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Die Welt · 1909-05-25 · 22 (25.5.1909) · page 25

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
22 (25.5.1909)
Date
1909-05-25
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Indem ich über die Zusammensetzung der Liste spreche, gestatte ich mir beiläufig zu bemerken, daß ich meinen eigenen Namen, als dieser eingetragen worden ist, durchgestrichen habe. Ich habe alsdann auch meinen Kollegen meine Gründe und Motive erklärt, daß mit Rücksicht darauf, daß sich die Angelegenheit im Vorbereitungsstadium befindet, das finanzielle, agrikulturelle und juristische Kenntnisse heischt, ich nur wenig Nutzen der Kommission bringen kann.* Die Liste wurde auch dem Vorsitzenden der Versammlung ohne meinen Namen übergeben, und nur infolge seines Vorschlages und des dringlichen Verlangens der Kommission trat ich in dieselbe ein. Auf der Liste fungierten auch je ein Vertreter von der Bank und dem Palästinaamt; sie wurden jedoch nicht zur Wahl gestellt, weil die Vertreter unserer Institutionen, nach der Erklärung des E. A. C, den von der Organisation eingesetzten Kommissionen zur Verfügung stehen und weil das E. A. C. eine besondere Wahl für dieselben als unangebracht und überflüssig hielt. Faktisch sind diese Vertreter jedoch in die Kommission aufgenommen worden. Bezüglich sonstiger Details erlitt die Liste keinerlei Veränderungen Das Geschwätz über die „schlauen Intrigen" des Westens entbehren also jeder Begründung. Da ich über die eigentliche Frage spreche, will ich auch auf die Beschwerden erwidern, man habe das Odessaer Komitee ignoriert. ■ Das Odessaer Komitee hatte den Herren, die an der Spitze unserer Organisation stehen, nichts über irgendeine von ihm einzuberufende Versammlung mitgeteilt und hatte ihnen auch keine Einladungen gesandt, wie es bei ihm üblich ist. Ich bemerke en passant, daß dies der Grund war, infolgedessen das E. A. C. die Generalversammlung der Odessaer Gesellschaft nicht begrüßt hat, ein Umstand, der, wie ich gehört habe, unter vielen Mitgliedern der Generalversammlung Befremden hervorgerufen hat. Nach der'Generalversammlung hat das Komitee uns keine Vorschläge zugestellt, und deren Konferenz hatte gar kein Material von dieser Versammlung bekommen. Ober den Agrarkredit lag dem A. C. ein motivierter Vorschlag vor, aber dieser kam nicht, wie ich fernerhin beweisen werde, vom Odessaer Komitee, sondern von den Vertretern der zionistischen Organisation. Ich will nunmehr auch den Grund erklären, weshalb ich mich verhindert sah, die Wahl unseres Genossen Ussischkin in die Kommission vorzuschlagen. Dieser Grund liegt in der kurzen Vorgeschichte der praktischen Inangriffnahme der Angelegenheit des Agrarkredits. Es wird noch lange dauern, bis der Agrarkredit geschaffen werden wird, und doch hat schon diese Frage leider nicht nur ihre „Literatur'*, sondern auch ihre „Geschichte". Im Oktober v. J. fand in Moskau eine Beratung bedeutender zionistischer Führer statt, deren Zweck es war, ein Programm für eine Gesamtarbeit zu verfassen, nach dem ein allgemeines Bedürfnis infolge der in den politischen Verhältnissen der Türkei eingetretenen Veränderungen empfunden worden ist. Diese emsige und stille Arbeit dauerte vier Tage. Unter den Fragen, die auf dieser Beratung mit allen Details erörtert worden sind, stand die Frage der Schaffung eines großen Instituts für Agrarkredit im Vordergrunde. Der Verein „Bnei-Zion" hatte folgenden Beschluß gefaßt, dessen Veröffentlichung ich jetzt für notwendig halte: „Anerkennend, daß die Gründung eines großen Instituts für langen Agrarkredit jetzt, wo die Entwicklung in weitem Maßstabe einer praktischen Arbeit in Palästina notwendig und möglich ist, als wichtigste und dringendste Notwendigkeit der Bewegung erscheint; daß einerseits die neuen politischen Verhältnisse in der Türkei in kurzer Zeit eine Veränderung der Rechtsnormen hervorrufen müssen, die es ermöglichen werden, die entsprechenden Institute auf fester juridischer Basis zu gründen; ferner, voraussehend, daß solch eine Gründung alle Chancen jetzt besitzt, die Sympathien und Kapitalttilnahrne sowohl der weiten Volksschichten als auch der Vertreter der jüdischen Finanzwelt und der öffentlichen jüdischen Organisationen zu gewinnen, - bestimmt die Beratung: a) dem E. A. C. vorzuschlagen, zur nächsten Konferenz einen Plan für die Vorbereitungsarbeiten in der Organisation solch eines Institutes auszuarbeiten; b) Die Frage aufzuwerfen wegen der Anteilnahme des N.-F. an der Gründung einer Kreditanstalt, beispielweise in der Summe von 1 Mill. Francs, als Grundstein, der die Möglichkeit schaffen wird, die Mittel von Privatpersonen und öffentlichen Organisationen heranzuziehen bis zu dem vorausgesetzten Betrage von 10 Mill. Francs." Diesen Beschluß haben wir in Erwägung folgender Gründe nicht veröffentlicht. Wir sagten uns, daß unser Bestreben, dieses Werk auf eine feste Basis zu stellen, nur dann Aussicht habe, wenn es durch unsere zentralen Institutionen, den Kongreß mitgerechnet, gemacht wird und wenn sich diese daran materiell und moralisch beteiligen. Außerdem war es unser Wunsch, daß die Initiative und die erste Aufforderung zu einem so großen und wuchtigen Werk nicht von den Vertretern eines einzelnen Landes, sondern von der zentralen Organisation, d. h. vom Kongreß oder vorn Gr. A. C, das den Kongreß vertritt, ausgehe. Deshalb hat unsere Beratung nichts veröffentlicht, sondern beschränkte sich darauf, für sich die Richtlinien für ihre Arbeit bei der Versammlung des A. C. und des N. F. und die zu wählende Taktik vorzuzeichnen. All das wurde beschlossen und einstimmig angenommen. Drei Monate waren nach dieser Beratung verstrichen, die Odessaer Versammlung wurde einberufen, und da sahen wir, daß diese in ihr Programm den Punkt aufgenommen hat, der nach dem Moskauer Beschlüsse, an dem sich auch der Einberufer der Odessaer Versammlung beteiligt hatte, für den Kongreß bestimmt war. Darauf hat man zunächst von hier aus (nicht durch mich) in Odessa aufmerksam gemacht. Man legte ihnen (d. h. Odessa) nahe, daß sie nicht die nötige Kraft besitzen, eine solche Frage zu lösen, daß die konkreten, jeden realen Wertes baren Beschlüsse, die dort gefaßt werden, geeignet seien, nur die Energie und den Eifer der Personen zu schwächen, die der Kongreß für diese Arbeit brauchen wird. Trotzdem wurde die Frage aufgenommen, und Beschlüsse wurden gefaßt, die allgemein bekannt sind. Diese Beschlüsse näherten sich den früheren Moskauer Beschlüssen. Als ich mich fragte, wozu haben die Mitglieder des A. C, die sich an der Moskauer Beratung beteiligt hatten, diese Frage in der Odessaer Versammlung aufgerollt, konnte ich keine Antwort darauf finden. Es war mir auch nicht leicht, die Erklärung dafür zu finden, wozu die Häupter des Odessaer Komitees das getan haben. Sie kannten wohl die Moskauer Beschlüsse und die bereits unternommenen Schritte. Sie wußten auch, daß binnen einigen Wochen Versammlungen des A. C. und des N. F. stattfinden werden. Außerdem kann ja die Beteiligung der (Odessaer) Gesellschaft bei diesem Werk nur eine geringe und armselige sein. Die Gesamteinnahmen der Gesellschaft betragen 40 000 Rub. jährlich, von dieser Summe muß sie über 40°/o für ihre eigene Erhaltung ausgeben, was kann sie nun für die Agrarbank übrig haben? Das Ödessaer Komitee hatte der Versammlung den Vorschlag gemacht, die Einnahmen aus der „Karaoth" für diesen Zweck zu widmen. Dieser Vorschlag wurde nicht angenommen, aber er kennzeichnet zur Genüge den Umfang und den Wert der materiellen Beteiligung seitens Odessas. Wozu bedurfte es der Anregung dieser Frage in Odessa und wozu insbesondere des Annehmens dieser Beschlüsse? Ganz eigentümlich war der Beschluß, das Komitee möge mit den andern jüdischen Organisationen in Verbindung treten, was doch eigentlich Sacheder Zionistischen Weltorganisation sein dürfte. Eine Beantwortung dieser Frage müßte man nur in Privatgerüchten suchen, die in den Aufsätzen der Kommentatoren und in der Bekanntmachung des Herrn Jakob Rabinowicz ihre Bestätigung finden. Es scheint, als ob das Odessaer Komitee oder seine Führer beschlossen hätten, die Sache auf eigne Faust ohne die zionistische Organisation zu machen, besonders die Sache einzuleiten, ohne an unsere Beschlüsse gebunden zu sein, und ohne sie auch nur abzuwarten. Die Kundgeber haben auch die Motive kundgetan: das Werk der Verwirklichung entgegenzuführen und der ganzen zionistischen Organisation hierdurch einen Anstoß zu geben. Wie Herr Jakob Rabinowicz in der Odessaer Versammlung mitteilte, sind schon die Listen für die Zeichnungen vorbereitet worden. Es erübrigt sich wohl zu sagen, daß die ganze Angelegenheit unter solchen Umständen von vornherein zu einer vollständigen Zerstörung verurteilt war. Anstatt eines großen und gut basierten Werkes — ein kleines Unternehmen, das die Arbeitsbasis für ein großes Werk zu zerstören geeignet wäre. Außerdem hat das „Auffangen" der Initiative von der zionistischen Organisation einen unangenehmen Eindruck auf mich gemacht, und bei aller Achtung, die ich für das Odessaer Komitee hege, kann ich doch nicht verhehlen, daß ich ein Patriot der zionistischen Organisation, nicht aber des Odessaer Komitees bin. All diese Gründe veranlaßten mich, in dieser A n gelegen hei t mich vom Odessaer Komitee zu trennen und das Arbeitsprogramm aufrecht zu erhalten, welches die Vertreter unserer Organisation in Moskau festgetzt haben, das für uns in Köln maßgebend war und das auf dem Kongreß zum Abschluß kommen soll. Diese Motive und Gründe haben mich davon abgehalten, in Köln die Wahl des Mitglieds des Großen A. C. Ussischkin für die Agrarkommission vorzuschlagen. Das war mein Grund. Was meine andern Genossen anlangt, kann ich nichts sagen. Ich betone bloß noch einmal: Es war unter uns in dieser Beziehung keine frühere Verständigung. Nachdem ich die Tatsache, sofern sie mich angeht, erklärt habe, will ich noch einige Worte sagen über die Bedeutung dieser Nichtwahl und über die Schlüsse, die die verschiedenen Erklärer daraus ziehen.

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