Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 22 (25.5.1909)
- Date
- 1909-05-25
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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materiellen Mittel der Gruppe eine oder mehrere Personen aus ihrer Mitte nach Palästina zu entsenden. Diese Delegierten werden dort von Seiten der Vorsteher des Palästinaamts der Anglo-Palästinabank, der „Geula", des Informationsbureaus und unserer andern Institutionen bereitwillige Unterstützung finden. Dort werden sie alle nötigen Anweisungen bekommen und auf diese Weise den gegenwärtig uns zur Verfügung stehenden reichen Erfahrungsschatz auf dem Gebiete der Palästinakolonisation sich zunutze machen können. Eine besonders tatkräftige und wohlwollende Unterstützung wird den sich bildenden Kolonisationsgruppen sowohl hier in Rußland, als auch dort in Palästina, seitens der Institutionen und Vorsteher des Odessaer Palästinakomitees zuteil werden, welches auf der unlängst stattgehabten Generalversammlung diesbezügliche Vollmachten erhalten hat. Die erste auf der erwähnten Generalversammlung zur Annahme gelangte. Resolution lautet, wie folgt: „In Anbetracht des in letzter Zeit zutage tretenden Strebens einzelner Personen und Gruppen, in Palästina Grund und Boden zu erwerben, beauftragt die Generalversammlung das Komitee, sich mit derVereinheitlichungderTätigkeit derselben zu befassen und mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zum Vollziehen der Ankäufe selbst beizutragen." IV. Einen neuen Impuls wird die Kolonisation Palästinas erhalten, wenn es in nächster Zeit gelingen wird, eine Agrarbank zu gründen, welche die Aufgabe haben würde, auf Land- und Häuserhypotheken langsam zu amortisierende Darlehen zu geben. Mit diesem wichtigen Problem befassen' sich in letzter Zeit alle ernsten Führer unserer Bewegung. Die vom 2. bis 4. März dieses Jahres in Köln stattgehabte Konferenz der Mitglieder des Großen Aktionskomitees hat diesbezüglich folgenden prinzipiellen Beschluß gefaßt: „In Anbetracht der großen Bedeutung der bevorstehenden Änderung der türkischen Rechtsverhältnisse, in Anbetracht ferner der Erfordernisse unserer Bewegung und der jetzigen Strömungen in weiten Kreisen erachtet das Große Aktionskomitee den Zeitpunkt für gekommen, an die Gründung eines großangelegten Instituts für Agrarkredit in Palästina zu schreiten und beschließt, unverzüglich mit aller Energie an die Vorbereitungsarb eiteji für diesen Zweck zu gehen." Das Große Aktionskomitee beschließt ferner, eine Kommission einzusetzen, die die Aufgabe haben soll: 1. Die Frage der Gründung einer Agrarbank vom juristischen, wirtschaftlichen und finanziellen Standpunkt zu untersuchen und der nächsten Sitzung einen detaillierten Bericht vorzulegen. 2. Die Frage einer diesem Zwecke dienenden Subskription mit dem E. A. C. und der Bank zu erörtern und einen Bericht darüber vorzulegen." Als Mitglieder dieser Kommission wurden zehn Herren gewählt. Jeder Zionist muß sich jetzt darüber klar sein, daß für unsere Arbeit eine ihrer wichtigsten Phasen begonnen hat. Jeder ungenützt verstrichene Tag erscheint nunmehr als unersetzlicher Verlust für unsere Arbeit in Palästina. Jedermann ist verpflichtet, sein Schicksal unmittelbar oder mittelbar mit dem einen oder andernZweige unserer Arbeit in Palästina oder wenigstens derjenigen für Palästina zu verknüpfen. Jedermann muß sich dessen bewußt werden und dieses Bewußtsein dem Kreise seiner Nächsten einflößen, daß der Erfolg unserer Tätigkeit ausschließlich von unserer Energie, von unserer hingebenden, zielbewußten Arbeit an der Konzentration unserer materiellen, physischen und geistigen Kräfte in Palästina abhängig sei. Alle Anfragen betreffs Organisation von Kolonisationsgruppen sind an eine der nachstehenden Adressen zu richten: 1. An das Komitee der Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina, Odessa, Awtschinikorskigasse Nr. 12. 2. An die Gesellschaft „Geula", Odessa, Richelieustraße 48. 3. An Herrn B. A.Goldberg, Wilna, Alexander-Boulevard Nr. 18. Das Zentralkomitee der zionistischen Organisation. Amerika Die Federation of American Zionists ist schon eifrig mit den Vorbereitungen für ihre zwölfte Jahreskonferenz beschäftigt, die bekanntlich vom 12. bis 15. Juni in New York stattfinden wird. Die Konferenz wird mit einer Massenversammlung eröffnet werden, für die bereits zahlreiche namhafte Redner ihre Mitwirkung zugesagt haben. Eine besondere Bedeutung erhält die diesjährige Konferenz dadurch, daß auf ihr Erziehungsfragen in ausgiebigster Form behandelt werden sollen. Voraussichtlich wird die Konferenz sehr gut besucht sein, insbesondere werden zahlreiche Delegierte aus den Staaten New Jersey, Pennsylvania und den Neu-England-Staaten erwartet. Der Zionist Council des Staates Connecticut hat für Sonntag den 30. ds. eine Distriktskonferenz in Waterbury angesetzt. Unter anderm werden folgende Fragen behandelt werden: Die Wirkung der gegenwärtigen Lage in der Türkei auf den Zionismus; Stellungnahme zur Jahreskonferenz der Federation of American Zionists; Reorganisation der Federation. Am 2. Mai fand in Boston eine große Massenversammlung in der Synagoge des Rabbi Phineas Israeli statt. Unter andern sprachen die Herren Samuel Straus, Ehrenvizepräsident der Federation und der Sekretär der Federation. Die Versammlung verlief sehr enthusiastisch und stellte alle bisherigen zionistischen Versammlungen in Boston in den Schatten. Im verflossenen Monat sind große Anstrengungen auf dem Gebiete der Gründung von Jugendzirkeln gemacht worden. In verschiedenen Teilen New Yorks sind nicht weniger als neun neue Jugendzirkel gebildet worden. Damit erreicht die Zahl der in New York bestehenden zionistischen Jugendvereine die Anzahl von dreißig. Die Leiter dieser Jugendvereine haben sich neuerdings zu einem besondern Verbände zusammengeschlossen. Gegenwärtig sind sie mit den Vorbereitungen für die Veranstaltungen beschäftigt, die anläßlich der Jahreskonferenz der Federation von den Jugendvereinen veranstaltet werden sollen. Auch in Philadelphia wächst die Zahl dieser Zirkel sehr schnell. Zurzeit zählt man dort 25 dieser Zirkel. England Eine zionistische Massenversammlung Am Montagabend veranstaltete der Verein AhawathZion in London eine glänzende Massenversammlung als Demonstration für den Schekel im Jewish Working Men's Club in Whitechapel. Zahlreiche Begrüßungsschreiben waren eingelaufen, u. a. von Präsident Wolffsohn, Dr. Max Nordau, Dr. Charles Dreyfus, Präsident der englischen Federation, Sir Francis Montefiore. Die Veranstaltung erlangte besondere Bedeutung durch den Umstand, daß den Vorsitz ein jüdisches Parlamentsmitglied, Mr. Bertram Straus, führte. Noch bemerkenswerter war vielleicht der Umstand, daß Mr. Straus es nicht für nötig fand, Erklärungen über seine Beteiligung an dieser Versammlung zu geben, außer daß er sich auf die Einladung seines Freundes Greenberg berief, und daß er vom Zionismus als von „unserer" Bewegung sprach, so als ob er schon seit Jahren an der zionistischen Sache mitgearbeitet hätte. Mr. Straus erwähnte das Mesopotamienobjekt; wenn auch sehr viel Geld auf die Aufschließung dieses Landes verwandt werden würde, v/ürden doch die der Ansiedelung entgegenstehenden Schwierigkeiten nicht leichter und billiger zu überwinden sein als in Palästina, nur daß die Juden diesem Lande von Herzen zugetan seien und dort alle Energie daransetzen würden, um ihr Ziel zu erlangen. Mr. Straus, der einer der Vertreter von Ostlondon im Unterhaus ist, fand stürmischen Beifall. Herr Josef Co wen brachte eine Resolution ein, die den Führern der Bewegung im allgemeinen und dem Vorstande der English Zionist Federation im besondern Vertrauen ausdrückt und die Notwendigkeit der Schekelzahlung betont. Er sagte, es sei nicht genug, Reden zu halten oder Beifall zu klatschen, denn wahrer Zionist sei der, der den Schekel zahle und sich bei allen zionistischen Unternehmungen beteilige. Herr Israel Cohen betonte die Bedeutung des nächsten Kongresses und forderte auf, euie Rekordziffer in der Schekelsammlung aufzustellen, damit der Kongreß auch in der Zahl der Delegierten ein Rekordkongreß würde. Herr L. J. Greenberg erwähnte die neuerliche Tätigkeit des Vereins of Ancient Maccabaeans. Er sei erfreut, die Rührigkeit des Vereins in der Schekelabrechnung zu sehen. Wenn aber der Verein beabsichtige, eine zweite Federation in diesem Land zu bilden, leiste er der guten Sache einen schlechten Dienst. Sodami ging der Redner auf die jüngste Rede Zangwills ein, in der dieser das Mesopotamienprojekt vorbrachte. Wenn Zangwill die Absicht gehabt habe, die Zionisten von der Mitarbeit an diesem Plan auszuschließen, so habe er allerdings alles getan, um eine solche Absicht zu verwirklichen. Das Mesopotamienprojekt sei zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Formen bereits wiederholt aufgetaucht. Wenn Herr Zangwill sich so eilig zeige, es aufzunehmen, so beweise er damit, daß es ihm mehr darauf ankomme, das Gesicht der Ito zu retten, denn das jüdische Volk zu erlösen. Nach der Ansicht des Redners sei es richtiger gewesen, wenn Zangwill die verschiedenen Organisationen zur Mitarbeit aufgefordert hätte, ehe er das Projekt der Öffentlichkeit übergab. Aber wo sei das Projekt? Was seien die Einzelheiten? Bei dem Elarischprojeld