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Die Welt · 1909-06-11 · 24 (11.6.1909) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
24 (11.6.1909)
Date
1909-06-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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1 526 DIEt&ELT No. 42 I- '!'!• K §• I' I: * \ » * I: 'r; Jl (f< l> Im Im '»,' **» fc slt II*' Frage der Autonomie der geplanten Kolonie wird natürlich Verwirrung erzeugen. Die Ito besteht auf der Autonomie als der Grundlage der ganzen Siedlung. Mr. Schiff auf der andern Seite will nichts davon hören; aber wir glauben, daß viele Itoisten nicht die Selbstverwaltung der Kolonie schon zum Ausgangspunkt deren Entwicklung zu machen wünschen, noch bevor auch nur ein Fußbreit Landes erworben worden ist. Sie würden vielleicht zufrieden sein, zu warten, bis die Kolonie eine solche Ausdehnung erlangt hat, daß eine Selbstverwaltung gerechtfertigt ersehe i nt. Eine amerikanische Zeitung, der „Boston Advocate" äußert sich zu dem Projekt, wie folgt: „Der bemerkenswerte Umschwung, der während der letzten zehn Jahre innerhalb des jüdischen Volkes eingetreten ist, wird am besten illustriert durch das Interesse, das' sich der Frage der Besiedlung Mesopotamiens zugewandt hat. In weniger als zwei Wochen wurde die Welt in Aufregung versetzt durch diese Idee, welche an und für sich alt ist, mit der Theodor Herzl sich schon im Jahre 189c) beschäftigt und sie aus Gründen verworfen hat, die ihm offenbar gut dünkten. Als im Mai 1901 Herzl einen Aufruf für 10 Millionen Dollars erließ, fand er kein Entgegenkommen; aber wenn jetzt für vorläufige Ausgaben 40 Millionen gefordert werden, scheint es fast, als wenn dieselben beschafft würden. Aber die Schwierigkeiten, welche noch zu überwinden sind, sind enorm. Ein Blick auf die Karte zeigt, daß Mesopotamien augenblicklich tatsächlich unerreichbar ist. Als Herzl die Angelegenheit erwog, hing die Möglichkeit, das Land in Benutzung zu nehmen, vom Bau der Smyrna-Bagdad-Bahn, welche den Euphrat entlang rühren sollte, oder vom Bau einer Eisenbahn von Beirut durch' die Syrische Wüste ab. Der natürliche Eingang zu dem Lande ist der Persische Golf. Aber es müßte sowohl erst ein Hafen wie auch sonst das Allemotwendigste gebaut werden, bevor eine beträchtliche Anzahl Kolonisten landen könnte. Die Situation hat sich in der Zwischenzeit nicht wesentlich verändert. Die Bagdad- Bahn, welche, wie wir glauben, ein deutsches Unternehmen ist, ist nicht über die Provinz Smyrna hinausgekommen, obgleich eine Linie nach Medina bereits vollendet oder noch im Bau ist, so daß außer der Bewässerung ein Eingang in das Land geschaffen werden muß, und das im Angesicht feindlicher Stämme, die, wenn überhaupt, nur in sehr geringem Maße unter dein Einfluß türkischer Oberherrschaft stehen. Die Vollendung einer Eisenbahn würde natürlich das Problem vereinfache;], da sie direkte Märkte für die mesopotamischen Farmer erschließen würde. Aber der rascher und leichter auszuführende Plan würde der sein, den Beiruter Hafen zu benutzen und durch das Land die Eisenbahn zu bauen, von der die Linie Damaskus- Jerusalem eine Seitenlinie ist. Es würde dadurch dazu kommen, daß die Entwicklung Mesopotamiens auf natürliche und einfache Weise die unmittelbare Entwicklung Palästinas mit sich brächte. Aus diesem Grunde können die Zionisten dem Vorschlag der Ito nur ihre Unterstützung leihen. Für diejenigen Juden, welche kein Parteiinteresse haben, bringt der Vorschlag wenigstens die Hoffnung auf eine in absehbare Ferne gerückte Lösung der jüdischen Frage. Mr. Zangwill vertritt in seinem glänzenden Aufruf die Meinung, daß eine Lösung der Frage nur möglich sei, wenn man autonome Bedingungen für die Juden erhalte. Er hat in der Tat sehr radikale Träume, weil er sich auf den Machtstandpunkt stellt. Daraus mag eine neue Auflage der alten unangenehmen Streitigkeiten entstehen. Mesopotamien ist von Natur aus fruchtbar, seine Geschichte beweist dies. Das alte Chaldäa ist ein Teil des Landes, welches „zwischen den Strömen" liegt, und seine versiegten Wasserläufe könnten wiederhergestellt oder gar erneuert werden. Was für Palästina in kleinem und was für Ägypten in großem Maßstabe getan worden ist, kann auch getan werden für das einzige Land, in welchem Weizen wild wächst. Aber werden die Wohlhabenden und die Mittelklasse dem Vorschlag gegenüber ihren Widerstand aufgeben, so daß es nicht nur eine landwirtschaftliche oder industrielle Ansiedlung wird? Sind sie willens, in Unterhandlungen einzutreten, deren Resultat für das jüdische Volk ein Land mit eigener Regierung und eigener Flagge bedeutet? Sind sie ferner willig, eine Kolonisation zu unterstützen, bei der die Verwaltung so fortschrittlich sein wird, wie es der moderne Geist nur fassen kann? Diese Fragen müssen beantwortet werden und müssen jetzt beantwortet werden. Wir lieben es nicht, rein theoretische Fragen aufzuwerfen, aber wir glauben, daß viel weniger Veranlassung vorliegt, nach dem Land auszuspähen, als die Frage zu erörtern, ob es Leute gibt, die geben und die gehen wollen." Zur Geschichte des Mesopotamienprojekts viefenS1 ^widersprechenden Nachrichten, die über das Projekt einer jüdischen Kolonisation in Mesopotamien durch die Presse gehen, gewinnt ein Interview an Interesse, das der bekannte jüdische Philanthrop Judge (Richter) Mayer Sulzberger in Philadelphia über diese Frage mit einem Vertreter des „Jewish Exponent" und in etwas ausgedehnterer Form mit einem solchen des „American Hehrew" gehabt hat. Über die Vorgeschichte des Projektes sagt Richter Sulzberger folgendes: „Seit 1882 hatten wir hier in Philadelphia einen kleinen Orientalischen Klub, in dem sich Freunde der orientalischen Sprachen zusammenfanden. An einem Klubabend des Jahres 1891 oder spätestens 1892, der gerade im Hause Sulzbergers stattfand, brachte der (durch seine Auseinandersetzungen mit Dr. Jehuda auf dem jüngsten Orientalischen Kongresse etwas unliebsam bekannte. D. Red.) Professor Haupt zuerst die Idee von einer Ansiedlung der unterdrückten russischen Juden in Mesopotamien vor. Professor Haupt hatte seine Ideen bereits zu Papier gebracht und las dieses Manuskript in Gegenwart des auch, anwesenden Herrn Oskar S. Straus vor. Herr Sulzberger ließ das Manuskript drucken. Es ist ein kleines Büchlein von 21 Seiten in Quartformat und trägt den Titel: Über die Ansiedlung der russischen Juden im Euphrat- und Tigris-Gebiete. Ein Vorschlag von Dr. Paul Haupt Baltimore 1902." Kurze Zeit darauf wurde Oscar Straus amerikanischer Gesandter in Konstantinopel und kam in Beziehungen zu Baron Hirsch. Diesem wurde das Buch vorgelegt; indessen hatte sich der Baron damals für Argentinien als Koionisationsiaud der Juden entschieden. Im Jahre 1898 machte Herr Sulzberger Zangwill mit dem Piane bekannt, der Herzl davon Mitteilung machte. Herr Sulzberger ist von der Eignung des Landes für jüdische Ansiedlungszwecke überzeugt. Indessen müßte nach Ansicht des Herrn Sulzberger zunächst eine Garantie der Mächte erlangt werden, die der Ansiedlung gewisse Privilegien sichern würde. Die Ansiedlung würde eine türkische Provinz bilden. Richter Sulzberger zweifelt nicht daran, daß, wenn der Plan die nötige Unterstützung findet, seine Ausführbarkeit gesichert ist. DIE LANDESKONFERENZ DER UNGARISCHEN ZIONISTEN (Von unserm Berichterstatter) (Vormittagsitzung am 30. Mai) 94 Delegierte waren diesmal aus allen Teilen Ungarns zusammengeströmt, um in würdiger Demonstration und ernster Arbeit den Beweis zu liefern, daß auch die ungarische Judenheit gewillt ist, ihre Kräfte in den Dienst der jüdischen Volksbefreiung zu stellen. Budapest, Pozsony, Kassa, Temesvär, Eperjes, Nagytapolcsäny. Szatmär, Sziget, Pöstyen, Aranyosmaröt, Baja, Sebeskellernes, Szatmarcseke, Alsökubin, Marosväsärhely, Szepsi, Nagysuräny, Hethärs, Verpelöt, Ferenctelep, Baläzsfalva, Nyitra, Ungvär, Kismarton, Nagymarton, Szarvas, Debreczen, Liptöszentmiklos, Miava, Kapuvär, Zsämbokret, Särbogärd, Besztercze, Papa, Väcz, Zölyomlipcse hatten zur Landeskonferenz ihre Delegierten entsandt, die, weder Mühe noch Kosten sparend, zum Teile aus weiter Ferne dem Rufendes Landeskomitees Folge geleistet hatten. Über den Verlauf der Vormittagsitzung am Pfingstmontag habe ich bereits berichtet; es erübrigt nur noch, der inhaltsvollen Referate zu gedenken: Dr. Dömeny Lajos hob in seinem Nationalfondsberichte die Wichtigkeit einer straffen Organisation der Nationalfondskommissäre hervor, da einzig und allein hiervon das Ergebnis der Sammlungen abhängt. Das ungarische Landeskommissariat verfuhr demgemäß bei der Wahl seiner Vertrauensmänner mit größter Vorsicht; doch ist es trotz vielfacher Schwierigkeiten gelungen, 30 neue Vertrauensmänner anzuwerben. Die Sammlungen haben im Zeiträume von Mai 1908 bis Juni 1909 gegenüber den Sammlungen des Vorjahres ein Plus von 2141 K ergeben. Die Agitation wurde von der Subvention des Kölner Nationalfondsbureaus (527 K 77 H) bestritten. Das Landeskommissariat verfügt gegenwärtig über 12 verschiedene Agitationsbroschüren und Flugschriften und 25 Manipulationsdrucksorten. Es wurden im verflossenen Jahre 10 000 Exemplare Flugschriften gedruckt und verbreitet, 1014 Büchsen und 337 Sammelbogen ausgeteilt. Insgesamt sind gegenwärtig 1614 Büchsen und» 1152 Sammelbogen placiert. Von den Sammelbogen wurde nur ein geringer Teil, 91, retourniert (im Vorjahre nur 38), von den Sammel-

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