Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 20 (14.5.1909)
- Date
- 1909-05-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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436 o o o o o DIE2§£ELT AUS DER BEWEGUNG No. 20 o o o o o o o 3> o o o o o o o I J Deutschland Frankfurt a. M: Am 3. Mai hielt in der Misrachigruppe zu Frankfurt a. M. Rabb. Dr. M. Kahn aus Eßlingen einen Vortrag: „Ist ein von der Thora losgelöstes Nationaljudentum möglich?" Referent führte aus, daß das nationale Moment im jüdischen Volke nicht nur in allgemeinen Volkseigentümlichkeiten oder in einer gemeinsamen Sprache bestehe, sondern hauptsächlich in der Religion. Diese habe trotz der Zerstreuung des Golus eine Gleichartigkeit der Anschauungen, der Denk- und Gefühlsweise hervorgerufen, wie wir sie nirgends bei einer andern Nation finden. Das Zusammengehörigkeits- und Solidaritätsgefühl sei weniger durch die gemeinsame Abstammung als eben durch die Religion und das Religionsgesetz entstanden. Dem Rufe des Zionismus und seinen Idealen hätte die jüdische Nation nicht Folge geleistet, wenn nicht Thora und Propheten durch den Messianismus vorgearbeitet und Hoffnungen in die Volksseele gepflanzt hätten, aus welchen diese die Kraft schöpften, dem Druck der Jahrhunderte siegreich zu widerstehen. Will darum der Zionismus bestehen bleiben und eine Wirksamkeit entfalten, so darf er der Grundlage, aus welcher er entstanden ist, nicht entarten. Denn wenn auch alle Programmpunkte des Zionismus erfüllt sind und ein nationales Leben in voller Entfaltung sich gestalten wollte, so kann die jüdische Nation die Religion, d. i. die Thora, nicht missen. An den Vortrag schloß sich eine längere Debatte, an, in welcher die Herren Prof. Weyl, Dr. Feuchtwanger u. a. sprachen. In der Beantwortung einer von gegnerischer Seite aufgeworfenen Frage betreffs der zwischen Misrachisten und Zionisten öfters zutage tretenden Differenzen erwiderte Herr Dr. Feuchtwanger, daß ein vernünftiger Mensch nur um etwas kämpfe, was ihm teuer und lieb ist. Von diesem Standpunkt aus seien die Kämpfe der Misrachisten im Zionismus zu begreifen. Hamburg: Dem Jahresbericht der Zionistischen Ortsgruppe Hamburg entnehmen wir, daß sie im abgelaufenen Jahre 19 Vorträge veranstaltet hat. Sie zählt eine besondere Misrachigruppe und eine Frauenvereinigung. Die letztere organisierte Ferientagskolonien und Unterhaltungsnachmittage für beruflich tätige junge Mädchen. Auch veranstaltete sie einen jüdischen Geschichtskursus. Der Verein unterhält eine jüdische Volkslesehalle und hat einen Bezalelverein gegründet, der auch in nichtzionistischen Kreisen Hamburgs erfreuliche Sympathien findet. Die Einnahmen des Vereins betrugen im abgelaufenen Jahr 5473 JC, die Ausgaben rund 4000 J(. Schweiz Der Share-Club des schweizerischen Zionistenverbandes versandte kürzlich folgenden Bericht: „Im Monat März vollendet der Share-Club das erste Jahr seines Bestehens. Einige Angaben über seine Tätigkeit werden Sie gewiß interessieren: Die Mitgliederzahl des Share-Clubs beträgt gegenwärtig 57. Folgende Ortschaften sind vertreten: Basel mit 8 Mitgliedern, Bern 5, Biel 11, Chaux-de-Fonds 1, Genf 2, Lausanne 4, Liestal 4, Lörrach 1., Luzern 1, Neuchätel 2, St. Gallen 6, Winterthur 6, Zürich 6. 3 Mitglieder bezahlen Frcs. 10.— im Monate ein. An Mitgliederbeiträgen hat der Share-Club eingenommen: Frcs. 1620.—. Davon sind Frcs. 1095.— auf der Basellandschaftlichen Kantonalbank zinstragend angelegt, während für Frcs. 525.— Aktien angekauft wurden, und zwar 7 Aktien der Jüdischen Kolonialbank (1 Aktie ä 1 £ zu Frcs. 25.- gerechnet), 2 der Anglo- Palestine Comp, und 12 der Palestine Land Development Comp. Die fortschreitende Entwicklung des Share-Clubs zeigt am besten der Umstand, daß im April 1908 Frcs. 65.— Monatsbeiträge bezahlt wurden, im März 1909 erreichte deren Höhe Frcs. 210.—. Über die Nützlichkeit und Zweckmäßigkeit des Share-Clubs viele Worte verlieren zu wollen, ist überflüssig. Obenstehende Zahlen beweisen, wie durch eine Minimalleistung des einzelnen den zionistischen Finanzinstituten beträchtliche Summen zugeführt werden können. Und das Geld, das in Aktien umgewandelt wird, ist kein Almosen und kein „Fonds perdu"; es ist eine absolut sichere Kapitalanlage, die einen hinreichenden Zins abwirft; bezahlt doch die Anglo Palestine Comp, pro 1908 eine Dividende von 10 pence pro Aktie ä 1 £ (Frcs. 25. — ) oder annähernd 41/4°/<>- An alle Mitglieder des Share-Clubs und der Zionistenvereine ergeht deshalb der Appell, weitere Teilhaber dem Share-Club zu werben. Der einzelne legt sich, kaum merkbar, Ersparnisse an; die Gesamtheit wird gestärkt an Kapital und an Handlungsfähigkeit. Wer noch nicht dabei ist, trete ein! Wer dabei ist, bringe zehn Gleichgesinnte mit!" Basel: Die Zionistische Vereinigung Basel gibt neuerdings ein Bulletin heraus, dessen erste Nummer am 30. April erschienen ist. Es soll alle zwei Monate oder nach Bedarf häufiger erscheinen. Das Bulletin bezweckt, die Mitglieder des Vereins mit dessen ausführendem Organ näher zu verbinden, insbesondere die Mitglieder, die verhindert sind, die Vereinssitzungen zu besuchen, über die Vorgänge zu unterrichten. Der Verein erwartet — und wie uns scheint, mit Recht — von dem Bulletin einen kräftigen Ansporn der Mitglieder zu lebhafter Teilnahme am Vereinsleben. Die erste Nummer enthält Berichte über die Kommissionswahlen, den Lesesaal und Lesezirkel usw. Außerdem informiert die Nummer über die wichtigsten Vorgänge innerhalb der zionistischen Organisation. Kroatien Slawonien Zagreb: Der hiesige jüdischnationale akademische Verein „Judäa" hat sein erstes Semester absolviert. Aus dem Tätigkeitsberichte des scheidenden Ausschusses geht hervor, daß im verflossenen Semester 11 Vorträge, verbunden mit Diskussion, gehalten wurden, daß der Verein eifrig für den Nationalfonds sammelte und die Schekeleinhebung besorgt.— Obwohl der Verein in einem fast ausschließlich assimilatorischen Milieu wirkt, so ist es ihm dennoch gelungen, mehr als zwei Drittel sämtlicher jüdischen Akademiker für den Zionismus zu gewinnen und viele Bürger der jüdischen Sache näher zu bringen. Um die kroatisch-akademische Jugend mit dem Wesen und den Zielen des Zionismus vertraut zu machen, wird der Verein demnächst einen öffentlichen Vortrag mit Diskussion veranstalten. Essek: Am Sonntag den 18. April fand in Essek die zweite ordentliche Generalversammlung des zionistischen Vereins „Theodor Herzl" statt. Präsident Herr I. N. Schulhof hielt eine eindrucksvolle Ansprache, worauf Herr Dr. Edmund Fischer Bericht über die Tätigkeit im verflossenen Vereinsjahre erstattete. Der Verein hat sich im abgelaufenen Jahre gut entwickelt. Er bildet die zionistische Zentrale für Kroatien-Slavonien und hat neuerdings auch die Herausgabe der jetzt halbmonatlich erscheinenden „Zidovska Smotra" übernommen, die früher als Monatsschrift in Agram erschien. Erwähnenswert ist der große Erfolg der Zionisten bei den letzten Kultusgemeindewahlen, wo sie trotz heftiger Opposition die Mehrheit im Vorstande erhielten. Die Vorstandswahl hatte folgendes Resultat: Präsident: Herr I. N. Schulhof, Ausschußmitglieder die Herren: Ludwig Bozsan, Dr. Edmund Fischer, Dr. Aladar Klein, Dr. Oskar Kohlbach, Erwin Kraus, Lavoslav Singer, Dr. Hugo Spitzer und Samuel Wolf; neugewählt wurden in den Ausschuß die Herren: Moritz Adler, Simon Horn, Josef Krausz (Präsident der unterstädter israel. Kultusgemeinde), Dr. Marko Leitner, Eugen Löbl und Josef Weiß. Rabbinerwahl in Zemun Wie uns aus Zemun berichtet wird, wurde in der letzten Plenarversammlung der Kultusgemeinde der Bezirksrabbiner von Dolnja Tuzla, Se. Ehrwürden Dr. Heinrich Urbach, mit 45 gegen 8 Stimmen zum Oberrabbiner von Stadt und Bezirk Zemun gewählt. Durch die Wahl Dr. Urbachs zum Zemuner Oberrabbiner wurde dieser so exponierte Posten mit einem unserer besten Gesinnungsgenossen besetzt. Zemun liegt an der Grenze zwischen den aschkenasischen und sephardischen Juden. Es gilt nun, im zionistischen Sinne für eine dauernde, aufrichtige Vereinigung der verschiedensprachigen Brüder eifrig tätig zu sein. Die Zemuner Zionisten erwarten vom neugewählten geistlichen Führer, daß er auch ihr geistiger Führer werden möge. Ungarn (Von unserm Berichterstatter) Die VII. Landeskonferenz der ungarischen Zionisten Am 30. und 31. Mai findet in Budapest die Jahreskonferenz der ungarischen Föderation statt. Nach einem Jahre heißer Kämpfe, die die Fortdauer unserer Bewegung in Ungarn nicht einmal in Frage stellten, werden die ungarischen Zionisten zusammentreten, t¥l