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Die Welt · 1909-05-25 · 22 (25.5.1909) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
22 (25.5.1909)
Date
1909-05-25
Page
– (sequence 16)
Language
German
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DJE3§EELT No. 22 Willen und besserm Verständnis für planmäßige Arbeit an der Verwandlung Palästinas in ein jüdisches Land und an der allmählichen Sammlung der zum Vorherrschen des Jüdischen führenden ökonomischen und kulturellen Kraft bedeutend erfolgreicher arbeiten können. Um so größer sind die Möglichkeiten, die sich für die erfolgreiche kolonisatorische Arbeit in Palästina jetzt, mit der Einführung der konstitutionellen Ordnung, geöffnet haben. Die neuesten Vorgänge in Palästina, z. B. die ersten politischen Wahlen, haben unsere ganze Schwäche, die ihre Ursache hauptsächlich darin hat, daß wir die Minorität im Lande sind, zur Genüge dargetan. Jetzt sieht es jedermann wohl schon ein, daß es für <lie Schaffung eines Mittelpunkts des jüdischen Lebens in Palästina erforderlich ist, daß das jüdische Element auf allen Gebieten numerisch bedeutend verstärkt werde, ein großer Teil des palästinensischen Grundbesitzes in jüdische Hände und die Exploitation der natürlichen Reichtümer des palästinensischen Bodens in die der jüdischen Arbeiter übergehe, und daß wir das numerische Übergewicht sowohl auf dem Lande wie auch in der Stadt, wodurch die Teilnahme an munizipalem Leben der Stadt- und Dorfgemeinden in der Türkei bedingt ist, erhalten. Im gegenwärtigen Augenblick wird dank der Staatsumwälzung in der Türkei eine Rechtsordnung geschaffen, die einer solchen in andern Kulturländern in nichts nachsteht und von derselben zu ihrem Vorteil sich dadurch unterscheidet, daß in der Türkei die jüdische Gleichb erechtigung, die Gleichwertigkeit der jüdischen Interessen nicht bloß auf dem Papier anerkannt, sondern als unumstößliches Prinzip in der Praxis tatsächlich durchgeführt ist. Die juridischen Scherereien, die ein so großes Hindernis für die kolonisatorische Tätigkeit der türkischen Untertanen (und selbstverständlich auch der Juden) gebildet haben, beginnen nunmehr zu verschwinden. Nun kann mit vollem Fug und Recht behauptet werden, daß der Erfolg der Kolonisationstätigkeit in Palästina, der Erfolg der ökonomischen, kulturellen und politischen Eroberung des Landes vollständig in unsere Hände gelegt und nur von unserer Aktivität abhängig sei. Von nun an wird man unsere mehr denn schwache Tätigkeit durch keinen Hinweis auf Schwierigkeit juridischer Natur mehr entschuldigen können. Unter dem Ausdruck „wir" verstehen wir nicht bloß die Zionisten, sondern all diejenigen Juden, die sich als Glieder der jüdischen Nation fühlen und die nationale Wiedergeburt ihres Volks herbeiwünschen. Die Schaffung eines jüdischen Zentrums in Palästina hat aufgehört, die Sache einer Partei zu sein; sie wird jetzt die Aufgabe der ganzen Judenheit. Und wenn das jüdische Volk durch seine nahezu zweitausendjährige Heimatlosigkeit nicht in so hohem Maße in nationaler Minsicht degeneriert wäre und sich auch nur die natürlichen Lebensfunktionen einer unterdrückten Nation bewahrt hätte, so hätten sich alle Klassen, Parteien und Gruppen desselben mit dem ganzen ihnen zur Verfügung stehenden Vorrat an materiellen und kulturellen Kräften, die das Judentum trotz allem auch jetzt noch besitzt, daran gemacht, den gegenwärtigen im höchsten Grade günstigen Moment sich zunutzen zu machen. Erfreulicherweise machen sich die Anzeichen einer anbrechenden Besserung und des beginnenden Verständnisses unserer nationalen Aufgaben bei uns sowie bei der westeuropäischen und amerikanischen Judenheit bereits bemerkbar. Die zionistische Organisation, die vom Anbeginn ihrer Existenz dieses nationale Bewußtsein geweckt hat, indem sie unaufhörlich auf die gemeinsamen nationalen Bedürfnisse aller Volksklassen hingewiesen und zu wiederholen nicht müde geworden ist, daß die Schaffung eines jüdischen Zentrums in Palästina das einzige radikale Mittel sei, die Grundlagen der Judenfrage in der ganzen Welt und die Existenzbedingungen der Juden aller Länder gründlich zu verändern; — diese Organisation ist nun verpflichtet, allen andern in diesen Bestrebungen voranzugehen und allen zur gemeinsamen nationalen Arbeit erwachenden Elementen der Judenheit den Weg zu bahnen. Wir organisierten Zionisten müssen bei der praktischen Arbeit in Palästina die Ersten sein. Wir müssen allen zeigen, daß die Kolonisation Palästinas und die Konzentration der jüdischen Kräfte daselbst für uns keine bloße Parteidoktrin sei, sondern eine wirkliche Lebensfrage, die Frage unseres eignen persönlichen Lebens ausmache. Durch ihr persön lic lies Interessiertsein an der palästinensischen Kolonisation müssen die aktiven Zionisten allen denjenigen, die sich für Palästina interessieren, ein Beispiel geben. Im Laufe des letzten Jahrzehnts sind in Palästina Organe und Institutionen entstanden, die die Niederlassung daselbst bedeutend erleichtern. Es funktioniert daselbst eine Bank, der man in der Zeit der Überfahrt und der ersten Einrichtung seine Kapitalien ruhig anvertrauen kann. Es existiert die „Geula", durch deren Vermittlung man Grund und Boden erwerben kann, ohne Gefahr zu laufen, unreellen Maklern und Vermittlern in die Hände zu fallen. Es existieren dort ferner gute Schulen für die heranwachsende Jugend, es gibt ein Informationsbureau, das gewissenhaft Auskünfte erteilt, und — last notleast — es existieren Arbeiterorganisationen, die die Verteilung der Arbeitskräfte im Lande regulieren und die Interessen der Arbeiter wahrnehmen. Was aber die Hauptsache ist: es ist im Laufe der Zeit eine kolossale.Erfahrung auf fast allen Gebieten der Landwirtschaft und der Industrie gesammelt worden. Wer sich jetzt in Palästina niederlassen will, braucht nicht mehr ein Pionier zu sein, es gibt bereits ausgetretene Wege für viele Wirtschaftszweige, so daß die Anpassung an die Ortsverhältnisse jetzt unvergleichlich leichter geworden ist. Natürlich ist es äußerst schwer, dem einzelnen bestimmte Anweisungen zu geben, wie er sich an die palästinensischen Verhältnisse anzupassen hat; das muß jeder auf eignes Risiko hin tun. Wir können im folgenden bloß einige Fingerzeige von allgemeiner Bedeutung geben: I. Menschen, die über ein bedeutenderes Kapital (von 10 000 Rbl. und darüber) verfügen, sind ein erwünschtes Inimigrationselement, falls sie außer ihrem Kapital auch ihre Arbeits- und Unternehmungslust mitbringen. Mit solchen Mitteln kann man sich mit Plantation oder Landwirtschaft beschäftigen oder Handel und Fabrikation im Kleinen betreiben. Der Erfolg ist natürlich von der persönlichen Tüchtigkeit und Energie des Unternehmers abhängig. Um ohne persönliche Beteiligung an irgendwelcher Arbeit ausschließlich von den Revenuen seines Kapitals als Rentier zu leben, gehören dort, wie auch hier, selbstredend viel bedeutendere Kapitalien. II. Wer sich in Palästina der Landwirtschaft widmen will, dem ist zu raten, Landparzellen von nicht weniger als 200 Dunam (II3 4 Dunam 1 Dessiatin) zu erwerben. Eine solche Parzelle kommt, wenn sie nicht in der Nähe von Jaffa oder der Kolonien des Jaffaer Kreises gelegen ist, auf ungefähr 2000—2500 Rbl. zu stehen. Infolge eines mit der Gesellschaft „Geula" in Odessa getroffenen Abkommens übernimmt dieselbe den Ankauf von solchen Parzellen für einzelne Teilhaber oder für ganze Gruppen zu folgenden Bedingungen: a) Jeder Teilnehmer schickt gleichzeitig mit seiner Erklärung, daß er eine oder mehrere Parzellen zu erwerben wünscht, ein Aufgeld im Betrage von 500 Rbl. für jede Parzelle; b) Den Rest des Geldes, das das Grundstück kostet, hat jeder Teilhaber im Laufe eines halben Jahres zu entrichten; c) Im Falle der Teilhaber sogleich nach Palästina übersiedelt, erhält er von der „Geula" eine gesonderte Parzelle nebst den Dokumenten, die ihm den Besitz des erworbenen sichern; d) Falls der Eigentümer aber nicht sogleich übersiedeln will oder kann, übernimmt die „Geula" die Aufsicht über das erworbene Grundstück, dessen Verpachtung oder gesonderte Bewirtschaftung; letzteres jedoch nur im Falle des Ackerbaubetriebs; e) Die Einkünfte der verwalteten Parzelle werden nach Abzug der auf dieselbe entfallenden Staats- und Gemeindesteuern und nach Deckung der Verwaltungskosten einmal jährlich dem Eigentümer ausgezahlt; f) Bei einer genügenden Anzahl von Teilhabern wird an die Gründung einer Kolonie und die Errichtung der notwendigen Gemeindebauten und öffentlichen Einrichtungen (Synagoge, Brunnen usw.) herangetreten werden, wobei die erforderlichen Anforderungen auf aile Teilhaber nach Maßgabe der Größe ihrer Parzellen entfallen; g) Falls aber eine Gruppe von Teilhabern es wünschen sollte, den angekauften Grund und Boden außer zum Ackerbau auch zur Plantation zu verwenden, so muß die Gruppe diese Arbeit einer aus ihrer Mitte gewählten oder bevollmächtigten Person, die ihr Zutrauen besitzt, auftragen. Diese Person wird diese Arbeit für Rechnung und Gefahr der Gruppe ausführen; dabei wird jedoch der Gruppe von seiten der „Geula" jeder nur mögliche Vorschub durch Informationen, Anweisungen und Ratschläge aller Art geleistet werden; auf Wunsch wird die „Geula" auch die Geschäftsführung der Bevollmächtigten kontroll ieren. (Adresse der „Geula": Gesellschaft „Geula", Odessa). III. Das unbestreitbar vorhandene und weitgehende nationalgesinnte Schichten des Judentums ergreifende Streben zur An- Siedlung in Palästina muß ermuntert werden. Es ist dafür zu sorgen, daß dasselbe in der Form der Bildung von Kolonisationsgruppen aus den Einwohnern derselben Stadt oder eines bestimmt umgrenzten Rayons nach dem Vorbilde der Gruppe „Menucho- Wenachlo", die die jetzt blühende Kolonie Rechoboth gegründet hat, eine reale Gestalt annehme. Einer solchen Gruppe ist es zu empfehlen, die einfließenden Gelder in der Anglo-Palästinabank in Jaffa zu sammeln und zum Behufe der Ausarbeitung eines Planes zur Gründung einer Kolonie, sowie zum Zwecke der Ausführung dieses Planes unter Berücksichtigung der

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