Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 24 (11.6.1909)
- Date
- 1909-06-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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gewinnen suchen. Wir haben jetzt mehr Zeit für die Schekelarbeit, für die Agitation, für die Vorbereitung, und der Neunte Kongreß wird ja nur ein Produkt dieser Arbeiten sein. Je tüchtiger wir arbeiten werden, desto besser wird der Neunte Kongreß sein. Zionismus und Alliance Der geschäftsführende Ausschuß des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat in seiner Sitzung vom 7. Juni folgende Resolution gefaßt: Das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland weist die von Herrn Geheimrat Goldberger in der Generalversammlung der Alliance Israelite Universelle getanen Äußerungen über den Zionismusmit Entrüstung zurück. Das Zentralkomitee spricht sein Befremden darüber aus, daß eine an einen verantwortlichen Platz in einer großen jüdischen Organisation gestellte Persönlichkeit ein derartiges Fehlen an Sachkenntnis in der Frage [des Verhältnisses der Zionisten zur türkischen Regierung und Bevölkerung aufweist und so völlig den Charakter der türkischen Juden verkennt. Der in der Kundgebung der Deutschen Konferenzgemeinschaft der A. I. U. hervortretende Mangel an Verantwortlichkeitsgefühl wirkt um so bedauerlicher, als gerade die A. I. U. nach ihrer Vergangenheit und ihrem Namen berufen sein sollte, die gesamtjüdischen Interessen zu pflegen. Wenn statt dessen in einem Geschäftsbericht des Vorsitzenden über die Wirksamkeit der eigenen Gesellschaft lediglich das Trennende betont, und das Empfinden zahlreicher Mitglieder, die zugleich andern großen jüdischen Organisationen angehören, verletzt wird, so muß dieses Vorgehen als ein Versuch erscheinen, andere jüdische Organisationen zugunsten der eigenen in ihrem Besitzstande zu schädigen. Wir sind überzeugt, daß ein derartiger Versuch, das friedliche Zusammenarbeiten der jüdischen Organisationen zu stören, in der Geschichte der A. I. U. vereinzelt bleiben wird. Bekanntmachung der am Montag den 28. Juni 1909, um 7 Uhr abends, in den Räumen unseres Bureaus, Bleibtreustraße 34/35, stattfindenden Generalversammlung mit folgender Tagesordnung: 1. Vorlegung des Geschäftsberichts, der Bilanz und des Gewinn- und Verlustkontos für das zweite Halbjahr 1908. 2. Antrag auf Entlastung des Geschäftsführers und des Aufsichtsrats. 3. Antrag auf Erhöhung des Stammkapitals der Gesellschaft gemäß dem Beschluß der Generalversammlung vom 24. November 1908. 4. Antrag auf Zuwahl zum Aufsichtsrat. 5. Geschäftliche Mitteilungen. Palästina-Industrie-Syndikat mit beschränkter Haftung. Der Geschäftsführer im Ehrenamte: Dr. S. Soskin. Österreich Bielitz. Am 20. d. M. veranstaltet die hiesige unterzeichnete Ortsgruppe ein großes Fest unter Massenbeteiligung der Nachbargruppen aus österreichisch und preußisch Schlesien, Rußland und Westgalizien, verbunden mit einem Ausflug am Vormittag in das benachbarte Gebirge, gemeinsamem Mittagessen und Kommerse (Turnerische Aufführungen, Vorträge, Tanz). Bisher sind schon. 14 Gruppen angemeldet. Galizien Poalezionistische Parteikonferenz Sonntag den 30. Mai fand in St anislau eine Parteikonferenz der Jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei Poale-Zion statt. Den Bericht der Exekutive erstattete Herr Dr. Rosen fei d. Von Juni 1908 bis Mai 1909 hatte die Partei mehr als 8000 Kronen Einnahmen an Parteisteuern, Schekeln (pro 1908) und Beiträgen für das Parteiorgan „Der jüdische Arbeiter". Im Laufe des Winters und des Frühjahrs agitierten in Galizien und der Bukowina die Herren Kasriel, Wattenberg und Frau Pevsner. Letztere brachte mehr als 3000 Kronen für den „Bezalel" auf. Die Parteikonferenz verlangt in einer Resolution vom Palästrnaressort die ehebaldige Durchführung des Kongreßbeschlusses bezüglich der Siedlungsgenossenschaft. Die Gewerkschaftsfrage wurde einer eingehenden Diskussion unterzogen, wobei eine bedeutende Opposition gegen den Gedanken einer jüdischen Gewerkschaft zum Vorschein gekommen ist. Der Beschluß des Wiener Verbandsbureaus, einen Arbeiter- Palästinafonds zu begründen, wurde von der Parteikonferenz begrüßt; ebenso billigte die Konferenz die vom Verbandsbureau den Vorständen der drei Parteien in Amerika unterbreitete Verständigungsformel. In einer Entschließung wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, die Vereinigung der drei jüdischen sozialistischen Bruderparteien vollzogen zu sehen. Lemberg. „Kolonien und Städte Palästinas", so betitelt sich ein Vortrag, in dem uns eine sehr wackere, weit über ihr jugendliches Alter ernst zu nehmende Gesinnungsgenossin die Eindrücke ihres zweimonatlichen Aufenthaltes im Lande der Väter geschildert hat. Fräulein Sophie Schönfeld hat sich zu ihrer Palästinareise gut vorbereitet. Sie hat die meisten Kolonien besucht, sich mit den sozialen und kulturellen Verhältnissen der Kolonisten vertraut gemacht, die bedeutenderen Institutionen in den Städten in Augenschein genommen und all das, was sie geschaut, in einem gründlich gehaltenen Referate wiederzugeben versucht. Mit besonderer Innigkeit kam die Vortragende auf die jüngsten Schöpfungen unserer Renaissancebewegung, den „Bezalel" und das Hebräische Gymnasium in Jaffa, zu sprechen. Lebhafter Applaus des überaus zahlreich versammelten Publikums lohnte den interessanten Vortrag, der, von schätzbar agitatorischem Werte, demnächst veröffentlicht werden dürfte. Ägypten Kairo. In der ägyptischen Residenz, wo die Anzahl der Zionisten trotz der zahlreichen und wohlhabenden jüdischen Bevölkerung eine äußerst geringe ist, hatte sich in den letzten Tagen ein ziemlich starker Aufschwung im zionistischen Leben bemerkbar gemacht, der überaus erfreuliche Resultate zu zeitigen verspricht. So hat Sonntag den 30. Mai im judenreichen Viertel der Abassieh ein Vortrag über den Zionismus stattgefunden. Herr Caleff, Vorsitzender des Z. C. K. für Ägypten, schilderte zuerst in beredter und gemeinverständlicher Weise das geistige und materielle Elend unserer Brüder in den verschiedenen Weltteilen, hielt ihnen, den ägyptischen Juden, ihre tadelnswerte Teilnahmlosigkeit an den Schicksalen des jüdischen Volkes vor und gelangte dann zum Schluß, daß all diesem nur durch ein einziges Mittel abzuhelfen ist: den Zionismus. Redner schilderte darauf in kurzgefaßter Weise die Entstehung und Entwicklung der zionistischen Bewegung und schloß mit der Aufforderung an die Versammelten, sich als Mitglieder des in diesem Viertel zu gründenden Vereins einschreiben zu lassen. Die Anwesenden, für welche das Wort Zionismus ein unbekanntes Fremdwort gewesen, waren den Ausführungen des Redners mit äußerst lebhaftem Interesse gefolgt und traten auch alle ohne Ausnahme dem neugebildeten Verein bei. Besonders rührend war der Anblick, wie sich die Schuljugend, in deren Herz unser Ruf einen tiefen Widerhall gefunden, sich an den Tisch drängte, um ihr Sonntagstaschengeld gegen den Schekel einzutauschen. In allernächster Zeit wird daselbst eine zweite Konferenz stattfinden,, die hoffentlich noch erfolgreicher sein wird. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Der Jaffaer Pogromanstifter vordem Kriegsgericht Assuf Bej, Mütessarif von Dschebel Bereket, früherer Kaimakam von Jaffa, ist wegen reaktionärer Umtriebe verhaftet und dem Kriegsgericht überliefert worden. Der hiesige „Osmanische Lloyd" erhält darüber aus Jaffa folgende interessante Zuschrift: