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Die Welt · 1909-05-14 · 20 (14.5.1909) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
20 (14.5.1909)
Date
1909-05-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 20 DIEE^ELT 43 i letzten Augenblick ihres Lebens kämpfen würden. Der Direktor des hiesigen Zollamts, eines der tätigsten Mitglieder des jungtürkischen Klubs in Jaffa, schon von früher her als sehr gewissenhafter Beamter bekannt, zeigte in seiner Ereiferung auf den nächsten Turm und rief: Hier möget ihr mich aufhängen, wenn ich auch nur einen Centime nach Konstantinopel abschicken werde, solange diese verfassungswidrige Regierung besteht Auch in Jerusalem wiederholten der Mutessarif und die übrigen hohen Beamten den Verfassungseid. Jaffa, den 29. April. Die Nachricht vom endgültigen Sieg der Jungtürken in Konstantinopel und der Thronbesteigung des neuen Sultans Reschad Mohammed traf vorgestern im Laufe des Vormittags hier ein und erregte in allen freiheitlich gesinnten Kreisen große Freude. Die Telegramme vom jungtürkischen Zentralkomitee und die offiziellen Telegramme wurden unter großem Jubel der Menge öffentlich an mehreren Stellen verlesen. Das Klublokal des jungtürkischen Vereins, dessen Vorsteher der hiesige Militärkommandant ist, das Regierungsgebäude (Serail) und die Stadtkaserne zogen große Menschenmengen an, die die an der Spitze der Freiheitsbewegung stehenden höhern Offiziere und Beamten zum Siege der Konstitution beglückwünschten. Die feierliche Verlesung des Firmans, der den Regierungsantritt Reschads ankündigte, erfolgte gestern auf dem Platze vor dem Serail und dem Garnisongebäude. Sämtliche Beamte und Offiziere erschienen in festlicher Uniform, und der hiesige Schech (Oberpriester) nahm allen einen feierlichen Eid auf den Koran ab. Nach mohammedanischem Religionsgebrauch wurden zehn junge Lämmer geschlachtet (Korban); ferner 101 Kanonenschüsse abgefeuert. Unter den Gratulanten befanden sich auch neben andern jüdischen Bürgern (aschkenasische und sephardische) sämtliche Rabbiner Jaffas, die hebräische (von einem Mitglied des jungtürkischen Komitees, Dr. Moyal, ins Arabische übersetzte) Ansprachen hielten. Die Häuser waren tagsüber beflaggt und abends illuminiert. « Organisierung der palästinensischen Judenheit Jaffa, den 19. April. Der Palästinarat erließ bereits vor mehreren Wochen eine Einladung an sämtliche jüdischen Kolonien und Städte in Palästina, Delegierte zu einer gemeinsamen Versammlung zu entsenden, auf der die Reorganisation und Erweiterung des von ganz Palästina zu berufenden Palästinarats erfolgen sollte. Die Juden der Städte, denen es in Palästina fast an jeder Organisation mangelt, reagierten auf diesen Aufruf nur sehr wenig, dagegen erklärten sich fast alle Kolonien bereit, diese Versammlung zu beschicken. Die judäischen Kolonien haben sich inzwischen bereits vereinigt und einen Ausschuß eingesetzt, der zunächst die gemeinschaftlichen wirtschaftlichen Interessen dieser Kolonien wahrzunehmen hat. Gedächtnisfeier für drei bei einem Überfall erschlagene galiläische Arbeiter Jaffa: Der unglückliche Vorfall mit dem Photographen, der in der Überstürzung in der Nähe von Sedschera einen Araber erschlagen hat, hat inzwischen die sehr traurige Folge nach sich gezogen, daß die Freunde des Erschlagenen, um Blutrache an den Juden in Sedschera zu üben, aus dem Hinterhalt zwei junge jüdische Arbeiter überfielen und erschossen. Auch ein vor zwei Monaten im Kampfe mit zwei Arabern schwer verwundeter Arbeiter starb in den letzten Tagen im Hospital in Tiberias. Es war ein heldenhafter Jüngling von 19 Jahren namens Isarel Schweiger, der als überaus mutiger und tüchtiger Arbeiter unter seinen Kollegen und Kolonisten beliebt und geehrt war. Auch die Namen der andern zwei Erschlagenen, deren junges Leben zum Opfer fiel, Korngold und Melamed, werden in Palästina nicht in Vergessenheit geraten. In Jaffa veranstaltete die Organisation Hapoel-Hazair eine Gedenkfeier, auf der mehrere Reden zur Ehre der Gefallenen gehalten wurden und zu der außer den Arbeitern ein großes Publikum sich ersammelte. )ie Eröffnung der Mädchenschule des Odessaer Komitees Jaffa, den 26. April. Gestern fand eine interne, aber nichtsdestoweniger feierliche Eröffnung des neuen Gebäudes der Mädchenschule in Jaffa statt. Der Vertreter des Odessaer Komitees, Herr Dr. Chissin, leitete den Akt der Eröffnung ein, und der Direktor der Schule Dr. Turow hielt eine längere Ansprache, in der er insbesondere des-Herrn Feinberg in Irkutsk, dtr den größten Teil der Baukosten der Schule dem Odessaer Komitee zur Verfügung gestellt hat, :rmt großem Danke gedachte. Es folgten Produktionen der Schulkinder (Deklamation, Gesang und drgl.) und die Besichtigung aller Schulräume. Der Unterricht im neuen Gebäude beginnt in den nächsten Tagen. Die letzten Arbeiten, wie Anlage eines Gartens, Instandsetzung der Erfrischungshalle, Einrichtung einer Szene, werden in den nächsten Wochen abgeschlossen werden. Spätregen Jaffa, den 25. April. Ganz unerwartet hatten wir drei Tage hindurch vom 20. bis zum 22. April sehr heftigen Regen (solche Regengüsse gehören in der Zeit nach Pessach zu außerordentlich großen Seltenheiten in Palästina). Dieser Regen hat noch sehr großen Nutzen dem Lande gebracht und insbesondere in Galiläa die Befürchtungen einer Mißernte zerstreut. Nur südlich von Gaza, wo es im Laufe dieses Winters sehr wenig geregnet hat, konnte dieser Regen nicht mehr helfen. Dortige Beduinenstämme haben sich gezwungen gesehen, infolge mangelnder Weideplätze mit ihren Herden nach Nordpalästina zu wandern. Chedera, den 24-. April. Zum großen Teile verdankt unsere Kolonie den Aufschwung, den sie in den letzten Jahren genommen hat, der Arbeit der Vereine, die hier Pflanzungen unterhalten und auf diese Weise Kolonisten und jüdischen Arbeitern Verdienst bringen. So hat hier die vor vier jähren begründete Gesellschaft Agudath Netaim, die in zehn Jahresraten ä 1000 Frcs. auszuzahlende Aktienserien ä 10000 Frcs. herausgibt und Pflanzungen auch auf Bestellungen vorbereitet, ein großes Grundstück am Meere zwischen Cäsarea und Chedera erworben, dessen Nordgrenze der Bach von Chedera bildet. Auf diesem Grundstück pflanzt die Gesellschaft Orangen. Ebenfalls für den Anbau von Orangen hat die Gesellschaft in der Kolonie selbst vor zwei Jahren ein zweites großes Grundstück erworben, das gleichfalls am Wasser liegt und welches sie mittels eines 30 Pferdekräfte starken Motors bewässert. Auch einige Mitglieder unserer Kolonie, die keine Zeit haben, sich mit Pflanzungen zu beschäftigen, haben bei Agudath Netaim Pflanzungen bestellt. Eine Fläche von 700 Dunam bepflanzt die Gesellschaft Izhar mit Oliven. Dieses Land grenzt einerseits an die Ölbaumpflanzung des J. N. F. und anderseits an den Gan Schmuel. Der Izhar beschäftigt 6—7 Arbeiter und hat auch von der Gesellschaft Dorsche Zion den Gan Schmuel in Pacht übernommen, dessen Bewirtschaftung er in sehr befriedigender Weise besorgt. Die Gesellschaft Dorsche Zion nämlich, die vor ca. 18 Jahren in Rußland gegründet wurde und auch „Agudath Elef" (da sie 1000 Mitglieder zählen sollte) genannt wurde, hatte ursprünglich Ain Saitun in Obergaliläa als Eigentum erworben, dasselbe aber später für 120 000 Frcs. an den Baron Rothschild verkauft und für dieses Geld an 2000 Dunam Land in Chedera erworben, von denen sie 70 Dunam mit Wein und 50 Dunam mit Orangen bepflanzte und außerdem in der Kolonie ein großes Haus mit Hof und Stall erbaute. In der Folgezeit aber geriet diese Gesellschaft infolge allzugroßer Ausgaben und eines starken Rückgangs ihrer Einnahmen ins Stocken, mußte die Ica und das Odessaer Komitee um Gewährung von Krediten angehen, und erst jetzt ist zu hoffen, daß sie sich aus dem frühern Verfalle wieder erholen wird. Kindergärtnerinnen werden für die in letzter Zeit an Zahl und Bedeutung immer mehr zunehmenden Kindergärten in erheblicher Anzahl verlangt, doch wird der größte Teil der Stellungen durch Mädchen aus der palästinensischen Bevölkerung selbst besetzt. Die größte Zahl der palästinensischen Kindergärten wird vom Hilfsverein der Deutschen Juden in Berlin, Steglitzerstraße 12, unterhalten. Es empfiehlt sich für Bewerber, zunächst bei diesem Verein anzufragen, ob offene Stellen vorhanden sind. Die ausschließliche Sprache in den Kindergärten ist d..s Hebräische, dessen gründliche Kenntnis für die Kindergärtnerin unentbehrlich ist. Krankenpflegerinnen Es gibt in Jerusalem .2 und in Jaffa, Saffed und in den jüdischen Kolonien Rischon le Zion und Sichron Jacob je ein jüdisches Hospital. Ein Hospital in Jerusalem und das Hospital in Jaffa haben bereits in Europa ausgebildete Krankenschwestern, die übrigen Hospitäler noch nicht. Bei dem einen oder dem andern Hospital werden einige kräftige, gesunde Krankenpflegerinnen bei bescheidenen Ansprüchen voraussichtlich noch eine Stellung finden können. Außer freier Wohnung dürfte eine monatliche Vergütung von zirka 50 Frcs. gewährt werden. Als Sprache ist die jüdische oder deutsche ausreichend, doch ist die Kenntnis der hebräischen, französischen und arabischen Sprache wünschenswert.! * Q-7:

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