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Die Welt · 1909-05-25 · 22 (25.5.1909) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
22 (25.5.1909)
Date
1909-05-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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er nicht. Einfach so, von selbst. Wieviele Partien hatte man ihm vorgeschlagen, wieviele Mädchen trachteten nach ihm! — — Doch einer armen Frau mit zwei Kindern, einem kleinen Schwesterchen und einer alten Mutter ist dieses Glück beschieden! Die Kinder wird er zu sich nehmen und ihnen seinen Namen Biber geben, das Schwesterchen wird er verheiraten, und das Großmütterchen wird auch bei ihm sitzen und beten. — — So denkt unser Held, und er stellt sich diese Situation vor, wenn er, Markus Biber, der Chef der Firma „Biber, Spack & Cie.", ihr erklären würde, daß er gewillt sei, ihr seinen Namen zu geben und mit ihr sein Vermögen zu teilen! „Ich hoffe, Sie meinen es ernst mit mir," würde sie ihm sagen, und ihr Gesicht, das weißer ist als Milch, würde erröten und ihre Augen ein neues Feuer fangen! —-- Vorläufig aber schlägt er ihr Billetts fürs Theater vor. Vielleicht würde sie mit ihm ins Theater gehen? ---Ach, warum denn nicht?--Madame Fein bedankt sich höflich, erklärt aber, ohne ihre Kinder nicht gehen zu können; sie hätte den Kindern schon längst versprochen, sie ins Theater mitzunehmen, — und wenn die Kinder gehen, dann müßte auch das Schwesterchen mitgehen.--Selbstverständlich, er habe gar nicht anders gedacht. Und Markus Biber geht mit Madame Fein, ihren Kindern und ihrem Schwesterchen ins Theater. — Siebentes Kapitel Ein wenig Telegrammliteratur Markus Biber sitzt mit Madame Fein in der Loge und denkt: Woher hat diese Frau die feinen Manieren, dieses vornehme Benehmen? Eine Gräfin brauchte nicht schöner zu sitzen als diese Wirtin eines Restaurants. Ach, wie gut wird ihr der Name Madame Biber stehen! Wenn er sie zu sich nach Hause führt, wird sie die schönsten Damen seiner Stadt in den Schatten stellen.. .. Selbstverständlich will er niemanden etwas davon verraten, daß sie ein Restaurant, ein Gasthaus hatte,----er wird sagen-, daß sie vom größten Adel stamme, sogar mit den Poljekoffs verwandt sei; sie habe auch einen Onkel, Millionär in Moskau, und zwei Brüder, Ingenieure in Petersburg.--— Diese Träume bringen unsern Helden so weit, daß er selbst an die beiden Ingenieure zu glauben beginnt; er baut schon mit ihnen eine neue Eisenbahnlinie, und falls das Geld nicht ausreicht, so steht doch der reiche Onkel, der Millionär, zur Seite. Nicht schlimm, die Firma „Biber, Spack & Cie." ist auch keine schlechte Firma.---- „Was sagen Sie, Madame Fein?" Was soll sie sagen? Sie ist ihm für die Loge so dankbar, besonders der Kinder wegen. Sie hat ihnen schon längst versprochen, sie ins Theater zu nehmen. Gute Nacht, Herr Biber! — „Gute Nacht, Madame Fein! Gute Nacht, Herzl! Gute Nacht, Mischa! Morgen sehen wir uns, gute Nacht!" Und Markus Biber geht auf sein Zimmer; ihm ist so wohl, er möchte tanzen, er möchte singen. Doch er singt nicht, und er tanzt nicht; er rennt im Zimmer herum und kann keinen Platz finden. Er macht sich die größten Vorwürfe, daß er mit ihr noch kein Wort über seine Gefühle und über seine Pläne geredet hat. Schon seit einigen Tagen trägt er sich mit dem Gedanken herum, mit ihr zu reden, und er bringt es nicht zustande. In ihrer Gegenwart findet er keine Worte. Die Tanzsprache von einst sei hier nicht am richtigen Ort, dachte er. Jetzt könnte ihm ein vernünftiger Mann, wie z.B. sein älterer Kompagnon Spack, der selbst bereits verheiratete Kinder hat, gute Dienste leisten, er könnte am besten alles erledigen. Und schließlich müsse er doch davon auch "nach Hause schreiben, bevor er diesen wichtigen Schritt mache. Möge sich auch die alte Mutter freuen! (Biber hat eine reiche Mutter, die das Haupt der Firma ist, und er, Markus, ist ihr einziger Sohn.) Und er beschließt, seinen Kompagnon aufzufordern, sofort herüberzukommen. Nicht lange nachgedacht, nimmt er einen Bogen Papier, setzt sich an den Tisch und —--- Hier müssen wir uns unterbrechen, um ein paar ernste Worte zu sagen. Unser Held, es sei nicht zu seinen Ungunsten gesagt, ist in der Schreibkunst keine erstklassige Kraft, d. h. er ist nicht, Gott bewahre, ein unwissender, ungebildeter Mensch, der die Feder nicht zu halten verstünde, aber er ist mehr im Schreiben von Memoranden, Wechseln, Quittungen, Schuldscheinen und ähnlicher Literatur bewandert. Briefe aber, in denen man so unendlich vielen Gedanken und so tiefen Gefühlen Ausdruck verleihen muß, liegen nicht im Bereich seines Könnens. Wäre es nicht einfacher, den Kompagnon telegraphisch herbeizurufen? Und es beginnen Telegramme zu fliegen, — hin und zurück, von einer Stadt nach der andern, von Biber zu Spack und von Spack zu Biber. Hier folgt die Telegrammliteratur: 1. Von Biber an Spack: „Kommet, ernstes Geschäft. Biber." 2. Von Spack an Biber: „Drahtet, was für Geschäft. Spack." 3.. Von Biber an Spack: „Kommet, werdet sehen. Biber." 4. Von Spack an Biber: „Fahren unmöglich. Drahtet, welche Kaution erforderlich. Spack." 5. Von Biber an Spack: „Keine Kaution, kommet sofort. Biber." 6. Von Spack an Biber: „Komme Expreßzug. Spack." Und Spack kommt mit dem Bzpreßzug angefahren Achtes Kapitel In diesem Kapitel hat der Leser Gelegenheit, mit einet neuen Person, mit Herrn Spack, Bekanntschaft zu schließen. So wie Markus Biber ein Diesseitsmensch ist, ist sein älterer Kompagnon Spack allen irdischen Freuden abgeneigt und geht in seinen Geschäften völlig auf; weder Essen, noch Trinken, noch Schlafen, nur Geschäfte, Geschäfte und Geschäfte. Hätten ihn sein Weib und seine Kinder nicht mit Gewalt zum Essen gezwungen, so würde er sicher den Hungertod sterben.

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