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Die Welt · 1909-05-25 · 22 (25.5.1909) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
22 (25.5.1909)
Date
1909-05-25
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Deutschland Palästinareisen Die Palästinakommission der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Charlotienburg, Bleibtreustr. 49, ersucht uns um Aufnahme der-folgenden Mitteilung: Es ist uns gelungen, mit der Leitung des Österreichischen Lloyd ganz bedeutende Ermäßigungen für Reisen von Triest nach Ägypten und Palästina zu vereinbaren. Bei schriftlichem Antrage sind wir in der Lage, unsern Gesinnungsgenossen einen Nachlaß von 30 °/o für Fahrten in der 3. Klasse der Syrischen Linie und in der 4. Klasse der Eillinie, von 25 (>/<> in der 3. Klasse und in der 2. Klasse der Syrischen Linie zu vermitteln. Wir hoffen, daß unsere Freunde von dieser außerordentlich günstigen Gelegenheit, eine Palästinareise zu unternehmen, recht ausgiebigen Gebrauch machen werden, um so mehr, da grade neuerdings erfreuerlicherweise die Palästinafahrten in unsern Kreisen mehr und mehr in Aufnahme zu kommen scheinen. Hamburg: Am 4. Mai hielt die zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona im großen Saale des Logenheims ihre Schekeltagsversammlung ab, zu der Herr Dr. Heinrich Löwe-Berlin das Referat übernommen hatte. Er sprach über die „Rückkehr zum Judentum" und führte aus, daß sich auf allen Gebieten eine Abkehr vom Judentum zeige. Der Referent wies insbesondere in eingehender Darlegung nach, daß die Taufe die schwerste Schädigung des Judentums sei. Dieser Abkehr gegenüber bedeute der Zionismus die „Rückkehr zum Judentum". Am Schluß seiner trefflichen Ausführungen, die den lebhaften Beifall der sehr zahlreichen Zuhörer fanden, forderte der Redner auf, die Zugehörigkeit zum Zionismus durch Entrichtung des Schekels zu dokumentieren. In der Diskussion übte Herr Deutschländer, der selbst Vorstandsmitglied der HamburgerOrtsgruppe des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ist, Kritik an dem Verhalten des Zentralvereins in der Affäre Mugdan, und wandte sich besonders gegen die Haltung des Herrn Justizrats Levinsohn in dieser Angelegenheit. Nach dem Schlußwort des Referenten, in dem er sich nochmals besonders gegen diejenigen wandte, die ihre Kinder taufen ließen, selbst aber zu feige seien, sich selbst auch taufen zu lassen, schloß die Versammlung, durch die 21 neue Schekelzahler gewonnen wurden. Am Sonnabend, 8. Mai, veranstaltete die Ortsgruppe einen Jargonabend der Deutsch-Amerikanischen Kabarettruppe „Wassermann" im großen Saale des Logenheims. Nach Schluß der Vorträge vereinigten sich die außerordentlich zahlreich Erschienenen zu einem geselligen Beisammensein, in dessen Verlauf eine Verlosung von Büchern des Jüdischen Verlags stattfand. Der gute Erfolg dieser Verlosung dürfte es empfehlen, auch in andern Ortsgruppen bei ähnlichen Veranstaltungen den Versuch zu machen, auf diese Weise die Schriften des Jüdischen Verlags einem größern Publikum zugänglich zu machen. Österreich Schekelversammlung Samstag den 15. d. M., fand im großen Saal des „Hotel Polonia" Wien, eine sehr gut besuchte Versammlung der Poale- Zion statt, die der Schekelagitation galt. Herr Kohnberger sprach über den „Jungtürkischen Sieg und die jüdischen Sozialisten". Die türkische Revolution sei der Beginn der Befreiung Asiens von der wirtschaftlichen und politischen Bevormundung Europas. Die Türkei und die unterdrückten Völker Asiens entfalten sich zur Eigenproduktion und politischen Souveränität. Damit wird die Kolonialherrschaft der Großmächte bedroht. Für die Juden aber, die keinen Warenabsatz sondern Kolonisationsmöglichkeit suchen, bedeutet der Sieg der Jungtürken die Beseitigung politischer Hindernisse. Redner setzte ferner die Notwendigkeit der Territorialzionistischen Lösung der Judenfrage auseinander und die Forderungen der jüdischen Sozialisten an den Zionistenkongreß. Der sehr beifällig aufgenommenen Rede folgte eine recht bewegte Diskussion. Es zeigte sich auch bei dieser Gelegenheit, daß derartige öffentliche Schekelversammlungen wohl geeignet sind, die Diskussion über den Zionismus und die Judenfragen neu zu entfachen und dem zionistischen Gedanken neue Freunde zuzuführen. Die Poale-Zion beabsichtigen, auch in andern Bezirken allgemein zugängliche Schekelversammlungen zuveranstalten. Seietin: Unter sehr großen Schwierigkeiten gelang es den eifrigen Bemühungen des seit kurzer Zeit hier weilenden Gesinnungsgenossen Samuel Mehler, einen Zionverein ins Leben zu rufen. Bei der am 1. Mai stattgefundenen Plenarversammlung wurden Folgende Herren in den Ausschuß gewählt: Herr Adv. Dr. Maier Sehler, Obmann; Herr Chaim Schärf, Vizeobmann; Herr J. U. C. Samuel Mehler, .Schriftführer; Herr Wilhelm Roll, Kassier; Herr Joel Grünberg, Ökonom; Herr Salomon Dauber, Zeitungsverweser; Herr Adv. Dr. Leon Jampoler und Herr Chaim Salpeter. Am 15. d. M. fand im Vereinslokale eine öffentliche Volksversammlung statt, bei weicher Herr J. U. C. Samuel Mehler einen Vortrag über „Die Entwicklung des Zionismus" hielt. Großer Beifall lohnte die eineinhalbstündigen Ausführungen des Redners. Trautenau: Der zionistische Volksverein „Theodor Herzl" veranstaltete Samstag den 8. Mai 1. J. im Saale der Turnhalle einen Vortragsabend mit anschließender Akademie. — Herr phil. Heinrich Wittmann von der Prager Barissia leitete den Abend mit einem Palästinareferate ein. — Am Schlüsse seiner Rede forderte er zur eifrigen Mitarbeit und Unterstützung der zionistischen Finanzinstrumente auf. — Die klaren und sachlichen Ausführungen wurden allseits beifällig aufgenommen. — Hernach betrat Frau Hedwig Nettl die Bühne und sang mit ihrer ausgezeichneten, geschulten und überaus sympathischen Stimme einige Lieder, die wahre Beifallsstürme hervorriefen. Herr Opernsänger Egon Fuchs aus Prag glänzte als tüchtiger Baritonist. — An diesen musikalischen Teil des Abends schlössen sich Rezitationen des Frl. Milly Fränkel qnd des Herrn phil. Heinrich Wittmann, die von dem dankbaren Publikum mit lebhafter Zustimmung aufgenommen wurden. Ungarn Am 1. Mai übersiedelten die zionistischen Vereine Budapests in ihre neuen Lokalitäten Arany-Jänos ütca 33 und am 15. fand die festliche Einweihung dieses neuen Zionistenheims statt. Die Eröffnungsrede hielt der Präsident des L. C. Dr. Bela Österreicher und verwies auf den Aufschwung, den die Budapester Organisation in wenigen Jahren trotz zahlreicher Hindernisse genommen hat, und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die bewährten Vereine: Maccabaea, Theodor Herzl, Judea, Ivria, Deborah, Akibah und Fecht- und Athletic-Ciub auch im neuen Heim zur Entwicklung und Ausbreitung unserer Bewegung dienen mögen. Die inhaltvolle Festrede hielt Gg. Ludwig Bato und zum Schluß sprach Adv. Dr. Leopold Ostern. Ingenieur Armin Beregi trug in meisterhafter Art den Jüdischen Mai von Rosenfeld vor, und Frl. Gaszar Szera, begleitet vom Klavierkünstler Adoujan Oetvös, entzückte mit ihrem Gesänge die überaus zahlreiche-Festversammlung. Um die Veranstaltung des Festes, das in gehobenster Stimmung verlief, hat sich besonders der Mädchenverein Deborah verdient gemacht. Am 13. Mai fand in Temesvär die Konstituierung des Josefstädter Zionistenvereins statt, nachdem kurz vorher bereits in der Fabrikstadt sich der erste Temesvärer Zionistenvereiu gegründet hatte. Zum Präsidenten des neuen Vereins wurde Gg. Michael Schattelesz, der Präsident der Temesvärer Kultusgemeinde gewählt, zu Vizepräsidenten Architekt Arnold Merbl und der Organisator des Temesvärer Bewegung, Vermes Ernö. Die beiden Vereine zählen bereits über 500 Mitglieder, darunter sämtliche leitende Kreise der Temesvärer Judenheit. Es ist zu hoffen, daß Temesvär in kurzem das Zentrum der zionistischen Bewegung in Südungarn sein wird, wie es bereits Kaschau in Oberungarn ist. Für die diesjährige Landeskonferenz gibt sich bei unsern Gesinnungsgenossen ein überaus reges Interesse kund. Aus allen Teilen des Landes, selbst den entlegensten Winkeln Siebenburgens, sind Delegierte gemeldet; die Konferenz verspricht sich zu einer imposanten Demonstration unserer Kraftentfaltung zu gestalten. Rußland Das Zentralkomitee der zionistischen Organisation für Rußland hat folgendes bemerkenswerte Zirkular erlassen: Eine neue Epoche, die die Geschichte unserer Bewegung ihresgleichen nicht aufzuweisen hat, hat für unsere Arbeit in Palästina begonnen. Mit der Änderung der politischen Verhältnisse in der Türkei fallen die Haupthindernisse und Schwierigkeiten, die unserer Arbeit in Palästina bisher im Wege gestanden haben, hinweg. Auch bei dem bisherigen Regime in der Türkei, bei welchem die juridische Sanktionierung jedes einzelnen Landankaufs einen langen Instanzenweg durchlaufen mußte und viele Zeit, oft sogar Jahre in Anspruch nahm, ja, die Erlangung einer Erlaubnis für Häuserbau sogar mit unsäglich langen Prozeduren verbunden war, mußten die schwachen Resultate unserer Arbeit nicht bloß äußern Hindernissen zugeschrieben werden, sondern in erheblichem Maße Ursachen, die in uns selbst gelegen sind. Auch damals hätte man mit energischem!

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