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Die Welt · 1909-05-25 · 22 (25.5.1909) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
22 (25.5.1909)
Date
1909-05-25
Page
– (sequence 20)
Language
German
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besitzt. Im Einzelnen ergeben sich folgende Zahlen: In Aden wohnen 3059 Juden, in Bombay 5357 bei einer Gesamtbevölkerung von 750000. In Kalkutta sind 1889 Juden ansässig, in ganz Zentralindien nur insgesamt 24. Die Zahl der Juden in Cochin beträgt 1137. In Ernakulam wohnen 412, der Handel dieser Stadt, dem Endpunkte der Cochin Steele Eisenbahn, ist hauptsächlich in den Händen der Konkanis und Juden. In Mettancheri sind 474 Juden ansässig. Der historisch interessanteste Teil dieser Stadt ist die sogenannte Judenstadt, die ausschließlich von weißen und „schwarzen" Juden bewohnt ist. Hier ließen sie sich nach ihrer Vertreibung aus Cranganur durch die Portugiesen im 16. Jahrhundert nieder. In den letzten Jahren haben sie an Zahl und Ansehen abgenommen. Sie besitzen drei alte Synagogen. Im Staate Mysor wohnen 34 Juden, im Bezirk Bombay 609, in Punjab sollen nur 36 wohnen. Im Staate Sind schätzt man ihre Zahl auf 428. Alle diese Zahlen beruhen auf der Volkszählung von 1901 (Jewish Chronicle). Von der Bagdadbahn Trotz der unklaren politischen Lage in Konstantinopel schreiten die Arbeiten für den Weiterbau der Bagdadbahn rüstig vorwärts. Die Strecke zwischen der bisherigen Endstation Burgulu am Westabhang des Taurus und der zilizischen Ebene ist fertig traciert Drei Ingenieurabteilungen führen östlich vom Gjaur-Dag und jenseits des Euphrat die Trassierungsarbeiten weiter fort. Die herrschenden Unruhen im Vilajet von Adana werden wohl eine Verzögerung im Ausbau der Linie zur Folge haben; das wird aber nicht hindern, daß die zuletzt konzessionierte Strecke bis in die Nähe von Mossul vertragsmäßig fertiggestellt werden wird. Türkische Gewerbeausstellurig In Brussa wird vom 10. Juli bis zum 30. September unter dem Protektorat Sultan Mehmed V. eine Provinzialausstellung stattfinden. Diese wird folgende Abteilungen umfassen: 1. Kunst, Erziehung und Unterricht. 2. Kunstgewerbe (Möbel, Porzellan, Teppiche, Stickerei, Stahlwaren, Goldschmiedekunst, Parfümerien, Lederwaren, Werkzeuge und Maschinen). 3. Minen- und Forsterzeugnisse; metallurgische Artikel. 4. Weberei (Baumwolle, Seide, Wolle, Leinen, Hanf). 5. Ackerbau. 6. Nahrungsmittelindustrie. Die Erträge aus der Ausstellung sollen der Entwicklung des Ackerbaues und der Lokalindustrien zugute kommen. Vom Aufschwung der türkischen Zeitschriften- Presse Der lebhafte Anstoß, den die politischen Ereignisse des vorigen Jahres dem Wachstum der türkischen Presse gegeben haben, ist auch in der Gegenwart noch nicht erschöpft; in überraschender Zahl sind vielmehr in der letzten Zeit neue Tagesblätter, ganz besonders aber auch Zeitschriften ins Leben getreten, die sich zum Teil, was Inhalt und Ausstattuns: anbetrifft, ganz ehrenhaft neben ihren westeuropäischen Schwestern sehen lassen können und allem Anschein nach mit einer längern Lebensdauer rechnen, als sie türkischen Zeitschriften im allgemeinen beschieden zu sein pflegt. An erster Stelle ist, wie wir der „Revue du Monde Musulman" entnehmen, unter diesen Zeitschriften Resimli Kitäb „Das illustrierte Buch" zu nennen, eine im vorigen Oktober zum erstenmal erschienene Monatsschrift, die offenbar den besten europäischen Vorbildern nachzustreben den Willen hat. Die erste Nummer enthält etwa 100 Seiten, dazu zählreiche Bildnisse, politische, literarische, wissenschaftliche Aufsätze usw. Vorzugsweise wissenschaftliche und literarische Gegenstände behandelt auch -Mou 'allim „Der Gelehrte", der alle Donnerstag sechzehnseitig in Quartformat erscheint und sich, wie schon der Titel andeutet, besonders gern mit Unterrichtsfragen befaßt; ähnlichen Zwecken, doch mit besonderer Pflege nationaler Gesinnung, will auch Muchhir „Der Lehrer" dienen, der alle Sonntage in gleichem Format erscheint und als Besonderheit die politische Karikatur, doch ohne scharf verletzende Spitze, pflegt. Auch an neuen Frauenzeitschriften hat es in der letzten Zeit nicht gefehlt; an erster Stelle ist hier Mehasen „Die Tugenden" oder „Die Schönheiten" zu nennen, die monatlich in der Stärke von etwa 86 Seiten erscheinen. Das Blatt beschränkt sich nicht auf Haushaltungs- und Modesachen, sondern zieht auch literarische und künstlerische Fragen in den Kreis seiner Erörterungen; es veranstaltet nach europäischem — besonders französisch-italienischem — Vorbild unter seinen Lesern Verlosungen, gewährt Prämien usw. Eine ausgesprochen fortschrittliche Richtung vertritt ferner die neue Frauenzeitschrift Demet „Der Blumenstrauß", die wöchentlich in der Stärke von 16 Seiten erscheint. Bezeichnend für die innere Umwandlung der Türkei ist auch, daß mehrere rechtswissenschaftliche Zeitschriften ins Leben traten, davon in neuester Zeit „Chü 'üe-i-Hukükiye" „Juristische Fragen", die zweimal in der Woche auf 8 Quartseiten erscheinen und hauptsächlich den Zweck verfolgen, Rechtskenntnisse in weitere Volkskreise zu tragen; ahnlichen Zwecken dient Istichare „Die Ratserholung", die wöchentlich in der Stärke von 48 Oktavseiten erscheint; beide Zeitschriften verfolgen übrigens nebenbei auch allgemein belehrende Zwecke, denen die erste durch eine eigene literarisch-wissenschaftliche Beilage Kubukhäne „Die Bibliothek" zu genügen sucht. Vorzugsweise religiöse und moralische Ziele verfolgt Mekiärim ul-Akhläk „Die edlen Taten", eine Wochenschrift in 8 Seiten Quartformat, die in gewissem Sinn mit unsern religiösen Familienblättern verglichen werden kann. Eine militärische Fachzeitschrift ist Efkiäri-i 'Askeriye „Militärische Gedanken", die alle Freitag 12 reich illustrierte Quartseiten bringt und außer den türkischen auch den ausländischen Heeres- und Marine-Fragen und -Vorgängen eine fortlaufende Berichterstattung widmet. Unter den mancherlei sonstigen Zeitschriften verwandter Art ist besonders noch Nedjät-i Millet „Volksgruß" hervorzuheben, der dadurch bemerkenswert ist, daß er eine Annäherung zwischen der Türkei und Armenien herbeizuführen sucht, zu welchem Zweck er jeden Freitag 8 Seiten türkischen und 16 Seiten armenischen Text bringt. Außerordentlich groß ist ferner die Zahl der satirischen Blätter, denen Oberlieferung und Neigung der türkischen Bevölkerung in hohem Maße entgegengekommen. Besonders erwähnenswert ist Hokkabäz „Der Taschenspieler", der zugleich mit türkischem, grichischem, armenischem und französischem Text erscheint und namentlich die Sünden der Beamtenschaft, des Absolutismus usw. mit scharfem Spott geißelt; ferner Nekreguioü „Der Plauderer", dessen Zeichnungen sich oft durch hohe künstleriche Treffsicherheit auszeichnen. Karnaval „Der Karneval" bringt außer Illustrationen gern amüsante Erzählungen, schließt aber im Gegensatz zu den meisten Blättern seiner Art solche, in denen bestimmte Personen gegeißelt werden, aus. Zu den seltenen Blättern mit farbigen Illustrationen gehört Papaghan „Der Papagei"; auch der berühmte Nasr ed-Din Khodja — eine Art türkischer Kladderadatsch — hat sich mit der Gewährung der Preßfreiheit wieder eingestellt und führt seine humoristischen Zwiegespräche weiter. Damit ist die Liste dieser Art Blätter aber keineswegs erschöpft; vielmehr ist gerade in Witzblättern offenbar geradezu eine Art Überproduktion in der türkischen Hauptstadt vorhanden, die denn auch dazu geführt hat, daß manche dieser Blätter nur in einer ersten und letzten Nummer vor die Öffentlichkeit treten konnten. (Nach: „Revue du Monde Musulman"). Aufruf für die Jüdische. Nationalbibliothek Der Verein „Judea" in Lemberg erläßt einen Aufruf für die Jüdische Nationalbibliothek, worin er auf den Beschluß des VI. Zionistenkongresses hinweist, wonach jeder zionistische Verein verpflichtet ist, der Nationalbibliothek in Jerusalem einen Beitrag von 8 Kronen abzuführen. Dieser Beschluß ist fast gar nicht zur Ausführung gelangt. Der Aufruf weist auf die Bedeutung der Jüdischen Nationalbibliothek hin und fordert zu kräftiger Unterstützung der Bibliothek auf. Spenden nimmt die Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Osterreich, Wien IX, Türkenstraße 9 entgegen. Verband der Deutschen Juden Am Montag den 17. Mai 1909 versammelte sich der große Ausschuß des Verbandes der Deutschen Juden in Berlin, um dem Verband wieder einen ersten Vorsitzenden zu wählen, nachdem die Stelle durch den Tod des Justizrats Lachmann verwaist geworden war. Die Wahl fiel auf Justizrat Horwitz in Berlin. Von den sonstigen Gegenständen der Tagesordnung ist zu erwähnen, daß die Liste der Vorträge für die am 17. Oktober 1909 in Breslau abzuhaltende dritte Hauptversammlung des Verbandes nunmehr festgestellt ist. Es sprechen: Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau, Justizrat Breslauer-Berlin, Justizrat Wo 1 ff-Lissa. Die Gemeinden und Verbände erhalten in nächster Zeit die Aufforderung zur Wahl ihrer Delegierten.

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