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Die Welt · 1909-05-21 · 21 (21.5.1909) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
21 (21.5.1909)
Date
1909-05-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Zwecke nicht abgelenkt war. Bei allen einigerm a!3en richtig verwalteten Instituten haben dieselben stets und ununterbrochen gute Verdienste abgeworfen. Sobald in der Türkei ein regelrechtes Hypothekengesetz eingeführt werden wird, und das ist, wie man hört, in Bälde zu erwarten (dasselbe soll bereits anf der Tagesordnung des türkischen Parlaments in der ersten Reihe der Reformen sich befinden), wird der hypothekarische Agrarkredit zweifellos dieselbe wirtschaftliche Rolle einnehmen wie im wirtschaftlichen Leben jedes andern sich entwickelnden Landes. Und darum müßten schon jetzt die nötigen Vorverhandlungen unter den jüdischen Finanziers begonnen werden, denn es wäre tatsächlich schädlich, wenn trotz des Vorhandenseins einer bedeutenden Menge von Bankiers und Finanzfachleuten unter uns Juden, wir diese gesicherte rentable Unternehmung nicht durch jüdische Initiative ausführen könnten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn die jüdische Initiative nicht rechtzeitig zugreift, andere Kapitalisten (belgische, französische, deutsche, englische) dies rentable Unternehmen realisieren werden; nur kann damit unserm nationalen Intressekaum gedient sein. Von einem gutfunktionierenden Institute des Agrarkredits, welches die Möglichkeit hat, für seine Pfandbriefe an einem oder zwei Börsenmärkten Absatz zu finden, hängt in vieler Hinsicht der Erfolg der landwirtschaftlichen Kolonisation Palästinas ab. Momentan befinden sich diejenigen, welche in Palästina sich ansiedeln wollen, in einer unüberbrückbaren Zwangslage. Landwirte mit mittlem Kapitalien können für keinen Fall in Palästina Bodenbesitz ergreifen, denn momentan kann sich nur derjenige ansiedeln, der den gesamten Wert für den Boden, für lebendes und totes Inventar, für den Hausbau und Bau von Wirtschaftsgebäuden sowie Unterhaltungskosten bis zur nächsten Ernte, wenn er alles dies in barer Münze zu sßiner Verfügung hat, und das macht bereits ein bedeutendes Kapital aus, welches nur die allerwenigsten besitzen. Es ist tatsächlich schade zuzusehen, wie ganze Gruppen von tüchtigen Landwirten mit einem Kapital von zwei bis sechs Tausend Frcs. per Familie von den Charkower und Jekaterinoslawer Gouvernements nach Argentinien, Kanada auswandern müssen und nicht nach Palästina, wohin sie vorzugsweise streben, gehen könnnen, einzig und allein deshalb, weil es an dem unbedingt nicht entbehrlichen Agrarkredit mangelt Auch wohlhabende Palästinafreunde, die sich Plantationen und Güter in Palästina anlegen wollen, sind wegen des Mangels an dem gewohnten hypothekarischen Kredit daran verhindert. Ein Kenner der kolonialen Verhältnisse, Dr. H. Preyer*) (p. 226) charakterisiert den Agrarkredit auf folgende Weise: „Das Risiko der kolonialen Hypothekenbanken ist an sich nicht größer als das der europäischen, und trotz der Gefahr vorübergehender Verluste gehören sie im allgemeinen wenigstens in gut verwalteten kolonialen Gebieten zu den durchaus zuverlässigen Unternehmungen. Ihr Gewinn entspringt vorwiegend aus der Differenz der zu zahlenden Obligationszinsen und der Verzinsung der Hypothekendarlehen nach dem landesüblichen Zinsfüße. Die Dividenden der Gesellschaften sind ziemlich gleichmäßig, wie dies bei der gleichartigen Tätigkeit auch erklärlich ist, und ihre durchschnittliche Höhe ist eine recht befriedigende." Sehr häufig sind auch Hypothekenbanken in kulturarmen Ländern mit Ameliorations- und Parzellierungsinstituten verbunden. Diese letztern haben in manchen Orten direkte Wunder geschaffen, ganze Landstriche, die wüst oder verwüstet waren, sind der Kultur zugeführt worden; viele Gegenden, die wegen Mangels an Bewässerung kaum eine armselige knappe Bevölkerung ernähren konnten, sind bei systematischer Irrigation in die fruchtbarsten Felder verwandelt worden, versumpfte Gegenden bei Entwässerung und Amelioration haben aufgehört, Orte des Fluches zu bilden, und sind in gesegnete Siedlungsorte verwandelt worden. Sehr viel in dieser Hinsicht ist in mustergültiger Weise von den Engländern in dem Palästina so naheliegenden und benachbarten Ägypten durchgeführt, und manche Erfahrungen von dort könnten für uns sehr lehrreich sein. Ägypten hat noch denjenigen Vorzug, daß es gerade noch ganz vor kurzem sich in demselben verwahrlosten Zustand befand wie Palästina und seit etwa 25—30 Jahren unter gesetzmäßiger Verwaltung der ökonomischen und technischen Entwicklung nach Art der europäischen Wirtschaft erschlossen ist. Palästina befindet sich jetzt fast im selben Stadium der wirtschaftlichen Entwicklung wie Ägypten vor 25 Jahren, und die Erfahrungen, die dort zu glänzenden positiven Erfolgen gebracht haben, müssen von uns für unser Kolonisationsgebiet verwertet werden. Wir finden dort eine ganze Reihe von Agrarkreditnstitutionen, die mit gutem Nutzen nicht nur für das Land, sondern auch für ihre Aktionäre und Obligationäre arbeiten. Wegen des ungemein großen Interesses der Klarstellung der Erfahrungen an den ägyptischen Institutionen für das von uns behandelte Problem will ich hier ziffernmäßige Angaben über die betreffenden Gesellschaften in chronologischer Reihe ihrer Entstehung anführen. Credit Foncier ßgyptien 1880 The Land & Mortgage Co. of Egypt 1880 Societe anonyme du Behera (1880) The Aboukir Company Ltd. (1 ' 25 000 000 Francs Societe An. Agricole et industrielle d'Egypte 1895 Soci6te Fonciere d'figypte 1896 Agricultural Bank of Egypt (1902) Eingezahltes Aktienkapital 150 000 £ 250 000 £E**) 168 130 £ 385 750 £E 217 500 £ 3 740 000 £ Obligationskapital Dividende in Prozenten 1 "89711898 j 189» j l9Q0[l9ÖTfi VK)2, 1ÜÖ3 jl9Ö4 183 7a Millionen Francs (3 72%) 396 500 £ (5u.4V«ü/ö. 299 905 £ E (4 %) 83 500 (5%) i "i S i | I 44'5!535!695;64 5 73/5|82|5 9:rn 6;7. |7 18,6 7!7 8 9 483 533 £E (4 U. 5 ";'<>: 120 000 £ (4 1 2l,o) 1 250 000 £ (3 yv — :5 3 3 3 3 5 5 125 5 6 6 6' 4|7 7' — -2VV5 '62f]'9"o9°o 1. Credit Foncier figyptien (Kairo), eine der ältesten Institutionen, welche sich ausschließlich mit hypothekarischer Beleihung von Land in ganz Ägypten beschäftigt. Der von der Gesellschaft erhobene Zinsfuß beträgt 6—7 % und 1 % Amortisation. Ihre Aktien, ä 125 Frcs., wurden ultimo 1903 mit 655 Frcs., ultimo 1905 mit 710 Frcs. auf der Börse notiert. Prosperiert vorzüglich, hat bereits ca. 6 Millionen Reserven aufgespart. 2. The Land & Mortgage Co. of Egypt (London), ebenfalls im Jahre 1880 gegründet, befaßt sich mit hypothekarischer Beleihung von Land sowie mit An- und Verkauf von Ländereien. Seine Aktien, ä 3 £, notierten mit 38/4 £ (ultimo 1903) und 4l * £ (ultimo 1904). 3. Societe Anonyme de Beh6ra (Alexandrien) existiert ebenfalls seiM880 und beschäftigt sich mit An- und Verkauf von Ländereien in Ägypten, speziell in der Provinz Gharbieh. Dieselbe befaßt sich mit rationeller Melioration unkultivierter, besonders salziger Ländereien in großem Maßstabe, sowie mit eigner Bewirtschaftung großer Güter und auch mit Verkauf von Kulturland. Die Prosperierung dieses Unternehmens beweist am besten die Bewertung seiner Aktien, die zu 5 ägyptischen Pfund emittiert sind und ultimo 1903 mit 29',2 £ und ultimo 1904 sogar mit 50 Pfund auf der Börse gehandelt wurden. 4. The Aboukir Company Ltd. (London), im Jahre 1888 gegründet, befaßt sich mit Melioration des trockengelegten Gebietes des frühern Aboukirsees und Verkauf resp. Verpachtung des Landes zu Kulturzwecken, besitzt ca. 31 000 accres Boden. 5. Societe anonyme agricole et industrielle d'lSgypte (Kairo), gegründet 1895, befaßt sich mit An- und Verkauf von Ländereien in Ägypten, zunächst nur in Unterägypten; rationelle Melioration und eigene Bewirtschaftung von großen Gütern; ihre gewöhnlichen Aktien ä 500 Frcs. wurden ultimo 1903 mit 715, ultimo 1904 mit 1100 Frcs. notiert. Ihre Vorzugsaktien stiegen von 100 Frcs. Nominalwert auf 320 Frcs. ultimo 1903 und 900 Frcs. ultimo 1904. 6. Soctete" Fonciere d'Egypte (1896) befaßt sich mithypothekarischer Beleihung von Land sowie Land-An- und Verkauf. Ihre Aktien von 15 £ notierten ultimo 1903 mit 2614 £. 7. Agricultural Bank of Egypt, Kairo (1902), befaßt sich ausschließlich mit Gewährung von .hypothekarischen Vorschüssen bis je 500 £ an kleine Bauern in Ägypten. :. Sämtliche hier vorgebrachten Angaben entstammen dem Werke Dr. A. Preyer, Überseeische Aktiengesellschaften und Großbetriebe *) Dr. Axel Preyer. Leipzig 1905. Überseeische Aktiengesellschaften und Großbetriebe. **) £E bedeutet ägyptische Fonde — JL 20.75.

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