurde die Vormittagssitzung um 1 Uhr geschlossen. In der um 3 Uhr eröffneten Nachmittagssitzung wurde die Debatte über den Rechenschaftsbericht des Präsidenten fortgesetzt. Es ergriffen das Wort: Rabbiner Koffler, Schwarzfeld Dr. Isac Leon u. a. Nachdem dem Landeskomitee das Absolutorium erteilt wurde, referierte Herr Dr. Moscovici über den allgemeinen Stand der Bewegung. Das zweistündige kenivolle Referat wirkte bezaubernd und begeisternd auf die Delegierten. Herr Dr. Niemirower referierte über die nächste Zukunft in Palästina. Er führte u. a. aus: Unsere heiligste Pflicht ist jetzt, die praktische Arbeit in Palästina zu fördern. Die russische Organisation soll uns dazu als Vorbild dienen. Es muß auch in .Rumänien ein Palästinaamt geschaffen werden, das mit Rat und Tat den bemittelten oder wenig bemittelten Juden, die sich in Palästina niederlassen wollen, an die Hand gehen soll. Der rumänische Zionismus soll nicht eine in den Kongressen begrabene Mumie bleiben. Dr. Isac Leon: Wir müssen uns vorbereiten, geistig-jüdisch •entwickeln, um dem eventuell herannahenden Moment gewachsen zu sein, denn der Zionismus ist viel mehr eine geistige als eine ökonomische Bewegung. Er ist der Ausdruck des jüdischen Stolzes und des nationalen Bewußtseins. Redner wendet sich mit der Bitte an die Delegierten, die Worte in Taten zu verwandeln. Die Sitzung wurde um 8 Uhr geschlossen. Um 10 Uhr abends veranstaltete man zu Ehren der Delegierten eine Vorstellung palästinensischer Lichtbilder sowie eine Turnerproduktion der jüdischen Brailaer und Galazer Turnvereine. Das große Papadopoltheater war voll von Besuchern. In der am Montag, 18. Mai, um 10 Uhr vormitttags eröffneten Sitzung referierte Herr Dr. Nacht über die Ku 11urf rage. Referent führte u. a. aus: Der Zionismus ist der Kulturträger des jüdischen Volkes. Dem Volke seine Kultur wegnehmen, heißt, ihm seine Seele rauben. Verbreiten wir unter dem Volke die jüdische Kultur, dann haben wir Zionisten. Der Zionismus hat vor allem eines nötig: jüdische Mütter, jüdische Mütter, jüdische Mütter! Denn wenn die Frau eine nationaljüdische Erziehung genossen hat, dann haben wir das ganze Haus gewonnen. Von Parteien ist im Zionismus nicht zu sprechen, denn er ist keine Partei-, sondern eine Volksbewegung, und vor ihm sind wir alle ein Volk. Referent fuhr fort, mit Begeisterung und Hingebung für die hebräische Sprache einzutreten. A. L. Zison (hebräisch): „Die Judenjungen sollen junge Juden werden." „Die Rückkehr zürn Judentum vor der Rückkehr nach Zion!" Nach diesen Grundsätzen soll die Jugend ihre Arbeit richten. Kulturpropaganda! Damit werden Sie dem Zionismus den größten Dienst leisten. Zuerst müssen sich aber die Delegierten selbst die jüdische Kultur zu eigen machen und erst dann von einer solchen sprechen. Dr. Isac Leon empfahl die seelische und körperliche Ausbildung der Kinder in den Schulen. — Dr. K. Lippe: Jüdische Geschichte soll man die Kinder lehren, um ihr nationales Bewußtsein zu erwecken; überhaupt soll man die Frau jüdisch erziehen, denn von ihr hängt alles ab. Dr. Wollberg schlug vor, öffentliche Vorträge der jüdischen Geschichte und Unterricht in der hebräischen Sprache für Frauen und unwissende Erwachsene einzurichten. Nachdem Herr M. Schwarzfeld über praktischeArbeit und Kolonisation in Palästina referiert hatte, verlas Herr Dr. Moscovici einen von Herrn Prof. Warburg, Vorsitzender des Direktoriums der Palest. Land Develop. Comp., an die Teilnehmer der Konferenz gerichteten Brief sowie von den Herren Sam. N. Marcus und S. Braunstein (aus Rumänien), die in Palästina weilen, angelangte Briefe, deren Schilderungen über die jüdischen Kolonien und das jüdische Leben die Delegierten hinriß und begeisterte. — Mit Jubel und Freude wurde die Mitteilung des Herrn Dr. Moscovici begrüßt, daß die in der Bustra- und Girgisaffäre gewählte Kommission eine Lösung gefunden hat. Der Vorschlag des Herrn Dr. Moscovici, den Betrag von 25 000 Lei zum Bau von Häusern für die Arbeiter einer eventuell zu gründenden rumänischen Kolonie zu verwenden, wurde mit Begeisterung aufgenommen. In das neue Landeskomitee wurden gewählt die Herren: M. Heinrich Schein, Dr. H. Moscovici, J. M. Brociner, M. Schwarzfeld, Dr. J. Nacht, Dr. J. Niemirower, J. Schoenberg und Dr. S. Feldmann, Isac Agent und Jean Silberstein.

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