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Die Welt · 1909-06-04 · 23 (4.6.1909) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
23 (4.6.1909)
Date
1909-06-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Insbesondere ist die persönliche Propaganda der Presseagitation vorzuziehen; im letztern Falle wiederum sind geeignete, dem Momente angepaßte Flugschriften, Broschüren stets wirkungsvoller als periodische Zeitungen, deren Schicksal es zumeist ist, stoffarm und langweilig oder zänkerisch und aufreizend zu werden. Die wichtigste Propaganda ist aber diejenige, der eine gesellschaftlich-erziehliche Wirkung zukommt, also neben der Schule allerlei Bildungs- und gesellige Vereine, die das jüdische Selbstbewußtsein stärken und großziehen, ohne das Wort zu mißbrauchen. Brief aus Palästina (Von unserm Berichterstatter) Organisation der judäischen Kolonien Jaffa, 16. Mai 1909. Auf der ersten allgemeinen Versammlung der Vertreter der judäischen Kolonien, die am 4. Ijar unter dem Vorsitz des Herrn Gluskin in Rischon le Zipn tagte und zu der 31 Delegierte der acht größern judäischen Kolonien erschienen waren (die Kolonien Artuf, Moza und En Ganim waren infolge eines Versehens zur Versammlung nicht eingeladen worden), wurde ein vorläufiges Statut der Organisation der judäischen Kolonien angenommen. Dasselbe bezeichnet als Zweck der Organisation die Verbesserung und Hebung der ökonomischen, kulturellen und politischen Lage der jüdischen Kolonien in Judäa durch Zusammenschluß und Vereinigung aller Kräfte. Zur Erreichung dieses Zieles nimmt die Organisation in Aussicht: 1. Die Gründung von Syndikaten zum Verkauf der von den Kolonien erzeugten landwirtschaftlichen Produkte (nach dem Muster des Carmel für Weinverkauf und des Pardes für den Orangenverkauf). 2. Die Verbesserung der landwirtschaftlichen Methoden durch Bekanntmachung und Verbreitung neuer Maschinen und Arbeitsgeräte. 3. Anstellung von landwirtschaftlichen Versuchen unter Leitung eines geübten Agronomen. 4. Begründung einer Versicherungsgesellschaft gegen Viehkrankheiten und Anstellung eines tüchtigen besoldeten Tierarztes. 5. Die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse in den Kolonien. 6. Die Ausdehnung des Koloniebesitzes und Erleichterung der Ansiedlung neuer Elemente. 7. Verbreitunglandwirtschaftlicher Kenntnisse unterden Kolonisten durch Vorlesungen, . Demonstrationen u. dgl. sowie durch Erweiterung des naturwissenschaftlichen Unterrichts in den Schulen. Die Generalversammlung tritt mindestens einmal im Jahre zusammen, je 10 wahlberechtigte Mitglieder einer Kolonie wählen einen Delegierten zur Generalversammlung. Die Generalversammlung wählt den weitern und engern Rat. Der weitere Rat tritt mindestens einmal in zwei Monaten zusammen und besteht aus drei Delegierten der Kolonie Petach-Tikwah, je zwei Vertretern aus Rischon, Ekron und Rechoboth und je einem Vertreter der Kolonien Wadi-Chanin, Katra, Kastinie, Bir Jacob, En Ganim, Moza und Artuf. Als 17. Mitglied des weitern Rates wird der Vorsitzende gewählt. Der engere Rat besteht aus vier von der Generalversammlung gewählten Mitgliedern und dem Vorsitzenden. Die Organisation der Judäischen Kolonien wird sich um die legale Anerkennung seitens der türkischen Regierung bemühen. Organisation der jüdischen Gemeinde in Jaffa Das von Vertretern verschiedener Schichten der jüdischen Bevölkerung in Jaffa gewählte Komitee zur Organisierung der jüdischen Gemeinde in Jaffa hat ein vorläufiges Statut entworfen und Schritte unternommen, um einen Zusammenschluß aller jüdischen Bürger zu einer einheitlichen Gemeinde durchzuführen. Nach diesem Statut sollen vollberechtigte Mitglieder der Jaffaer Gemeinde diejenigen Juden sein, die über 20 Jahre alt sind, über ein Jahr in Jaffa ihren Wohnsitz haben und Gemeindesteuern bezahlen. Die Gemeindeleitung soll in der Weise sich bilden, daß Gruppen von je 25 Gemeindemitgliedern, die sich nur für Wahlzwecke gebildet haben oder auch sonst als Vereine irgendwelcher Art bestehen, je einen Wahlmann wählen und diese Wahlmänner sodann den Gemeindevorstand wählen. Die Gemeindeverwaltung soll neben der Wohlfahrtspflege, Friedhofs- und Schulverwaltung u. dgl. auch für die Reinlichkeit und den sanitären Zustand in den jüdischen Vierteln und Wohnungen, für den Sicherheitsdienst in den jüdischen Straßen, für die Aufrechterhaltung des Friedens unter den Juden, für die Erleichterung der Einwanderung von Juden zu sorgen haben sowie die Intervention bei Behörden für Gemeindemitglieder übernehmen. Eine von der Generalversammlung gewählte Schätzungskommission hat die Höhe der Gemeindesteuer aller Mitglieder zu bestimmen. Außer den direkten Steuern bezieht die Gemeinde ihre Einnahmen aus Beiträgen, die gelegentlich der Herausgabe von Zertifikaten in Geburts-, Ehe- und Sterbefällen entrichtet werden. Neue Zeitungen in Palästina Die Beseitigung der Preßzensur seit der Einführung der türkischen Konstitution hat bereits wesentlich zur Verbreitung der Zeitungslektüre unter dem Volke beigetragen. So hat die Abonnentenzahl des „Hazewi", der aus einem zweimal wöchentlich erscheinenden Blatt sich in ein Tageblatt verwandelt hat, in kürzester Zeit von 300 auf 1200 sich vergrößert. Außerdem wird das Blatt auch immer mehr im einzelnen verkauft. Auch der „Habazeleth", das Organ der Orthodoxen, erscheint jetzt häufiger und hat eine vergrößerte Abonnentenzahl. Neben diesen alten Zeitungen sind einige neue entstanden, so der Cheruth (zweimal wöchentlich), der Pardess in hebräischer und jüdischer Sprache. Das Erscheinen des Jargonblattes hat mit Recht besonders viel böses Blut unter den Pionieren der hebräischen Sprache gemacht, insbesondere da sich anscheinend ziemlich viele Abnehmer für das Blatt gefunden haben. In der letzten Zeit sind auch Bestrebungen aufgetreten, ein liberales, unparteiisches Blatt in arabischer Sprache zu begründen. Auch einige einflußreiche Juden stehen diesem Gedanken nahe. Ausstellung des Bezalel Jerusalem den 14. Mai 1909. Der Bezalel, der im letzten Jahre einen ganz bedeutenden Aufschwung genommen und die Zahl seiner Ateliers und der in denselben beschäftigten Arbeiter bedeutend vergrößert hat, hat auch am diesjährigen Lagbeomer das nun traditionell gewordene Bezalelfest gefeiert und an dasselbe, wie im vorigen Jahre, eine Ausstellung seiner Produkte angeschlossen. Außer zahlreichen jüdischen Gästen waren zur Ausstellung die Spitzen der hiesigen Behörden erschienen: Der Jerusalemer Generalgouverneur (Mutessarif), der Bürgermeister der Stadt Jerusalem (Ras beladije) und noch andere hohe Beamte und Vertreter der Konsulate. Sämtliche Besucher trugen von der Ausstellung einen sehr günstigen Eindruck davon. Neues Stadtviertel in Jerusalem Jerusalem, 15. Mai 1909. Die vom Jüdischen Nationalfonds für die Schule Bezalel erworbenen Häuser haben nicht nur auf einem der höchsten und schönstgelegenen Plätze der Stadt Jerusalem einen jüdischen Besitz begründet, sondern auch diese ganze in sehr gesunder Lage befindliche Anhöhe, die vorher von Juden gar nicht bewohnt war, für eine jüdische Ansiedlung geeignet gemacht. Ein großes Terrain in der Nähe der Bezalelhäuser ist nun von Juden angekauft worden, auf dem im ersten Jahre 30, später bis 200 jüdische Häuser errichtet werden sollen. Die Anleihe zum Bau der Häuser wird der Wohltätigkeitsverein „Gmiluth-Chessed" erteilen. Der greise Rabbi Samuel Salant legte den Grundstein zu diesem neuen jüdischen Stadtviertel. Dramatische Aufführung in Jaffa Jaffa den 15. Mai 1909. Zugunsten des Kindergartens in Jaffa veranstaltete gestern am Lagbeomer-Abend der Klub „Hebräische Bühne" in Jaffa eine dramatische Vorstellung. Das Stück von Scholem Aleichem „Zuset und. Zuspret", wurde in hebräischer Obersetzung des Lehrers Krischewsky zur Darstellung gebracht. Die Darstellung war eine recht gelungene, leider fehlt nur dem Stück, welches ein an sich treffliches Bild einer jüdischen Familie aus den letzten Jahren der russischen Revolution mit der Entfremdung zwischen Eltern und Kindern und den auseinandergehenden Lebenswegen der Geschwister entwirft, der dramatische Bau und es eignet sich deshalb wenig zur Aufführung. Versammlungen der Jungtürken Die jungtürkischen Komitees in Jaffa und Jerusalem, denen nun alle höhern Beamten und Offizier« angehören, veranstalteten in letzter Zeit mehrere Versammlungen, in denen sie die neue Lage besprachen. Gelegentlich einer dieser Versammlungen, bei der der Pascha von Jerusalem in Jaffa gegenwärtig war, wurde ein festliches Bankett im Hotel du Parc veranstaltet. 2*

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