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Die Welt · 1909-05-25 · 22 (25.5.1909) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
22 (25.5.1909)
Date
1909-05-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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und' dem Ostafrikaangebot habe es sich um Verhandlungen mit Regierungen gehandelt und ganz bestimmte Offerten seien gemacht worden. Im Falle von Paläsiina seien Verhandlungen nicht angebracht, bevor nicht Arbeit daselbst geleistet worden wäre, weil an Palästina die ganze Welt Interesse nehme. Palästina nehme in dieser Hinsicht eine Sonderstellung ein. Wenn Zaiigvvili die Errichtung einer autonomen Siedelung in Mesopotamien will, sei er dagegen, weil es sich in diesem Falle um ein Konkurrenzprojekt zur zionistischen Bewegung handle. Mr. Greenberg schloß mit einer begeisterten Beschreibung der bereits geleisteten Arbeit. Seine Rede fand sehr großen Beifall. Order of Ancient Maccabaeans Der Order of Ancient Maccabaeans veranstaltete am Sonntag den 16. ds. Ms. in Liverpool eine große Versammlung, zu der mehr als 1500 Personen erschienen waren. Herr J. Moser führte den Vorsitz. Begrüßungsschreiben waren eingelaufen von den Herren David Wolffsohn, Professor Warburg u. a. Die Hauptrede hielt Herr Bentwich. Er bezog sich auf die erregte öffentliche Debatte, die in den letzten Wochen in England geführt und in der wieder viel die Rede von der Unvereinbarkeit der Bürgerpflichten mit der Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation war. Sodann erwähnte er die Streitigkeiten im englischen Zionismus. Der Order of Ancient Maccabaeans wolle keine feindliche Stellung gegen die Leiter der Federation einnehmen. Indessen beständen gewisse prinzipielle Qegeusätze, die nicht leicht überbrückt werden könnten. Es gehe nicht an, einen Zionismus des halben Herzens zu treiben. Die Zionisten dürften nicht für Zion und für irgendein Territorium kämpfen. Man müsse ungeteilt und mit aller Kraft nur für Palästina arbeiten. Es sprachen noch Rev. H. S. Lewis und Dr. Ch. Weitzmann. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, die den Urnschwung in der Türkei begrüßt und zu tatkräftiger Arbeit für den Zionismus auffordert. \ ooooooooo s^sr S7S= NACHRICHTEN süs o o oooooooj) -JJ l\ Deutschland Von der Toleranz der jüdischen Liberalen Wir haben schon mehrfach auf die eigentümliche Erscheinung hingewiesen, daß diejenigen, die in politischen und religiösen Dingen dem Judentum die unumschränkteste Freiheit predigen, ihrerseits überaus unduldsam sind, wo es sich um eine Beschränkung ihrer eignen Machtbefugnisse handelt. Wir berichteten jüngst von einem Fall in Karlsruhe, wo die vorgesetzte jüdische Behörde verlangt, da(3 ein orthodoxer Jude seine Kinder in den von ihr eingerichteten Religionsunterricht schickt, obgleich oder vielleicht weil der Vater sich bereit erklärte, für einen mindestens gleichwertigen Religionsunterricht seiner Kinder zu sorgen, da ihm der von der liberalen Seite eingerichtete offizielle Unterricht nicht genüge. Obgleich dieselbe Behörde mehrfach liberale Juden von der Pflicht befreit hat, ihre Kinder in diesen Religionsunterricht zu schicken, - wir wissen nicht, ob in diesen Fällen die Gewissensbedenken der jüdischen Behörde dadurch beseitigt wurden, daß die betr. Kinder vielleicht gar keinen Religionsunterricht erhalten, — bestand sie in dem vorliegenden Falle auf ihrem Schein und brachte die Sache bis vors Gericht. Nachdem die erste Instanz zu ihren Gunsten entschieden hat, ließ sie, wie uns unser S.-Berichterstatter aus Karlsruhe meldet, am Sonntag den 16. Mai das Kind des betreffenden orthodoxen Juden von einem Schutzmann unter dem Hailoh der Schuljugend in den Religionsunterricht transportieren. Zum IV. Jüdischen Turntag Die Vorbereitungen zu dieser interessanten, zu Pfingsten in Berlin stattfindenden Veranstaltung sind im vollen Gange, und es darf nach den bereits eingegangenen Zusagen der zahlreichen auswärtigen jüdischen Turnvereine auf eine imposante Anzahl von Turntagsteilnehmern gerechnet werden. Die Öffentlichkeit werden insbesondere die Turntagsverhandlungen, welche im Hotel de Hambourg, Heiligegeiststraße 1718, am Pfingst-Montagnach mittag stattfinden, vor allen Dingen aber das Pfingst-Sonntagnachmittag 5 Uhr im Feenpalast stattfindende Schauturnen interessieren. Es empfiehlt sich mit Rücksicht auf die zu erwartende große Zahl von Zuschauern, schon jetzt sich Eintrittskarten im Vorverkauf zu besorgen. Viel Beteiligung dürfte auch die Dampferfahrt nach Potsdam finden, welche am dritten Pfingsttag um 9l/2 Uhr an der Weidendammer Brücke beginnt. Auch die Spiele und die volkstümlichen Übungen, welche am Pfingstmontag auf dem Spielplatz des Jüdischen Turnvereins Bar-Kochba im Grunewald, Franzensbader Garten (Hubertus, 10 Minuten vom Bahnhof Hallensee) abgehalten werden, verdienen einen regen Besuch. Diejenigen, welche den Wunsch haben, möglichst an allen Veranstaltungen des Turntags teilzunehmen — und wir können für die Pfingsttage uns keine angenehmere und anregendere Beschäftigung vorstellen, als die Beteiligung an diesen Veranstaltungen — werden gut tun, sich rechtzeitig Teilnehmerhefte, die zum Besuch aller dieser Veranstaltungen berechtigen und in der Buchhandlung von Louis Lamm, Neue Friedrichstraße 61/63 sowie in den großen Filialen der Zigarrenfirmen Carl Martienzen im Vorverkauf zu haben sind, zu besorgen. Kroatien-Slavonien Kroatisch=Slavonischer Genieindeverband Wie in Deutschland und Österreich, sind auch in Kroatien- Slavonien Bestrebungen auf Schaffung eines Gemeindeverbandes, einer Organisierung sämtlicher Juden des Landes im Gange. Zehn Jahre rastloser Tätigkeit hat unser Gesinnungsgenosse Dr. Hugo Spitzer-Essek, Mitglied des Großen A.-C, auf die Propagierung dieser Idee verwandt, und es ist ihm bereits im Juni v. Js. gelungen, die Kultusgerneinden im Prinzip auf den Beschluß der Schaffung einer Gemeindeorganisation zu einigen. Aber erst im April d. Js. wurde die Konstituierung des Verbandes vorgenommen und ein provisorischer Zentralausschuß gewählt, der die Statuten endgültig redigieren und der Regierung zur Genehmigung vorlegen wird. Die definitive Konstituierung des Gemeindebundes erfolgte in einer am f8. und 19. April in Agram stattgehabten Konferenz der Vorsteher und Rabbiner der kroatisch-slavonischen israelitischen Kultusgemeinde. Der Gemeindebund oder der Verband der kroatisch-slavonischen jüdischen Kultusgemeinden ist als Zentralstelle der gesamten Judenheit Kroatiens und Slavoniens gedacht und hat sowohl ihre Gesamtals auch die besonderen Interessen der einzelnen Kultusgemeinden zu fördern und zu vertreten. Der Verband wird bestrebt sein — und nach Erreichung dieses seines Zieles wird erst seine wirkliche Aufgabe zutage treten — von Seiten der hohen Landesregierung als Zentralorgan und einzige autoritative Repräsentanz aller jüdischen Kultusgemeinden des Landes anerkannt zu werden. Dem Verbände soll die Pflicht obliegen und das Recht zustehen, einzig und allein den amtlichen Verkehr zwischen der Landesregierung und den einzelnen Kultusgemeinden zu vermitteln, seine Aufgabe soll es sein, Gutachten über sämtliche das kroatisch-slavonische Judentum betreffenden Gesetzentwürfe, Verordnungen und Erlasse der Behörden abzugehen, Anträge zu stellen und sowohl einzelne jüdische Genieinden als auch einzelne Juden vor den Verwaltungsbehörden in allen aus der Zugehörigkeit des Betreffenden zum Judentume oder zu einer jüdischen Gemeinde hervorgehenden Fällen zu vertreten. Wenn die Juden Kroatiens und Slavoniens die Wichtigkeit und die richtige Bedeutung des -soeben definitiv gegründeten Verbandes auffassen und ihm in Erkenntnis derselben auch die nötige Wertschätzung entgegenbringen, dann wird der Verband auch von den Nichtjuden als die würdige, achtunggebietende Vertretung der kroatisch-slavonischen Judenschaft betrachtet werden, dessen Stimme bei allen das Judentum betreffenden Angelegenheiten wird angehört werden müssen. Wir begrüßen daher auf das freudigste die Gründung dieses Verbandes als eine Etappe auf dem Wege zur Anerkennung der Gleichwertigkeit und damit zur faktischen Gleichberechtigung der Juden! Bukowina Ehrung Dr. Strauchers Czernowitz: Auf Antrag des Bürgermeisters Baron Fürth wurde der Reichsratsabgeordnete unserer Stadt, Dr. Straucher, in der letzten Gemeinderatssitzung zum Ehrenbürger ernannt.

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