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Die Welt · 1909-05-25 · 22 (25.5.1909) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
22 (25.5.1909)
Date
1909-05-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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„Amen!" ruft Spack. „Jetzt aber ist es die höchste Zeit, mit ihr zu reden, — wegen der Sache zu reden, und zwar sofort, sofort zu reden, Markus, wie spät ist ist es denn, na, wie spät?--—" Spack hat Eile, denn einen alten Junggesellen soll man nicht zögern lassen. — — Und alle drei Personen schauen einander an und verstehen sich ohne Worte. Es war schon spät in der Nacht, als unsere drei Bekannten sich nach dem Restaurant begaben, um dort etwas zu sich zu nehmen und die Angelegenheit mit ihr zu besprechen. Der Saal ist leer. Nur in einer Ecke sitzt das Großmütterchen mit der silbernen Brille über einem großen Siddur und betet. Die beiden Kompagnons setzen sich an einen Tisch, und die alte Frau Biber gesellt sich auf eine Weile zu dem Großmütterchen und plaudert anfangs über alles mögliche, über die Küche, die Wirtschaft, bis sie schließlich von den Kindern zu sprechen beginnt. Sie will von dem Großmütterchen über alle guten Eigenschaften ihrer Tochter hören und ergeht sich dabei in Lobpreisungen ihres Sohnes. Nicht deswegen, weil er ihr einziger Sohn sei, Gott bewahre! Alle behaupten von ihm dasselbe; er ist ein Mensch ohne Galle und hat eine offene Hand. Wenn ihm jemand gefällt, schenkt er ihm seine ganze Seele. Glücklich wird diejenige sein, der es beschieden sein wird, seine Frau zu werden. Das Großmütterchen mit dem dicken Siddur hat nicht recht verstanden, warum sich die alte Frau in Lobeshymnen auf ihren Sohn ergeht, doch hörte sie geduldig zu, als plötzlich Frau Biber ihre Rede unterbrach und fragte: „Wo ist denn Ihre Tochter?" Das Großmütterchen nimmt die silberne Brille von der Nase ab. „Habt Ihr Sie nötig, — dann will ich sie rufen. Sie ist bei den Kindern und hilft ihnen die Schulaufgaben machen." „Ach nein, ich werde Sie nicht bemühen; lieber geh' ich selbst zu ihr; zeigen Sie mir nur, wo sie ist." Und die Frau Biber nimmt ihr Ridicule und begibt sich zu Madame Fein. Wollen wir jetzt die Frauen verlassen und zu unsern Männern zurückkehren. Elftes Kapitel Eine bekannte Person taucht auf, und unsere beiden Kompagnons sind stark überrascht Unsere beiden Kompagnons, Biber und Spack, die Chefs der Firma „Biber, Spack & Cie.", saßen inzwischen in feierlicher Stimmung am Tisch und sprachen von Geschäften; eigentlich redete nur Herr Spack, und da die Rede von Geschäften war, so waren alle seine zweihundertzweiundvierzig Glieder in Bewegung. Spack liebt Geschäfte, nicht um des Geldes wegen. Schließlich, Geld hat jeder gern, aber bei Spack ist das Geschäft selbst die Hauptsache. Das Geschäft ist ihm das gleiche wie dem Schachspieler das Schachspiel, einem Trinker der Wein oder, verzeiht mir, wie bei einem Diesseitsmenschen hübsche Mädchen. Man könnte sagen, Spack sei in seine Geschäfte verliebt. Während dieses Gespräches tritt in den Saal eine neue Person und verneigt sich höflich vor den Kompagnons. Unser Held, Markus Biber, schaut den Mann an und erkennt in ihm sein Vis-ä-vis vom Tisch, den jungen Mann mit dem engen Kragen. Wie kommt er hierher und noch so spät in der Nacht? Der junge Mann mit dem engen Kragen bemerkt, daß man ihn betrachtet, bleibt verlegen stehen, wird rot wie Feuer, seine Augen drohen ihin aus dem Gesicht zu springen! Aus Mitleid fordert ihn Biber auf, neben ihnen Platz zu nehmen, und stellt sich mit folgenden Worten vor: „Wir sind, glaub' ich, miteinander bekannt,-- Markus Biber. Mein Kompagnon Spack." Der junge Mann mit dem engen Kragen verneigt sich wieder höflich und nennt seinen Namen: „Fein." „Fein!?" „Fein." „Sind Sie etwa mit Madame Fein verwandt?" Der junge Mann mit dem engen Kragen, der auch jetzt nicht einmal lächelt, nur mit seinen runden, dummen Augen Herrn Biber anschaut, erwidert: „Madame Fein ist meine Frau, d. h. richtiger gesagt, ich bin ihr Mann." Was unser Held empfand, als er dieses vernahm, glaube ich, kann sich der Leser wohl vorstellen. Ähnlich wie Lots Frau zur Salzsäule wurde, verwandelte sich unser Held Biber in einen Stein. Ganz anders aber gebärdete sich sein Kompagnon. Er fing an, mit den Augen zu zwinkern, die Nase zu drehen, mit den Schultern zu zucken und zu speien und von einem Sessel auf den andern zu springen. Ein Haß gegen den jungen Mann im engen Kragen erhob sich in seiner Brust. Am liebsten möchte er ihn inmitten des Saales an der Hängelampe aufknüpfen. Und der junge Mann — nebbich — sitzt den beiden Kompagnons gegenüber wie ein armer Sünder und glotzt sie an. — Letztes Kapitel Das Schicksalsrädchen, das sich so sonderbar drehte, macht dem Roman ein Ende. LassenwiraufeineWeiledie Männer in Ruhe, um nachzusehen, was die Weiber treiben. Als Madame Biber mit dem Ridicule in der Hand zu Madame Fein ins Zimmer trat, fand sie sie mit ihren beiden Kindern, den Gymnasiasten, am Tische sitzen. Madame Biber bleibt einen Augenblick auf der Schwelle stehen, — vielleicht störe sie. Madame Fein erhebt sich, sie war auf solchen Qast nicht vorbereitet. Sie bittet sie, Platz zu nehmen. Vielleicht eine Tasse Tee? Madame Biber bedankt sich. — „Ach, was für schöne Kinderchen haben Sie; solche Kinder sind ein Gottessegen.--Mich hat Gott bestraft und gab mir nur einen Sohn, einen einzigen Sohn, aber einen gelungenen. Markus ist mein einziger Trost.----Wie gefällt er Ihnen?" — „Wer?" — „Markus, mein Sohn." — „Ach, Herr Biber, ein sehr feiner Mann und ein lieber Mensch. Meine Kinder sind einfach in ihn verliebt, aber Herr Biber verhätschelt sie. Einmal hat er sie sogar ins Theater geführt.---" — „Ins Theater? Ha, ha, das ist nichts. Sie kennen ihn noch nicht, er ist ein Mensch ohne Galle und hat eine offene Hand. Wenn ihm jemand gefällt, schenkt er ihm seine ganze Seele. Gott möge ihm sein gutes Herz vergelten. Er verdient, daß man ihn liebt. Glücklich wird diejenige sein, die er zu seiner Frau erwählt. Er holt ihr die Sterne vom Himmel Denn seine Güte, Treue und Freundlichkeit sind unermeßlich. Ich bin Mutter, und wer sonst kennt

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