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Die Welt · 1909-06-04 · 23 (4.6.1909) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
23 (4.6.1909)
Date
1909-06-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Augenblick an eine sehr gehobene. In das Präsidium der Konferenz wurden gewählt als Vorsitzender Dr. Bela Österreicher, als Vizepräsidenten Samuel Bettelheim und Ignaz Lustig, als Beisitzer Oberingenieur Strasser-Miksa, Dr. Grün-Lajos und Dr. Schimrnerling- Armin, als Schriftführer Frl. Ella Krausz, Dawid Widder und Ludwig Batö. Zur Konferenz sind aus Wien in Vertretung der österreichischen Landsmannschaft und des Jüdischen Klubs die Reichsratsabgeordneten Adolf Stand und Dr. Heinrich Gabel erschienen. Nach der Eröffnungs- und Begrüßungsrede des Präsidenten ergriff als Erster Gg. Adolf Stand das Wort, um in einer formgewandten und inhaltreichen Rede den Grüßen und Wünschen der österreichischen Gesinnungsgenossen Ausdruck zu verleihen; es sprach dann Dr. Heinrich Gabel und im Namen des A. C. Samuel Bettelheirn. Es folgte nun der Kassenbericht des Gg. David Kohn, der Nationalfondsbericht des Dr. Ludwig Dömeny, die Tätigkeitsberichte der Gruppen in Kassa (Juhäszchor), Neutra (Dr. Gosztonyi), Szatmar (Jordan Victor) und ein mit enthusiastischem Beifall aufgenommenes Referat über die Lage des Zionismus des Dr. Armin Abrahamsohn. Nachmittags fand im Rathause bei riesiger Beteiligung ein Meeting statt. Es sprachen Dr. Österreicher, Abgeordneter Adolf Stand, Dr. Nison Kahan und Abgeordneter Dr. Heinrich Gabel. (Ausführlicher Bericht folgt.) Bulgarien Schekeltag Am 9. Mai a. St. wurde in ganz Bulgarien der Schekeltag begangen. Der Erfolg war ausgezeichnet, die ganze Judenschaft des Landes, fast sämtliche Gemeinden und fast die ganze Geistlichkeit nahmen daran teil. Fast überall waren zur Feier des Tages die jüdischen Schulen geschlossen. Der besonders große Erfolg des diesjährigen Schekeltages ist nicht in letzter Linie den rastlosen Bemühungen des Herrn Bohor Azaria zu verdanken, der eine Vortragstournee durch viele Städte unternommen und sehr großen Erfolg gehabt hat. Türkei Smyrna: Den rastlosen Bemühungen unseres Gesinnungsgenossen Victor Gezelter ist es gelungen, auch hier die Zionsfreunde zu sammeln und die zionistische Idee zu propagieren. Mit Hilfe des Herrn Haim Crestin und des bulgarischen Zentralkomitees in Philippopel wurde erreicht, daß sich über 100 Personen bereit erklärten, der zionistischen Organisation beizutreten. Am Sonnabend den 22. Mai fand eine Generalversammlung statt, in der Herr Selim Misrachi, Redakteur der türkischen Zeitung „Kienlon", mit Enthusias: mus die patriotische Bedeutung des Zionismus für die türkischen Juden besprach. Außer der Schekelsammlung wird eine Sammlung für die Schaffung eines Versammlungslokals betrieben. Auch für die übrigen zionistischen Zwecke wird eifrig gesammelt. Amerika Die Versammlung des Exekutivkomitees der American Zionist Federation vom 9. Mai beschäftigte sich hauptsächlich mit der Frage der bevorstehenden Delegiertenkonferenz. Die bisherigen Meldungen lassen einen sehr guten Besuch der Konferenz erwarten. Die Versammlung war einstimmig der Ansicht, daß das vorn A.-C. festgesetzte Datum des IX. Kongresses sehr ungünstig sei, da im Dezember jede Teilnahme überseeischer Delegierten ausgeschlossen sei. Sollte sich die Hinausschiebung des Kongresses als notwendig erweisen, wäre es vielleicht richtiger, den Kongreß im Sommer 1910 abzuhalten. Im kommenden Sommer wird eine Gruppe bekannter amerikanischer Zionisten eine Gesellschaftsreise nach Palästina unternehmen. U. a. werden teilnehmen: Dr. Benj. L. Gordon, Philadelphia, Mitglied des Vorstandes, der Federation; Herr J. Kahanowitz, Greensburg; Fräulein L. Kahanowitz, Herr S.S. Brown, Philadelphia; Rabbi J. J. Egelson, Washington; Herr Louis Gordon, Kansas City; Frl. Miriam Löwenstein, Montreal. Herr Fromenson hat eine neue Propagandareise angetreten. Er hat bereits die Städte Newport, Portsrnouth, Norfolk und Baltimore besucht und wird demnächst nach Washington gehen. Der jiddische Propagandaredner der Federation. Herr Salomon Frenkel, hat eine sehr erfolgreiche Propagandawoche in Harrisburg verbracht. Demnächst wird er nach Stamford gehen. Der Order Knights of Zion veranstaltete Versammlungen in Lincoln, Sioux City, Omaha und Milwaukee. Die Nationalfonds¬ und Schekelsammlungen werden erfolgreich betrieben. Große Energie wird auch auf den Vertrieb der Aktienj der A. P. C. verwandt. Am Montag den 17. ds. hielt der Zionistenverband von Groß- New York seine Jahresversammlung ab. Herr J. Maltin wurde als Vorsitzender wiedergewählt. Die auf der Tagesordnung der bevorstehenden amerikanischen Delegiertenkonferenz stehenden Fragen wurden eifrig diskutiert. Es wurde beschlossen, ein ständiges Bureau einzurichten, um die Propaganda des Zionismus in Groß- New York energisch betreiben zu können. Die Judaeans Amerikanische Zeitungen berichten von einer neuen zionistischen Organisation, die unter dem Namen „Judaeans" in New-York gegründet worden ist. Der Leiter der neuen Bewegung ist Dr. Jakob M. Gerschberg. Die Judaeans unterscheiden sich von der offiziellen zionistischen Organisation dadurch, daß sie mit der Kolonisation Palästinas sofort beginnen wollen, anstatt durch Verhandlungen mit der türkischen Regierung erst gewisse Rechte zu erlangen. Der Organisation haben sich — angeblich — bereits namhafte amerikanische Juden angeschlossen. Dr. Gerschberg beabsichtigt, nach Europa zu gehen, um dort mit den Führern der zionistischen Organisation sowie mit Zangwill und den Leitern der Ica zu konferieren. Südafrika . Durban. Die zionistische Bewegung macht hier sehr befriedigende Fortschritte. Dies ist insbesondere den Bemühungen des neuen Geschäftsführers der Ortsgruppe, Herrn S. Abrahams, zu verdanken. Die letzte Versammlung war sehr gut besucht und erbrachte den Beweis, daß der größte Teil der jüdischen Einwohner Durbans unserer Sache freundlich gegenübersteht. Johannesburg. In der Zionist Hall hielt jüngst Herr Lennox Loewe einen sehr interessanten Lichtbildervortrag über Palästina. Die große Halle war mit Besuchern vollgefüllt, viele Hunderte mußten mangels Platz vor der Türe umkehren. Die Zionist Hall ist das Zentrum des jüdischen Lebens der Stadt geworden, und ihre Bibliothek ist schon von sehr beträchtlicher Bedeutung. Zionismus in Japan Der „Yoshin Nippo" in Kobe (Japan) vom 8. Mai enthält einen lesenswerten Aufsatz über die gegenwärtigen Aussichten der zionistischen Bewegung aus der Feder des Herrn David H.Delbourgo. Die Zeitung ist in Japan sehr verbreitet, der Autor ist ein Mitglied der Shanghai Zionist Association. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Mesopotamien *) Ein Interview mit dem Deputierten Sasson Haskell von Bagdad „In letzter Zeit ist viel von jüdischer Einwanderung in die Türkei und in diesem Zusammenhange von Mesopotamien die Rede gewesen. Die Gespräche Ahmed Risa Bejs mit dem Großrabbiner sind Ihnen wohl bekannt. Man sagt, die Ica hätte ein Interesse für das Gebiet gefaßt. Die territorialistische Organisation hat durch den Mund Zangwills Mesopotamien zu ihrem Territorium proklamiert. Amerikanisch-jüdische Arbeiterverbindungen haben das Land ebenfalls zum Ziel ihrer Bestrebungen erhoben. Man ist auch vielfach der Meinung, daß die geplante Vereinigung der großen jüdischen Organisationen sich auf die Hinlenkung der Auswanderung nach Mesopotamien konzentrieren werde. Sie, Herr Deputierter, sind von dem Lande und in der Frage kompetent. Halten Sie eine Einwanderung größerer Massen von Juden nach Mesopotamien für möglich." —' „An sich besteht diese Möglichkeit. Aber sie ist nicht sehr nahe." „Und aus welchem Grunde?" *) Die Äußerungen des Herrn Sasson, Deputierter von Bagdad, dürfen als die eines jüdischen Mitgliedes des türkischen Parlaments und eines Kenners der Ortsverhältnisse nicht außeracht gelassen werden. Wir haben bereits vor einigen Monaten in einem Leitartikel im „Ha 'Olam" auf Grund der einschlägigen Literatur auf manche Bedenken technischer und politischer Natur hingewiesen. Nichtsdestoweniger scheint das mesopotamische Projekt im großen und ganzen sympathisch genug, um dem endgültigen Resultat einer gründlichen Enquete nicht vorgreifen zu sollen. Manches in den Äußerungen des Herrn Sasson klingt so befremdend, daß eine erschöpfende Darlegung der Verhältnisse dringend geboten wäre. Die Redaktion.

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