Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 23 (4.6.1909)
- Date
- 1909-06-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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in Palästina nach Kalifornien, Arizona, Nebraska und den Baumwollstaaten Texas, Mississippi usw. Mit Rücksicht auf die klimatischen Analogien, die zwischen Palästina und Kalifornien bestehen, ist es für die Zukunft der palästinensischen Landwirtschaft von allergrößtem Werte, die Fortschritte der Landwirtschaft in Kalifornien genau zu studieren, wo bekanntlich die subtropischen Kulturen die höchste Blüte erreicht haben. Ganz besonders soll Herr Aaronsohn in Kalifornien die nach den neuesten Ergebnissen der Wissenschaft eingerichteten Versuchsstationen, die großartigen Orangerien, Ölbaum-, Mandel- und andern Baumkulturen, die bekanntlich.für Palästina von großer Bedeutung sind, einer gründlichen Besichtigung unterziehen. Auch der Konservenfabrikation, die voraussichtlich schon in aller Kürze für Palästina von praktischer Bedeutung werden dürfte, wird Herr Aaronsohn gelegentlich seines Aufenthalts in Kalifornien die größte Aufmerksamkeit zuwenden. Außerdem wird Herr Aaronsohn in den mittlem Gebieten (Nebraska usw.) die nach dem System des bekannten amerikanischen Gelehrten Campbell zur Anwendung gelangenden Bodenbehandlungsmethoden in trockenen Gegenden (Dry-Farming) genau studieren und schließlich bei der Pflege und Ernte der Baumwolle zugegen sein. Im Oktober wird Herr Aaronsohn der Konferenz der jüdischen Farmer Nordamerikas in New-York beiwohnen und beabsichtigt daselbst Vorträge über die Landwirtschaft Palästinas und die Ergebnisse seiner vielseitigen Studien zu halten. Von Berlin reist Heir Aaronsohn direkt nach Washington, um mit den maßgebenden Funktionären des Department of Agriculture, mit dem er in enger Fühlung steht und das an ihn vor längerer Zeit die Aufforderung ergehen ließ, die Funktionen eines agricultural explorer für Syrien zu übernehmen, über die zweckmäßigste Einrichtung seiner amerikanischen Studienreise Rücksprache zu nehmen. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit dieser Studienreise für die Kolonisation Palästinas ergeht an die amerikanischen Palästinafreunde die Bitte, Herrn Aaronsohn jede mögliche Förderung zuteil werden zu lassen. Deutschland Gruppenverband Oberschlesien Am Sonntag den 23. Mai er. fand in Kattowitz eine Sitzung des Engeren Ausschusses statt, die von Vertretern sämtlicher Ortsgruppen mit Ausnahme von Groß-Strehlitz und Zabrze besucht war. Herr Arnold Wiener eröffnete die Tagung mit einigen Mitteilungen und gab u. a. davon Kenntnis, daß Herr Dr. Margulies Oberschlesien wieder verlassen hat. Er würdigte dessen Verdienste um die Propaganda in Oberschlesien und gab unter dem Beifall der Anwesenden dem Danke der oberschlesischen Zionisten Ausdruck. Auf Anregung aus der Mitte der Versammlung wurde die Erwerbung der Mitgliedschaft im Palästinapflanzungsverein für Dr. Margulies beschlossen und der erforderliche Betrag sofort gezeichnet. Auf Antrag Dr. Stahl wurde hierauf Herr-Lesser, Beuthen, in den Ausschuß kooptiert. Nach Erstattung des Berichts des Kassenwarts und Nationalfondskommissärs, Herrn Rappaport, referierte der Vorsitzende in längern Ausführungen über die letzte -Sitzung des Deutschen Zentralkomitees. Insbesondere der Bericht über die Stellungnahme des Zentralkomitees zur Verlegung des Kongresses in den Winter gab Anlaß zu einer lebhaften Debatte, deren Ergebnis schließlich in einer entsprechenden, auf Antrag von Dr. Cassirer einstimmig angenommenen Resolution seinen Ausdruck fand. Alsdann wurde über den Stand der Schekelsammlung berichtet. Nach den bisherigen Ergebnissen und bei weiterer angestrengter Arbeit besteht die begründete Hoffnung, daß eine Schekelzahler- Bnzahl von 700—800 erreicht wird. Bezüglich des oberschlesischen Zuschusses zu den Kosten des deutschen Parteisekretärs wurden die auf die einzelnen Ortsgruppen entfallenden Beträge endgültig festgesetzt und die Vertrauensmänner zur pünktlichen Zahlung der einvierteljährlichen Raten verpflichtet. Es wurde beschlossen, die Broschüre „Jüdische Gemeindepolitik" an sämtliche Mitglieder der jüdischen Gemeindekörperschat'ten Oberschlesiens zu versenden, ferner anläßlich des 5. Todestages Theodor Herzls eine Gedenkfeier großen Stils in Beuthen zu veranstalten und endlich eine Einladung der jüdischnationalen Vereine von Bielitz zum Besuch des dortselbst am 20. Juni er. stattfindenden jüdischen Volkstages anzunehmen und energisch in die Vorbereitungen hierzu einzutreten. Breslau. In einer trotz ungewöhnlich heißer Temperatur sehr gut besuchten Versammlung der „Breslauer Zionistischen Vereinigung" am Sonntag, den 23. Mai, sprach Dr. Elias Auerbach über „Zionistische Arbeit in der neuen Türkei". A. führte aus, wie die neuen Verhältnisse eine neue Methode der zionistischen Arbeit bedingen. Jetzt handele es sich darum, durch Vermehrung unserer faktischen Machtmittel Boden zu fassen, das Land allmählich zu einem jüdischen Lande zu machen. Politik heiße: Anpassung an die jeweilig veränderten Zeitumstände. Festhalten an einmal aufgestellten Richtlinien auch unter veränderten Verhältnissen, wäre sehr unpolitisch. Notwendig wäre unserseits eine Erklärung unseres Interesses an dem Erstarken der neuen Türkei, in der jede Nation sich als Nation fühle. Zu unseren derzeit wichtigsten Aufgaben gehöre die Nationalisierung der palästinensischen Juden, ihre Stärkung, daß sie ihre Geschicke in eigene Hand nehmen könnten. Außerhalb Palästinas müssen wir neben der Propagierung unseres Programms jetzt vor allem bemüht sein, jeden Juden, wie er auch zu unserm Programm stehen mag, für unsere palästinensische Augenblicksarbeit zu interessieren. Wir können ja auch bereits eine allgemeine Infiltrierung mit unsern Ideen konstatieren. Sehr notwendig sei auch die Stärkung unseres palästinensischen Kulturkerns. Wir müssen aber jetzt auch darauf bedacht sein, mehr jüdische Menschen nach Palästina zu verpflanzen, insbesondere sollte die Einwanderung „erwünschter" Elemente gefördert werden, Werte schaffender Menschen. Der Arbeitsmöglichkeiten in Palästina gibt es genug. Das Neue, das Große, auf das manche noch immer warten, ist schon eingetreten. An uns ist es, es zu nutzen. — Lebhafter Beifall folgte den klaren, logischen Ausführungen des Redners. In der Diskussion wurde die Frage der Verschiebung des Kongresses bis zum Dezember angeschnitten und führte zur Annahme einer entsprechenden Resolution mit allen gegen eine Stimme. Österreich Der Karlsbader zionistische Verein „Einzelverein Zion in Karlsbad" hat im Einvernehmen mit den derzeit hier weilenden zionistischen Kurgästen folgenden Beschluß gefaßt: In Anbetracht dessen, daß Karlsbad ein Weltkurort ist, wo jährlich eine Menge Juden und Zionisten der ganzen Welt verkehren und somit für die Agitation im Interesse des Zionismus von unschätzbarem Werte ist, ferner in Anbetracht dessen, daß die hiesigen Zionisten eben in der Kursaison, wo am meisten für den Zionismus geleistet werden kann, meist anderwärts beschäftigt sind, wird ein aus Kurgästen bestehendes Komitee gegründet, welches während der Kursaison die Agitation für den Zionismus besorgt und sich kontinuierlich aus neuankommenden Kurgästen ergänzt. Das Komitee arrangiert mit Hilfe des hiesigen Vereins Ausflüge, Vorträge und Vorlesungen. Ein Mitglied des Komitees hält täglich im Restaurant „Lincoln", Egerstraße, mittags von 12—2 Uhr, Amtsstunden und werden die hier ankommenden Zionisten ersucht, nach ihrer Ankunft sich bei demselben zu melden. Jeden Mittwoch, abends um 8 Uhr, wird im Restaurant „Lincoln" eine größere Versammlung mit Vortrag veranstaltet und machen wir es jedem hier weilenden Zionisten zur Pflicht, bei denselben zu erscheinen und Gäste mitzubringen. Jeder Jude hat hier Gelegenheit, mit den Verhältnissen der Juden anderer Länder bekannt zu werden, bald angenehme Gesellschaft zu finden und auch ohne viel Mühe für den Zionismus und das Judentum etwas zu leisten. Wir erwarten die weitestgehende Unterstützung aller Zionisten. Die Distrikts- und Landeskomitees werden ersucht, den Beschluß sämtlichen Vereinen weiterzugeben und denselben in den Lokalen öffentlich auszuhängen. Die zionistischen Zeitungen werden höflichst ersucht, diesen Beschluß in den demnächst erscheinenden Nummern abdrucken zu lassen. Mit Zionsgruß! Die derzeitigen Mitglieder des Kurgastkomitees Für den Einzelverein Zion: Karlsbad, im Mai 1909. MUDr. Wilhelm Samisch. Gwozdziec. Anläßlich der vollendeten Eintragung unseres verdienstvollen Ausschußmitgliedes Herrn Schaje Goldfeld ins Goldene Buch, versammelten sich am 2. Tag Schewuoth alle unsere Vereinsmitglieder im Vereinslokale, um in feierlicher Weise das betreffendej Diplom Herrn Goldfeld zu überreichen. Die warme Ansprache von Seiten unseres Präsidenten Herrn Julius Pauker, an den Gefeierten gerichtet, erwiderte derselbe in ebenso herzlicher Weise. Mit einem fröhlichen Kommers, bei welchem für den jüdischen Nationalfonds gespendet wurde, schloß diese würdevolle Ehrungsfeier. Ungarn (Von unserm Berichterstatter) Landeskonferenz der ungarischen Zionisten Budapest, den 30. Mai. Wie vorauszusehen war, nahm die Landeskonferenz der ungarischen Zionisten einen glänzenden Verlauf. Delegierte sind aus allen Teilen Ungarns erschienen, und die Stimmung war vom ersten