Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 22 (25.5.1909)
- Date
- 1909-05-25
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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494 DIE^£ELT No. 22 In dem Umstand, daß Ussischkin nicht gewählt worden ist, erblicken die Herren nicht nur eine Beleidigung, sondern auch einen ganz großen Schaden. Diesen Schaden beklagen die Herren Klausner, Kleinmann und Pasmanik, besonders der letztere. Die meisten Mitglieder der Kommission sind „Leute", die keinen Begriff von der Agrarfrage überhaupt haben usw., klagt der Arzt Pasmanik; von vornherein „bestrebte sich diese Kommission darum, für sich Bedingungen für das Nichtstun und für einen ruhigen Schlaf zu schaffen" usw. Ich frage diese Herren: Wäre Ussischkin in diese Kommission gewählt worden, und würde er in sie eingetreten sein, hätten sie auch die Aufsätze geschrieben, die sie jetzt schreiben? Die Antwort ist klar: Wäre Ussischkin in der Kommission, so wären sie auch zufrieden. Ich werde Ihnen nur eine Tatsache aus der nahen Vergangenheit in die Erinnerung zurückrufen: Genosse Ussischkin gehörte zwei Jahre lang dem Engeren A. C. an. Waren sie damals mit der Arbeit des A. C. zufrieden und können sie uns auf die Wirkungen des Einflusses dieser Kraft hinweisen? Ich kenne Ussischkin seit 27 Jahren von seiner Arbeit; ich kenne ihren Wert, ihre positiven und negativen Seiten. Es ist ja lächerlich, zu behaupten, daß die Arbeit der Kommission eine ganz andere Gestalt annehmen würde, wenn Ussischkin in sie eingetreten wäre. Auch die Herren Erklärer wissen das nicht weniger als ich, aber das scheint ihnen notwendig zu sein, um ihre Schlußfolgerung, die doch die Hauptsache ist, unterstreichen zu können. Und eben diese Schlußfolgerung ist es, die mir die Pflicht auferlegt, mit diesem Aufsatz in die Öffentlichkeit zu treten. Was bleibt dem Präsidenten des Odessaer Komitees, Ussischkin, zu tun übrig, — fragt Kleinmann, — wenn er einerseits an die Beschlüsse der Odessaer Versammlung gebunden ist, und wenn man ihm anderseits von Köln aus einen groben Wink erteilt, man wolle mit ihm nicht zusammen arbeiten? Es bleibt nur eins, — antworten die Herren Kleinmann im „Hed Hasman" und Dr. Klausner im „Haschiloach": seine eignen Wege zu wandeln. „Im Namen des Odessaer Komitees und seiner eigenen Autorität." Ich glaube, daß es noch einen andern Weg außer dem, den die Herren anweisen, gibt. Die Odessaer Versammlung hat dem Komitee und seinem Präsidenten mehrere Aufgaben zugewiesen; auch ohne den Agrarkredit ist er mit Arbeit überbürdet, besonders wenn die Mittel der Gesellschaft so beschränkt sind, und welchen praktischen Nutzen könnte das Odessaer Komitee überhaupt jetzt für diese Sache bringen, während wir im Vorbereitungsstadium stehen und solange wir noch nicht an die Realisierung des Werkes geschritten sind? Und wenn der Kongreß uns zur Realisierungsarbeit berufen wird, — wir hoffen, daß dies baldigst geschehen wird, — wird ja das Odessaer Komitee bereitwilligst unter die Teilnehmer aufgenommen werden. Ich hege gar keinen Zweifel darüber, daß im nächsten Kongreß Ussischkin in die Kommission gewählt werden wird, welcher der Kongreß die Realisierungsarbeit überweisen wird. Dann wird selbstverständlich seine Beteiligung nützlicher sein als jetzt. Aber auch jetzt kann ich hinzufügen, daß Schreiber dieser Zeilen, der es nicht möglich fand, die Wahl Ussischkins in Köln vorzuschlagen, nachträglich der Kommission vorgeschlagen hat, den Präsidenten des Odessaer Komitees zu wählen, und daß sie ihn auch einstimmig gewählt hat. Es ist also noch ein Weg vorhanden, welcher der Ehre des Genossen Ussischkin und den Interessen der zionistischen Organisation und des Agrarinstituts, das wir gründen wollen, mehr entspricht. Selbstverständlich konnte dieser Weg Herrn Pasmanik und seinesgleichen nicht befriedigen, aber diesem Herrn muß ich speziell einige Worte widmen. Herr Pasmanik ist „über die Wahl der Kommission betrübt". Ihre Mitglieder sind Leute, die keinen Begriff von der Sache, die ihnen übergeben worden ist, haben, die für ernste Arbeit ungeeignet sind usw. usw. Und in die Hände dieser Herren — jammert Dr. Pasmanik — wurde das Geschick eines großen Werkes gelegt. Was kann man außer großem Schaden und Zerstörung des Werkes von ihnen erwarten? Dr. Pasmanik erlaubte sich unlängst, mit Bezug auf einen bedeutenden publizistischen Denker unter uns zu behaupten, daß er vor machtlosem Zorn „heult und winselt". Es ist peinlich und schmerzlich, daß man bei uns so sehr die Grenzen außeracht läßt. Das Peinliche wird noch um so größer, als man solche verdammenden Phrasen deswegen hört, weil Achad-Haam gegen den Willen des Herrn Pasmanik--Achad-Haam geblieben ist. Aber man darf ja nicht vergessen, daß Achad-Haam offiziell außerhalb unserer Organisation steht. Und wie sollen wir das „Auftreten" des Dr. Pasmanik gegen die Agrarkommissibn nennen? Ist das nicht die gemeinste Art von „Heulen und Jammern vor Zorn"? Es ist auch etwas Unverantwortliches, wenn man bedenkt, daß die Kommission soeben von den Vertretern unserer Organisation, vom Großen A.-C. gewählt worden ist! Aber dieser Genosse unserer Organisation ging noch weiter. Es ist kein gutes Resultat von dieser in Schlaf versenkten" Kommission zu erwarten, — sagt Herr Pasmanik; — möge sie ihr Material sammeln, Beschlüsse fassen und Banken auf dem Papier schaffen. Es ist von ihr nichts zu erwarten, und es ist auf sie kein Verlaß. Genosse Rosoff spricht über die „Höhe der Kongreßtribüne"; aber das ist ja auch geschmackloses dummes Zeug. „Alle russischen Zionisten — ruft Dr. Pasmanik — müssen sich um die Schöpfer lebendiger Arbeit unter uns scharen und sofort die nötigen Mittel sammeln!" Für den Anfang genügt vorläufig summa ,summarum eine Million Rubel. Ich glaube, daß gegen eine solche Aufforderung zum Abfall und zur Scheidung, wie wir sie bisher noch nicht gehört haben, nicht ich, sondern Genosse Ussischkin seine Stimme zu erheben verpflichtet ist. Er müßte mit all seiner Kraft gegen diesen beispiellosen Mißbrauch, der mit seiner Nichtwahl in die Kommission getrieben wird, protestieren. — Im Laufe der letzten zehn Jahre sind mehrere und verschiedene solcher Nichtwahlen vorgekommen, aber noch kein einziges Mal geschah etwas, was der gegenwärtigen Agitation ähnlich wäre. Ich weiß nicht, was Genosse Ussischkin zu den Ratschlägen Klausners und Kleinmanns und zu der Aufforderung Pasmaniks sagen wird. Ich meinerseits halte es für notwendig, über diese Angelegenheit folgendes zu sagen: Herr Pasmanik behauptet, ich besitze die Fähigkeit, Dinge, die das Eigentum „der großen Majorität" geworden sind, aufzunehmen und zu befürworten. Ich weiß nicht, inwiefern ich diese schätzbare Eigenschaft überhaupt besitze; aber diesmal bin ich sicher, daß ich die Stimmung und die Ansicht der großen Majorität unserer Organisation wiedergeben werde, wenn ich dem Dr. Pasmanik folgendes erkläre: Im Laufe von 10 Jahren sind mehrere Versuche gemacht worden, die Autorität unserer Organisation und ihre Kraft von außen und von innen zu untergraben. Aber unsere Organisation hat all diese Versuche vereitelt. Das gelang ihr, weil sie im ganzen, insbesondere ihre große Majorität, von dem Willen zum Leben und von dem Bewußtsein der Bedeutung dieses Lebens für das jüdische Volk durchdrungen ist. Die Organisation, die in der Geschichte der Diaspora nicht ihresgleichen hat, die durch unsern großen Führer und durch uns alle ins Leben gerufen worden ist, hat ihre treuen Verteidiger und Kämpfer. Wir haben sie verteidigt, und wir werden sie verteidigen, solange sie nicht in eine andere Organisation im freien Palästina umgewandelt werden wird. Die Autorität unserer Tribüne achten und schätzen wir, und nur von ihr und nicht von irgendeinem anderen Orte erwarten wir Parolen und Aufforderungen für unsere wirksamen Kräfte. Die Agitationen und Aufforderungen von der Art, wie Sie sie jetzt machen, schrecken uns nicht, trotzdem sie selbstverständlich schädlich sind; wir lesen und hören sie mit Ruhe. Aber Taten, die mit der Absieht gemacht werden, um unsere Organisation zu schädigen, werden wir nicht dulden. Mögen also die Herren Pasmanik wissen, daß sie für solche Taten von der Tribüne Rechenschaft abzugeben verpflichtet sein werden, deren Autorität sie mit einem solchen Leichtsinn untergraben. Ich glaube, daß die Aussaat der Zwistigkeiten und Streitigkeiten, die jetzt so unvorsichtig ausgestreut wird, auf unserm gesunden Boden keine Früchte treiben kann. Unsere Organisation wird das große Werk, das ihrer harrt, nicht in kleine Münzen umtauschen. Sie wird vom Kongreß eine Parole erwarten, und auf seine Aufforderung werden ihre Mitglieder Schulter an Schulter und mit gleichem Sinn zusammenarbeiten. Ich bin sicher, daß wir in den Reihen der ersten Arbeiter bei diesem großen Werk wie jederzeit unsern alten Genossen M. Ussischkin sehen werden. Ich glaube auch, daß er weniger als alles mit Dank derjenigen gedenken wird, die es für notwendig erachtet haben, in einer solchen Weise seine Ehre und die Interessen unserer allgemeinen Sache verteidigen zu müssen. Moskau, den 9. Mai 1909. Dr. Jechiel Tschlenow Bei der Jüdischen Kolonialbank in London sind eingegangen: Für den Bezalel: Per South African Zionist Federation Johannesburg, von Krugersdorp West Rand Lemaan Zion Association . . £ 6.15.9 Für die Misrachistische Mittelschule in Palästina: Sammelstelle des N. F. für Deutschland, durch Herrn Max Wollsteiner in Berlin.............Jt 10.80 Für die russisch=jüdischen Waisenkinder, nach Vorschlag Hugo Schachtel-Breslau: Per Sammelstelle des N. F. für Deutschland durch Max Wollsteiner in Berlin............... Jt 6.50