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Die Welt · 1909-05-21 · 21 (21.5.1909) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
21 (21.5.1909)
Date
1909-05-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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DIE MKE LT No. 21 Artikel XV „Die Ottomanen ha.ben das Recht der Vereinigung in den durch das Gesetz gezogenen Grenzen. Indes ist die Bildung von Vereinigungen untersagt, die der territorialen Integrität des ottomanischen Reiches Eintrag tun können oder dahin streben, die konstitutionelle Form dej Regierung zu ändern, oder einen Zweck verfolgen, der den Anordnungen der Konstitution zuwiderläuft, oder ein Programm politischer Separation der verschiedenen Reichselemente haben oder gegen die guten Sitten verstoßen. Wieder: Armenischer Antisemitismus Die armenische Zeitung „Sagig" veröffentlichte vor kurzem unter der Überschrift „Der Chachambaschi" einen regelrechten Hetz- und Schandartikel gegen die Juden. Der „Burion", eine hiesige spaniolisch-jüdische Zeitung, hatte diesen Artikel vollinhaltlich abgedruckt und in gebührender Weise beleuchtet. Hierauf sandte der Redakteur des armenischen Blattes, wahrscheinlich durch Furcht vor gerichtlicher Verfolgung oder vernünftige Zurede vonseiten maßgebender armenischer K!Yeise bewogen, an alle hiesigen jüdischen Blätter eine Entschuldigung. Er schützte Krankheit und Abwesenheit von den redaktionellen Geschäften vor und versprach, demnächst in seiner Zeitung ausdrücklich zu widerrufen. Die jüdische Presse reproduzierte diesen Brief und wartete auf den Widerruf. Dieser ist aber bis dato ausgeblieben. Infolgedessen sah sich der Mischlisch veranlaßt, sich dieser Angelegenheit anzunehmen; er hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, gegen den bezeichneten Redakteur gerichtlich vorzugehen. Ein zweiter Aschkenasi im Mischlisch umumi Infolge des Ablebens eines Mitgliedes des Mischlisch umumi und der hierdurch notwendig gewordenen Ersatzwahl, richtete das Konsistorium an die Aschkenasimgemeinde die Aufforderung, eine Generalversammlung einzuberufen und einen zweiten Vertreter zu delegieren. Die Not der Gemeinde Wie vorauszusehen gewesen war, hat auch die neueste Maßregel, der zufolge die Gabella fortab nicht mehr von den Fleischern, sondern von den Schochtim aufgebracht werden sollte, nicht den gewünschten Effekt gehabt. Es verlautet nun, daß der Mischlisch damit umgebe, eine Cooperativ-Genossenschaft zum Zwecke des Koscherfleischverkaufs ins Leben zu rufen, um auf diese Weise den Ring der Schlächterzunft zu brechen. Indessen scheint der Chachambaschi auch auf diese Unternehmung nicht genügendes Vertrauen zu setzen. Vielmehr ist er an die Ausarbeitung eines doppelten Budgets herangetreten, das dem Mischlisch vorgelegt werden soll, eines Budgets, das mit der Einkunft der Gabella rechnet, und eines, das ohne sie zu berücksichtigen, den Bedürfnissen der Großgemeinde gerecht werden soll. Diese Ausarbeitung haben die Herren Advokat Tarato und Kaufmann Menasche in die Hand genommen. Ein Hauptcharakteristikum dieses Budgetentwurfs sind die Ersparnisse, die in die Gemeindeverwaltung eingeführt werden sollen. Die vier Sekretäre sollen auf zwei, die bisherigen sieben Gemeindediener auf drei und der Bet-din von sieben auf drei Mitglieder reduziert werden. Dagegen wird eine entsprechende Summe zur Reorganisation der Talmud-Toraschulen Konstantinopels verlangt werden. Die Hebung der Talrnud-Toras der Provinzen muß infolge der schlimmen Finanzlage auf eine andere Zeit zurückgestellt bleiben. Nach einer Äußerung des Chachambadschi aus den letzten Tagen betrachtet er es als eine Hauptaufgabe des Großrabbinats, daß dieses als Ministerium des öffentlichen Unterrichts für die Juden der Türkei zu fungieren habe. Einstweilen sind bedauerlicher Weise auch die Talmud-Toras der Hauptstadt noch in sehr schlimmer Lage. So hat dieser Tage die sephardische Talmud-Tora in Galata sich auflösen und ihre Pforten schließen müssen. Die Kinder wurden zu einem Teile der „Or-Tora"-Anstalt des Hilfsvereins der deutschen Juden, zum andern der Schule der Alliance überwiesen. Tii rkisch-jüd isches Bei den Metzeleien in Ada na wurde auch eines der dort existierenden vier jüdischen Häuser zerstört. Der Geschädigte hat mit den christlichen Kompenten gemeinsam seine Entschädigungsansprüche an die Regierung gestellt. In der Deputation, die dieser Tage die Stadt Brussa an den neuen Sultan schickte, um ihn zum Besuche der Stadt einzuladen, waren auch die Juden durch einen Delegierten vertreten. ' Ein antizionistisches „Dschurnal" Unter. den Tausenden von Dschurnalen, d. s. Denunziationsbriefchen, die jüngst im Jildis aufgefunden wurden, ist der Kommission, wie die hiesigen Blätter melden, auch eines in die Hände gefallen, das den Zionismus als staatsgefährlich beschuldigt, weil er die Errichtung eines selbständigen, vom ottomanischen Gesamtreiche losgerissenen Staates in Palästina zum Ziele habe. Eingeweihte wollen wissen, daß dieses kuriose „Dschurnal" den Kreisen des ehemaligen Chachambaschi nicht allzu fremd sein dürfte. Cyrenaismus Dieser Tage ist der Initiator der Cyrenaikaidee, die von Zangwill nach all den geheimnisvollen Aktionen so schnell wieder verlassen worden ist, ein deutscher Fabrikant aus Friedland bei Oppeln, in Konstantinopel eingetroffen, um, unbekümmert um den Verzicht der übrigen Territorialisten, politische Verhandlungen mit der türkischen Regierung wegen Überlassung des Landes anzuknüpfen. Er stattete hiesigen Zionisten Besuche ab, um sie zur Unterstützung seiner Absichten und ihre Vermittlung bei den geplanten Verhandlungen zu gewinnnn. Judenhetze Unter dieser Überschrift bringen hiesige Blätter folgende Mitteilung: Am Donnerstag nahm ein Gürtelverkäufer,Mehmed Dschemal, der sich in Perschembe-Basar in Stambul in der Nähe einiger jüdischer und armenischer Verkäufer aufhielt, eine Zeitung in die Hand und las daraus vor: daß am selben Tage der Großrabbiner und andere Juden gehängt werden sollten. In diesem Moment ging der Gendarmeriekommandant von Schischhane-Karakol, Hakki Tschaüsch, vorüber. Er ließ sich die Zeitung geben und forderte Dschemal auf, ihm die Stelle zu zeigen, die er vorgelesen habe. Mehmed Dschemal wurde bleich und vermochte keine Antwort zu geben. Der Gendarmeriekommandant ließ vier Gendarmen kommen, die den Gürtelverkäufer und seine Kameraden verhafteten. Ein Araber aus Tunis entfloh unter Zurücklassung seiner Ware. Es heißt, daß Mehmed Dschemal vor dem Einmärsche der rurnelistischen Armee nach Skutari gegangen sei und dort gegen die Juden gehetzt habe, weil viele von ihnen als Freiwillige in die Armee eingetreten seien. Durch das Vorlesen der Zeitung habe er auch den Zweck verfolgt, die Leute im Basar gegen Juden und Armenier aufzuhetzen. Der geflohene arabische Fesverkäufer wird noch gesucht. Der Chachambaschi auf der französischen Botschaft Am Freitag stattete der Großrabbiner Mr. Constans, dem Botschafter Frankreichs, und Mr. Boppe, Gesandtschaftsrat, seinen Besuch ab. Der Ackerbauminister beim Chachambaschi Am gleichen Freilag erhielt Herr Nahum die Visite von Aristidi Pascha, dem jüngst ernannten Minister des Ackerbaus, XI. Deutsch-Israelitischer Gemeindetag (Von unserm Spezialberichterstatter) Am Sonntag, den 16. Mai, eröffnete der Deutsch-israelitische Gemeindebund in Anwesenheit von etwa 350 Delegierten aus allen Teilen Deutschlands in Berlin seine XI. Tagung, auf deren Tagesordnug neben dem vom Vorsitzenden Professor Dr. Philippsohn zu erstattenden Geschäftsbericht als alleiniger Punkt der von einer gemischten Kommission des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes und des Verbandes der Deutschen Juden in zwei Lesungen festgestellte „Entwurf eines Gesetzes betreffend die Verfassung der Jüdischen Religionsgemeinschaft in Preußen" stand. Das Ergebnis dieser Beratung soll bei der 3. Lesung Verwendung finden, alsdann soll der endgiltig festgestellte Test der Regierung als Vorlage für ein Gesetz betreffend die Verfassung der Jüdischen Religionsgemeinschaft überreicht werden. Um 101 ■> Uhr eröffnete der Vorsitzende des Gemeindebundes, Herr Professor Philippsohn, die Versammlung mit einer kurzen Ansprache. Hierauf fand die Wahl des Präsidiums statt. Nach einem Gedenkworte für den hingeschiedenen Justizrat Lach mann begannen die Beratungen.

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