Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 25 (18.6.1909)
- Date
- 1909-06-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Die Orangenernte, die sich so hoffnungsvoll angelassen hatte, litt beträchtlich unter Hagelschlag, wodurch die Qualität der Früchte nachließ. Auch die Verpackung ließ zu wünschen übrig, so daß, obgleich 45000 Kisten mehr ausgeführt wurden als im Jahre 1907, der Wert der Ausfuhr um über £ 10000 sank. „Es scheint mir," heißt es im Berichte wörtlich, „daß, wenn etwas Geld in England darauf verwendet würde, die Jaffa-Orange zu inserieren, dies zu einer vermehrten Nachfrage führen würde, und ich habe mehr als einmal die Pflanzer ersucht, dies in Erwägung zu ziehen." Der Weinexport wächst wieder, wenn er auch die Ziffer von 1905 noch nicht erreicht hat. Der Wert der ausgeführten „religiösen Artikel" ist fast dreimal so groß wie im Jahre 1904. Diese Industrie ist sehr blühend. Die tatsächliche Ausfuhr ist größer, als die Tabelle aufweist, da viele Sendungen als Brief gehen und daher in der Zollstatistik nicht erscheinen. Der größere Teil der Orangenausfuhr geht nach England, ebenso ein großer Teil des ausgeführten Getreides. Dieses wird indessen aus Gaza, nicht aus Jaffa verschickt. Auch der Schiffsverkehr zeigt steigende Ziffern, sowohl was die Zahl der Schiffe, als was den Tonnengehalt betrifft. Sehr angenehm empfunden wurde im Jahre 1908 das fast vollständige Ausfallen der langen und lästigen Quarantäne, die früher so oft gegen aus Ägypten kommende Passagiere angewandt wurde und den Reisenden große Unbequemlichkeiten und dem Handel beträchtlichen Schaden zufügte. Die jüngste Entscheidung des Konstantinopeler Gesundheitsrats, wonach Schiffe, die aus seuchenfreien Häfen kommen, bis zwei Stunden nach Sonnenuntergang und, wenn eine besondere Erlaubnis eingeholt wird, bis zu einer beliebigen Stunde in der Nacht mit dem Lande verkehren können, während bisher der Verkehr nur bis Sonnenuntergang gestattet war, wird der Schiffahrt zweifellos sehr zugute kommen. Der Bericht erwähnt dann noch die Projekte für die Aufschließung des Bersebadistrikts, die ernsthaft erwogen wurden und die voraussichtlich große Aufträge auf Pumpen, Röhren usw. nach sich gezogen hätten. Diese Pläne erlitten durch die Ereignisse in bConstantinopel eine Unterbrechung, werden aber jetzt wohl wieder aufgenommen werden. „Ich bin sehr erfreut, feststellen zu können/' heißt es in dem Bericht, „daß dank der Energie derAnglo- Palestine Company, die sich bewogen gefühlt hat, in Jaffa eine Spezialabteilung für Import zu eröffnen, der britische Handel in Ackerbaumaschinen und ebenso in einigen Arten Manchesterwaren einen befriedigenden Aufschwung erfahren hat." Der Bericht erhofft eine Vergrößerung der Einfuhr von elektrischen Maschinen, Drogen, Waffen, Schreibmaschinen usw., infolge des Wegfalls der willkürlichen Hinderungsmaßnahmen, die bisher deren Import erschwerten. Die Jaffa-Jerusalem-Eisenbahn unterhandle mit den Behörden wegen der Anlage eines Kais in Jaffa und der Weiterführung der Bahn bis zum Hafen, was bis zum Bau eines Hafens den Handelsverkehr beträchtlich erleichtern würde. Ein Hafenbau wäre sehr schwierig und kostspielig; indessen werde der Handel Jaffas, wenn er in seiner bisherigen Entwicklung fortfahre, bald in der Lage sein, nicht unbeträchtliche Hafengebühren zu tragen, um so mehr, als dann ja die jetzigen hohen Leichtergebühren, wenigstens zum Teil, gespart würden. (Schluß folgt) VIL ungarische Landeskonferenz (Schluß) Vormittagsitzung am 31. Mai Nach den Referaten der Delegierten Sebök Samuel (Nagytapolcsäny), Blank (M. Sziget), Ponger (Pöstyen), Vermes und Dr. Schimmerling (Temesvär), Schwarz (Marosväsärhely) über die Tätigkeit in der Provinz und dem ausführlichen, überaus lehrreichen Berichte des Delegierten Natan Roth über die Organisation in Budapest, folgte das Ergänzungsreferat des Dr. Kahan über interne Organisationsfragen. In der darauffolgenden Debatte ergriff als erster Samuel Bettelheim das Wort und machte dem L. C, dessen Verdienste um die Ausbreitung des Zionismus er anerkannte, den Vorwurf, die Parteileitung in absolutistischer Weise, ohne Berücksichtigung der Organisationsstatuten und ohne Anhörung des weitern L. C. geführt zu haben; nach einer Rechtfertigung des L. C. durch Ingenieur M. Bisseliches und einer Erwiderung des Präs. Bela Oesterreicher wurde die Fortsetzung der Debatte für Nachmittag vertagt und zur Verhandlung der durch die Misrachisten unterbreiteten Resolution bezüglich des Jaffaer Hebräischen Gymnasiums geschritten. Der Wortlaut der Resolution, die zu einer scharfen, stellenweise aufgeregten Debatte Anlaß gab, lautete folgendermaßen : „Während der Tagung des Großen Aktionskomitees in Köln am 15.—17. März 1. J. wurde der Protest der Misrachisten gegen die Unterstützung des hebräischen Gymnasiums in Jaffa aus zionistischen Parteimitteln und gegen die Überlassung eines Bauplatzes aus dem Grundbesitz des Nationalfonds an diese Anstalt verhandelt und der Beschluß gefaßt, den Protest nicht zu berücksichtigen und obige Zuwendungen an das hebräische Gymnasium durchzuführen." „Die am 30. und 31. Mai in Budapest versammelte ungarländische zionistische Jahreskonferenz spricht über das Verhalten des hebräischen Gymnasiums, welches die Gefühle der religiösen Juden verletzen muß, ihre Mißbilligung aus und hegt die Erwartung, daß es dem A. C. gelingen wird, den Weg zur völligen Neutralität in religiösen Fragen gemäß den Kongreßbeschlüssen" zu finden und für die Institutionen, die dieses Gebiet streifen, aus allgemeinen zionistischen Mitteln ihre Subvention in jeder Form zu verweigern." „Die Jahreskonferenz spricht die Hoffnung aus, daß es dem im Dezember 1. J. stattfindenden Kongresse gelingen wird, die Differenzen zwischen Zionisten und Misrachi zionisten beizulegen und den Misrachizionisten zu ermöglichen, in friedlicher Weise gemeinsam mit allen Zionisten an dem großen Werke der Befreiung des jüdischen Volkes mitzuarbeiten, ohne daß sie in ihren religiösen Empfindungen verletzt werden." Um den Frieden in der jungen ungarischen Organisation zu wahren und die bisherige Eintracht nicht unnötigerweise zu gefährden, war die überwiegende nichtmisrachistische Konferenzmajorität gewillt, die Resolution zu votieren, als Delegierter David Kohn die Konferenz aufmerksam machte, daß die Misrachisten in einer vorher stattgefundenen Besprechung eine zweite Resolution gefaßt haben, die gegen das A. C. gerichtet sei. ----- Es war auch tatsächlich in dieser Besprechung auf Wunsch der Frankfurter Misrachizentrale eine viel schärfere Resolution beschlossen worden, in der es unter anderm hieß, die zionistische Parteileitung und das Direktorium des Nationalfonds hätten durch die Unterstützung des Hebräischen Gymnasiums in Jaffa das wiederholt gegebene Versprechen der absoluten Neutralität in Fragen religiöser Natur verletzt und es werde die Inhibierung der gesetzwidrigen Beschlüsse des A.C. verlangt. Ein Sturm der Entrüstung brach nach dieser Mitteilung aus, es entstand eine bewegte Debatte, an der sich von nichtmisrachistischer Seite Präs. Öesterreicher, Bettelheini, Ingen. Bisseliches. Dr. Schönfeld, Rabb. Pfeiffer, Zsoldos, von misrachistischer Seite der Führer der ungarischen Misrachisten, Leopold Lebowitsch und Rabbiner Dr. Abrahamsohn, beteiligten. Erst nachdem Dr. Abrahamsohn im Namen der Misrachisten die Erklärung abgab, die misrachistische Resolution nicht abzusenden und in dieser Angelegenheit überhaupt keine weitern Schritte zu unternehmen, wurde die obenerwähnte Kompromißresolution zum Beschlüsse erhoben. Nach mit tag Sitzung Nach Schluß der allgemeinen Debatte wurde dem L. C. das Absolutorium mit Dank erteilt. Auf Antrag des Präs. Oesterreicher